Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1893-09-17 · 76 (17.9.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
76 (17.9.1893)
Date
1893-09-17
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/4886575-5439157-5441451--0817-4887316
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

, Leilage yuin Freien Statt, Megan zur Jlbrochr des Aiititeinilismiis. £'ci,c“T.XXY. Crdcil wie im Himmel! Ich criiiiicre mich, in Rom von einem amerikanischen Prälaten den Commentar da;» gehört;n haben: er faßte darin die tiefsten Hoffnungen und die edelsten Bestrebungen der Menschenkinder zusammen. Sient in coi-lo! Die stolzesten Verheißungen der Scher leben in diesem Bersc des tägliche» Bater-. Unserü auf. Und wenn die Christen es manchmal zu vergessen scheine»; wenn die vor Allem lim das Jenseits und den endlichen Triumph der Gerechtigkeit besorgte »tirche sich jemals mit ihrem Reich ans Crdcn schadlos zu halten schien, so ist dies gewiß nicht in den heutigen Tagen der Fall. Auch die jiirche — wir haben dies jüngst, fcstgestellt — erachte? cs für ihre Sendung, dieses Crdcnlcbcn nicht zu vernachlässigen, seine Wunden zu verbinden, seine beiden zu mildern, seine vergänglichen Behansungcn zu reinigen und ge sünder zu machen. Thatsächlich hatte sic niemals daraus verzichtet; allein der Wind, der von außen weht, treibt sie mehr als je dazu. Sie will von der Aufgabe, welche ihr die göttliche Borschuiig ge stellt, nichts prciögcben, sie fordert ihre litiiidcr auf, der socialen Zukunft ihre Sorge znzuwenden und diese nicht den mindern der Finstcriiiß zu überlassen. Das streu;esba»ucr entfaltet sich von Rcuci» alo Forlschritlsbauncr, und das Wort Gerechtigkeit ist den Schaarcn Christi, des Messias der Rationen, alo Wahlspruch für die künftigen Croberungen gegeben. Und so taucht der alle Traum Israels, die große, in die christliche Idee aufgrnommene semitische Bision, in der Äirche nicht minder a!o in der Synagoge wieder hervor, n^nd es bietet, um deren Bcrwirklichung vorzubcrcilen, die -ianzcl des Apostels von Galiläa dem Jahrhundert ihre Mit Wirkung an. Wann wird das neue Jerusalem, die Weltstadt der Gerechtigkeit und der Vicbc, aufgebaut werden? Und wird es jemals unseren' Söhnen in die Hand gegeben werden, deren Pkorlen anfzuthu»? Christus hat freilich gesagt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Dadurch unterscheidet sich das Chrislcnthum vom Iudcnthnin, unterscheiden sich die übersinnlichen Hoffnungen des neuen Blindes von dein zeitlichen Streben Iuda's. Mein Reich ist nicht von dieser Welt; das Cvangclium hat Recht; das Cvangclium warnt uns vor der Utopie; cs mahnt uns, daß wir von diesem irdischen ^'eben nicht allzu viel erwarte» sollen. Das Reich Gottes kann sich auf Crdc» nicht voll verwirklichen — cs stiege denn der Lohn des höchsten Gottcö vom Himmel herab, um cs unter den Menschen aufznrichtcn. Das Reich Gottes ist ein Ideal, welchem die Jahr hiinderte .zustrcbcn müssen, ohne cs jemals zu erreichen. Die Kirche ladet darnm nicht minder die Christen ein, auf daß auch sie. ilirc Kräfte einseven, um das Reich des Friedens und der Gerechtigkeit unter den Menschen herbeizuführe». Darauf kommt die sociale Lehre Leos XIII. hinaus. Die Kirche billigt Jene nicht, welche, der laugen Wanderung müde, auf-unsere in Arbeit ringende Gesellschaft den Staub von ihren Schuhen herabschütlcl», oder am Thore der Friedhöfe ruhig sihcn und warten, bis die Trompete des Crz engcls den Weckruf für die Tobten geblasen, um den Anbruch des Reiches der Gerechtigkeit zu schauen. „Für die Kinder Israels," predigte ein Rabbiner, „ist cs u» abwcisliche Pflicht, aw der Bcrwirklichung der mcssianischcn'Hvsf innigen mitzuwirken." Eine solche Crmahnung werden die Priester Christi nicht den Rabbinern überlassen wolle»; diese Pflicht liegt nicht den Kinder» Abraham's allein ob, und wir werden ihnen diese Sorge nicht überlassen. An dem Reiche der Gerechtigkeit haben auch die Christen die Pflicht der Mitarbeit; cs ist nicht ralhsam für sie, sich dabei auf die zerstreuten Reste Iuda's, auf die unklaren Adepten der Humanitären Messiaslchre, oder auf die falschen Proso1) Liehe: „La Pa|iante. lc Socialisme ot la I,oi»ocratie-‘. (Talmam, Lovy, 1892.) *os) A. ilümc: „Kntretiens stir li^JmlaUme. son iloirme et sa morale1'; keinerre 1879. pheten zu verlassen, welche die Blassen inil der eingcbildele» Ber Wandlung der Crde in ein Paradies lodern. ,\tl\<*niai r> unniu l»ni». so koininl es mit jedem Tage von den Livveißvo» drei oder vierhundert Millionen Christen; allein, wie fassen sic diesen Wunsch des Bater Unser auf? Mil wie Bielen umer ihnen siehtes, wie mit jenen Juden mit dem 'sinnlichen Herzen, weist,e wir beschuldigen/die Bcrheißunge» der Schrift;» verfinnlistien? Wäre es uns vergönnt, das Ideal der getauften Schaarcn und .das von den Bolksmasfcn erlrauinte menschliche Jerusalem vor uns hcraufziideschwören, so weiß ich wirklich nicht, welchen Unterschied wir zwischen dem arischen Ideal und dem, semitischen Ideal, zwischen unscreiii eigenen Ideal als Chriftenkindcr und ihre», jüdischen Ideal hcrausfändcn. Wenn unsere abendländischen Racen davpn zurück und auf eine verschwommene Messiaslchre gekommen find.: wenn-uns selbst, ohne dtts; wir uns dessen bewußt waren, . der Durst nach (Gerechtigkcil und die nimmer müde Hoffnung auf den Sieg des Rechtes von den Zionshügcln herab ,ciugcflößl worden, jo ist das Ideal der Propheten unlcrwegs arg verunstaltet worden. Mit Blühe nur würden die Scher von Moria »> unsere» Trau men über die Materie- und in unferen prosaischen Hirngcspinnste» ihre Zuknilftsgesichlc und ihr Jerusalem wieder erkennen. lieber die Messiaslchre auf den Bergen Iuda's und über das Reich Gottesam Meere von Galiläa .ist der Hauch des 'Reu Hcidcnlhums hingegangen; und Inden wie Christen, die fast in gleicher Weise de» Fortschritt mil dem Reichlhum und die Glückseligkeit-mil dein Wohlleben verwechseln, haben Mäminon zum Messias crwähtl. Uneingcdenk des ewigen >i>i liomimis des Psalmifien und des Ccksteincs, auf welchem das wahre Jerusalem ruhen sollte, träume» sie von einem Reist,e Gottes ohne Gott. Iehoval, in verlasse» uns sein Christus wcggclafsen. Das neue Jerusalem, die Sladt der Gercchligkeil und des Friedens, »ach ivelcher wir vergebens die Arme ausslrecken, scheint denn auch in -dem Maß,/ als wir uns ihr zu-nähern hoffen, vor uns zurückzuweichen. Clfles Capilej. Bvn der Fortdauer i»id den Mcrkiiliilen des jüdischen Soiidcrgcistcs. I. l^euiide der Beharrlichkeit ces Panieularismus .Z'taels. — Te, Ttanuuesgeot uns sie religiösen Minserl,eile,>. II. Tic jiitiiche Traän: gibt es eine jusiiche A>tlionalira>1ii? - choluoste .lasen, 'Trientjude». — Hat ser .läse ns, stets' kurst, sie eueisuug re» seit Heise» unteriweisen wellen e l III. Lvrastien »ns Munsaneu ser .lasen. — -Warn», weicht ser,Z»:e sä eine j ansere Lpragie als «eine christlichen -.Nachbarn > Ter „.Zargen - esetzkas,Zusi>st,' . Traust, uns kas .Ztisi'ch L baltisch. — Bvm U'evran.lie ses Hebtai'stlen bei den , henligen .Zusen. I V. Tie Rainen ser .Zusen. Familiennainen uns Bornalnen. —' stskenapm uns- ' Teoharsim. - B.-ie üe ainh in sieler Hinsicht sich einzuluirgern-ira,t,re».; >' . '•* ' . Ristils .im Blnle Iaeob's, fei es rein semitisch oder Miichblul, nichls im t^enie Israels steht entgegen, daß der Jude sich unsere Cultur ancignc. Warum bildet er in so vielen Ländern fortgcfevl wie ein Bolk im Leibe des Bolkcs und wie eine inlcrnalionälc, 'i inmitten der Rationen zerstreute Brüderschafl'? Woher dieser hartnäckige. Sondcrgeist, vereint mit dieser Art egoistischen Wellbürgerthums, das ihm'gestattet, sich von einer Gegend nach der anderen zu begeben, ohne sich fast niemals gänzlich mil der Bevölkerung zu verschmelzen? Wie kommt es, daß sich im -unreinen. Abschaum aller Rationen, welcher auf unsere» Großstädten, auf der -Sber fläche unserer in Zersevung begriffene» Geiellsstian schwimmt, so viele Rachkommen Abraham's 'vorfinden? '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.