Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 80 (15.10.1893)
- Date
- 1893-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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reite X< . Beilage zum Freien Blatt, Drgan zur Abwehr des Antisemitismus. -- ~ -=~ ■ ~ -—=~"~: ~- --■---=-• --- - - ==~'—~-*- iialw Vcbcit;iiri!cfgcbcn würbe,'.Dcvmag ihnen das Iiidenlhum nach weiter die Stelle des Vaterlandes zu vertreten? Dann selbst, wenn es keine Religion mehr wäre, würde-das Indenthnm thatfächtich allemal die Eigenthümlichkeit einer >iirchc bewahren, deren Mitglieder von demselben Muer abzilüamnieii glauben und sich ihrer x’lbfunft nach als prüder betrachten. Daher bei den.Inden eine Lolidariläl ohnegleichen wie.in keiner anderen Mligion. Daher selbü bei den Zweifelsnchligsren eine Neigung, dem religiösen Band den Borrang über das nationale eiiiznräilinen — denn für sie sind religiöses und Raeeband gleichbedeutend — und sich zuerst als Juden und dann erü als Iraiizosen, Engländer, Deutsche zu betrachten. Daber endlich diese Art von WellbürgcrlHnm, welches so Bielen unter ihnen den Uebergang von einem 'öande znm anderen ohne schiverzlicheti Rift gestattet, diese "eitlitherzigkeil, sich überall eintugewölmen, ivo >ie ihren «Geschäftslisch ausschlagen können. Denn dem nationalen Bartieularismus drängt bei vielen Juden eine;Hrt iiuernationales WellblirgerlHiim nach, welches sich bisweilen mit dem allen Lvndergciüe verbindet und im ('»'runde dasselbe Prineiv darnellt, Während der in seinen Riten und . Erinnerungen abgeschlossen^ orthodoxe Alljnde kaum ein anderes Baierland als Jerusalem kannte, iü der eimlifirte Weüjnde geneigt, die Well als ein Äusbenluiigsgebiet zu betrachten, wobei er sich nicht sonderlich um das 3i1iict+trL der Brown zen und Reiche klimniert. die er durä»:ieln, denn alle seine selbstischen Gedanken sind - n•:> r»i rsönlichen Interessen gerichtet, und 'Alles, was hjm an ..1»h.r■:,ie.eii Trieben übrig bleibt, i'l den Interessen des Ittdenlnuins, :iev uralten und ausgedehnten Brüderschatt, zngewendel, . deren Mitglied alle ihre Uniwandlnugen hindurch der Jude nn.nü'slihil. Israel gleicht auch ferner dem Dneekülber, diesem iruiid.'.lichen rlüssigen Metall, denen in weler Bewegung bcünda. be ,Tror-'e:i nach ...:ii Richtungen hinüchteften. ohne sich inn' "..und .tiras riiigslnn zu vermischen, um bei der Begegnung wieder;::»nnP-.ninrinnen. Böas ivnre darüber Aues zu sagen! Es iü immer dieselbe E'e- ’ .i'Jitiu : der Jude n't durch die Bergangenheik. die wir ihm bereitet :.’.ri,;[ w.-rden. 2n:;.e :'.re, sortdauernde Solidarität, sein anschcii'.ndes Bö.albliraertluiiii sind gröftlentheils ünker Werk. Dime die Erniedr unigen and Btachercien, welche die Juden eng gegen e ::and.r gek'.l.ert gehalten haben, wäre das 'lsaeeband der Semiten iai'ü;; der »ä.an g.worden. Welchen Werth aus die Dauer Llannnv.'r'.rgudtichgsl w »iyt, tonnen wir sehen bei unseren Familienb iild» ln. h.i d n Krt.nen von manchmal, verschwägerten Disnaüten, . b. i d,i> »nnereir »tamvü'!: >'a vieler Rationen der beiden Wclie», l s du Llg:i!:nese:'er''::chleleien,- welche io oü Böiker verhebt haben, du .:..» n sii'laü hatte.!, nch als Brüder zu betrachten.- Bei relii .Üi .. .1 Ilationa.si! t''ruvven. beinahe überall bei diesem zätti:'.!'.u - .s-it.',n. .Mensch geiuinnl, in die EoHänon im direeten , B»r!>a.:ua''e za d.n Banen und Reibungen von auften gestanden. . W-.n-.n t.u'. Meu'cheu.Z'eurve eine gleiche Haltbarkeit wie jene Israels heir.'.hvu, ,'o liegt iS daran, daß ans.keiner ein derartiger - D ruck geiaüel l ai H;er, wie überall, ir.'.clit die Bergangeilheil die «''egenwarl vers5'.nd>s-ch. Das dnr.b Iahrhnnderle - von gemeinsamen Vcidcn und > -Bangniss.u gestärkte indische »'esühl besteht durch eine Art Ala- > viSnitis se.bü dort weiter, wo es nicht durch die Hetzereien und j Beunruluguuaen der t''eg>nwarl genährt wird. Es bleibt selbü bxi den von der Ueberlieseriing Israels losgelöüen und den modernen unter v:::.!: ('‘.■»ährten Juten g-:»wk, wären die »,ir Ae Aurrüüung »einer! Xar-nr": u --Eerr-.-rnAeii Miner von einem ca»llil»chen Iiractiieu Lorgekckionen! »ns e:>’ '"n;.irren, ca fr. :v um Ueciente, von einem vorrngienichon Anden l eimve.e'en :rnu. .i! ,Zn mehr noch,, nach anen eihroniken turne ein önhe, Rodrigo! te Teian?.her Ente das rank erbiickl, unk ei» weiterer Jute. '.'»>>> de > Toree». ::u>.'l ‘ '! ,tut? an» ton Bose» Amerikas ge»'em. j.! Rationen eng einverleibten Juden lebendig. Wie viele bleiben Juden, ohne etwas vom mosaischen Gesetze beizubehalten. Ärsönr Tarmesteter erzählte eitlem Freunde, wie er den Glauben seiner Bäter verloren hatte und sagte: „Ich habe mich darum nicht vom Indenthnm losgesagt, es ist sür mich wie ein zweites Baterland," 33T) Dies Wort mnd dies Gefühl gefallen mir. Der Mensch ist mir schwer verständlich, welcher sich zum Glauben einer Kirche bekannt, demselben das erhabenste Lehnen, dst lieblichsten Regungen seines Iugendallcrs verdankt hat und ihm nicht in seinem Herzen ein gerührtes Andenken bewahrt. Mir scheint dies der Fall eines engherzigen Geistes, eines frostigen GemütheS. * Richl alle Ehristcn, deren Glaube an den Felsen des Weges und ans stciiugcni Pfade schartig geworden, haben darum gegen den milden Erzieher ihrer -'tindheit eine Abneigung gesaftt. Ich kenne welche, die bei aller Iweifelstlcht des .'iopfcs ihm ein anhängliches Herz bewahren. Das trifft man gnderswo, als bei den Löhnen Israels. Wir haben da wieder eine jener Leiten, wodurch nilscrc Protestanten mit den Juden übereinstiininen können, Wer von uns hat nicht Protestanten gekannt, die, vom Dogma der Reform losgelöst, durch ihr Interesse für die Reform und-die Rcsormirtcn darum kauni minder Protestanten bleiben? Auch für sie ist die Religion wie ein zweites Batcrland, und auch bei ihnen überlebt der Bcrbrüderungsgeist den Untergang der Gtailbensanichaunngen. Warum ist in Frankreich dies Gefühl beim Protestanten häungcr als beim Katholiken? Weil unsere Proteslaittcn lange eine abgesonderte Gesellschaft gebildet und weit auch sie lange gemeinsam gelitten haben; weil sic^ wie die Juden, bei uns in der Minderheit sind und der Geist der Lolidarität in jedem Rinde so sehr einer der hervorstechendsten Inge der Pstzchologic der religiösen Minoriläleit iü, daft das, was wir in Frankreich von den Protestaiiten sagen, in Prenften oder England von den Katholiken gesagt werden könnte. Lotten wir die Z'ehre znlassen, das; man seine Reignngeir ans die «''renzen des Balerlandes beschränken müsse, um Patriot zu sein? Dann würden mich die Patrioten dauern; mögen die Grenze», worin ihre Leelc sich cinschlieftt, noch so weilnmfassende sein. Werde».wir, lim gute Franzosen zu sein, wirklich verhalle» sei», außerhalb Frankreichs nichts zu lieben und. lliiseren -Lhinpathien die Flügel zu beschneiden, aus daß sie nicht ihren Flug fort über Meere und Berge nehmen? Lollen wir de» Wahlsprnch ans dem Ringe des heiligen Ludwig parodircu, indem wir ihn ver üümineln und vergessen, welchen Platz der König.'trenzsahrer Gott anwies, und sollen wir sagen: Außer Frankreich keine viebe? Ich weift nicht, wie die Professoren des Vaienpalriolismus darüber denken, sicher aber bin ich, daft. ein solcher Palriolismus nichts Ehristliches hat. - * Geben wir wohl Acht, der Borwnrf, welchen wir den Juden hinschlcli.derii, kann sich gegen Andere kehren. Es gibt keine große Kirche, die sich es nicht zur Ehre rechnete, ihn zu verdienen. Wo sindet sich der. Gläubige, Katholik, Protestant, Drthodoxe, der in seinem Herzen nicht crncn Winkel für.seine Brüder von draußen bewahrte? Die zahllosen Rcligionsgriiossenschaflkn Englands, Hochkirchler oder Dissidenten, würden sich schämen, ihren Eifer ans das vom Lilberband umschtossenc Großbritannirn, oder selbst auf die Riesengcbielc zu beschränke», welche das «irentt-r Mrituiu ansiliachkn. Lo weitgedehnl ferner das :1ieich erscheint, das vom Ltillen Dcean bis zum Baltischen Meer die Hülste nnscres Eontinentes bedeckt, seine «grenzen sind zu eng für die Lümpathien des rlissischcn Kalifmaniies oder Mudschiks, welche über die Berge hinweg nach den orthodoxen Brüdern hinstreben. Und bei uns Franzosen, die ehedem die christliche Ritterschaft nach den Gestaden des Dricnts geführt, sollte der Horizont unserer Angen so eng begrenzt, oder unsrr , ...Imirnal .los bel.al»" vorn 24. April l^hO, Artikel von Havel.