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Freies Blatt · 1893-09-17 · 76 (17.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
76 (17.9.1893)
Date
1893-09-17
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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ßrtlnge z»i» Jmru ßlntt, Qrgan zur Aliimhr des Aiilikniilisiiiiis. Wierr, I. g>eiCerßäffc 10. Die Juden und der Antisemitismus. A 5 r n e t unter den U n t i o n e n. Bon Änaloke Leroy-Aeaulieu vom französischen 3nfiimt. fluttrnirtc lU’tk'nfyinui. -1*. ,>oni«yu»g.> Will man sich an die Geschichte halten, so sind sie nicht unmöglich zu entdecken, die Juden, alte oder moderne, Orthodoxe oder Abtrünnige, welche jenen Typus des Weisen oder des Gerechten, der die Zeiten hindurch daS Ideal Israels geblieben, in ihrem Leben zu verwirklichen gewußt haben. Bon diesem bei ihren Tzadigs durch den Aberglauben der Chaffidim enlstclltcn Ideal haben Iehuda Hal.'-vy und die große» Rabbiner des Mittelalters, und Spinoza und Moses Mendelssohn »nd Montefiore unsterbliche Urbilder hinterlassen. Mil der Gnade Christi scheint der Jude sogar nicht unfähig, sich bis zur 'Heiligkeit zu erheben. Ich weiß wenigstens einen, der — o Scandal! — Aussichten hat, ofsicicl als Heiliger anerkannt zu werden und bereits an unseren Altären der Verehrung theilhaftig ist, der hochchrwnrdigc Liberinann, Stifter der Congregation der Missionäre vom heiligen Geist.'"") Auch die resorinirten Kirchen, welche keine Urkunde der Heiligsprechung ans stellen dürfen, haben darum glicht minder Apostel und Kirchenlehrer jüdischer Abkunft verehrt. So geschah cs in Deutschland für de» großen Rcander, die Leuchte der orthodoxen Theologie. Reander war einer jener Männer, die in der evangelischen Kirche für einen Augenblick die christliche Frömmigkeit, die unter der Ciskrnste des Rationalismus erstarrt war, wieder erwärmt haben?''"i IV. Ideal eine prosaische Färbung gibt. Der Jude ist ein altes Bolk und hat lange durch die Ghellogilter in dir Well geschaut. Mag sein, daß er selbst in seinen Träumen positiver ist kils jüngere Racen, deren'Jünglingsalter unter liebevollerer Behandlung miltheilsamcr gewesen ist. ' ’ - Uns undankbaren mindern des neuen Rom,' die fröhlich herangewachsen ans dem mütterlichen Schoß der Kirche, klingen manchmal Crinnernugcn aizs 'unserer fromm-christlichen Kindheit mit ihren feurigen Aufblicke» zum Himmel an. Wir sind Söhne-der Kreuzfahrer; und vom Mönchs-'und Ritterlcbcn verbleibt uns eine Borstellungswcisc, ei» Stolz der Gesinnung, ein feines. Cmpsindcn, die bei den Söhnen der Semiten, welche wie Hunde am Hauslhorc gehalten waren, schwer anzulrcsfcn siiid. Das Ideal, welches sich im Mittelalter im Trntzthnln des frcndalschlosscs und unter den Kreuzgängen des Klosters herauögebildet hat, ist nicht das der Juden: ebensowenig übrigens wie es jenes der zyankccs drüben in. Der Jude ist gewöhitlich weder ritterlich noch mystisch; die Gründe dafür haben wir angegeben.' Wie sollten uns sein Mangel an Ritterlichkeit, seine Geringschätzung für die Donquixotiade, seine, geringe Reigung für den geräuschvollen Wasfeuruhm und die adelig ge fahrvollen Abenteuer überraschen, hat man ihm doch den Ritter schild und das Recht der Schwcrtgürtung während Jahrhunderten verweigert? Selberweifc neigt er nicht eben ziem Mysticismus,und scheint dirhc Reigung auch niemals gehabt zu haben: das Juden lhuul ist immer ein Gesetz, eine Bcrstandcsrcligion, ein Bcrnnnftenll geblieben, welcher mystischer Verzückung und himmlischer Sehnsucht wenig Borschub leistete. Der Mnslieisinns der Kabbala und der Ren-Kabbalisten, derChassidim, scheint ein von außen hereingebrachtes Saatkorn zu sein: nach dem Urtheil der bernsensien Richter wurzelt die-Kabbala selbst nicht im Indenthum. Dhue Rilterlichleit, vlme Mystik, welches ist dann das-Ideal der Juden? Cs ist, könnte man läge», ein bürgerliches Ideal und, ließen sichdie beiden Worte einander zugesellen, ein positives Ideal. Cs verliert sich nicht, in de» Wolke» oder jm Himmelsblau: sein Ziel sind die Crde und die'irdischen Wirklichkeiten: sein Ge genstand die Begründung des Iriedens und die Berbreilnng des Cs scheint mir außer Zweifel, dch; die Wurzel edler Cmpsi» düngen bei den Söhnen Abraham's nicht immer verdorrt gewesen; allein, ob ihr Ideal immer dasselbe war, wie das »nferige, weiß ich nicht. Bielleicht liegt etwas in der Bergangenhcit Israels, was feinem höchsten Sehnen den Iarbcnschinimcr abslreift und seinem l9“) Zum crftcmiuilc, wie wie glaube», ist da ein Abkömmling.Israel» Gegenstand eines HeiligsprechungSproceifeS. Obwohl die .luden, die sich raufe» laue», nicht immer der (Sitte des Iudenthnms angehören, hat sich Mancher von ihnen in der protestantischen oder katholischen «Reinlichteil durch 'eine Tugenden Wohlstandes unter den Menschen.-'""- Man hat dies das sinnliche Idealder Inden genannt: ein Alltagsideal vielleicht, wenn man will, Ideal des bedürnigen- Mäklers oder des bereicherten Bankiers, j das indes; so sehr zu verachten nicht ist, denn es Tiilnt darauf zurück, was das Ideal der Propheten gewesen, das Reich der Gerechtigkeit in der Welt. lluCv cs wird die Zeit -tommen. wo Jeder im Schallen seines Weiustockes und seines Delbaumes in Frieden wird ruhen können. Solches ist, ob sinnlich oder nicht, die Zeile» hindurch das jüdische Ideal geblieben: 'und es liegt wenig daran, und fcinc guten Werke hervorgcthan. To in sz-rankreich die beide» Ratisboune. der Eine Ttifter der Brüderfchait zu Unserer liebe» ^ra» von Iion, der Ankere, welcher in Rom durch eine Erscheinung der gungfra» in der nirche 8a»r An'lreu. dolle Fratte bekehrt worden in. To Ürner die zwei Bruder i'emann, die beide durch ihren apostolischen Eifer bekannt sind, .ln Oesterreich siamnil der Erzbischof von Tlmttlr, Dr. «oh», aus iiraclitiichei» Blute. Tie Antisemiten, ivelche sich sikr klüger als Rom Hallen, fordern deshalb nicht minder die nirche -zur Wiedereinführung der Gebräuche der wanifchen Inquisition auf, ivelche 'Männer aus jüdiicher Racc erst »ach mehreren Generationen Gelausten zum Priester amte zuließ. - , England hat gleichfalls seine Pfarrer und feine Missionare aus iirae litifchcm Blute gehabt.' Eine anglikanische geistliche Zeiisch.ifr, Tli» N'.-wIk-itv llouse Magazine lZänner 1892, T. 3201 bestätigt, daß die Ttaatskirche vier Bischöfe und 120 (Reinliche jüdischer Abkunft zählte, wovon mehrere sich in ihrem heiligen Amte dnrch Eifer und Uveigennüvigkeit ausgezeichnet, haben. Vord Herichetl, .gegenwärtig Lordkanzler im Eabiner Gladsione, ist der Toh» eines pobnifchen Hilden, Ridleg Herschelt, welcher nach seiner Taust anglikanischer Geistlicher geworden ist. daß der Jude dieses irdische Ident des allen Israel ans sein eigenes Maß hernbgeminderl halbes läßt sich nicht-leugnen, daß cs mit jenem der neuen Zeiten zusninmensällt, mit jenem Humanitären Traum, welchen das Will. Jahrhundert, das dubä, all seine Utopien und reichkstrligteilen hindurch in seiner Weist ein idealistisches Jahrhundert gewesen, den modernen Böllern als Bermächtniß hinterlassen lyrt. Israel kann sich rühmen, von lange her den Heiden zuvor gekommen zu sein. Wie heißt i» der Ucberliestrninz Inda's jene ferne Hoffnung ans eine Crnencrung der inenschlichen Gemein schäften? Sir führt einen allen Mimen: die.Messiaslchre. Die Mesnaslehrc ist das große Dogma und die große'Urfvrünglichteil *<■•») .\>icr wäre, wenn ich nicht vor hätte, wäier daraus zurüdzukoini»?». der Antheil .zu verzeichnen, welche» die Juden am Taiui-T imouismu». baben, denen erste Anregung von T linde Rokrigues ausgegangen :» -ein 'cheinr.

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