Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 77 (24.9.1893)
- Date
- 1893-09-24
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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Seit« 8. Nr. 77. Freies Blatt. Temokiaten. Tieier Ausspruch trenn« die Antisemiten von Slocker. Förster wünschte, daß inan de» Christlich-Sociale» und ihrem Führer alle snbjective Gerechtigkeit in Bezug auf ihre TKäligkeit in der Berliner Bewegung zukommen lasse, ein Zusammengehen init denselben aber sei fernerhin ausgeschlossen. Rach mehreren anderen Rednern ergriff noch einmal. Ahlw ardt das Wort und besprach de» den Theilnehinern am Parteitag vorgelegtcn Entwurf der antisemitische» Forderungen Zur Turchberathung desselben wurde 'eine au» fünf Herren bestehende Commiifion gewählt. Ter 8 15 dieses Entwurfes beschäftigt sich mit der „Judenfrage" und lauter: „Tie Antisemiten fordern a) Stellung der Juden unter Frei« de» gesetzt, bei Verletzung derselbe» ist die Ausweisung gestaltet; l>) Schließung der Grenze gegen Reueinwanderungen und Ausweisung aller nicht in Tcuschland geborenen Juden; <.•) Ausschließung der Juden von allein liegenden Besitze oder Antheil an demselben; ,U Aus schließu»g der Juden von allen Staats- und Gemeindeäintcrn, aus dem Rechtsanwalts, Aerzle- und üehrerstande sowie aus der Presse; e > Ausschließung d c r I u d e n au« d c r A r in c e u n d E i ii - führung einer Wehrsteuer nach de in Umfange ihre« Vermögens; l> Verbot de» Haltens deutscher Dienstboten.- — Ter Parteitag nahm hieraus »och eine Resolution an, worin er sich bezüglich der Aufbringung der skostcn für die Vermehrung des Heeres gegen, jede pirccle oder indirectc Steuer, welche die iniltleren oder uuleren Sländr belastet, insbesondere auch gegen die Tabaksfabricalsteucr erklärt. Roch eine Resolution, welche die Regierung zur Prüfung und llebersetzung des Talmuds ausforderte, und eine drille, welche die Behörde ausrordert, Paa'ch durch eine giößcrc Anzahl n i ch tjüdi scher Irrenärzte unlerslichcn zu lassen, wurde beschloffeu. worauf sich die „Vereinigung der Antiseiniten Rorddcutschla»ds" mit dein Sitz des Vorstandes in Berlin »ud mit Profeffor P. Förster als Vor siveiideiil constiluille. Tie neue Vereinigung beging fofmt die Lächerlichkeit, .iiifii anri > emiti'chen — Ehrengerichishos;u bilden. Wer lacht dar i Bund der üaildwirlbc.) Man erinnert sich noch von der Zeit des letzten Wal ilainp'cS in Teuischlaiid her, welche sicberbafie agitaloriiche Thätigkei: damals der „Bund der l! andwirtho" entfaltete. Damals herrschte für diesen Häi'chclhans der Tivoli Aiitiscmittn gewaltige Begeisterung, ja der ältere „Deutsche Banernbund" löste sich sogar aus und sührle sein Vermögen an den „Bund der Z'andwirlhe" ab. Entiveder aber bestand die'eS „Vermögen" in lamer Passiven, oder kiese »gewaltige Begeisterung" war nicht nachhallig genug, um die Mitglieder we nigstens zur Zahlung der Bnudcsbcilräge zu bestimmen. Ter „Bund der tzand- ' winde sieht sich demnach veranlaßt, in einem Via h ns ch re i den die sänniigen Mitglieder an die endliche Einzahlung ihrer gezeich,leien einnialigen Beiträge zu crinnern. In der nicht sehr hoffnlingsfl endigen Mahnung wird dringend ge beten, dic>'e Beitragsleistungen keinen Augenblick mehr hittausichiebe» zu wollen. In der Bankcrotlstatistik werden bald die aiilisemitischeii Vereine die erste Stelle einnehmen. tDic TkUlobnrgcr Partei., Daß kiese Partei an dem Ausgang der be kannten Schlacht im Teutoburger Walde keinen Antheil hat, trotzdem ein Mann naineiis Eaeiar ihr Gründer ist, bedarf nicht erst unter Beweis gestellt zu werden Tie „Teutoburger Partei" gründete sich nämlich erst am N. d. M in der rkeinaligcn Rcsidenzstadt xafsel, und der erwähnte Caesar heißt mit rollcin stiaincn Caesar Asisalck und stammt aus Leipzig. Tas Programm der Tcnloburger Parlci lautet: „Pstegedes deutschen 'Rationalgedankeiis bei Schonung berechtigter Slaiiimcseigenthüinlichkcilc», couscisioneller und gesellschaftlicher Anschaiiitngen: Schutz verfaffungsmäßiger Errungenschaflen, parlameu tariiche Vertretung deutscher Mittelstände; Schutz der Schwachen wider die Aiisbeiitung durch Stärkere, und was dergleichen schöne Redensarten mehr sind. Gleich zu Anfang kam es zu einer Redeschlacht in der Teutoburger Partei zwischen» dem antisemitischen ReichstagSabgeordneien Hltinm aus Dresden tntt Caesar Asisalck. Ersterer erklärte, der zu gründende Verband höbe für das .Königreich Sach'en kein Jmereffe, weil kessen Ziele bereets von der anti semitischen i> eiormpa r lei vertreten würden Herr Asisalck cntgegncle, nicht um treuiiliide. sondern um einigende Worte zu vernchmcn, sei man hiebet gekomineii. D ie Wege des Aiitiscmilismns seien nicht die richtigen. Mau solle nicht die jitbinije Caviialmaclit bloß, sondern die Cavilainbermacht überhaupt bekämpfen. Tic Inden und ihr übergroßer Einfluß würden von selbst verschwinden, wenn wir io deutsch wären wie die Juden jüdisch. Aus dieser Uuleihaltiing kann man ungefähr auf den Charakter der „Teukobnrger Varlei" schließen 2his antisemitischen Blättern, x. l Zum Prockssk Vuschhoff.) Ans dcm kürzlich statlgeflindenen Juristentage zn Augsburg äußerte sich der Oberstaatsanwalt Ha»,in, der mit dem ersten Staatsanwalt Baumgard die Anklagebehörde im Proceffe Bnschhvff vcr trat, daß die Geschworenen damals die Nrbcnfrage in Bctrcff einer Theilnahme Bnschhoff's an dem Pierbrccheu nur deshalb gestellt wiffen wollten, um auch diese Rebenfrage zu verneinen. TaS „Deutsche Polksblatt" und die gcsammte Antiskmitenprrffc hat die Dreistigkeit, trotz der Aussage des ObeistaatSanwaltes das Gegcntheil zu bchauplcu unter Bezugnahme auf ihre anoiihine» „Jnfoin ätionei,". Tie Jnsoimalionen der Ainisemitcnpresse in solchen Dingen haben sich bisher beständig als blanke Eifindlingkn ctwiefe», sobald die Behaiiplnngen ans solchen Jnsormatione» einer näheren Probe unterzogen wurden. <Dkr Ansnahmszustand in Prag.) Tic AuSnahiiismaßregeln in Prag beginnen nicht bloS dem juiigtfchechischcn ChanvinismuS, sondern auch der antisemitischeit Agitation empfindlich zu werden. Am 20. d. M. ivurde der Re dacteur des eingestellte» jungtschechisch-antiseuiitischen Wochenblattes „stkeodvis lost", Anton Haju, zum p'andcsgerichte als Strafgericht vorgelade» und nach dem Verhöre in Haft behalten. Gegen Hajn wurde bereits die Anklage wegen Verbrechens ’ der (Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung, wegen Verbrechens des Hochverrathes und der Mojestätsbeleidigung erhoben und demselben zugestellt. Hajn recurrirte gegen seine Verhaftung sofort an die Ralhs kainmer, dieselbe hat jedoch den Rccur» Hajn's zurückgewiesen. In Folge Auf träges des Strafgerichtes fand sich am gleiche» Tage in der Redactio» deS tschechischen antisemitischen Blattes „CzcSke Zajmy" eine polizeiliche Commission ein, um nach dcm Manuscript. der jüngst confiscirten Nummer zn fahnden, welches den Titel trug: „Ter jüdische Verbrecher und Talmud ist". DaS betreffende Manuscript wurde nicht gefunden. „Fischdof-Bkrkbrlr", aber ein halbgebildetes Schriftstellerchen.) Herr Joses Lim ad er, der Herausgeber des jocosen AnkisemitenblatteS „Die In de »frage", ist darüber sehr ungehallc», daß wir ihm deS Oefteren seine ehemalige Perehrung für den Juden Fischhof vorgehalte» n»d damit des Ge siunungswcchsels geziehen haben, »nd daß wir ihn letzhi» gar ein „halbgebildetes Schriftstellerchen" (ivir sagten: Scribemlein) genannt halte». „Beides sind wir niäit," sagt Herr Simader, „wenigstkns nach der Auffaffling der Juden nicht, weil wir deutsch'sind, nnd zwar so echt und unverfälscht, daß wir cs nicht für nolhwcndig fände», uns dasselbe von irgend Jemand bestäligc» zu laffen, die Teulsche» leiden aber »ach dem Ausspruch des Dr. Markus Hirsch i» Frankfurt an einem Culturdeficit, mit einem Culturdeficit kann man aber weder gebildet »och halbgebildet sein." Wir nehme» von dieser Er-' kläruiig rankend .siennliiiß. Tie historische Thalsache, daß Herr Josef Simader, jetzt Raccnantiscmit reinsten Wassers, »och in Beginn der Sicbzigerjahre — also bereits nach der Acra Giskra Beust — ein glühender Verehrer des Juden Fiichhof war, cntnahlncn wir einer Broschüre des Herrn Josef Simader selbst: der Titel derselben ist uns moinenlan entfallen. Wer sich von dem zweiten Hm - stände, daß Herr Simader nämlich ein halbgebildetes Scribentlei» fei, überzeuge» will, braucht nnr das erstbeste Ercmplar feiner Zeitung anzusehen. So wird in deuii'elben Blatte, auf derselbe» Seile, ja sogar in demselben Artikel, wo er über unseren Vorwurf so entrüstet ist, von einem „Montefioro" gesprochen. Montefio r e hieß er, Herr Simader. Auf der nämlichen Seite heißt cs: „Ohne der Choleragefahr" ferste Spalte. Zeile 47 v. n). Ohne regiert de» Acciiiativ, Herr Simader! Ten Beweis, daß er ein ungebildetes Scribenllcin ist, hat Herr Simader also erbracht. Ten, daß *v kein Verehrer des Inden Fischhof ivar, ist er aber immer noch schuldig. (Antisemitische Demokratie.) Tas Organ Slöckcr'sj „Das Volk", brachte vor .Hitrjei» einen Artikel, in welche»! das Ahlwardt'sche Thema „Gegen Inden »nd Junker" variirt und der Abel etwas uusanst angerempelt wird. Man würde jedoch darin vergeblich nach je» en Gesichtspunkte» suche», von welchen sich selbstbewußte Männer leiten laffen, die cntschloffen sind, da« auf gedrungene Patronat der Herren „von und zu" abznschUtlel». Die Abneigung gegen den Adel, die in dem genannten Aufsätze z»m Ausdrucke gelangt, beruht lediglich aus dein Umstande, daß zahlreiche Mitglieder der GcburtSaristokralie zn viel mit Jude» verkehren und häufig sogar Jüdinnen heiraten. — So dürften wohl die viclgcrühintcn „demokratischen" Anwandlungen aller Anliscmiten beschaffen sein. Wen» sich der Adel nur-nicht mit Inden besaßt, dann ist an ihm weiter nichts auSzusetzcn. Britritlsrrkläruugtll zum „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" werden cutgcgcugciiommen im Lcrrctarialc des Vereines, Wien, I., Parisergasie 4. Ab-nnemeulsaumeldungen auf dar „Freie Blatt" nimmt die Admiuislration, Wien, l., Seilerstätte l0, jederzeit eutgegeu. Ebendaselbst werden auch einzelne Nummern abgegeben. Probemimmern zur weiteren Verbreitung des „Freien Blattes" werden Gesinnungsgenossen auf Verlangen bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Herausgeberr Ernst Victor Zenker. — Verantwortlicher Redacteur: Joses Vorwahlner. — Druck von LH. Reißer & M. Werthner, Wien.