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Freies Blatt · 1893-08-27 · 73 (27.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
73 (27.8.1893)
Date
1893-08-27
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Nr. 73. Freies Blatt. Seife 7. zückung, wie die folgende Stelle seines Berichte« zeigt, ES heißt da: „Als letzten Redner führte die Tagesordnung Tr. Lueger a», >i»d ivie immer, wen» dieser populäre Bolksmann daS Wort ergreift, so wurde er auch, d eSmal nti« da» Enthusiastischeste begrüßt. Rur allmälig gelang eS ihm, seinen Worten in de» begeisterten Zurufen, die ihm hntgegeuschallten, Gebär;» verschaffen. Aus diese» herzlichen Enipsong ihre» populären BolkSnianneS waren leibst die Wiener, von denen sich zahlreiche in der Berfa,ninlung cittgesuutei, ballen, nicht gefaßt-, denn inan hatte ollgemcin »ach de»' verhetzenden Artikeln, eines hiesigen liberalen Blättchens erwartet, daß dieselbe» doch nicht ohne allen Eindruck bleiben würden — und nun dieser Empfang!" Wir haben schon oben erwähnt, daß lanin fünszig Salzburger in der Bersammlung anwesend waren. Wer nu» den obigen Erguß. de» „Teuttchen Bolksblalt"-Lcribisax liest, der muß zu dem Glauben verleitet werden, daß diese» Häuslein Salzburger bei kein Erlcheine» Lueger'- i» sörm liche Ekstase geralhen, Freudenpurzesbäume geschlagen und sich die Kehlt» heiser geschneit hat, während die Wiener al» stille, aber lies ergtiffene Zuchauer sungirteu. I» Wahrheit aber, war daS Gegeniheil der Fall. Tenn kaum haue der große Bolktribn» Lueger die Tribüne betreten, als sich wie auf Eoinmando ein ohrenbeiänbendeS Geschrei erhob, au» dein ina» in nnveksälichlestem Wiener Deutsch die Ruse vernahm: „Hoch Lueger! Serwas Lueger!" und dabei ivurde noch mit den Füßen gestrainpst lind mit Bierlrügel» in die Tische gestoßen, daß man glauben »uißle, die ganze Bersammlung sei von eincin wahren Freuden paroxiSinu» erfaßt. Es war mit einem Worte der „liöckstc Baböll' insc>nirt von den gemnihliche» — Wienern. Ta nun die Letzteren nach dein oben timte» Berichte „auf diesen herzliche» Empfang ihre» populären BolkSmanneS" selbst nicht gesoßt waren, so haben sie offenbar unbewnßl jenen Radau geschlagen, de: von dem gewandten Reporter einzig und allein dem Häuflein Salzburger in die Schuhe geschoben wird. Aus diese Weise niacht man nach 'antisemitischem Retepte Weltgeschichte.. Ter Berichterstatter Ehre» Berga,>,» ist übrigens ein Tausendsaffa! Er iveiß auch von „verhetzenden Artikeln eines hiesigen liberalen Blättchen»" zu erzählen, die bekanntlich gar nicht geschrieben worden sind. Ist da» ei» BoeativuS! Sollen wir »ach diesen Proben anlisemilischer Bericht erstarinng vielleicht auch noch ans die Reden der Trias Schneider Mulh Lueger zurülkkoininen? Wir halte» dafür, daß es schade um die Triuker'chwärze wäre. ES hieße einem Schneider, einem Lnegcr viel zu viel Ehre arilbn», wollten wir ihren Kohl, den sic iß zahllosen Wiener Beriaminlungen bereu» ausgetischt haben, noch einnrak auswürmcn. Eine Tharsache aber tonnaiire» mir mit aufrichtiger Freude: da» vollständige FiaSeo deS mit so g,oße»r Aplonrb insttnirlen Gastspiels der Wiener Christlich Sociale» i» Salzburg Es war auch eine zu starke Zninulbung, die da den Salzburger» gestellt rvurde! Einen Mechaniker Schneider, der in allen Kreisen anständiger Leute trotz der Patioiian; seiner fiirftlid)cit Busenfreundes, de» Prinzen Alois Liechleuslein, als inuurai- -njot gebrilndrnarkl ist, einen Tr. Lueger, desie» politischer Ebaralier schon >u alle» Parteisarben geschillert bat, vor» Roth Liberale» angesängen bis herab nun Christlich Sociale», zroei derartige „BolkSvertreier" „frißt" auch der Sal,bnrgex nicht. um un» urwicncrikch anSzudrücken. WaS die persönlichen Ängrisse betrifft, in welche» sich der .Deutsche BolkSblatt" Manu gegen den R.daclenr nn'kreS Blattes gesallcn hat, so iguoriren wir dieselben vollständig. Kleine Hunde »ruß inan belle» lassen. '' lTit Mobilisiriiug brr Rawralils.) Jede» dt»>sch-»,abiijche Siadlche» bat ebenso wie Znaiin seinen Rawratil, und die WienerAnliseniilen verfielen aus die Idee dieselben zu niobilisiren. Geßinann »irlernahrn zu diesem Zweeke eine Eipebilion »ach Mährisch-Schknberg, wo er die Fahne der „Ehristlich Socialen" unter dem üblichen Felbgcichrei: „Gegen Inden und Lide.alc!" ent rollte. Speciell gegen die Abgeoiduelen Tr. Beer und Tr. Fux ci'erte der Wiener Sendbote, aber er stieß auch aus Widerstand Eut social demokratischer Zuhörer »ahm daS Wort und wicS auf da» praktische Ehristenlhnin de» Prinzen Alois Liechtenstein hin, da» in de» Löhnen der landivirthschafrlichen A'beuer ans seinen Gü'ern einen beredten Ausdruck finde. Wenn auch dem socialtemokralischen Redner der Jrnhum unterlief, AloiS Licchlenslein'S Girier »rach Böhmen zu verlegen, während derselbe ungarischer Guisbesitzee ist, und Geßinann daraushin pathetisch erklärte, daß der Prinz in ganz Testerreich auch nicht eine Klafter Ackergrund besitze, so ändert daS wenig an der Sache. ES zeigte sich wieder einmal, daß die Arbeiter de» Social Reformer» dieses Schlages miß lraueil und sich von ihnen nicht auf Abwege führcii laste». Zur Mobilisirung der RawratilS in Nordmähre» wird auch Schfefinger herangezogen. Tie freisinnige deutsche Bürgerschaft wird jedenfalls gut ihn», zur Wahrung der Ruhe und des Friedens i»r Lande die Missionäre. des Wiener AnliiettiiliSliiuS auf Schritt und Tritt zu überwachen. Bon czechisch-nationalcr.Seile werden die Bersuche, Spaltung in das deutsche Lager zu bringen, mitgroßer Sr,inpalhie ausgenommen und gefördert. (Dir Wiener Antistmiten IN Roedböhinen.s Tr. Lueger, der l^nde August in Leipa de» wegen einer Ehrenbeleidigung geklagten hochwürdigen Herrn. Löpitz vertheidigen wird, soll nachher im Bund« mit Dr. Geßinann in mehreren Bersammlungcn au verschiedenen Tuen RordböhmenS spreche». In Warnsdorf, wo da» vorjährige Gastspiel Liechtenstein'» so jämmerlich mißglückt ist, soll eine solche Bersammlung am 3. September stattsinden. — Aus Rum bürg wird uns geschrieben: Dem Berichte antisemitischer Blätter zufolge, werde» eS die Antisemiten auch in dieseiu Jahre wieder versuchen, ihr Evangelium in daS nördliche Teittschböhmen zu tragen. In,' nächsten 'Monat sollen i>l Rumburg mehrere Bersaminlungen der christlich weinlen Partei stall finden, für welche Wiener Star» wie Licchten siel», Lueger, Geßmann u. A. ve, schrieben werden solle». Man erhofft sich antiselnilischerseils von "dreien Btr saininlitilgen „die Einleilnng zur Gründung »euer politischer Pereine in Teulsch böhmeij, welche die Eenlren der christlich socialen Trgaiiisation sein solle», die dorisellsti seit längerer Zeit im Stillen jwopagirt wurde." Wenn die sorijchüittlichen Parieien de» nördlichen Teittschböhmen nur halb.vegS au> der Huth find, iveiten die sailguiniichen Elurailungeu der Anlisemile» aus die Früchst ihrer unterirdischen Propaganda im heurige» Sommer hoffentlich ebenso zu Waffer werde», ivie im vorjährigen. i sTir HIN Licbcrinann.") Tie sächsische» Aittisemileu deutsch soeialer Richlittig, die dejm Eouttiiando de» Manne» der „Ehrenicheine", Herr» Lieberi» an >i v. S o>n nenb e rg. folgen, wollen' am 23 und l’I Scpleinber in Eheinni tz einen Parteitag abhalicu und über ihre Beziehungen Zu „Denen um Böcke!" schlüssig werde». Wie bekanul, hat der Marbnrgcr BolkSlribu». weichen seine Galtin so geschickt bei einem von seiner srüheren Wirlhlchasterin angestrengten Paterijitäle^rocesse vertreten baue, anläßlich der Bildung der „Deutschen Reform Partei^ die Deutsch Socialen in beleidigender Weiie nicht beachtet und in späleren BeriaiNinliiligei, kundgegeben, daß er eher geneigt sei, Ahlwardl, der sich bereits gebessert habe und noch besserungssühig sei, zu pardvnnireu, als einen Lieber,nanu in den Partkivcrbanb antzuiiehmen. Bei der Berliner Hetze gegen Stock er ivurkej denn auch Liet>«rinanu al» Helfershelfer de» in den Ruhestand verseplen Hofprtdiger» gehörig verschimpfirl. . Tb in Chcinnitz ei» Bruderkrieg oder ein sauler Friede beschlossen weiden wird, läßt sich nicht Vorhersagen.. Stöcker kennt die aisllsemilischen Kämpe» und stellt ihnen das Zeugniß aus, daß sie heute rauslnstig, morgen aber persöhnlich sintz. Frei nach Goelhc sagt er: Fatzke schlägts sich, Fatzke verträgt sich. iBa»krischc saiitisciniiischrs Bollspariri."» Die zustiniuiende Haltung der asllseniiliichrn Mitglieder deS deulschen ReichSlageS bei Annahme der Mllilär Vorlage bat auf die Anlisemiten in Bauea», die sich al» Gegner der Mililär vorlagse e>klärt hallen,, io verstimmend gewirkt, daß dieselben, wie wir dem „Rein;» Münchener Tagblalt" kittnehmen, zur Bildung einer sestgelch offenen aniiieiniiischen LandeSparlei geschritten sind Eine zu diesem Behuse naeli München einberuseilc BeriranenSmännerversammlung bat die Lmidesorganisalion einer „Bäuerische» lantisemilistchen^ BolkSparlei" beralheu und beschloste»: sie war von Sen antiscinitischen Bereiuen in Würzbnrg, Augsburg, Landsbeig, Traun stein, Pasing und München beschickt»»^ außerdem von zahlreichen Gesinnungs genosteu a»S Millelsianlen, Schlvaben lliid der Tberpial; beimlit. Ans das unter/ Klammer eingeschalteie Beiwort „a»li>'e»iitifche" wollte ina» nicht veizichle»: nm einerseits die neue BolkSparlei für alle Zeit „jtei von Juden" zu erhalten, andeverleitS aber zu zeigen, daß ma» die Fahne-der Anliseiniien: „Deulichlaiid den Detilichen!" nicht in da» Futteral stecken ivolle. Da» Prograinm ivurde erwettert durch Slellungnahine für die Erhallnug de» össeittliche» und inündlichen BersahrcnS in der bäuerischen Mililärgeiickilsbarkeit sowie gegen >ede Art von Allsinthniegeictzerl ,d. h. die Anfhebuilg der l''leichbeleäiiignng der Juden wäre den bäuerischen Anliieuiilen selbstperständlich rechl, undihre Erklärung gegen jede Art von AuSnahlnSgeiktzen diückl in elfter Linie deil 'Wunsch nach Beseitigung' de» IesuiiengeseveS aus) Alljährlich soll ein Parlciiag abgehatten werden. Die osstcielle Beschickung de» Parleitage» der „Deulschen Rosorinparlei" in Mar bürg wurde abgelehnt, hiebei jedoch hervvrgehoben, daß die „Bäuerische (aittiseliiiiche) Bolktparlei" die gcmciiffai»en nalionalen Ausgaben der. deulichen anlise:nitischcn Bewegung getreulich verfolgen werde, obnz,sich um de» Streu der Parteisührel zu küinmern. Gegen de» lärinenden und aikmaßeiiden Berliner Bierbauk n n d R a d a u 7 A »l i s e in i t i»in u », der. wie das dortige großsprecherische Wkscu überhaupt, mir ';» oft jeden Zug von geistiger Tiefe und sittlichein Ernst vermissen lasst, wurde ausdrückliche« Benvahrung eingelegt und -hervor gehoben, daß die „Bäuerische , anti-einilistche BolkSparlei" in ruhigei». frnsteni und maßvollei» Schaffen da-) gesteckte Ziel zu erreiche» suchen werde Ruhe, Ernst »»d Maß sind, da doch von Anliielnilen die Rede ist, keineswegs buch stäblich;» nehmen Die bäuerischen Aittiielnileil ivollen übrigens zwei Fliegen mit einem Schlag lödlen -und »eben dem Hepp! Hevp! den traditionelle,i Preußenhaß pflege». 2lu£- autifcmitifdvn Blättern. >Dic nationale Frage in Böhmen, Eine ganz neue Walze in das aue Werket von erdichtete» Recriininalionen gegen die Juden hat da» „Teul'che BolkSblatt" fiingst mit einem „Deulichthuin und Indenihuin in Böhmen" überschriebeneu Artikel eingelegt. Die geschriebenen Delirien des „BolkSbtatteS" gipfel» in der abenteuerlicheu Behanptilng, der Grund der nalionalen Ab neigling der Tlcheche» gegen die Deutschen -liege in der Berbindung von Liberalismus, Deutschlhum und Indeiilhui» in Böhmen, tmd die erste» nationalen Kravrtle in Prag wäre» keine- Deutschen, sonder» Iudenkravalle gewesen, die erst, al» sich die Jude» hinter dem „deutschen Casino" verschanzen durften, zu

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