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Freies Blatt · 1893-09-03 · 74 (3.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
74 (3.9.1893)
Date
1893-09-03
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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hiesigen Bevölkerung angezogen und aufgesogcn werden. Diese Jude», die kurz vorher in ihrer Heimat vielleicht »och ein abgeschlossenes Ganzes bildeten, nehmen hier vollständig den neuen VolkSgeist ans, fühlen sich keineswegs mehr als Volk unter dem Bolle, sondern als Angehörige der Gesaminteinwohnerfchaft Die Eintracht, in der sie mit ihren Mitbürgern leben, bringt cS z»it sich, daß sic cS ,sicht »öthig haben, der Erziehung ihrer Kinder eine Richtung zu geben, welche die selben für den Kampf gegen die alten cingecrbten Borurthcile der großen Masie zu stählen und ihrem Geiste eine ' besondere jüdische Marke aufzudrücken hätte. Der Kenner der Tricstcr Verhältnisse wird mir Recht geben, wenn ich die Ursache hiefür in dem Entgegenkominen der hiesigen Bevölkerung den Juden gegenüber erblicke. Dieses Entgegenkoiiimcu ist jedoch keineswegs auS einer außergewöhnlichen, cdclinüthigcn und hochherzigen Vcr anlagung der Triestincr herzulciten, sondern lediglich ihrem gesunden Menschenverstände zuzuschreiben. ES gibt auch hier arme Handwerker, die des ewigen Ringens umS liebe Brot überdrüssig sein möge», aber sic sind intelligent genug, in diesem Ringen eben den Kampf »ms Dasein, den Kampf gegen Eoncrirrenz, jedoch nicht gegen spcciell jüdische, katholische oder griechische Eoneurrcnz zu sehen. Ganz anders bcnrthcilt der Triestincr die Wiener Inden, die ihm »ach den Schilderungen der Antisemiten bekannt sind. Er sicht in ihnen den Schrecken der Wiener Bevölkerung, bedenkt aber nicht, daß diele letztere und der Antisemitismus Schuld daran hätten, wenn die Wiener Inden wirklich eine scparirtc Stellung einnchnien würden. Eharaklcristisch für das Besagte ist die Anschauung eines schlichten Dricster Bürgers, der mir beim „eafe nero" auf meine Frage alles Gute über die hiesigen Juden mitthcilte, dann jedoch übrr die „Ebrei viomn*si* derart loszog,, daß ich glaubte, einen Wiener . Schustcrincistcr und Parteigänger l'ncgcr'S vor mir zu haben. Die Berhältniffe, wie sic in Trieft vorherrschend sind, die Eintracht zwischen Inden und Richtjndcn bilden einen Beweis, daß nicht der Jude den Antisemitismus, wohl aber dieser — jüdischen Separatismus erzeugt. Die hiesigen Inden haben cS nicht »öthig, sich enger einander anznschlicßen und so eine» „Staat im Staate" zu bilden, den» hie Gemeinschaft, in der sic leben, duldet sic nicht nur, sondern nimmt sie anch vollständig als gleichwcrthigcS Element in sich auf: diese Gemeinschaft kennt keinen Unterschied zwischen Inden und Ehristcn, sic ist zu liberal und zu intelligent hiezu, kur; sic kennt keinen AntiscinitiSnitiS und wird ihn aller BorauSsicht rrach nie kennen. R. H. W inte r. (Bon der Äciiosscilschaft der Klcidcrmnchtr.) Ein Ehren bclcidigungSproceß, welchen die Borstchnng der Grnosicnschaft der Klcidcrmacher in Wien im Mai dieses JahrcS gegen zwei oppositionelle GciiosicnschaflSmitgliwcr anstrcngte, und der mit cinein Frei spruche der Angeklagten und einer cclatantcn Niederlage der Vorstchung endete, hat eine für die Genossenschaft sehr günstige Wirknug hcrvorgebracht. Ende Juni fand eine Bcrsammlung von Schneidern statt, welche, nach cinein Referate des Anwaltes der oppositivnclleii Gcnosicnschaftsmitglicdcr Dr. jTScar Hei n, eine Eingabe au die Ge werbcbchörde um Revision und Richtigstellung der seitens 8er Ge »offcnschaftSvorstchung vorgclegten Schlußrechnung pro Ul. Deeembcr 1801 und Einrichtung einer geordnete» Buchführnng beschloß Diese amtliche Ucbcrprüfunef hat stattgcfinidcn, und die GenosicnschaftSvorstchung sah sich gcnöthigt, auf Grund derselben einen richtig gestellten Bericht für daS Iähr 1801 hcrauSzugebcn, auS welchem erhellte, daß das Bermögeli der Genossenschaft am Ul. Deccmber 18'01 nicht, wie cS in dem ursprüngliche» Rechnungsberichte hieß, 3Ü4.284 fl. 3 kr., sondern 333.470 fl. 0kr. betrug. ES ergab sich also zwischen dem seitens der Borstchnng der GcnosiciischaftSversaminlnng seinerzeit vorgclegten ursprünglichen und dem nnnmchr verösscinlichten richtiggestellten Rechnungsberichte eine Differenz von 20.813 fl 04 kr. zu llngnnstcn der GenosienschaftScasse. Die amtliche lleberprüfung hat demnach dargcthan, daß der gegen die GenoffensckiaftSvorstchnng er hobene Vorwurf der mangelhaften und incorrectcn Buchführung sowie insbesondere der weitere Borwurf, es sei der GenossenschaslSvcrsammlung seitens der Borstchnng ein in der Schlußzisscr nnd in wesentlichen Detailziffcr» unrichtiger Besiystandanswcis vorgelegt worden, voUkomnicn berechtigt war. Diese Thatsachc hat den» auch einen großen Dheil der bisher in rein antiscnii'tischem Fahrwasser befindlichen Schneider ineistkr soweit aufgeklärt, daß die klägliche Wendung des Vorstehers Fenzl.in einer am 23. August stattgefundcnen Generalversammlung, man werhe ihn „doch nicht wegen eines Druckfehlers abscycn", schallende Heiterkeit hervorricf und daß das Absolutorium nur unter Protest eines großen ThcilcS der Genossenschaft, unter Führung deS Herrn Maffanetz, erthejlt wurde. C'inc Charakteristik 0'cßllltlllll's. Ans Arbriterlreisrn schreibt man . unS: Bei einer am Sonntag in T o. »aufetd unter ireiem .Himmel abgehaltcncn Arbeitcrvcrsamnilnng zu t^nnüe» de-.- allgemeinen Wahlrechtes gab der soeialdemokratisckie Reierenl "B r o d eine Ebarat-, teristik Geßmann'S .zum Beste», die von de» »all, Tatt'enden zählenden Anhörern mit stürmischci» Beifall ankgenoinme» wurde Brod fand, daß Geßmann'S ganzes Auftreten, namentlich seine Sprache, an cincü polnischen Juden erinnere, der einige Aeit in Wie» gelebt und sich cmaneipirt lmbe. Dann fuhr er fort: „Wie die Hunde lauten uns die.Ehristlich-Soeialcn überallhin nach. Wenn wir heute irgendwo eine Versammlung abhalte», erscheinen sie acht Tage später nnd glaube», uiit ihrem Gekläffe de» Eindruck unserer Rede» verwische» zu lönnen. Vorige Woche erst erschien der fade Schwäger Geßinann in Mährisch Schönberg nnd hat sich dort gcbcrdct, als wäre er ein Freund des Volkes. Dieser Mensch wagte cS, die Arbeiter zu beichninhen. welche nur daS Interesse der eigenen Bruder vertreten. Volksfrennde, welche, wie Geßinann: znr christlich feudalen Pfauen nnd Innkersahne schwören, kennt inan. 'Wir brauchen sie nicht, wir brauchs» ehrliche t'cnte, welche t'iebe znr Freiheit, t'icbc.zu»i Volke habe»." iFlllgschriftc». > Durch die Adinsitistration des „Freien Blattes" (Wien, l, Seilerstüttc lO) können l^esiniuingSgeuosscn folgende Bro schüren gratis nnd fra nc o chezichen: l. Bericht der zweiren Generalversammlung deS Vereines zur Abwehr des Anti-' scmitiSninS 1802. 2. S t e n o g r a p l! i s ch c s ProIotoll der am 13. Selobcr.1802 vom Verein zur Abwehr des AntiseniitisninS ver anstalteten Prolcstvcrsamiülnng. 3. „Die rechtliche Stellung der Inden in Oesterreich" von Dr. Gustav Heinrich Fall. Wien 1802. - Verlag des Vereines zur Abwehr des Antiseinitismus. 4. Bericht der dritten G e n er a lvcrs a m m l » ng des Vereines zur Abwehr 'deS AntiseniitiSniuS 1803. — Um Weilcrvcrbreilniig dieser Schriften unter NichtgcsinnnngSgcnossen wird gebeten! «Der wirthschafllicht Bolicott ü»f coiifcffipncllcr Basis. > Wir erhalten anS Leserkreisen folgende Anschrist: Der Prager Stadl »crordnete und Handschuhmacher Herr BieznovSk» genießt und erfreut sich allgemeiner Bekanntschaft weit über die l^renzen. seines engeren Vaterlandes hinaus. Als Knappe und Schildträger der Pa>at»- schcn Politik ist besagter Herr überall dort.zu sind eil., wo dem Tschechen thnm angeblich durch Deutsche oder Inden eine Gefahr droht. Dieser EhauvinisinnS, auf seine logische Berechtigung geprüft, isi nicht, unähnlich der.Denkart eines unserer 'Wiener Stadtväter ans dem VII. Wiener» Geiücindebczirke, der in ' seiner Don- S-uiroteric soweit geht, daß erden Juden Mordattcntatc auf seine 'nichts weniger als bedeutende Persönlichkeit insinnirt. Die beiden Eisenfresser haben aber, »och eine andere Eigenschaft gemein, und cS dünkt uns, als ob gerade dieies Ausammentreffen kein zufälliges, sondern vielmehr ein.in dem Wider, sinnt der ganzen antisemitische» Bewegung begründetes wäre: «'''regorig und Brezuovski, verlangen, daß ihre arischen Gesinnungsgenossen „imr bei Ehnsten" kaufen oder wie cS im tschechischen Jargon heißt: ..8rüj Ir --vr-tnn". Fstr ihre eigene Person aber halten sich beide Herren an daö Vorbild jenes . Priesters, der Wast'rr predigte und Wein trank, Grcgorig und Breznovskn decke» ihre» -Bedarf bei,Ind--», BreziiovSkN sogar bei einem deutschen Juden »ainenS Heidenreich. „Hcidenreich'ö «Handfchnhc sind die besten", >o lautet die deutsche Rcelstnicaufschrlst in dem Handschuhladen deS radiealen Politikers ans der Prager Gcmeindestnbc. Daß Gregorig und Bräznevsln nickik ivinen solltcn, daß sie bei Juden tansen, glaube»-wir nicht:'» so gering man von der Eapaeitäk cineS antisemitische» «''«eliirnes denken mag,-- daS mnth-'n wir den Herren doch, nicht zn Der Fall zeigt wieder eininäl recht dentlich, daß der wirthichafkliche Boneott nur eine theoretische Spielerei des 'Prinzen l'iechienstei» ist, und daß jeder Käufer, mag er selbst Gregorig oder Breznovst» heißen, dort tant'i. wo er seinen Borkheil sinder. So wenig wie die national tschechischen Eonsuiuvcreine in Böhme», ebensowenig, werden die „christlichen" <'Y schäfte anS dem berühmten geschäftlichen Wegweiser eines hochweiien Professors proiveriren. Geschädigt wird nrir daS christliche Volk ' : m— r. > Das Stcillwcildcr-Prostrailllll. » Das neue Sieinwender Pro gramin, welches seinerzeit int „.Freien Blaue" eingehende Erölternng fand, macht mit seinem erborgten Bekielstiiicr wenig Eärrü-.e. In nationaler Hinsicht hat cs von der Gcsolgichafl des freierwählten. D n markhcrzogS wenig l'ob erfahrest, und die 'soeialistikche Schminle wurde ihm neulich von dem „R or d b ö h ui i i ch e n Volksboieu" her untergewischt. DaS genannte Blatt erklärt die in dem „neuen Pro gramm" angekündigte Rettung deS „(leinen Männes" für eine be *) Wa» wenigstens Gregoeig betrüft, glauben auch wir dies nicht: N*nn der fragliche Herr dürfte nur'zu oft an serne» jüdischen Vei käuier — lagen wir: von demselben — erinnert werden. - '.’limi. d. Red.

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