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Freies Blatt · 1893-09-24 · 77 (24.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
77 (24.9.1893)
Date
1893-09-24
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Nr. 77. - Seite 7. 5t *i*s uchinnngcn, da cv sic selbst bcaufsichtigtc, was mir leider nicht vergönnt ist, weshalb ich Andern die Vollmacht crlhcilcn mußte. Tic größte Schwierigkeit liegt aber darin, hochbegabte, gcwisicnhaftc und verständige Männer zn sindcn, die als Verwalter mit voller Hingebung und Aufopferung sich der heiligen Sache widme». Toch hoffe ich unter unserem Volke auch solche ansgezcichiictc Männer erstehen zu sehe». Schon jetzt haben einige junge, "thatkräftigc, sehr lnchtige, geistvolle amerikanische Juden mir ihre uneigennützige» Ticnste angcbotcn. So wird denn mit der Zeit eine gewaltige Umwälzniig sich vollziehen. Bauern und Viehzüchter werden erstehen, Fcldarbciter und Schafhirten werde» miteinander wetteifern in den »cnc», Segen verheißenden Erwcrbszwcigcn, wie einst in der Vorzeit im heiligen Lande, welches ja nur ganz klein und eng begrenzt war im Vergleich mit den, unermeßlichen ainerikanischcn Staaten und Reichen. Allmälig werden unsere Brüder sich dann ungehindert weit und breit ausdchnc», n»d viele «»bewohnte, ungeheure Landstrcckcn, die gegenwärtig noch öde und wüst dalicgcn, im Norden wie im Süden, werden dann bevölkert sein von kräftigen, fleißigen und arbcitslustigcn Menschen, geläutert durch die Feldarbeit, gehoben und veredelt in der Sonne der Freiheit, (Gleichheit und Unbcschräuklhcit. Ein neues Geschlecht, ein neuer Stamm wird daun dem Judcnthnui erblühen, wo nian das Schachern und Handeln nur noch vom Hörensagen kennen wird, und die guten und herrlichen Eigenschaften jene Wacker» nicht nur dem Himmel, sondern auch Dir. Allmächtiger, näher bringe» werden!" (Eilte neue Posse Palübregue'S.^ Der französische Posscnbiclfler Albin Valabräguc erließ-an seine jüdischen Glaubensgenossen im '„Figaro" einen Aufruf, in welchem er dieselben anffordcrt, sic mögen angesichts der Angrissc und Verdächtigungen, welche die patriotische Gesinnung der französischen Juden erfahren, durch erhöhte Thcilnahmc an den bevorstehenden franco-rnssischcn Festen ihre.Vaterlandsliebe bekunden. Frankreich sei Rußland dankbar verpflichtet. Vor dem (Gefühle des Patriotismus müsse jede andere Erwägung verschwinden. Rußland dürfte nach dem altruistischen Grundsätze demnächst auch seinen Inden alle 'jene Rechte crlhcilcn, welche die Äudcn in Frankreich genießen. Ter Aufruf Valabrögne's ist keineswegs die schlechteste Pone, die er gemacht. (Stöcker inAmerika.) Der Erhofpredigcr Stöcker, der cs bekanntlich »ntcrnoinincn hat, ans der Welt a » S st c l l n n g i » E h i e a g o einige antisrmitische Gastvorstellungen zn geben, scheint damit doch nicht so ganz einem allgemeinen Bedürfnisse des neuen Eonlinenls entsprochen zu haben. Tic „Ncw-Borkcr S laaiszeitnng" vom 2. September schreibt: „Pastor Stöcker, der Sriginal Juden fresscr, kommt nächste Woche hier an. Wenn der Mann hernbcr/oilinit, uni zn agitircn, dann wird er hier nur wenig Spnipathieu finden — wir haben momentan am eigenen AgitationSniateriol genug nnd mehr als genug zur Hand. Wir brauchen momentan Apostel der Nächsten liebe nnd Tuldsainkeit, nicht Prediger des Neides nnd Hasses." Auch andere amerikanische Leitungen, welche die Bedeutung des Hosprcdigers a. D. unendlich überschätzen, habe« ihm znm Empfange Leaders gewidmet, in denen sic cinstiinmig darauf Hinweisen, daß er bei llncle Sam nicht in Judenhctzc inachcck dürfe, weil ihm das schlecht bc kommen könnte. Wenn inan Stöcker schon so beurthcilk, che man ihn zn hören daS Glück hatte, was brst nachher. 2his ailtiseniitischen Pavillon und L\tsaiiiinlungoii. < Wcgt» niitiscnlitischrr (Emanationen aufgelöst.> Montag den l*. d. Bk dien der „schriftlich sociale A . e eirervceci »" eine össenilichc Vereins vcrjanimlnng ab. AlS erster Redner spach der Lchneidergehilse Fra«; -lrnml;»>N eisten Punklc der Tagesordnung „Ter AntiseinitiSinnS nnd seine Berechlignng" nnd brachle arge Anssälle gegen die Inden vor. Rachdein ihn der anwesende RegierungSvertrelcr wiederholt ansgefvidert Halle, a »l ise in i I >!che Einanalione» hintanznhallc», erklärle er nach nngeslihr einviertelftnndiger Tauer die Bersainnilnng für geschlossen, ES waren etwa LOO Personen an ivcseiid, die sich erst nach uiehrnialiger Weisung rntferntril. <Tik stndeiitischcii Vrrhältuiffc in Prag.) Ter „Denscheu Leipaer Zeitung" wird ans Prag geschrieben: „ES ist mir seit jeher in der unaii genehinsten Weise aufgesaste», wie schlecht unterrichtet sich'die deutsch forischrilt liche Presse über die studentischen Verhältnisie an der Prager deutschen muter zeigt, und verwundert hat c> mich, in Jhrcin geschätzte» BlaNe eine Notiz zu finden, welche von lrcndcutschen Ltudentenverbindliligen spricht und die Wiener ,Albia' und Prager .Teutonia' dabei erwähnt. Zur Drienlirnng erlaube ich mir Ihne» niilzuihcilen, daß an der Prager Universität der Central- Punkt der Teutschlibcrarc» die .Lesehalle' ist. Von den alten Prager färben tragenden Verbindungen hat nur die vor zwanzig Jahren gegründele Bnrschen- Blatt. jchast .Aleinaiinia' ohne Wanket, steiS an dem dcntsch-libcralcn Progrannne keü gehalten. Zur Zeit ist a>:ch die Verbindung .Austria', kiüher Eorps, libeial. st,euere liberale sarbeiitragende Verbindungen sind eie ,<"ctl>ia‘ und .Viareo niannia'. Alke übrigen sarbentragenden Vcrbindnnge», w .Carolina', .Ghibelinia', .Albia', ,Teutonia*, .Thessalia', dann iänunilicheFLand t age' sind jetzt-znr Sie luvender Partei gehörig, aber dabei auSgc sprachen anliscinilisch. Sie gehören alle dein Eonenrrcnzvcrcine der .Lesehalle', der .Germania' an. Ihr Vlait ist der .Teilt»che Volksbote-. Tie Vnr'äien- ' schasl .Arlninia' läßt ihre» M'iigli.'dern die Wahl zwischen .Lesehalle' nnd .Gkiinania' ossen, ist aber lhaliächlich antiseniitisch. lind noch etwas. In fast allen Vläitein ist die Anzeige vom.Bttrschtlckchaflcrlag' in Aussig zu lesen. Mit Recht srägt der .Tcnb'che Volksboie': .Wie loinint die Anzeige in daS Juden bkalt .Vvhcniia'L — Tie Antwort ist leicht. Weil leider die .Vohemia' — und auch die anderen liberale» Trgane Böhmens — keine Ahnung hatten, daß der .Bnrscheiischaslcrtag' von den der liberalen Richlung scindstlig Gesinnten aus geht. Tenn heule sind, äußer der .Alemannia' in Prag, die stets treu und fest auf ilstc'm allen Standpunkte anShatit, alle Burschenschaften in Tosterreich untreu geivoidkil und arbeite» an der Zersetzung deS TculschthuniS. In deren Schlepptau befinden sich auch die »ieisten Ferialverbindnngen, darunter auch die Lcipaer .Oilaria'.^Wie off findet man in der Provinzprefie die Ver herrlichuiig der Feste dieser .Körperschaften, die doch eifrig beschäftigt sind, an den Grundlagen verfafinngSniäßiger Fleiheil zu rütteln - und die schon nicht mehr ganz davon sind, mit Herr» Tr. Lueger und k'i Tpitz zu liebäugeln. Viel, sehr viel Schuld trägt die Unbekümmertheit der Provinzpresse m» diele Verhältnisse a» alle» diesen Eiselieinunge». Pflicht dciselbe» wäre cs. die treuen Vereine in Uebersicht zu halten »nd die Väter aller Jener/ welche auf Abwegen sind, zu mahne», ihren Söhnen die Aöpfc zurechtzusetzen mib'fru Eintritt mir in jene Vereinigungen zuzulassen, welche vorwurfsfrei sind. Tenn der'feine Hepphepp-Sport zieht die jungen .Gebildeten' zunächst in die .Gernkania'." — Wir lönucn diese traurige Schilderung deS studentischen BereinSlebe»« in Prag anS selbst gcmachle» Erfahrungen leider nur bcstälige» und dein binzufngen, daß auch i» den teiicildcu >trciscl> der Prager Teutschc» ein unheilvoller Wahn über die ' Tragweite dieser vollständigen Verautisemitnng der studcniischen Vereine besteht. Man lröslet sich damit, daß die Studenten >'pä,er in ernster Lebensslellung und mit reiferen Jahren von dem „Schönerer EnltnS" abkoinmc» und zu der freiheitlichen Fahne, weiin auch mit starker Betonung dej NarionalgefühleS zurückkelircii. Teilt ist aber gerade nicht so. denn für die Herrchen bleibl daS „Hepphepp" auch nachträglich die Haupt-ache, alS Aerzte. Professoren, Advoeate» vergessen sie den Herrgott von Zwettl und schließen sich mit lieber bordiversnng deS Freisinnes nnd des Tcuischlhums lieber Lueger »nd Schneider an. <Vol» iiorddkiitschcn Aiilisrlnitciilag.i Ter mit großem Avplomb angc kündigte zweite Parteitag deS norddeutschen anti>eniilischen Agi lalionSver.bandes, der Sonntag den 17. d. Vk. in Berlin staltiand, du rite lau», gehalten haben, war sich die Atttiseiniien von ihm versp'.ochen haben, ene Einigung der »»gezählte» Partcischaltirungeu des deutsche» Anti seiniliemuS. Tie Anhänger Slöcker'S ivare» nichts erschienen und hätten gleichwie die Livotibrüder böse Tinge zu hörcil bekommen. Jur 'Ganzen waren etwa tbiti Perwncn erschseue». unter denen sich die Telegirien aus circa sä) Städten, wie-Magdeburg, Hamburg, Tüsselkorf, Leipzig, Steilin, Potsdam u. a be sanden. Ter Verlaus deS Parteitages gestaltete sich keineswegs imvoüi» mi> originell und glich dein anderer anlisemili'cher Veriammlungen aut ein Harr Ter Vorfibende des Verbandes, Witte, bat die Theilnelimer, alle versönlichen Slreilpnnkle zn lasse», dämit endlich die langerschnte Einigleit erreicht-werde. Bei Erstattung deS Rechenschaftsberichtes machte er die Enthüllung. daß det, Antisemiten die Wahlen in, Jabxe e t iv a '.Ui a v_t_ ge tostet hätte». Eine ziemlich lhener clkanne Volls^nnst. Tr. Paul Förster ergrin sodann daS Wort, unk sich i» fatv'ain' bekannten Rrdcioendnngen über den „ManunoiiiSmns", die Bereichernngssuchl und de» schädlichen EapilaliSmns Lust;» mache». „Tas"Volk," meinte Tr. P. Förster „erkenne in de» Jndet, die Hauptschuldigen au der allgeincinen Verderbniß Indischer Geist >t»d jüdische Herr chaft sei nicht vereinbar mit dentschein Wesen. Tentschland müsse gerettet werde», da» Joch der Frcindhereschaft abwerfen. TaS jüdische Vcrinögeick müßte alS zu Uurecht erworben, eine bestimmte claumäßige Höhe überschreitend, vom Staate zurnckgenoininc» werhen, zur Silgnug der ans dem Boden lastenden Hisppihckcn und zn anderen WohlsahrtScinrichlungc» veiwendei werden. Ter indische Einslnß iniifse vermin deri werden, die Arbeit wieder zu Ehren kommen, taS Getd zurück,liilhen, dann' ivcrde Friede nnd Wohlstand wieder einziehen" De. 'Bachler ans Berlin sprach sich in gleichem Sinne aus, und Pfarrer Rödenbeck ans PolSdai» bedauerte, daß zwischen den anlisemilischen Führern Utieinigleil bensche Er hone, daß cS Professor Förster gelingen tverde, die Führer zu der vorn ihm vorgeschlagenen freien antiseinitische» Bereinigung;iifamnie»;i»'chließe». Hierauf betrat A hltvarbl, stürmisch begrüßt, das Podium. Er sei gezwiiiigeai, in die Tcbaite mit einzngrcisetr, da Herr Pfarrer Rödenbeck die Illieinigleil .zivikchen de» Antiseniile» und Hosprediger a. T. Stöcker bedauert habe. Tazu müsse er bemerken, daß die llueinigkeit von Slöcker verschnldci fei. Terielhe habe l gesagt, die Anlisemiien müßten schäiser betainpfl >ve>den als die Soeial

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