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Freies Blatt · 1893-08-27 · 73 (27.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
73 (27.8.1893)
Date
1893-08-27
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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feite T.XIY. ^etfjdc zum Freie» Vruun zur Jlhmehr Sds ’lntifemitism»#. 'i'ocun wir von den Dichter» auf die Miinftlcr, die Musiker, übergehen, so werde» sich uns ähnliche Betrachtungen aufdräuge». Gerade iu jener >lunst, worin die Inden die widcrhallcndsten Triumvhc gefeiert, haben sie vielleicht am wenigsten schöpferische Fähigkeiten gezeugt. Bemerken wir vorerst, daß cs ebensowenig eine jüdische Musik wie eine jüdische Dichtkunst gibt.17ti> tie hat nur jüdische Musiker gegeben, welche sich alle an ihre Heimat oder an das Vaud anschlicßcn, wo sie gelebt haben. In all diesen Lprößlingen Jacobs erkennt inan deutsches, französisches, russisches, englisches Pflanzreis. Csiichts bei diesen jüdischen Musikern sieht einem nationaljüdischen Genie ähnlich. Wer hätte sonst ihre Ursprünglichkeit be streilen dürfen? Hal.'vy ist Franzose und einer der Französischesten unserer Komponisten: er hat die Borzüge unserer Bacc: den Geist, die Vebhailigkeit, die heitere Grazie,° das Maß, die >ii»m des lioinpiutirciw. Mendelssohn, das Wunderkind Goethe's, ist Deutscher durch die Eingebung ebenso wie durch die Formen seiner >iunst. Er hat von Dcukschland den Ernst, die Wissenschaft, die Poesie, die Tiefe, die Baturempnndung. Bcrräth sich bei ihm der Jude, so ist's durch die mühsame Ausarbeitung und das Absichtliche der Eomposition, durch den kritischen Sinn, durch eine Art Eklcklieisnlus. Was Meycrbcer anbelängt, so ist auch bei ihm der Grund deutsch: hat er etwas Jüdisches, io ist's die Fähigkeit, sich abwechselnd deutschen, italienischen, französischen Geschmack und LlNl anzuglcichcn, die .sinnst, sie mit einander zu verbinden, ohne daß cs ihm immer ständniß für Ifffect, Sinn für Ausstattung, Bühnenkenntniß, die .sinnst cinräunren, ein wirksames Bühncnmoment oder eine musikalische Idee auszubeute», wie feine Stammesgenossen von der Börse eine Eonjunctur ansbeuten, dann müßte man eben nichts von dem Duett zwischen Balcntine und Baonl oder jenem Act des „Propheten" wissen, der im Dom spielt. Leine französischen lDpern mögen aus der Mode kommen wie sein „Erociato" und seine italienischen Dpcrn; cs wird jcdock, darum nicht minder wahr bleiben, daß ein Berliner Jude bei zwei Ehristengeneralionen das Gefühl des Erhabenen geweckt haben wird. Gewiß ist seine Munk gealtert und cmpsiuden wir heute ihre Mängel, ihre Mache. Lie mißfällt uns durch die Abgedroschenheit ihrer Formeln oder die Gewöhnlichkeit ihrer Instrnmentirung. Aber Meyerbeer ist darum 'nicht minder der dramatssch Begabteste aller Komponisten seines Jahrhunderts gewesen. Man mag mit Wagner die historische Dpcr verspotten, sie für eine verkehrte, eine Zwitterart halten: es steht Iedein frei, das ltirische Drama und die sumbolischen Dichtungen vorzuzichen. Das verhindert. nicht, daß diese histo rische Dpcr die beiden Welten beherrscht und Mene r beer ihren Gipsclpunkt gebildet hat. Dies genügt für den Buh in eines Künstlers, sei er Christ oder Jude. Lo ist es denn, man mag den siindern Israels Uri'prüng liebfeit in der Himft, Phalilane, schöpferische siraft einräumen oder absprechen, klar, daß sie kein Bationalgenie mehr besitze». Es handelt, sich lediglich um Fähigkeiten, welche »tan bei den Juden gelänge, sie ln' einander zu verschmelzen. Gr ist Jude, soweit er häufiger als bei Anderen antrisft: um den Eombinalionsgeist, die An Weltbürger scheint, soweit er verschiedenen Böllern entgegengesetzte Elemente zu entlehnen versteht. Bei ihm insbesondere herrscht der Eombingtionsgeist vor. An ihn dachte Wagner, als er de» Inden jcde>s schöpferische Genie absprach. Wenn cs richtig ist, daß die jüdische Munk eine Art Gemisch verschiedener Stijlc, etwas Zu saminengesetzies darstcllt, wie der Baute/womit sich der Autor der „Anikancrin" ausgepützt hat, t'o trim dies insbesondere bei Giaconto Bienerbeer zu. Allein das bildet keine national jüdische Munk, eher deren Berncinung. Ist manchmal bei Mcnerbecr tich behaupte dasselbe von Mendelssohn^eine eigentliche israelitische Eingebung vorhanden, dann ist's die religiöse Eingebung, ein Widerhall biblischer Lirenge, welcher hie und da aus der Partitur des „Propheten" klingt. lind haben wir jetzt die Frage der Bangstellung dcst isracli ltschi'tt Musiker, Menerbeer's namentlich, in der siunstgcschichie. ausznwcrsen? Dazu ist hier nicht der Crt.,;'i Thatsaclic ist, daß die .Dver, ein Bcick, das ebenfalls feine Umwälzungen hat. .ein Halbjahrhundert unter Menerbeer's Lecptcr stand. Für einen Juden von ^dürftiger Ursprünglichkeit bedeutet das schon eine lange Bcgiernngsicit. Mit bloßer Willenskrast, hat man von ihm gesagt, Hab« er sielt vom Talent zum Genie emporgeschwüngen: viel Talent in viel Geduld g'koh., s.lt.'.eö g t >b4 ich Limits Gräindorge. Mai« tonnte darin wieder einen Baeezug erblicken: denn bekanntlich ist's! eine schmcidige Zähigkeit, welche die Ltärke der Juden ausinacht. { Wo Ule :man dem Eomponisten der „Hugenotten" lediglich Geschick, Mache, dte >iunstgrisse des Handwerks oder auch das Bervi'c'iilb! i-.'.een. nie neDt.lt, 2tr -.'.'i vi.n »•-. *1 V..; - passungsgabe, die 'sitmst, verschiedene Elemente mit einander zu verbinden, das natürliche Geschick, verschiedene nationale Genies zu erfasse».Int Grunde führt dies immer auf die Hanptanlage des Jude», feine Befähigung zum Lichangleichen zurück. ' Außer dieser geistigen Biegsamkeit und Schnellkraft weiß ich wirklich nicht, ob seinen siünstlern oder seinen Schriftstellern etwas sveeistsch Jüdisches verbleibt. Man wird wohl zwei oder drei Züge bei ihnen anmerkcn, aber auch diese sind durchaus nicht Allen gcmcinsatn. So. vermeinen wir bisweilen an ihnen etwas Dricn talisches heranszunnden. Ich wüßte ihnen mcinerseils Dank, brächten sie. uns unter unserem nebeligen Himmel einen Sonnenstrahl vom Oriente. Allein, tragen viele siinder Jacobs jenen Abglanz des Tricntes, welchen wir im Äuge ihrer Töchter zu nnden glauben, in der Seele? . Bige dann selbst, wenn uns ihre Phantasie einen morgenländischen Auslug zu .haben scheint, wirklich ein Fall von Atavismus vor. eine dunkle Erinnerung an Zion und den siarmel, welche die säcular'en Wanderungen hindurch sich fortgepflanzt hätte? „Was," äußerte zu mir in dieser Beziehung ein Israelit, „Sie für einen Raeezug halten, ist zumeist nur der Stempel der Erziehung: mehr als die Abstammung haben die Bücher Theil daran. Wir haben uns so lange nach den Hügeln von Iernsalem hingewendet, daß das Traumgesicht vom Morgenland noch in unseren Augept verdämmert und die Stimmen des Orientes »ns noch'in den Thren klingen. Wenn wir, zwanzigjährig, Zeit zu Träumereien chaben, dann grüßen Palmen in unseren Träumen — mehr Palmen vielleicht, als je in Palästina gewachsen sind. In i Wirklichkeit sind wir kaum mehr Orientalen, als soweit wir es i uns eben einbilden. aoriicynng >01.».! .bt.tnleitt, w.'lcbe cktigtmiC eine englische Änüt UI gebe» viele ittci'chei 'Zlbtunn. >o: /> '.'iatban, 2ir /»uliu? Ve cketeeu. 2,t R. 2ullii\in. r.4 ,i nb hier bemerfen, Dtm einer Cer orten kZorUvlorer i'io'.u '.l'.'.'v o 'ein 2t'.u4.4!4. o.4.4r Äoitdele'cchit gewoion in. welchen ^lwet'eleobliD oto -V.tbnet'.er'olge eine» Den er c>Ic> inm nnrecgeorDnet eraditete, r.'v.'r.4"'.t: 2i.:\ Di-4 Bc:e-.4 :’.,ienDele>ob» i<.m‘'a.D4.i>: B.t.4'.4 .me Den »tabren lsjik — 1»17 Ifen' .: .. . f- 15: i Jabev liiltrt uielleidH Der ckcwlg Der öuDen nie Die Musik nnDerer aneiibenDer mtD vortraflenDer .Hiiitüler. .Hein liUunevfünülcr vielleicht in in Der Begebung '.Inton Oiubinneiit gietchgekmiinien 2elbft in Bemreinb ist Die Veitnu.i Dee Eichenere einem .Hiinüler jiiDi'cber Äbknittt, öennan» fevu, verbe bellten. Ter berühmte Deutsche feiger I. Ivachim in ebentaüe oiraele, wie ee mich Die grofte 2iingerin bmiline Vueca gewesen. Tiefen iVuüfern sind Die jüDi'chen 2chmt>vtelec4 an Cie 2eite;u stellen. Matt flbonuirt dac- Freie Blatt in der Administration, Wien, I., Lcilcrstättc 10. Abonnententspreis: ganzjährig ö. 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