Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 75 (10.9.1893)
- Date
- 1893-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Freies Blatt. Seite 6. frei und legte die Kosten des BcrfährcnS jeder der beiden Parteien zur Hälfte auf. Tncll Trumont TrcuslIS.) Am letzten Anglist fand in Paris ein TcgendueU zwischen J tu 11t o n t und Camille TrcyfnS, dein Tirector der .Nation", statt. Trniilont hatte in der ,l.i>»re pniol--" die Frauen der jüdischen Hochnnanz in seiner schamlosen Manier an gegrisfcni TrcysnS schrieb dcincntgcgcn in der „Nation": „Wenn inan über anständige Frauen solche «^cineinheiten schreibt, so ist inan, wenngleich der Lohn eines Verrückten und selbst verrückt, doch nichtSdesko weniger ein Clcnder." Trninont sandte hierauf zu iTrcyfnS feine Lengen, worauf sin 31. August die Begegnung ftattfand. Trcyfus erhielt gleich int crstcir Gange einen Stich in den BiecpS dcS rechten Tk>erarnicS, einen Stich in die Brust in der Höheder Achfelgcgend und einen dritten Stich in die rechte Hüfte. TaS war jedoch nicht ohne grobe Ineorrcetheiten von -Seite Trnniont's^zngegangen. Letzterer hatte nämlich nach der ersten Bcrwnndung seilicS l^cgncrS trotz wiederholten H a l t c o in in a.n d o S der beiderseitigen Secilndanlen noch drei oder vier Stiche anSgcführt und auf das Halt wild entgegnet: „Ach waS, wenn ich mich schlage, so schlag' ich mich." Tie Lengen TrenfnS' erhoben gegen diese antiscinitische KanipfeSweise Protest, und TrcffsnS forderte Tniinoiil znin zweiten Male auf 'Pistolen. letzterer lehnte cS jedoch ab, die von ihm geforderte <>'cnngthiinng zu gebe». Zn cincni Briefe an feine Seenndanten er klärte hierauf TreninS, er überlaste cS angesichts dieser Haltung Trninont'S dem Pnblienin, zu bcurthcilcn, auf' welcher Seite der M'iith. auf welcher die Feigheit sei. — Wie man übrigens aiich in n i ch t jüdischen französtschcii Kreisen über Trniilont denkt, beweist eine Luschrift eines ehemaligen päpstliche» Luavcn Tfsiciers <^raf deSalvcrt, an den „Matin", worin er gegen das «N-bahren Trninonl'S proieffirk und jede Idccngcmcinschasr mit dein Führer der Antisemiten ablchnt „AlS Cdelinann.". heißt cS in. dem Schreiben, „verabscheue ich die Schmähiing der Franc»,: als Soldat und ehemaliger Adjutant des «Generals de Miribcl war ich enteüstcl, zu sehen, wir so viele waikere jüdische S fstcicre angegriffen und beleidigt werden. A l S Christ endlich, als che malig er päpstlicher Znave,. er trage ich e S n i ch t, daß die N c k i g i o n d c r 'M i c b c u n d Brjidcrlichkcit so verzerrt nnd entstellt wird. Ter Mann, welcher sich so r.'nthcndcn Tollheiten hingibt, weist nicht, waS Neligion, waS Batcrlandslicbc, ja ich möchte sagen, waS Chrc ist. 'Nicht in unserer Mitte wird Herr Trninont Beifall oder Mitschuldige finden. Cr hat sich selbst verbannt anS alten Parteien, ans alle» Netigioncn, ans der «Gesellschaft aller anständigen Menschcn." l C'inc tsttflügclrcvoltc.) Aus Bukarest wird geschrieben : Wenn von jenen Gegenden die Ncdc in, in welchen der arme Fndc in Wirk lichlcit als das gerade t^egcnthcil von jenen Schlcniincrn erscheint, welche in den Hctzpredigtcn der antiscmitischcn WcltbcglüctniigSapostct eine so große Nolle spielen, so ninst wohl darunter in erster Viiiic der rennet, beziehungsweise die Stadt Torohoi in der oberen Moldau genannt werden. Ariniith nnd bitteres Clcnd sind daselbst das Crbtheil der Znden, die hier zwar nicht -den berüchtigten gelben Wappen als Leichen der Unterscheidung ve» ihren christlichen Mitbürgern zu tragen haben-, dafür aber doch noch immer als außerhalb dcS (Gesetzes stehend betrachtet werden. Wenigstens ist in der 2tobt Torohoi noch immer eine besondere Zndcnsieuer in Kraft, welche zwarnicht dircet die jüdische Bevölkerung, wohl aber jedes von Znden auf den Markt ge brachte oder geschlichtete Stück Federvieh trink. Taß diese Geflügel stclicr, deren Crirägnist für die Crhaltnng einer rninänischcn Kirche bcsliniint ist, weder mit der vcifasinngSniäßig verbürgten «Gleichheit alter Confeistonen vor dem «besetze, »och auch mit dem »cneik Gesetze über das Marimifm der li'cincindcstencrn i» Cinklang gebrächt werden kann, kommt nicht in Frage. «Gleichwohl wurde dieselbe von den jüdische» Cinwobpern Toroliois einfach deshalb ertragen, weil keiner von ihnen Lust hatte, mit der Polizcigcwalt der Primarie in Conflict zn geraihe». Als da aber ein «NanbcnSgenosse sich herbcilicß, der Primarie von Torohoi i» der Cigenschast als Accisenpächter auch bei Cintrcibnng der Gcslügclskcner behilflich zu sein, kam der lange verhaltene Unwille zum Ausbruch. Und zwar war cs ein tapferes Schncidcrlcin, welches, der lnkanntcn revolutionären Tradition seiner Lunft eingedenk, den Mnth fand, als Stcuerver-reigercr anfzntrctcn. Doch sollte diese Kühnlreit dem Zunftgcnosirn ZohanncS von Leyden schlecht bekommen. Cr wurde ans Grund einer Anzeige dcS AcciscnpächkcrS abgefaßt und in den Gcnieindckoltcr von Torohoi gebracht. «iUanbcnSgcnossen, die ihn befreien wollten, wurden durch kalte Wasserstrahlen der zur Herstellung der Srdnr ng hcrbcigczogcncn Feuerwehr vertriebe». Tamit dürfte aber die Sache doch-nichk abgcthan sein: die Faden von Torohoi wolle» auch fernerhin keine bloß ihre ConfessionSgenosien belastende «beflügelst, »er bezahlen, und wird daher die Negierung bald in die Lage rer- Nr. 75. setzt sein, ihr Urtheil darüber abzngcbcn, ob. in einem NcchtSstaatc, als welcher Rumänien erscheinen will, einer . Gemeinde die Bofngniß cingeränint werden darf^ eine besondere Iudcnstcupr rinzuhcbcn. 2lus antisemitischen Oereinen und Oer sannnlungen. «.Eine vcrilllgliikktc Bersailimliilig.) Sonntag den -'7. Angnst fand in S der-St. Beit eine Persammlnng dcS christlich-socialen Arbeiterv er ei ii cs statt, an welcher auch zahlreiche sortichriitliche Arbeiter theiliiahinen. Einer von den soeial deinokraiischeu Redner» legte da-Z Uiistnnige des Antisemitismus so scharf an den Tag, dost die vo» de» Antisemilen veranstaltete Persammlnng nahezu in eine» Protest gegen dcn'AiiiiseiniiiSnnlS aiisgeklungen wäre, lim dies zu vermeiden, schloß der Polsitzende die Pcrsaminlnng vorzeitig. Tic „Christlich Socialen" wolle» demnächst wieder »ach C'bcc £t. Peil gehen, „zur Hintanhallung von Ruhestörungen" jedoch die gehörige Menge von HanS knechicn milnchmen. (Tic Antisriiiitcii nud das allgemeine Wahlrecht.) Ans Arbeiterkreijen wird »ns gcichriebcni Sonntag sand'in Währing eine von der soeialdemo krali'chen Paclei einbernfene Polksversanimlung statt, in welcher der ReichSraihSabgeordnetc Tr. Krona weiter einen Borirag über dar allgcineine Wahlrecht dien. Tic Stellung der Christlich Socialcn zn dieser Forderung charalteristrend, verwies Tr. Kconawctter ans die vorn Abgeordneten Ebcnhoch in einer Linzer Wählerversamm'.nng abgegebene Erklärung, welche dahin ging, tast die- Christlich Socialen nichl fite das allgemeine Wahlrecht cii.treien könnten. Das war einmal ander-?, fuhr Tr. Kronowellcr fort. Ter ganze antisemitische Troß stand cinnial ii» radieal-deinokralischc» Lager. TaS war Ende der Scchzigcijahre. TaniaiS baden sie nnS zngejichelt, wen» wir vom allgemeinen Wahlrecht spräche». .ln der Ecklä'rnng, warum sie dies gelhan, iverdcn Sic den bodenlosen, de» nalkicsten Egoismus, die Ichsucht dieser Leute ei kennen. TamalS hatten wir ein Wahl geietz, nach welchem nur derjenige da» Wahlrecht befaß, der 2k Gulden Steuer e,a litte. TaS „Zehnnnd Fiinsgnlden-Wahlrecht" hat noch nicht bestanden. Wenn daher die Forderung nach dem allgemeinen Wahlrecht von nnS erhoben ivnrde, dann war der Applaus ein nnendlicher. Heute, wo sie ihr Wahlrecht haben, wollen ne für die Allgemeinheit tza'von nichts nässen. Jene Gewerbetreibenden, Xleinhändler, Lehrer und Beamte, die sich ans da-Z anlisemitische Programm eingclchivoren haben, sind in ihrem CgoismnS um kein Haar besser, als genäffe Ariftotraien nnd Geistliche, welche sic sich als Führer erkoren habe». Fm iveitercn Perlanf der Persammlnng, in welcher auch .ei»'Trupp Christlich Socialer anwesend war, bestieg ein junger Mensch, mit schivachem reichlichen Bartanfing. die RedneNribüne, steltte sich als Christlich Socialer vor nud begann gegen Tr. .«rronaiveltcr;u polemisirc». Seine, den Tr. Ebenhoch bezügliche Behanp Hing, sei eine Unwahrheit, sei eine Unverschämtheit. Rach diesem Worte war der Held von der Rcdneriribnne eiligst herabgestiegen und halle siä, zn seinen Genossen geschlagen. Fu einer ihaisächlichen Berichligung sagte Tr. Krona wetier: den To» müsse man von den Christlich Socialcn bereit-? gewöhnt sein Nicht er habe die Unwahrheit gekagt, wohl aber sei jener Mensch ein nnver schämt er Lügner. Tie allicitigeii Bravorufe, die diesen Worten folgten, be wiesen, wie sehr die Frechheit de» jungen Menschen den Unwillen der Per sanimlnng erregt hatte. -)!ach der Persammlnng bcnierklc ein Arbeiter znm anderen: „Wenn »»«er.Einer daS bei den Aniijemile» ihm, ivnrde, wäre er schon halbtodt geprügelt woiden." «Ter Wiciicr christlich sociale Percin j» Krems.) An, 2t. d.M. werden die Wiener Christlich Socialen in Krem? eine große Persaininlnng abbatten. I Tas „Temsche Polksblail" in in der angenehmen Lage, täglich von dein große» Fnlcresi'e zn erzählen, daS man kort dem AnSflnge cntgegenbring«. Tie Zärtlichkeit, mit welcher die Ausflügler crwartel iverden, läßl sich anS der „Sester reichüchen Landzeiiung" enlnehmen, nach ivelchcr man sich in Krem-; wohl die „Schlager" de? Tr. Lneger ihrer erheiternden Wirkung ivegen gefallen lasse» ivili, die Herren Liechtenstein nnd Schneider aber ans das Enischiedcnste erinchl, zu Hanse z» bleiben. Tie beiden letzteren gehen den Kreniser» offenbar über den Spaß. «Bon de» Gcrillailkli.» lieber den Perlanf des letzten Germanen bnud Festes in Salzburg, das bckannilich de» stockaiuiseniilischen Charatier der Saisonstatl Salzburgs beiveiscu sollic, lesen wir nachträglich solgenden Bericht, den die „Unversälschlen Tcnischcn Worte".von einem verstimmte» ger manischen Fesigastc erhielten. Der „Geüosse" de» Schloßherrn von Rosenau schreibt: „Am Bahnhöfe war Niemand znm Enipfange der täcnosscn amvesend; inan überließ die Ankommenden ihrem Schicksale; kein An ge, keine Hand -bewegte sich, keine Fahne ivehte; im Schoße der «äemeindcvcrtretnng der »rdentschen Stadt Salzburg halte sich keine Stimme erhoben, und die Bunde-? leitung hatte bei der Gcmeindevertrclnng nicht einmal den Hauch einer An regung gegeben, daß die B.-rircicr de? Bnndc», der sich stolz ,Geri»ane»bnnd' nennt, ans irgend eine, wie immer Namen habende Art zn begrüßen oder z > cnipsang-n seien. E:»ig-' in Zalzbn-g klebende Ma-ieran-'-l, äi--', die kanni F -