Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 77 (24.9.1893)
- Date
- 1893-09-24
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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/ Nr. 77. Freies Ter Präsident rceapiiulirtc i» ejncin lichwoUen Resnm>- die Ergebnisse der Verhandlung »nd schloß mit solgenden Worten: „„tiibmi ich Ihne» »»»- mehr die Acten zur Beralhnng übergebe, gewärtige ich. nachdem die Herren Parteienvcrtreter mit a » e r k e n n e n S w e.r t h e r Ein, ch r ä »k» n g' d i c E r- Srternng jeder Frage beiseite gelassen habe», welche die beiden, schast errege» konnte, daß auch Sie diese VeidciischaflSlosigkcit »insomchr beivahrcn und dasjenige halten werden, wa» da» Gejcz.' verlangt; c» stellt die hohe Ansordernng an Sie, al» redliche und freie Männer, nnr »ach de» Gesehen der Unparteilichkeit und Festigkeit Ihrer Uebcrzeng»»g Slnidrnck zu geben Indem Sic die Wahrheit suche», finden Sie da» Riecht, und Ihr Spruch soll cin.wahrer »nd gerechter sein" «Lebhafte» Bravo!) Nach cinstiiiidiger Berathnng verkündete der Obmann der Inn,, Herr Carl Cza»law»ki, da» Verdick. Tie Frage best,glich PanlnS Meyer wurde einstimmig bejaht, jedoch von drei Stimme» mit Weglassung de» Pass»«, wonach er den Brief auch versaßt habe. Tie Frage betreu» Tr. Deitert wnrde mit zehn gegen zwei Siiminen bejaht. Redacteur Toll ivnrde mit nenn gegeir drei Stimme» schuldig gesprochen. Mener wnide zn vier Monaken Arrest», Pfarrer Dr. Deckcrt;» einer Geldstrafe von 400 fl., im Nichleinbringnngssallc z» zwei Monaten Arrest; Poll zu einer Geldstrafe pon L00 fl., im NichtcinbringungSsalle zn cinein Pionat Arrest vernrthcilt. Alle-Drei wnrde» z»m Eisätze der >!oste» und zur Pubkicirnng de» Urtheil» in, „Vaterland", in der „Nene» Freien Presse" mid im „'steilen Wiener Tagblatl" veenrlhciil. Für da» „Vaterland" ivnrde ci» Cautiondverlnst von >!0 fl. ausgesprochen. (Alks) bflll ('inucillDcrnti)C.I Wir sind cö müde geworden, einen jede» Scandal, de» niiscrc antisciiiitischcn Skadtvätcr vcraiistaltcn, zu rcgistrircn. Der schnlhnbrnhnftc Ton, den die Antisemiten im ßtath Hanse in Schwang gebracht haben, macht cS unS, die wir ernste Tendenzen verfolgen, nnniöglich, auf diese spcciellc Erscheinungsform der Auliscmitcrci zu rcagircn. Eine Acnßcrung, die Gemcindcrath S.einer in der Sitziuig am Il>. September inachte," glauben wir aber unseren Vifcrit nicht vorenlhaltcn z» tönncn, weil sie zeigt, daß der Antisemitismus ein sich selbst verzehrendes l^ifl, und eine Bewegung gegen jede Autorität ist, die Antoriläten und Capäcirätcn der eigenen Partei nicht ausgenommen. Steiner meinte, die Principicn sciucr GesinnniigSgenosicii seien jene der Gewerbetreibende» und nicht jene der Advocatcn. Ten»' diese geschäftlichen P ri » eipicn der Advocatcn ließe» sich »nr mit j c» en d c r P scrde.hä » d lcr von Wien vergleiche». Es ist nuS leider nicht bekannt, was die Herren Hof- »nd GcrichtSadvocate» Toelorc» Vneg-r, Pattai, Vinte, Knpka, Brzobohaty, Porzcr, Berger, durchaus stranime Gesinnung» genossen des Herr» Steiner,;» diesem'ehrenden Bcrglciche gesagt haben. sC'i» zurückgrschlagtlicr Borstoß.) Ans Arbntcrtrei'c» schreibt man nnS: Tie christlich sociale Partei ist eifrig beniüht, in Arbeiterkreisen Mim Anhang;» sindcii, nnd läßt keine t^el-czenheit vorüber gehen, ohne »ach dieser Richtung einen Borftoß zn versuchen. Tie Wahle» der Schuhmachcrgchilstn, welche vergangenen Sonntag in der Bolkshallc statlfandc», schiciicn den Christlich Socialen daher ein will lomniencr Anlaß, um die allein seligmachenden Ideen dcö Classennnd Raccnhasscö auch in die Reihen der Schnhmachcrgchilfe». zn tragen. Ein angebliches Comitö christlicher Schuhmachcrgehilfcn erließ einen Aufruf, in welchem als Haiiptprogrammpunkt der größtmög liche AnSban des Gcnosic»sd>aftswcscns ausgestellt und in maßvoll gehaltenen süße» Redensarten den Arbeitern um den Bart gegangen wird. Tiefer Aufruf, der so diplomatisch verfaßt ist, daß man auf eine» wohlgenährten Eoopcrator, oder antisemitischen ExpcnSiiotc»- schrcibcr als Verfasser rathcn würde, wurde mit Hilfe dcb antisemitischen Meister cisrigst colportirt. Trotzdem war der Vicbc Muhe nmsonst. TaS social demokvatische Wahlcomit,'- riß den gleißiierischcn Wölfen die VanimSmaSkc vom Veibe, indem eS gleichfalls einen Ausruf erließ, in dem cS ». a. hieß: „WaS Ihr von einer von unseren ,christlich-socialen' Meistern protegirtcn Gehilfcnvcrlrctiing zn crivartcn habt, brauchen wir Euch hier nicht näher anSznflihrcn, da Euch die rcactio närcn Tendenzen, Verschärfung dcS Befähigungsnachweise«, AnSban der genossenschaftlichen Organ isati-on;c. zur Genüge bekannt sein werden. Kurz, sic wollen dcn Raecnhaß, dem der größte Thcil unserer Meister huldigt, auch unter unsere Eollegcn pflanzen. Genoss;» und Genossinnen! Obwohl wir von der zwangsgcnoiscnschaftlichcn Organisation nicht viel erwarten und dies nmsowcnigcr, so lange in derselben meisterliche Hohlköpfc als Schwanzträgcr der ^antu semitischen Partei »»gehindert-ihr verwerfliches Spicl treiben, so dürfen wir doch nicht ruhig zuschen, wenn untcr u n S Arbeitern wieder mittelalterliche Z n st ü n d. c, die nn willkürlich an die Scheiterhaufen »nd deren große Opfcr Blatt. ~eitc ft. crinncrn, gcschassc» werden sollen Unsere Pflicht ist cs, dahin zn wirken, daß auch bei uns nicht nach rüdwäns. sondern de» Fort schritten der Technik und. der ganzen Cnllnr entsprechend vorwärts zu streben ist." Tiefe Antwort verfehlte ihre Wirkung nicht. Bei der Sonntag stattgchabtcn Wahl erlitten die „Herren Schiistermeister" eine klägliche Niederlage. Tic von ihnen als Candidale» vorgeschobenen Strohmänner blieben mit einer lächerlich kleinen. Anzahl von Slimmcn in der Minorität. TicS Alles trov der enormen Pression, die durch Geld, gute wie böse Worte und Trohnngcn ans die Gehilfen ans geübt wurde. Biele derselben kamen dadurch zn einem freien Sonntag, de» die christlichen Meister ja trotz der S o n n t a g S h c i l i g n n g > nd trotz der behördlichen Vorschriften vielfach nur insoweit cinhalten, als eS ihre eigene Person betrifft. Wie nicht anders zn crwartcir, griffen die Christlich Socialen 511111 Scandal, als sic sahen, daß auch die pcssimistischstcii Crwartnngcn durch die Wirklichkeit weit übertroffen worden waren. Aber auch hier verstanden die Social Tcmokcatc» keinen Sp'aß und silhrtcn die' ärgsten Seandalmachcr etwas an die frische Vnft. Vielleicht kamen sie dort zur Besinnung und wissen nun, daß die Rr'fornlidccn der Herren Liechtenstein und Vncgcr wohl fnr viclc Beamte, Vehrer »nd Klciiimcistcr gut genug, - für die Schuh machergehilfen. aber viel z» schlecht sind. . W.. (gilben — kauft mir. üri Alktistllkikt»!) Zn dieser Anfförderiing wurden wir durch ein Inserat' verleitet, da» wir vor »inrzcin in einer, polnisch-j ü dis ch c n Zeitschrift, gedruckt in hebräischen Vettern, gefunden haben. In diesem Inserate empfiehlt ein anlG semitischer Clavicrfabrikant, welcher im X. Bezirke domieilirt, seine Fabricate. Unser Gewährsmann, dem wir diese wahrheitsgetreue Mittheilung verdauten, war seinerzeit Zeuge, als dem auf die iinnd schaft der Juden > rcflcctircnden Antisemiten von einem Anhänger der liberalen Partei in einem .ieassechaiisc des X'. Bezirkes die betreffenbe Vcnmmer dieser Zeitschrift, in welcher das erwähnte Inserat enthalten war, - vorgezviesen wurde, was große Heiterkeit unter den anwesenden Gästen crr.gtc. Tiefe Heiterkeit steigerte sich zn lautem Vachen, als der Viheralc ihm folgende kernige Worte ins (Besicht schleuderte: „S i c annoneircn in einer jüdischen Zeitung nnd wollen ein Antisemit sein? Pfni Teufel! ich als Jude schäme 111 Kd) f ii r Sic." (Hrilllgrltllchtck.> Am Sonntag de» 17. d. -M. veranstaltete der Wiencr social beniofratifdjc Bolksverei» „('' 1 c i d) 1) c i t" in P c r ch t 0 l ds d 0 r f eine Volksversammlung unlcr freiem Himmel. Ter Caplan Pöscl hielt diese Gelegenheit für pasiend, um die Verdienste der clcricalen Partei hcivorzuti?bc» »nd die Arbeiter zni» Ansd)Infsc an dieselbe freiindlid, ausziisordcrn. . Ihm enigegnete der Arbcitersnhrci Sd>nmeier Folgendes: Wen» Sic meinen, daß die Christlich So eiale» fld) mit den Arbeitern solidarifd) erklären, so kennen Tie die Umtriebe der Christlid).Sociale» nid>t. Mit den Christlid) So e i a l e n k ö n n c n die A r b c i l c r nie z n s a »1 »1 enge h e n, zwischen beiden PartciSli liegt eine nnüberbrüdbare .'iInft. Mil einer Partei, deren Führer Prinz V i c d>t c n.ft cf» ist, können die Arbeiter ltidu paetircn. Hat man )vo» einem Proteste , der djristlid) socialen O'eineindc rälhc gehört, als den Arbeitern das Rathhans zur Abhaltung einer Versammlnng verweigert wurde'? Gott möge nus bc)d)ützen, daß je die Clericalcn in irgend einer Veztietniig in die Majorität-tonimcn. Ta würde» nnS statt der Geier die iliabcn frenrn. Fürst Vicd>tciisiein hat im Parlamente eiklärt, daß er von'seine» Bauern, .denen cs gut gehe, sonst nidlIS -als I.'i Percenl nehme. : Pini Rufe S»lva Tarouca und Fürst Schwarzenberg zahlen ihren Arbeitern Hnngerlöhne. TaS sind Männer der djristlid, socialen Partei. Wie man sicht, hat Capla» Pöscl mit seiner erste» Mission zur Verbreitung dcS Antisemitismus unter die Arbeiter wenig Erfolg gehabt': warnui hat er sid> damit aber nidil and) an den „Pcrcrl von Pclcrsdorf" geivendet'? (Wählerversamillliulg in Fiirstciiscld.) In einer Wähler versanimlnng, welche Abgeordneter Tr. v. Si ranS kürzlid) in Fiirstcn selb abhielt, besprad) er and) die Entwicklung der einstigen Vkativ'iral Partei, der er ehedem angchörtc., Von dem Versuche, anliinniiiidp- und »id>t antiscmitisdsc Elemente znsaninicnznfasscn, sei sie ,»r Bei c i n i g n n g l e d i g l i d) der A n t i s c m i l c 11 aller A b st n f n n g e» fortgcsd)ritten. Er glaube, daß die Rationalpartei dadurch »weiter e jiicifc dcs dcutfä)cn V0lkcS nid>t-aii sid) ziehen werde. Ihr dürfte nach/'wie vor daS schmerzliche Sdiidsal von Vueizer und Genossen blühen, als ein von Fall zn Falt in Gnaden hcrbeigczoizettes Aiiiicr behandelt zu werden. Sdjließlich bemerkt der kliedner, daß er an das Äoinnzcn einer großen bcntfrfjcn Volkspartei glaube. Tein Abgeordneten Tr. v. ötranS wurde seitens der Versanimlniig das volllte Vertrauen votirt. (H(liferlid)C Ansprachc» in Gnus.» Auch anliißlich seines AiifculhalteS bei den Manövern in G-ü » ü hat Sc. M a j c st ä t an