Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 75 (10.9.1893)
- Date
- 1893-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Kriloge 31111t Jrricti Blntt, @njnn zur Abiurhr brs Aiitilriiiitreiniis. Wien. I. Seikerstütte 10. —W—' -—---1-. '-L.-Jt.K.K -- - , ■ ■■ 1 ■!,. Pit Juden Ilnd der Nnlisemitisnlns. Israel unter den U n t i 0 n e n. Bo» ‘ Änalole c£croij-'3$cauficu vom rraigösochen „luüitut. Slutoriürtc Ucbcrctjunq. 17. ,Vott'cyung.) Und hier wieder pfui über das 'Pharisäerlhuni! Es isl kein französischer Fehler, wir haben gerade-genug mit den unserigcn, ahne jene der ileachbarn;u entlehnen. Besicht hier eine Ueberticscrnng, eine Äbstaniinungsfolgc, so in cs bei uns Ariern, mindern Ronzs und Griechenlands, der Ialt, welche das Taufwaffcr nicht gereinigt bat. riese Eorruptionsader,. diese inorälifche Lchininiclkrustc, welche nch immer weiter ausdehnt und über die Oberfläche nuferer Est fell'chaft hinbreitet. gehl weil vor nufere Zeit zurück: bis zur i^ehciinliteratur des XVIII. Jahrhunderts, zur Rcnaisfäuee,;nni Mittelalter, 51ml Alterthuin. Hätte das England der Restauration nicht sein Theater, und das Italien des T.natro oder des Einque« eento nicht seine Erzähler und seinen göttlichen ülmjiio gebabt, 10 könnte inan annchnien, daß auch da ein Product des gallische» t'-'eistcö vorlicgc: 'Einige würden sagendes lateinischen (Zeines. Lröoher stammt in Wahrheit diese verworfene, rohe zugleich und überfeinerte Literatur, das schamlose Loblied zur Brrherrlichung der von der Kirche ujid von der Lnnagoge verworfenen Linncs-i . lüfte V 2ic kommt von dem Rcnheidenthum, dem wiederhergestellten . Fleisches- und Linneseult, welchem nch zugleich der entjndcte Jude und der cnlchristetc Ehrist hingeben. Beide, Jude und Ehrin, hätte» zu ihrer Reinigung und Heilung nur wieder in-kie fühlen O’c ivässer der Iordansgucllen am Iuße des Hcrmon unterzulaucheu. Berhchlen wir uns nicht die B-alüheit, füz den Juden in nicht Alles Gewinn bei feiner Annäherung/ an,' »ns. Tic unvermittelt Berührung mit unserer Eivilisation wird, sowie den Orientalen, Ehrinen oder Moslem's, auch ihm häung verhängnisrvoll. Mit dem Eonragium unserer Ideen erliegt er der Ansteckung unserer rasier, a'egen diese Krankheiten gibt cs keine Lchupsicherheil. Leine Moral in nicht daran schuld: die'jüdische Littenlchre in dieselbe, wie jene der Ehristcu, sie weicht nur durch Lchattirungcn datwn ab: ne ist auf denselben Eststtcsglauben und dasselbe Zehngebot gegrüudst. Jur den Inden vielleicht noch mehr als füx den Ehrinen giZt, daß er mit der Preisgabe der Eultusübungcn und des Glaubens feiner Ahnen feiten die Moral nnversehrt bewahrt, welche in diesem Glauben einvcrleibt und in diesen Riten cingchüllt in, wie die Mandel in der Lchale. Es trifft dies insbesondere bei der E'eschlcchts moral, der tieufchhcit, zu, jener gebrechlichen T ugend, welche eines religiösen Haltes und wie eines göttlichen Bormnndes zu bedürfest scheint, um dem Lturine der reidcnfchasten zii widerstehen. II. Es gibt An Bolk, welches vielleicht mehr t^rund als wir zur Anklage gegen den Juden hätte, au seiner Bcrderbung gearbeitet zu haben. Es.ist dies Teutschland. Israel hat im Lchristlhum und.Geistesleben unsestcr ')!achbarn einen breiteren 'Raum cingc nomincii als in Frankreich. Im Z'andc Heine's, Marx's, Vanalle's find die Lchriftstcller jüdischer Abkunft regio». Biele von ihnen haben lange in Frankreich gelebt und vom französische» a'fittc ge kostet. Mögen die Tculschthümlcr gegen die Juden den Bvrwnrs erheben, den lugcndsanicn E'ermauicrn den E'islsioff des iranzö fischen Geistes, feine Lpotlsuchl, .seinen olserfläehlichcn Lkcptieisinus,^ seine Littenlosigkeit, seine Respectlosigleit, seine Aufruhrinstinete cingeiinpst zu haben, ich halte mich »irftt darüber auf — unter der Bedingung, daß sie anerkennen, die Juden hätte» ihnen auch etwas von unserer Estnechtigkeitsliebe, unserer hVmam-riln'it, unserer h'eringschälrung für veraltete Aasteuuuterschiede und Hierarchien, unserem Bsiderwillcu gegen Heucheln und eonveiitiontlle rüge» cingkstößl. Lo nainenllich Börne und Heine, die feindlichen Brüder, iie 1 beiden israelitischen .stortiphäen des „Jungen Teutschland", welches Nach Menzel nichts als ein junges Palästina gewesen.. Tein * schichtsschreibcr des Iudeuthnius, t^räp,'" erscheinen Börne und Heine wie zwei Engel mit Ruthen bewehrt, um die. deutsche» : Berschrobcnheiten zu geißeln, hstm; richtig, diese Lülnirutheu jedoch sind in französische Essen; getaucht worden. Tieie' beiden, Erzengel sind nicht die einzigen deutschen Juden, welche uns etwas! entnommen habev- Man könnte in minder hoben Lobären noch viele Andere anführen: unter den Zeitgenossen Paul riudau beiipiels weife und Max Rordau. Bei alle» diesen Juden Teuischlands, selbst bei Heine und : Börne, ganz wie bei Vassalle und bei Earl Marr, den beiden Halb, göttern des überrheinischen Loeialismns, spürt man darum nicht minder die deutsche Erziehung heraus, den deutschen Untergrund, das' germanische Lubstratnm. Lleekt in ibren Adern' ein ver borgencr h’ifiiu'ff, so ist er weder ganz jüdisch noch ganz mm ' zönsch. Tie Aitalm'c findet darin ein feineres das geradeiveg; von dem gelehrten Teutschland herstammt, von seinen Tchule», seinen E Hochschulen, von seiner Philosophie. In allen urdentichen Juden, mögen sic das junge Teutschland und die volitiichen Revolniiouen inspirirt öden dem Loeialismns und dem Elanenkauws das B-ort geredet luzbcu, iterft Hegel und Hegelianismus. Auch dadurch 'ge hören jsie so recht ihrem Vande, ihrer Zeit. Teutschland hat nicht das Recht, ne.zu verleugnen. Haben etwa 'die Ii^den in Teuiielilaud das Alleinrecht des geistigen Radiealisluus und . der philosophische» oder politischen Ber, neinungen besessen'?. Ttirner beispielsweise, dies Urbild der listen, tViepiche, welcher'das streu; den giftigsten der Bäume nennt, sind doch, das ich wüßte, nicht von. Haust Jacob. Und hat i nicht unter den Zeitgenossen Heine's. die mit ihm vom deutschen! Bundestag geächtet worden. h'uistow, der gelauste Berliner, am; helllichten Tage feine Abneigung gegen das Ehristenthuni und den! nazarenische» h'eist zur Lchau. gestellt? Haben die Juden oder die Jüdinnen die Teulsären gelehrt, sich über die alte Titte hinweg : znsc^en? B-enu einmal die Tochter Moses Mendelssobn's die! Theorie von der freien Ebe in^die Praris überzu'tragc» gewagt hat,' so brachte sie eben lediglich die h'run!)säl»e eines Ebrist^i, eines!. M'nstikers, eines der Begeisterer der deutschen Üeoinautil. /Friedrich Lchlegcl's, zur Änwendnng.Tie jüdische Iran, diese Trienialin. welche man uns als durch den Talmud geknechte' utid herab! gewürdigt hingestellt, hat allerdings des festeren der deutschen Iran .! durch ihr enianeipirtes Böeien und ihre bei einer Irau^unichistliche und besorgnißerrcgcudc Estistcsbildung Aergerniß gegeben. Ueberall, und in Teutschland vielleicht mehr als anderswo. Hai die jüdische Iran einen großen Aulheil au der Böiederaufrich'lung Iaeob's [ „i'Mdnditt der Juden". B. XI, 2! Aiiofriili Lititegel in >'ei»e»i Rom»» ..rueinke". T>t>!ege> b.ri '.il'ugen»- 1 die Tvctner -.'Aendeleiohn'e, die El'ri'iin ivurde, gelieirann.