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Freies Blatt · 1893-09-24 · 77 (24.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
77 (24.9.1893)
Date
1893-09-24
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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- feite I.X'X \ III i'ciljge jittn freien Jflatt, Organ zur Abwehr des Antisemitismus. C'vtfctu'ift R’iivtv nunmehr die Kapve jiir jüdischen Kopfbedeckung. Audetoivo linden die Söhne Israels den hohen Hul angenommen.?er ..Dminder", wie die Deutschen sagen, ift in einigen ld'egenden idre Ralioualkovfbedeckung -geworden. So habe ich in Tibeeiao schmnr-ige deutsche Juden ihre „Dfeuröhren" an dchi einsamen Genaden deo galiianchen Meerco späteren tragen gesehen. . Der polnische Dschnvan wurde durch einen langen, mehr oder minder dem Kaftan der runischen .Kaufleute ähnlichen Rock erseht. Kaiser Rieolauofand aiobald denen Sckiöße;u lang: die kaiserlichen Behö-.dea. ere'nieien den Ieldzng gegen den Taiar, der den Juden lieh geworden war, und eeerschiene» Verordnungen um dessen ränge zu heslimurc». Die Widcrfei-lichen wurden auf der Straße fengel,allen, und die Scheere der Polizeiagenlen schnitt sofort ohne i'ii’i Iederlefeuo die langen Röcke ad. welche über dao voraef'chriedeue Bfaß hinauoreicknen.'« Unglückliche Dehne Judas! Ihr fälligen Talare waren »jchl allein den behördlichen Plackereien -anogefei-l. Do erging ebenso ihren langen Bärten und langen Haaren, inodesondere ihren Dchmachilockeu oder Paißeo, welche ne die Gewohnheit Hallen, über ihre 'langen heradhaugeu zu laufen. Do sieht geschrieben im drillen gliche '.’.'iaüv: ...Ilir sollet eure Haare nicht rund adschueiden, und ihr foliet euren Barl nicht abfeheereu." Diesen Wickeilocken D.arle Kaiser R'ievlauo den Krieg, und gestaltete sie nur den Raddinerii, wodurch ihr religiöser Dhärakler anerkannt und sic den g.wohnl'.chen Juden nur noch weither gemacht wurden. Um die Waugni deo jüdische:'. Plebs entbrannte nun ein Kampf, ähnlich irn'em. wel.her einige hundert Iabre früher um dao -Kinn der Raoto.u'.i! '.'eu.Peicr dem D'roxen a'.iogefoäuen worden untr.-'1" , Wie U,.dem die AUglauber unrer dem Reform Dzar, so wurden jetzt die Juden ron der Polnei gepackt und behördlich rasin oder geschoren . W,.cke r.n de» beiden Machten liehen Ihre '"'laubenogenosfen vor. D-üerrei-.h oder Ruxland'o" fragte ich vor etwa fiinnchit ' Ie.li-.e:> iu.eu Kralauer Inden, welcher micki in den Salzbergwerken - u.u chöielulka heruni'uhrlc. Din Ireindeo in Polen kann nämlich > d.u Juden schwer entbehren, wär'o auch nur, um ,'ich der Zudring; Ichteir der' Uebrigen zu erwehren, .Als klüger Manu hielt mein! Iuhr.e nur üuut Antwort uirück: dann, aloich iu ihn drang, 1 men'li ,-e mik einen', 'ehelmifhen vächcln: „Die Mcifren ziehen; Denerr,ich vor".-Und warum? „Pfeil Deüerreich . ihnen gefiatlel, j ,hre rocken zu tragen.- Diu launiger Ausfall oder nicht, die Anl > roerl war nicht übel. Dao Recht rocken zu tragen hat seinen Werlh, : „>-d die Juden sind nicht bloß iu Betreff ihrer Frisur Inner dem i o-'kerreichischen Udler freier', alo unter dem russischen. i Zu den Iudenfchaflen deo Drienrco ändert fich dao Irane» <o'i'..:u geradew, wie ieueo der Männer, je nach den rändern. Das Aumuthigüe vielleicht jü jenes der Jüdinnen von Dinvrna inil ihren Pumvlwoeticn.und ihren ans der Brust ausgeschnittenen reibcheu. D.rc- Reichste aber auch Groteoteüe iü dao der d ken Iüdiuu.n von Tunio mit den anliegenden gold- und silber geflammten Hvwn. In Polen haben die Jüdinnen allgemein den .Kovfpui? ihrer >^re«m:,ller abgelegt. Die sind wirklich zw beklagen, diese Iiidinuen des Düens: ihre Männer huldigen häufig noch dem fckKechlen Geschmack, ihnen die Haare über der Stinte zu rafiren. Iü eine Iran einmal verheiratet, dann soll sie nicht mehr zu gefallen suchen. Die Dvfer verbergen die Kahlheil ihres .Kopfes unter einer I-luth gelbgewordener Dpiuen oder unter j glatten Perücken oder breiten, glänzenden?lllaoftreisen. Biele unter ihnen nellen bereit«» bei ihrer B^rheiralung die Bedingung, nicht ranrt zu werden. In den reichen Iainilien in dieser Gebrauch abgetommen. Die Jüdinnen nehmen durchano keinen Ausland, ■’> Uwe.- ei:. .;; Cf'.hauKi: ..Ir.,!--!» -l'! Z:«k »nilnti-I-tu.-» I. J<-- W1V ..I i: , '. 2:e!v: „I. Km. s-. k-,» -t >-, l’u—-»-. Ban« klk: La I.V-liai-m. Buch IH. Dao. II unsebn Moden zu folgen. Sie scheuen sich nicht, ihre Haare zu tragen und;n frisieren, sie trachten, sich von den Dhristinnen nur durch größere Eleganz zu unterscheiden. Jfl eo übrigens der Jude, der sich durch die Tracht von uno absondern gewollt hat? Ziimeisl ist, wie .wir wissen, dao Gegenlheil der Iall. In mancher Gegend würde der Jude, der sich wie ddr Dhrist oder der Mnselmann zu kleiden wagte, Mißhandlungen auogesei-l fein. Während Jahrhunderten. haben es ihm Dhristen und Mufelmannen untersagt; um ihn nocki mehr abseits zu halten, Hallen wir ihn mit Unlcrscheidnngozeichcn versehen, welche keine Berwecholuiig mit nno geslatteteir. Do scheint, daß die Krünimiing feiner Rase und dao semitische Profil nicht genügten, um ihn alo Juden zu bezeichnen. Die Kunst der Menschen und der Geist der «'»'eselzmachcr mußten der 'Ralur nachhelsen. Wenn uno der gelbe üeiindfleck, dao 10 lange seinen Borsahren auserlegtc Abzeichen der Schmach, auo dem Gcdächlniß geschwunden ist, der Jude hat ihn noch nicht vergessen. Dao „Rädchen" üeouelle, üeota), welcheo den Kindern Iaeob'o durch dao Vakeranische Doneil vorgeschriebcn wurde, war ein rundes oder viereckigeo Stück Stofs, zumeist ein Rnndslcck auo gelbcin oder rothem Tuch oder reine»', bioweilen zur Hälfte >zclb, zur Hälfle rolh, welchen jeder Jude in sichtbarer Weise an der Schulter, an der Bruü oder am Kopse tragen mußte. Die Juden, welche ihn wegließen, wurden mit den strengsten Geldbußen und Strafen belegt. In gewissen Iällen, ans.Reisen namentlich, konnten sie zeitweise Dioveno von dem „Rädchen" erhalten.In mehreren rändern, Deutschland beispieloweise, ist daoselbe off durch eine» rochen oder grünen Hul, eine Mühe oder eine Kapuze von be soliderem Schnitt erseht worden. Selbst die Irauen entgingen diefer Demülhigung nicht. In. mancher Stadl Italieno inußtdu sie einen viereckigen acIUni Tuchsleck über ihrem Kopspuh tragen. Anderowo waren sie ermächligt, den Tnchsteck durch ein andereo, minder unschönes Abzeichen zu ersehen; so in Frankfurt durch blaue Streifen an ihrem Schleier. Alle diese Gefehe, religiöse oder bürgerliche, alle diese Berorduungen der Doneile oder der Fürsten über die Kleidung der Iuden und Jüdinnen hatten nur Dinen Zweck:- sie von den Dhristenabzusondern.., Mil der Drfindung des „Rädcheno" und aller dieser Unlerscheidungozeichen haben eo die christlichen Behörden eigentlich den Moolemo nachgemachl. Die Aehnlichkeilen zwischen unserem eano nischen Rechte und den mnsclmännischen Gesehen sind hiebei so ausfallend, daß man sich gefragt hat, ob sich die Kirche nicht etwa die Borschristen deo Iolam angecignel habe?"^ Dieo scheint uno zweisethasl: dieselben Maßregeln konnten ja zugleich den Dhristen und den Btuhammcdaneru durch denselben Geist deo Mißlraneno gegen den Juden und dao Iudenthuni eingeslößt worden sein. In Damaocuo oder Bagdad, wie in Rom oder Paris, war diese Art von Schandmal, welcheo Dhristen oder' Musetmannen dein Juden ans Stirne ol>cr Schulter drückten, die logische svvlge deo Absperrungoshstemo, welcheo aus dao Ghetto, oder dao Mellah hinauslies. '"' I ptach llniüe slteben Ktn«l<- Iüriv>ri>>ue et areheulr>"ii|Ue sm la rolle äi:s jitiu. ih-vue des Ktudes juivos, VI mit i II. 1S.S3) scheint Der ö'ebraudt j peo „htätchenö" in ker -pariser Tiöeese seit Ain'ang des XIII. Jahrhunderts, i behänden zu liaben. Das vierte Vateraniidie Ccuteii <Iü1ö) dehnte denselben aut . die ganze chri'üid>e Weit aus. Vukwig der Heilige legte ihn den Juden durch eine Verordnt,ng von i-'ä!» aut. Philipp der Kühne, welcher dieses Abzeichen ungenügend tand, zwang IU7l die Juden, dem „Rädchen" ein Horn ans ihrer \ üt>e binzuzutügen. Es sind uns mehrere -.'Umbildungen aus jener Zeit erhalten j geblieben, welche den Juden mit dem Rundfled karstellen. Eine Bulle des! Papnes Paul IV. frischte mitten im XVI. Jahrhundert die Berpslichtung für ' die Juden Roms aut. Rodocanachi: ..La Glietta de l!oine ‘. 2. 163—164.> | a"7i 2o Isidor voeb: ..Xonvean Itietionnaite de geoLTu^liie universelle--.! Artikel ...luil- -. 2. 3. Columne . . . „Dogar das ,Rädche»- des Vatera niichen Eoiteils scheint den Rluselmannen entlehnt." > -'"-i Raine des E'hetto in Marokko.

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