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Freies Blatt · 1893-08-27 · 73 (27.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
73 (27.8.1893)
Date
1893-08-27
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Seit« 8 Freies Blatt. Nr. 73. Deutschenhetzen ansarteten. Wenn sich nicht etwa ein Spaßvogel mit dem ..Deutschen 4'olf^btütt'' einen schlechte» Scherz erlaubt, indem er ihm auf dessen erprobteZInw ffenbeit rechnend, derartige Artikel einsender, io ist et höchste Zeit, bie eigenen Schriftleiter des „VolkSblatteS" ans ihren Geisteszustand;u prüfen. Sie ersten Verfolgungen, weickir die Deutschen in Böhmen zu erleiden hatten von Boleslaw bis auf Zisfa, zogen sie sich eher wegen ihre» Berbinduug mit dem Ch'iftenthum und fpeciell mit dem katholischen Christenthum zu: aber dieselben reichen auck, weiter zurück als die Weisheit des „Deutichen VolksblatteS", welchezuletzt auch noch den PanslaviSmuS rechtfertigen wird, weil er sich angeblich nicht gegen die Liilrur und das Teutschthum, sondern bloß gegen die bilden kehre. In der Thal wünscht daS ..Deutsche Bolksblarr" zum Schluffe seiner Ausführungen zum ioundiovielteumale, daß Rußland für uns vorbildlich würde Lueger und Canal.). Mit jenem brüderlichen Wohlwollen, welches die einzelne» Ai,lssemitena»führer gegen einander hegen, läßt Schönerer in den ..llnverfälichien Deutschen Worten" schreiben: „Auf den in HernalS allerorts angeschlagenen AiikündigiiiigSzetteln, betreffend das unter Leitung ' H o h e n a u e r's staltsi,idente Freudenfest;u Ehren Lueger», ist auch eine Aufsührnng deS RingkänipfeiS Canal verzeichnet. Dieser Canal ist der Besitzer .n»d Belreidec des für .christliche Familien' recht einladenden RachlkaffeehäuSchenS ja der Lchulgaffe zu Währing." ,Antisemitische Geographie > Zn einem, in wüthender Proia verfaßten Reiieartikel deS „Deutschen Bo lksblä l res" ,Rr. I6i!Z vom LI. Anglist ni,der sich die sensationelle Bemerkung, die Wiener Anlisemilen ballen die Zeit ihres Aufenthaltes in Salzburg benützt „um die llmgebung dieses reizend gelegene» DonaustädichenS zu rccognosciren". Salzburgs — Donauniidlcheu ist wiiklich gut gesagt. Rächstdem miiffen wir doch einen schon lange gebegte» Plan" auSfüdren und dein „Deutschen, VolkSblattc" eine Redaclionsgenvernanle bestellen, welche die Ausgabe haben wird, die mangelhafte Schul biidiu'.g der Herren Schriftleiter einigermaßen zu ergänze». , „Ziidifche Nadicale."i Z» der „Gazera Rarodowa" erscheinreine Serie von Ariikelu, in denen Herr Merunoiviez die Kundgebungen der 'ogegianuten Zionisten zusammensteUr, um daraus Waffen gegen die Zuden zu 'chiiiieden Herr Merunowiez gehört zu jener Speeies, die sich als -rento iiuili, uns. uuiione l'ulonus bezeichnet und die nur in Galizien in den Boeder gnliid tritt, in Russisch Polen aber auSgestorben zu sein scheint. Er hat im galizische» Landtage und in der polnischen Presse schon bei verschiedenen Gelegenh.iien 'eine Zudenfeintlichkeil bewiesen. Die „Gazeta Rarodowa" aber ist seil ihrer Griindung ein journalistisches hötel garni Sic brachte vor Zähren Ber iiiiglimpsunge» und dann wieder Berherrlichnngen deS Grafen Ägenor Golu chowski. Dr Wilold Lewicki hak an derselben Stelle die AssimilalionStähigkeil und die AssiinilirliiigSbestrebiingen der Zuden nachgewiesen, an welcher jetzt aus Grnnd der Aeußerungen „jüdischer Radicaler", wie Herr Merunowiez die Zionisten »ennk. die Zuden de« Mangels an Bürgersinn und au BaterlandSliebe. ejneS gefährlichen ZrredeniiSmus beschuldigt werden. Wir haben das Widelsimiige der zionistischen Bewegung, welche nur den Äulisemiien gelegen kommt, schon bei eiueiw früheren Anlässe hervorgehoben. Für daS Ausmaß bürgerlicher Rechte in Sesterreich kann ledoch der Umstand, daß ein Häuflein Z»de» siir den ZioiiirmuS schwärmt, ebenfowenig bestimmend sein alS die Thal -ache. daß zahlreiche Polen sich noch immer nicht von der „jagellonifchen Zdee" loSgeiagl haben. Sjpiomi >at! vvy t(rin Korb Der .Kummer, den die Ahlwardr'schen Streiter den Herren v Ha mm erst ein und Stöcker durch ib(e Borwürie und ihre Reipeellosigkeil vor bocheoii'ervative» Besitzständen verursachen, bar zur Folge, daß die „Iren; zestning" sich heißer als je nach-einem clerical co.sseivaliven CarleU sebiil Erst kunzliä, ivieder bat sie dem Centn,,» den Rath gegeben, Herr» Lieder zu. ent ldrone,,, den Freiherr» v Luol-Berenberg zum Führer zu wählen und ro» ilim in die weitgeöffneren Arme der hocheouservalive» Freunde sich rühren ,;:i lauen Dieser Rath ’äut aber auf den denkbar nnziilistigsten Boden: aus der» elerieale» Lager wird nur mit Hohn und Svoli geantwortet. So schreibt l die ...Köluiiche BolkSzeitung": „Wir möchten der .Kreuzzeitung in aller : Fieuiidichafr ratden, wenn sie Wün'che in^ Bezug aus Haltung und Leitung deS : CsnliumS hat, doch keinem Mensche» ein SrerbenSwort davon zu verrarhen. Zhre Pioleeiion lann alle damit Beglückten in den Augen der Katholiken nur! vsidächligeil.-wen» sie, was nicht der Fall zu fein pflegt, überbaupl eine Wirkung anSübl." Roch zierlicher ist der. Korb geflochten, mit dem die i Bonner „Reichs;eir,uu-g" die Freiwerberin für daS antisemitische Zunkerlhum I heimschickl. Ta heißt eS kur; und grob: „Entweder haben dieKreuzzeitunzSmänner ein Brett vorssn Kopf, oder sie glauben, ivir hätten eins davor. Da da» letztere nun nichtder Falk ist, so ivird die Geschichte wohl beim Alten bleiben." AuS dem bajuvarische» Walde wird eS »och ganz and/ps herausschalle» (Stöcker und Cremer.) Parallel den jetzt auf ^er Tagesordnung stehenden Plänkeleien zwischen den Antisemiten und den antisemitische» Eonservative» gehen allerhand Zänkereien innerhalb der conservativen Partei und ihrer Preffe. DaS Stöcker sche „Volk" wirft dem von dem Abgeordneten Crelner redigirten „Teltower Kreisblatt" „GeschäftSconservatiSmuS" vor, weil eS, um gnt unterrichtet zu sein, auf die Mitarbeit eine» freisinnigen Berichterstatters nicht verzichten will. Dem Perhalten deS „Kreisblalics" sei eS zuzuschreiben, wenn „seil Jahren die conservative Sache ii» Xreise den Krebsgang gehe". Aus dem Artikel des „Volk" geht hervor, daß Herr Cremer diesem Organ, welche», wie eS sich auSdrückt, sein „uneonservativeS Gebahren" vor die Oeffentlichkeit geigen hatte, „verächtliche Tenunciation und gehässige Verhetzung" vorgeworfe» hat. Darauf entgegnet da» Organ Slöcker'S ziemlich giftig: „Dergleichen Kose Worte ist man von dem ehemalige» Chef der .Germania' gewohnt. Sie lasse» uns kalt. Wenn er sich über unseren Einspruch gegen derartige Vorgänge verbietet, >'o irrt sich der sehr ehrenwerthe Herr^ wenn er glaubt, daß wir uns daran kehren. Das .Volk' wird nach wie vor die Fehler rücksichtslos aufkecke», die von confervativer Seile gemacht werde», und eS wird zu dieser seiner Dhütigleil nicht erst daS .KreiSblalt' um gütige Erlaubniß bitten. Zum Schluffe wird das .KreiSblan' persönlich. Es sieht in unserem Artikel .verzweifelte Anslreugunge» im Kresse festen Fuß zu fassen', ferner, daß wir dem .Kreisblatt' die Abonnenten nicht gönnen und .mit Hilfe der gehässigen Verhetzung und der verächtlichen Denuncialion Abonnentenfang betreiben', welches Verfahren' .mehr an de» Pöbel als an das Volk erinnere'. Nicht wahr, eine nette Stulprobe eines sogenannten gebildete» Mannes." ES gab, hebt daS Berliner Abwehrorgan hervor, eine Zeit, wo das Brüderpaar Stöcker Cremer gemeinsam in de» Kampf gegen die'Zudeu zog. Run ist auch diese Frenudsitiaft zu Ende, und „fallen seh' ich Blatt auf Blatt!" Briefkasten.?). Z., Krems: Z» ihren Betrachtungen über die „Früchte des CölibalS" geneialisiren wohl die „Unverfälschteu Deutsche» Worte", aber Um» sie da» nicht auch in einem späteren Aufsätze, der die Verurtheilung einer Wochenblattes wegen eines Vergebens gegen die Sittlichkeit zum Gegenstaude Hai V Die von Zhneu bervorgebobeue „Animosität gegen den katholischen CleruS" Ijielt übrigens einige Theilnehmer am christlich-socialen Ausfiug nach Salzburg nicht ab, sich mit Schönerer Bildnisse» zu schmücke». P. B-, Krakau: Professor Charcot ist am 16. August gestolben: ob auch er eine Meinung über de» Xorvozuiliw vovagsur geäußert hat, ist uns nicht bekannt. Zur gefälligen Beachtung! Wir crfiidicu jene 1*. T. Präiuimkrantc», deren Abonnement mit 31. August d. 3-;» Ende geht, dasselbe rechtreitig $u erneuern, damit keine Störung in der Expedition eintrcte. Ter erste Jahrgang des „Freien Blattes" ist durch nnscr Bureau gegen Einsendung des herabgesetzten Preises von ö. W. fl. 1.— oder 2 Kronen zftatt ö. W. fl. 2.5tk oder Kronen) zn beziehen. Wir erlauben uns darauf aufmerksam zu machen, daß wir bei Urbcrscndnng von Abonnementsbeträgen zwar Poslinarktn, nicht aber Stempel an Gcldesstatt annthlnen können. Ferner er suchen wir dringend, sowohl bei Abonnements-Anmeldungen als Reclamationen |tnnie nnd Adresse (besonders Ort und Post leserlich zu schreiben, da wir sonst bei bestem Willen nicht in der Lage sind, eine Bcrantwortung siir nichtbestelltc Exemplare zu übernehmen. Die Administration. Beitrittserklärungen zum „Bcrein zur Abwehr des Antisemitismus" werden entgegengenommeu im Sekretariate des Lereines, Wien, I., Parisergafle 4. , , _■ _ j Aboonemetttsanmelduugen auf das „Freie Blatt" nimmt die Administration, Wien, I., Seilerstätte 10, jederzeit entgegen. /Ebendaselbst werden auch einzelne Nummern abgegeben. Probeuummern zur weiteren Berdreituug des „Freien Blattes" werden lSesinuungSgenossea' aus Berlangeu bereitwilligst zur Lerfugung gestellt. Herausgeber: Ernst Victor Zenker. — Verantwortlicher Redakteur -in zeitweiliger Abwesenheit des E. V. Zenker): Josef Vorwahlner Druck von CH. Reißer & M. Werthner, Wien.

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