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Freies Blatt · 1893-09-10 · 75 (10.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
75 (10.9.1893)
Date
1893-09-10
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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/ Nr« 75. •» Freies »landein «»Me»/waren der ganze Aufruf an die Jitwohncr der Stadtz in dt;r die zumeist aus Tccio>e» bistchcnde BrwdcSleitttng tfji out. 2o bot taten die Abgesandte» der Gern artet bttndverböndc die Stadt, oft toit unbekannt und Zagend, ob sic ein entsprechendes Tbdach findcn würden; und so geschah es z. B. unter Anderen dein Abgeordneten Hanck, der cS auch verfänint hatte, sich wegen einer Wohnung brieflich zu »leiden, sich darauf verlassend, am Bahnhose in Salzburg ortskundige Genossen zn finden, dasi er nach tangerem Herntnirren n einem Gasthofe minderer Güte Unterknnst fand. — AnS Anlaß deS Ein pfangSabendeS waren auf Hohen Salzburg der Tbtnauu und Mitglieder der BundeStcitnng zind sonstige Gäste bei einigen Tischen versammelt; dstc daselbst auch anwesenden Sssi riete entseruten sich bald. Eine halbböhmische Mi.sikeapelle, die nicht etwa znm Empfange der Gäste gemicthet war, sondein von jedem Antönimling -0 Arettzer EintrittSgetd einstrich, spielte .LLeana Tanz' und .patriotische' (sie!! Stücke. Im Laufe des Abci dS wntde dann endlich das .tlauckonmns' angestimiut, dann , das BtSmareilied (endtich- A. d.!)(.) und die Wacht am Rhein. Tie dann am Schlüsse deS Entp'angs äbendcS abziehcndc» Genosicn nuisilen, da die Bahn nicht mehr ging und für Beteuchtnng dort nicht gesorgt ist, durch die sinstere Beste ihre Arme ttnd.Beine hindurchlootsen. Tie hierans ttoch znm Eartelteouimerie der Zuvaviä und Tstmark sich begebenden, zumeist auswärtigen Genossen, crgniekte» sich erst au der dort herrschenden deutsch nationalen Stimmung." „ia, die „Germancntage" in Salzburg möge» kläglich genug auSgesallen sein, und daran sclieiut in gletchenr Blaste der gesunde Sin» der Bevölkernng Salzburgs (wir finden besonders das Beuel tue» der Tssicicre taktvrlll, wie die desolaten Berhüttnisse deS Betbandes Schuld zu tragen, „der sich stolz.Gennanenbund'nennt". Tie meisten Berbände dieses seinerzeit als Ersah siir den behördlich ausgelöstcn „Schulverein für Teut'chc" gegl ündeten antisemitischen AgitattonSvereiticS sind seither ans st eien Stücken den Weg alleS Irdischen gegangen, und nun veröffentlicht auch der Berband JuzerSdorf dc-Z „Germancnbnnd" ei» Inserat in der „Wiener Zeitung", womid er anzeigt, dast er sich aut 8. Anglist d. Z. sreiivitlig ans gelöst habe. Tic Gernianen scheinen nicht »ur in Salzburg, sondern auch in und um Wien auSznsterben. — Wie dieser Tage auS Salzburg gemeldet tvitd, wntde auch der Salzburger Berband des ..GermancnbttndeS" wegen Heber schrcitnng der Statuten behördlich aufgelöst. J (Cvin neuer Stern.) Tie Zahl derjenigen Eavaliete, welche im erbilterten „dtr,n:ul<: ß-r mnn^>-ment" statt den Turf oder die SatonS von Monaco zu frequentiren, cS vorziehcn, zur Abivechslung herab',»steigen ans die lärmumwogtc Tribüne der BotkSvcrsatnmltlngcn, die Zahl der ertanchten und mit'Fidei eommissen reich gesegneten Bcrtreter de« kleinen, geknechteten Mannes gegen den Truch der großen Eapitalien und die jüdische AuSbcntnng hat ficti tvieder mit einen glänzenden Bauten vcrmehrk. Ten Erbprinzen Zdenko v. Lobtoivitz, de» znkünstigcnMajoratSherrn der älteren i'inic des böhmischen tarpndcngeschlechtcS, ließen die Lorbeeren, die sich Prinz Liechtenstein in de» Botstadtlneipen Wiens holt, nicht schlafen, und also Hub er gleichsaUS an, in unvgrsälscht christlich socialer Waare zu machen. Man »inst es dem junge» Manne Unit der Aussicht auf einen weiten Latisundienbcsitz nachsagcn. daß er seine Meister, die Wiener Anliseniitcuhäitpllitlgc, gründlich slndirt und sein erstes Tcbnt am -'7. Augnst abgehattencn „Bereinstag katholischer Bereine" in Aussig glänzend absolvirt hat. Die Phrasen von den Znden, „den Fremdlingen", in deren Ancchtschasl da« christliche Botk schmachtet, von der „Tbcrjüdtn Bohemia", lvelche die Reden, die v o n u ns e i n e r hält, todtschweigt u. s. tv., hat Prinz Zdenlo Lvbkowitz so gründlich eingeleicrt, daß man.glauben könnte, sie seien von ihm selbst er fnndelt nnd erdacht. Seiner langen Rede Surzer Sinn gipfelte etwa in sotgendcn Fernsätzen: Trachten wir, uns den Arbeitern zu nähern, daß wir auch aus diescin Gebiete der kösuug der GesellschaftSfrage» aus christlicher Basis gerecht werden und dadurch die von »uS künstlich abgestoßenen Arbeiter tvieder an unS hcranziehen, nicht zu unscrem Borlhcitc, sondern zu ihrem eigenen. Ter Haß gegen die besitzenden Ehristeu wird von einer ganz bestiminten Seite geschürt, ans welcher die Anfmerksainkeit des uothleidenden Volkes von einer anderen Art von Besitz abgenlekt wird, die für das BolkSwohl noch viel verdcrb ticher ist; da» ist das mobile Capital! Tie „besitzenden Christen" halt der Erb Prinz also doch auch für etwas verderblich (weil sonst der Comparativ „Verderb ticher" keinen Sinn hätte), doch hielt er osfenbar nach der alten Regel, die anwesenden — Latifuudicnbesitzer für anSgcnoininen. Thne Zweifel werden wir noch öfter Gelegenheit habe», uns mit den rednerischen Rüstungen de» Erb Prinzen Zdenko Lobkowitz de» Eingeheudeu zu beschästigen, denn daß sich die Wiener Antiseniiten lodcr wie dies in aristokratischen und geistliche» Kreisen auSgksprochen wird: Christlich-Socialen) diesen neuen Stern nicht entgehen lasse» , nnd für eine ihrer Bersamntlnllgen beim -„goldenen Luchse»" in der nächsten Wintersaison verschreiben werden, scheint uns anSgcinacht. 'Wir wünschen dem Prinzen Zdenko viel Glück zu feinet Earri-'-re. Diähere Auskünfte über die An nehmlichkeiten derselben erhält er beim Prinzen Liechtenstein. (Attkisemikische Zukunftsmusik.) Tie verschiedenen antiscmitischen F-rac tiönchen int Reiche rüsten sich wieder einmal zu einem Parteitage in Berlin. Tic Einberufer sind Ahlwardt, Förster und Witte. Ein Aufruf zur Beschickung deS Parteitages wendet sich an die „Antisemiten aller Richtungen Norddeutsch tand»" und spricht die Hosinung aus, cs werde nnnmehr „endlich gelingen, den engeren Zniammknschlllb aller derer hetbeizilfühlen, welche arbeiten und lämpsen wolle» urit der Aussicht ans einen baldigen und endgiltigeu Erfolg für die Aushebung der uusercni Bolle >0 verbängnißvoU gewordenen Etnaucipation des ZndenthumS"! Bei dieler Gelegenheit werde» natürlich auch die Parteiprogramme erörtert, welche für nächsten Winter die sotgcnden direeten Anträge seitens der verschiedenen Parteien in Aussicht stellen: Tie „Antisemitische BolkS- Partei" verlangt: „Anshcbnng der Zrtdenetnanctpation ans gesetzlichem Wege, Stellring der Juden nnler Fremdengeietze." — „'Rur christlich deutsche Männer tnicht jüdischer Abkunft» dürfen in die gesetzgebenden Körperschaften gewählt und in Staats- und Gemeindeämler berufen werden." — „Herstellung eines Mutschen Staatsbürgerrechts zur Verhinderung gemcingesährticher Eitnvanderrmg." Tie „deutsch sociale Partei" verlangt ^„Wahrung des christlichen, nationalen und praktischen Gesichtspunktes in der Zngcnderziehnng; Ausscheidung de« jüdischen Elements aus deutschen Tchnlen." — „Aushebung der Gleichberechti gnng Und Stellung der in Teulschland. lebenden Fnden unter ein besonderes Fremdenrecht tFndenrecht); Berbot der Einwandernng srenzder Fuden." Es sind also folgende Anträgc möglich: l. TaS Berbot der Einwanderung fremder Huden, ein Antrag, den die Herren v. Friesen .und v. Hanrntersteiü bereit« im letzten :>ieiä»Stag eingebracht haben, ohne daß er überhaupt zur TiScnssion ge lommcit ist. 2. Schule, Lehrer, Richter und Beamte re. müssen christlich sein. (Forderungen deS „christlichen Staates".»!!. Aushebung der Zudendmancipation vom Fahre I8>>!». 1. Steltung der Fuden unter ein Fremdeugesetz. Tb einer dieser Anträge eingebracht werden wird, ist zweifelhast. Am nteisten An»s,cht hat noch der erste, der Friesen Hammei siein'iche Antrag Er hatte ja auch seinerzeit ns Unterschriften von »>7 coniervätiven Abgeordneten gesunden und wird viel leicht demnächst wieder auslebcn. Feden'alls ist es sicher, daß von diesen vier Antiäge», die den Slempei deS AttSnahtnegeirtzes in pollstcr Gestalt tragen, keiner durchdringen tvird. Es ist deshalb nicht augezeigt, sich über die Folgen deS projectirten Parteitages allzu großen Bciürchtungcn hiuzugebe». ^lus antiseinitischt?n blättern. «Tie Berbreikuttsi Ser attlisetnikischeu Presse.» Tie „llnversätschten deutschen Worte", da» Trgan deS deutsch nationalen AuriiemitiSntus, enthalten folgende Briestastcnüotiz: „Rach T. .Sie irre»! Tic II. T. W haben in Prag nur 5 B ezugn eh in e r und in Böhmen überhaupt nur tal Abnehmer. II. d. Gr. Sät." Ter lluteiichied zwi>eben Bezug und Ab uehmerit dürste tvohl darin zu suchen sein, daß sich - unter' den letzteren viele besindeu, die das fragliche Blatt tvohl abuehmen, aber nicht auch — bezahlen T jcrnm! tlleberall dirselben.) AuS Prag schreibt man nn«: Tic „Rarodni Politika" brachte aut vortrnteu Sonntag eine Roiiz, welche eine vom aka detnischen Stndetitenvcrein „Fnugmanu" herausgegebene antisemitische Flug schrist in überschwängtichen Lobeserhebungen anprieS. TaS Pamphlet strotzt von die Fuden bedrohenden uttd beschiurp!enden Ausdrücken, und betreibt die Fndetr Hetze in der schamlosesten Weise., Merktvürdigerivcisc brachte die „Rarodni Politika" am gleichen Tage, an ivelchem sie ihren Lesern L>aS antiiemirtiche Machwcrt empsahl, in ihrem 'Fttseralentlteil mehr atS hundert Annoncen jüdischer Geschäft St eitle.'»Herr Bergani lönnte zu tut' nach Prag kominen. um vo» den hiesigen tschechischen Zsitnugsherattsgebeku noch einige Lrctionen' zu nehmen. - '! . — y. (Ter üntntne >ierl von Stcnr über den dttnttnett >,erl von Wien.» Zu der Treurer „Zudenfrage" sinden »vir folgenden Erguß autisemitisätvr Bruder-, liebe: „Tie Regierung-hat brlanntlich ein Aus'uhrverbol-fnr Bielifntter erlassen. Unter jetten, die am heftigsten für diet'eS Verbot agitirten, stand der präparirte Bolkstnann Tr. Lueger an der Spitze, der das Berbot noch tveitcr auSgedehm Ibissen wollte. Tie christlich socialen Blätter, unter Anderen daS,leitende Blatt des christtichen SociatisinnS, der-.Testerreichische Bolssfrerind'. suchen daS zu vertheidigen. Tas Blatt ließ aber dabei ein Licht lenchten, durch welches daS Blatt sammt seinein christtichen SociatiSmuS in da» gehörige Licht gestellt tvnrde. - Es wurde da gesagt, daß nur die ungarischen Zudetr gegen da» Ausfuhrverbot seien, weil die ungarischen Bauern schon so hertntlergckotntnen sind, daß ihnen die Zuden da». Heu und Getreide schon auf dem Stamme abkansen, vielmehr abdrücken. F-cruer» sagt daS Blatt, daß, wenn kein AuSstlhrvcrbot erlassen worden wäre, daS-Militär den Bedarf an Stroh und Heu hätte theurcr zahlen müssen, den AnSfall hätten aber dann doch die Steuerttiäger leisten müssen. T'aS allein ist ein SoctalismuS, dem sich nur dev duntme .Herl rtntcrordnet odergar bewnndert. Fürs Erste ist eS nnrichtig, daß nur daS Militärärar allein dip erhöhte» Preise decken muß, -weil da» in erster Linie die Lieseranten tritst, ditz mit dem Militärärar einen LiesernngSvertrag abgeschlossen haben, die den Rutzen haben, »vcttn der betrefsende Artikel zurückgeht. oder fällt, sie müsset^ daher auch de» Schaden tragen. Wer^ sind aber in der Reget die großen Lieferanten L Fuden sind e»! Tann müssen, auch die großen TranSvortgesellschchten in Wien erhöhte Preise zahlen, diese repräsenlireit aber das Capital. Mithin arbeiteten Tr. Lueger und seine Trgane nur für daS Capital, für die JudenWAber selbst den Fall angctronnnen, daß da« Aerar die erhöhten Futterpreise checken müßte

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