Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 78 (1.10.1893)
- Date
- 1893-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Freie» Blatt. Religion und nicht die Race, welche die Menschen durch die Liebe verbrüderte/ Auch Renan und Isidor Lob, dieser Letztere in seiner ausgezeichneten Abhandlung „Jnifs“ im Dictionnaire de Göographie von Saint Martin, bekämpfen das bislang unbestrittene Dogma von der absoluten Reinheit der jüdischen Race. Nur Jacobs allein ist cS, der, allerdings che er eingehendere. Studien macht, an dem alten Dogma festhält, daß die Juden eine der unverfälschtesten Racen der Welk seien und sich bon allen änderest mit ihnen lebenden Völkern unterscheiden. Neubauer deutet eine Unterscheidung der Juden in zwei Haupltypen an, zwischen welchen sich noch ein dritter Typus secundärer Ordnung einsügcn läßt, der sozusagen als Bindeglied zwischen den beiden Haupttypc» gelten kann. Wir haben eine Race, welche sich durch eine sehr cutwickelte Nase, große und schöne Augen und schlanke Gliedmaße» anSzeichnet; das sind die Abkömmlinge des edlen Geschlechtes der Sephardim oder der spanisch-portngiesischen Juden. Dann haben wir noch andere Juden, mit massiver Nase, großem Munde und krausem Haar, von dem Geschlechte der Ashkenazim abstammend: die germanisch polnischen Juden. Nach Neubauer bilden die Juden mit rothem oder blondem Haar keinen besonderen Typus, sondern sic finden sich da und dort unter den anderen zerstreut. Diese Classification, meiner Ansicht nach eine wenig wissenschaftliche und sehr willkürliche, ist in dirceter Linie aus eine Tradition znrückzuführen, die noch unter den alten Inden des Mittelalters herrschte und zufolge welcher die edle spanische Race von dem Stamme Juda und die mehr plumpen Israeliten Deutschlands vom Stamme Benjamin abstanimen. Diese Ucbcrlicfcrung, obwohl völlig uubcgründet, genügte für lange Zeit, um die Eben zwischen den Israeliten Spaniens und jenen Deutschlands zu verbieten: Die Juden Italiens wären nach Neubauer ein Bindeglied zwischen den Abkömmlingen der Sephardim und de» Söhne» der Ashkenazim. Jacobs begnügt sich in seinen jüngsten Siudien über den ethnischen Charakter der Juden damit, daß er sie in Israeliten J von Geburt und Religion . und solche, die cs nur der Religion nach sind, unterscheidet, und endlich in sehr wenige Juden von Geburt, die aber nicht der jüdischen Religion angehörcn. Die Crstcrcn wären »ach ihm 6,925.000. die Zweiten 75.0)0, und die Letzten 12.000. Demnach wären nach Jacobs 98 9 Pcrcent aller Inden solche, die cs ihrem Blut und Glauben nach sind. Alle diese Unterscheidungen und noch viele andere, die sich machen ließen, sind für mich völlig belanglos. Wenn sich eine Keine Gruppe von Menschen von allen anderen absondert und sich nur im eigenen Blute wicdercrzcugt und fortpflanzt, so muß sie selbstverständlich ihren Charakter prägnanter ausbilden und sich von anderen Gruppen gewöhnlicher Herkunft, die in einer anderen Umgebung leben, immer mehr unterscheiden. Das ist eines der Grundgesetze, ja sogar ein Dogma der hereditären Biologie, und Jacobs sagt sehr richtig und sehr geiitrcich, daß, wenn man ein paar Jahrhunderte lang alle Johannes und alle Marias Europas in ein Ghetto einschließcn wurde, man von einer „johannäischen" Race und Psychologie sprechen könnte. Aber ganz abgesehen von der ethnischen Herkunft der Juden, abgesehen von der Reinheit deS Blutes, die heule so sehr bestritten wird,, sind denn die Juden heute wirklich so verschieden von allen anderen Europäer», daß man sic stets von diesen unterscheiden. und absondern kann? Rein, gewiß nicht. Und ich möchte cs wohl unternehmen, dem schärfsten Beobachter der Menschen und der Dinge eine Reihe von DoSeancrn vorznführen, die zweifellos für echte und rechte Juden gehalten werden würden, und ebenso könnte ich wieder, ohne Italien zu verlassen, auf brachykephalische und dolichokephalische Juden Hinweisen, die einen ausgesprochen keltischen, romanischen, ja selbst finnischen Typus haben. Wenn ich so verwickelte Probleme wie die der Racen mit großer Leichtfertigkeit und Übereilung behandelt sehe, wenn ich sehe, wie ein ganzes Bolk »nt einem emsigen Satze desinirt wird, da erfaßt mich eine heilige Wuth, und ich bekomme Lust, Feder und Kraniomcter zum Fenster hinauszuwcrfcu. Warum prägt die Natur nicht den für die Willcnfchaft bcllimmlcn Männern ein großes Fragezeichen auf die Ltirn? äsic Anthropologie aller auf der Erdoberfläche zerstreut lebenden Juden ist »och ein Wunsch, und wir kennen viel besser ihre Psycho logie, hei welcher es allerdings sehr schwer fcstzustcllen ist, wie viel der Race'selbst zuzuschreibcn ist und wie viel der besonderen Umgebung, in der sic Jahrhunderte hindurch zu leben gezwungen waren. Bei Erklärung socialer Thatsachen kann man nie vorsichtig genug sein. Das sicht man bei einem Factum von leuchtender Klarheit. Setzen wir den Fall, man fände z. B, daß die Juden in Ungarn eine besondere Jminuniiät gegenüber gewissen Krankheiten zeigen. Gewisse ^Gelehrte iverden nun daraus sofort und ohne Furcht, zu irren, den Schluß ziehen, daß die Juden den anderen Racen überlegen sind. Nr. 78 und darauf eine glänzende Theorie über di: künstliche Srlcction u. s. w errichten. Nun wohl, Köcösi studirte die Statistiken Schimmer'- und fand, daß, während .37 Pcrcent der Katholiken sich Professionen widmen, die gesundheitsschädlich sind und eine große Sterblichkeit zur Folge haben, b i den Protestanten diese Ziffer nur 33 Pcrcent betrage, während sie bei den Juden auf 22 Pcrcent herabsinke. Was beweist das also? DaS beweist, daß das auf die Stirn der Gelehrten eingebrannte Fragezeichen eine noch zu studircnde Reform ist! Jacobs hat mit seinen Studien einige auf die Lebensdauer der Juden bezügliche und bis heute unbestrittene Meinungen, in Zweifel gestellt und einige Sätze ihrer Biostatik besser präcisirt. Ich citire mehrere derselben: Die Juden geben geringere Ziffern als ihre Nachbarn in Bezug auf die Ehe, die Geburten und Todesfälle, aber betreffs der crstcren muß man die niederen Zahlen der geringeren Sterblichkeit der israelitischen Kinder zuschrciben. Die Juden heiraten sehr früh, und die Ehen zwischen Geschwisterkindern sind bei ihnen dreimal so häufig alö bei den Christen. Sie haben im Allgemeinen zahlreichere Familie, und die Ehen zwischen ihnen und Personen anderer Racen sind vcrhältnißmäßig unfruchtbar. Ihre Kinder unter fünf Jahren sterben weniger häufig als die unseren. Sie sind seltener Selbstmörder. Ihre größere Immunität gegenüber der Cholera und der Schwindsucht ist nicht nachgcwicsen. Auch ihre Lebensdauer zeigt sich nicht um so viel größer, als allgemein angenommen wird. Ihre Ucbcrlegenhcit, die sich in einigen Ländern und bei einigen Classen bewährt, verschwindet, wenn man beispielsneise die Bevölkerung Galiziens und Rußlands prüft, die znm großen Theilc aus Arbeitern besteht. Bei den Juden findet man häufiger Irrsinnige, Taubstunimc Und Blinde, was höchstwahrscheinlich den Ehen zwischen Blutsverwandten, der sitzenden Lebensart und der großen geistigen Regsamkeit zuzuschrcibe» ist. Die Juden ge' hören zu den kleinsten und schwächlichsten Bewohnern Europas, in Betreff der Statur nur ausgenommc» die Lappländer und die. Magyaren. Jacobs erklärt die Kleinheit der Juden durch ihren Aufenthalt in den Städte». Auch die Schneider gehören zu den kleinsten Menschen, und die Zahl der jüdischen Schneider ist eine sehr große. Wir besitzen nur wenige kraniomctrische Maße der Juden, aber Jacobs, der vielleicht die größte Anzahl gesammelt hat, steht nicht an, zu erklären, daß die Juden in der Mehrzahl Brachykcphalcn sind, was in dircctestcm Widerspruche steht zu der so sehr gcrühmlcn semitischen Verwandtschaft, lieber die Farbe der Haare, der Augen und der Haut können wir etwas Bcstimmtcrcs sagen, denn wir be fitzen einen Schatz von zumindest 120.000 Beobachtungen. Aus diesen rcsultirt, daß die Juden dunklere Haar-, Augen- und Hautfarbe haben als die anderen Menschen, mit welchen sic leben. Wir finden unter den Juden nur 21 Pcrcent mit blauen Augen. 29 Pcrcentmit blondem Haar, wälzrend die Zahl der rothhaarigcn Juden dreimal größer ist als jene der Polen, Russen und Oeflerrcicher und doppelt so groß als jene der Deutschen. Die Nasen der Inden gehören zu den längsten, die man kennt, und Jedermanu weiß, daß.die humoristischen Zeichner die beste Cäricatur der jüdischen Physiognomie erzielen, wenn sie an Stelle der Nase die Ziffer 6 zeichnen. Jacobs hat das System Galton's in Anwendung gebracht, indem er, um daS Bild des jüdischen TypuS zu erlangendie Gesichter verfchied-nicr Individuen mit Zuhilfenahme der Photographie übcreinandcrlcgte. Ich muß aber gestehen, daß jene jüdischen Gesichter zusammengesetzter Ordnung sehr verworren und sehr gcringwerthig waren. Während nun die Ethnologen Studien über den verschiedenen Ursprung der jüdischen Race anstcllen und. die Anthropologen die Messungen von Hirnschädcl, .Nasen und Mund vornehmen, hoffen wir, daß die Bornrtheile und die Leidenschaften, welche sie bisher von der Gemeinschaft. des civilisirtcn Europa getrennt gehalten hatten, nach und nach verschwinden und erkalten mögen, so daß eS »ach wenigen Generationen nicht mehr nöthig sein werde, sich einem besonderen Studium dieser menschlichen Familie widme» zu müssen, auf welche die Christen höchst ungercchtcrwcisc so viel Koth und Blut gespritzt haben. (Abgeordneter S»eß vor feilten Wählern.) Abgeordneter Tueß erstattete am 27. September seinen Wählern seinen Rechenschaftsbericht, in welchem er die brennenden Fragen des öffentlichen Interesses in der ihm üblichen meisterhaften Weise erörterte. Abgeordneter Sucß wies auf de» Proccß des Pfarrers Deckert und auf die allerneuesten Autisemitenscandalc in Krems hin und sprach sein Bedauern darüber aus, daß cs noch so viele Bürger gebe, welche in dem eintönigen und absolut zwecklosen Geschimpfe über die