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Freies Blatt · 1893-10-01 · 78 (1.10.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
78 (1.10.1893)
Date
1893-10-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Anlage 51111t Freie» ßlntt, (Organ zur Flmiehr ■2$ne«, I. g>eU‘erffütte IO. des Aiittl’rinitisiiiils. Die Inden und der Antisemitismus. ^sr:ret unter den Nutionen. Von Anatole Leroy-2icautic» voin srcm;ömchcn ^w'mur. - .lukormrlc ttcbcr(cl.'ttnq jo. ,>oriievu>«,l. > Tcv noch unter dein Einpferchungsregime gehaltene »'stiöc des Cftenc scheint von anderer Naee als seine Brüder im besten: man sollte meinen, eine fossile Speeieo, die dank der wuchtigen Glasglocke der Ausnahmsgesetze in einer besonderen Vuft künstlich am 1'ebeu erhalten wird. In diesen heute durch die Answandernng angebrochenen Indenschaften des Cfteuo erzeugt die lange Tauer der Abschließung bei den Juden die Neigung, sich;n einer besonderen Nation zu verdichten. Bei einem derartigen wüstem, wo Alles auf die Berhindernng ihrer Assimilirnng berechnet scheint, kann das Neuhebräische für die ihres X'ialcctco > überdrüssigen Inden noch lange die nationale und heilige Sprache zugleich bleiben. Je mehr ihr Heimatland sie als fremde behandelt, desto inniger werden sie dieser spräche aiihnngen. .Und so wird auch diesmal wieder der sondergeist Israels durch die Ausschließlichkeit der ^iationen weiter erhalten worden sein. IV. Ueberall sonst nnd oft sogar in de» Indenschafte» des Ostens bekunden viele Anzeichen den Wunsch der Inden, sich den modernen Bölkern anzngleichen. Wstinscht man ein Anzeichen dafür, so bietet M uns eines der natürlichsten ganz einfach in den Name» und Bornainen der Inden. $ü ihrem großen Leidwesen nnlerscheiden sich die Meisten unter ihnen von den. übrigen Bewohner» desselben Landes durch die Form ihrer Namen. Tiefe oft fremd ansschatienden Namen gleichen einer Aufschrift, welche den Inden von '-Weitem schon fast ebenso unzweideutig ankündigt-, wie1 in der alten Heit der Nundsleck oder die gelbe Mütze Einige sind hebräisän-r Abstamntnng, wie Halphen nnd Hayem, wie Eohen oder'«iahen (Priester), alte Titel, welche heute noch so viele Nachkommen Aaron'd führen. Biele ftammen ans dem alten Testament : Abraham, Isaak, Iaeob, Moses, zu Familiennamen gewordene Bornamen. Int Ganzen ist dies jedoch mir die Minderheit., In Bausch nnd Bogen genommen, haben die meisten sephardim spanische, die meisten Askenazim deutsche oder polnische Namen behalten, die sie anö den Ländern, wo sie sich angesiedelt, mit gebracht haben, solcherweise können die and der Halbinsel »er bannten Inden sich in nnseren salons unter den stolzen Namen Äastiliens oder Portugals, Mendoza, de Castro, Nnüez, Alvarez, d'Almeida, de Lemos, de silva, de sonza, anmelden, lauter alte Namen, welche die Xuevos rristianos bei ihrer Taufe von den edlen Herren, die ihre Pathen gewesen, erhalten haben.-1S) *»») Samt-Limo», ein Gelehrter in diesen Dingen, bezeichnet als ungehörig jenen alten Brauch, den Mauren und Juden, die sich bekehre» nnd bei welchen die vornehmen Herren die Palhensielle vertraten, nicht bloß ihren Dautnamei:, sondern auch «lenen ihre« Hanse« mit ihrem Wappen zu geben, welche lür allezeit diesen niedriggeborenen Familien verbleiben und mit der Zeit eine Verwechslung mit den wirklichen Familien herbeisühren und diese durch jene noch leichter ersetzen, wenn die Letzteren erloschen sind. (..Mt-moires“, Ausgabe von M, de Boisille, B. IX, S. 168.) 'Waren diese portugiesischen oder spanischen M'usrauen einmal nach Holland oder nach Hamburg ausgewandert., daun batten ne bald die Maske des Ehristenthums, weiche ihnen die Inguintion vor gebunden, weggeworien: die'Namen des katholischen Spanien aber heliiellen ne. An de» alten Palasthäusern, ivelche ihre Enkel in ^lnisterdnin erbauten, .bemerkt man bisweilen noch die tastilnchen Wappenschilder dienstaristokratischen sephardim, welche in der Berbannung sich brüsteten, mit den stolzesten Familien Hispaniens verschwägert zu.sein. Tie bei 'Weitem zahlreicheren AskeUaziin sind geivölmlich nriuder gut dlN-a» gewesen. Tie Meisten wurden mit deutschen 'Aamen herausgepiltzt, die nicht viel Anziehendes, haben. Bei den THeilungen Polens nölhigten Beide, Preußen und Testerreich, deren Antheil ans dem eigentlichen Polen bestand, ihre iienin jüdischen Unter tHanen zur Annahme deutscher Familiennamen.-'-'» Wien nnd Berlin wünschten sich der Inden für die »'ermanisirn'ng Polens;n bedienen. Familien, welche flavische oder hebräische 'Namen halten «ich kenne deren mehrere <, mußten dieselbe» gegen Betnui. nungen deutscher Form vertauschen, ivelche sie beibehielte», als Warschau Preußen wieder abgenomnten ton »De nnd 'Weichselpolen an den Ezar überging, Tie preußischen oder österreichischen Beamten legten den Juden zwei oder drei .Kategorien von Name» vor, für welche, behauptet man, je nach dem f>stad der Feinheit, ei» Tarif festgesetzt war: Tlnernamen waren umsonst, Banmnamen od'er Blninennämen mußten bezahlt werden..--" Immerhin sind die meistnt dieser Indriinamen, wenn auch deiilich, darum nicht minder ebenso als solche erkennbar wie hebräische Namen, die, selbst in Tentschland, nur in Familien israelitischer Abkunft ge bränchlich sind, sie haften wie eine unauslöschliche Antichrist, -welche däs T-anfwasser tiidjt hernntenväschi. Es ist io zieiuliäi das selbe mit den Städte und Trtsnamen. die bei den Inden jeder /Gegend nnd Herkimtl sehr verbreitet sind."-' Man begreift, daß die Israeliten dieie hebräischen oder deutschen 'Namen, welche ihrer Person wie ein Steckbrief des Iudenthiims aufgeklebt sind, lvszuwerden trachten. Biele habenffic thatiächlich, in Tentschland insbesondere, abgelegt und durch minder bezeichnend,' 'Namen ersetzt, sonst wäre es vielleicht inaitchem berühmt geivor denen Inden schwer gewesen, zu.Ruf zu kommen, so.hieß Boerne nicht Ludwig Böerne, sondern Voeb Baruch: und hätte Earl Marx den Name» seiner Bäter behalten, w würde er '.'N'ordechai geheißen haben.----« Ich bedauere, daß der geistige Schöpfer der Iuteniationale sich arisch vermummt hat: ich hätte gerne gesehen, ob Mordechai ebenso leicht der Prophet des Eolleetivismus ,>eworden wäre. Ehemals wechselten tue Inden den Nameii eigentlich mir mit dem Glauben. 'Woher kommt nun dieser neue Träng? 'Was ist er Anderes, als ein Bestreben, stä» — man gestatte uns das 'Wort — $n rutieiuitiiireii? Tiefer so natürliche Wunsch der Inden, sich mit der Menge der Vandesbewohner zu vermengen, ist nicht nach Jedermanns Geschmack. Ihre Feinde nnd hocherfreut, mit einem Blick y In Frankreich, unter Napoleon in» Jahrö lNos, »mitten alle Inden 'ebenfalls Fainiliennalneil annehmen. In späterer Zeit hat man versäninl, darauf zu sehe», daß die Inden an« Algier, welche 1 >-71 voreilig »amralisirk »vurden, französische Namen annätnneu. 1 -lJi Die Thiernamen könne» auch an die biblische Ueberliefernng ankniipse» und eine' Anspielung auf die Stänime Israel« und den Segen Jacob « und seiner Söhne darstellen. ,Genesi« Xl.lX Pion, Lnon «Löwe, Loeb» erinnert an den Slamin Juda. Eerf (Hirsch, in der Verkleinerung Herichell) an den Stannn Naphtali; Loup (Wolf) an festen Benjamin «. ")) Beiläufig sei beinerkl: geivisse Familien haben ihre '.»kamen ihrem Verkaus«sch)ld oder ihrem Geschä»'t«hause entnommen: »0 Noihichild (rother Schild). Scho» der Vater Earl« hatte de» Name» Marx angenommen.

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