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Freies Blatt · 1893-08-20 · 72 (20.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
72 (20.8.1893)
Date
1893-08-20
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 6. Freies Blatt. Nr. Antisemiten dic entsprechende Antwort am Tage der Abstimmung gibt. Jedenfalls kann es der,nicht zum geringsten Theil ans den «Freindenverkehr angewiesenen Schwei; nicht (um Vortheil ausschlage», wenn inan innerhalb ihrer Grenzen den. religiösen Gefühlen so mancher Reisender derartig schroff entgegentritt. (-Serbien will keine Zlldcnhrtzt.) Man schreibt der „Renen Freien Preffe" aus Belgrad: Es ist beiuerkenSwerth, daß in der serbischen Sknpschtina der erste Bersuch eines Deputirten, sich eines antisemitischen Argumentes in der Debatte;n bedienen, dein, ei» niüthigen Protest des ganzen Hanfes begegnete. Der Vertreter von Paracin, Dimovic, sprach sich »änilich dagegen aus, daß der dortigen Tuchfabrik die Zollfreiheit für die Einfuhr der Rohmaterialien gewährt werde, und führte nach bekanntem Muster auch den llnistand ins Feld, daß die Besitzer der Fabrik, die Gebrüder Münch ans Triesch in Mähren, Inden seien. Diese. Auslaffung verfehlte jedoch gänzlich ihre P-irkung, ja sie rief auf allen Seiten Entrüstung hervor. Am ent schiedensten protestirt Dr. Milenko Besnir,. Profeffor des Völkerrechtes an der Belgrader Hochschule, gegen diese, wie er betonte, eines Volksvertreters unwürdige Taktik. Sowohl von der Minisierbank als auch von Seite der hervorragendsten radicalen und fortschrittlichen Deputirten wurde, über daS Vorgehen Dimovic' entschieden Miß billignng ausgesprochen, und der Bicepräsident >i a t i c, welcher in dieser Sitzung den Vorsitz führte, trat das Präsidium an den zweiten Vieepräsidenten Paja Vnkovic ab. um gleichfalls/ das Wort zu nelnnen und sich dein allgemeineii Unwillen anznschließen. Daß sich unter den Rednern gegen Dimovic auch der vielgenannte Erzpriester Milan Gjnric befand, ist nicht minder charakteristisch. 2lus antisemitischen Vereinen und 1?ersanrnilungen. Slbmubeoneurreuj. > Da» Gerücht von der Mankalsinüdigkeil Stein wender'S wird demenlirt. Es scheint also,. daß er auch in Zi,kii»f( ein an Wandinn.M und Programmen reiches öffentliche» Wirken der ÄnSübnng seine» Berufes als Miltelschntlehrer vorzieden we.de. Ein Tbeil seiner Conenrrenlen iln nationalen AutiseiniliSinnS sevt ibin aber sehr hart;». Der Verein „Ten tsche Presse" findet in einem der zur Anpreisung der Firma Schönerer besliininten Blättchen folgende Würdigung: „Von Sleinwender'S Verein .Deutsche Presse', ivelcher die Welt mit einem noch nie gesehenen Muster eine» deutschen Dagblatle» für Testei reich überralchen soll, ist noch immer kein öffentliches Lebenszeichen zu eiildecken Von den bisher gesammelten Geldern ist übrigens in Wien eine Xanzlei „Deutsche Preffc" eingerichtet worden, in welcher sich ein paar Herren eifrig mit Fliegenfangen zu beschäftigen scheinen, wenn sie sich nicht gerade aus ländlichen Erholungsreisen befinde»." Ist tiefer Spott nicht ,. Schmntzeoneiirrenz"? Gleichzeitig kündigt.ja auch ein andere» Schönerer- Blättchen an, e» werde schon im Herbste sein Geschäft erweitern und die nnver fälschte Waare, welche e§ bisher nur einmal wöchentlich auf de» nationalen Markt brachte, täglich verschleißen. tLbne reiu antisemitische Gesetze un»t AlteS nichts.) In einer Wiener Versanunluiig sogenannter christlich socialer Arbeiter sagte ein Redner, alte social resorniatorischen Maßnahmen können nicht» nützen, so lange man' keine AnSficht habe, rein antisemitische Gest-tze zustande zu bringen. Der gute Mau:: unterließ e», zu erklären, >va» er unter rein antisemitischen Gesetzen verstehe. Tb viele llnterlannng an» Relpeet vor dem großen Verständniß der Znbörer oder au» Be sorgniß vor einer Intervention de» RegierungSverlrelei» erfolgte, inöge^dahin gestellt bleibon Es drängt sich aber die Frage aiff, warum die Ehristlich Socialen, iveir» sie leibst ihre Reformen vorderhand für werthloS Halle», nicht» unversnchl lassen, um deren sofortige Einführung dnrchznleyen und die Gegner, wie z B. den Vorarlberger Fabriksbesitzer Dr. Iennh, inluliire»? Da» antisemitische G,-bahren im Großen und .'üeinen bleibt immer räthselhast. „ Tie Lffener Autisemireu in Salzburg.' An leitender Stelle bringen wir eine nnS von hochachtbarer Seite zngekominene Würdignug der Produelion, welche die Wiener Antisemiten am I >. d. M. im Salzburger Enrhanse ver anstallet Hane». Da» „Salzburger BölkSblatt" schreibt über diese» Gast 'viel: Gestern hat sich da» große, welterschütteriide Ereignis; vollzogen: Im Enrsaale hat Abend» die mit so vietem Lärm angekündigle Wanderversanimlnng de» Volk«vereine» , i> FünshauS 'Wien) staltgefnnden. Der Stampiglienlalscher »nd Ehrenmann Mechiniien» Schneider, der „überzengnngSlreue", im ■ «sseiinnnngSwechsel ivohl erfahrene VolkSlribNn Dr. Lueger und der paienlirle - Judenfresser Leovold Mutb. haben groß» Reden gehalten, welche, da das edle Drifülium vorsichtigerweise schon von voenekerein durch Mitnahme von circa >>Gt Wiener Elagnenren christlich socialer Färbnng für ein dankbare» Public»!» gesorgt Hane, seldstverständlich „rauichendeu. nicht endenwollenden, begeisterte» Beifall" g 'linden haben. Salzburg war durch einige waschechte Elerieale »nd Anllseinilen würdig verlreken. Daß im Iudenfreffen da» Möglichste geleistet wurde, daß auch da» „jndenliberale Schmierblattl", i. >-. „Salzburger Volksblatt", gehörig initgenommeil wurde, versteht sich von selbst, lieber den inhaltliche» Werth der einzelne» Vorträge gibt die Aenßerlkng eine; gemnthlichen Wieners den befiel, Aufschluß, der da meinte: „Geh', geh'» ma nach St. Peter ans a GlaSl Wein; waS da Lueger und da Schneida red'n, da» wiß ma eh schon." Die Herren Wiener VollStribnnen haben ali'o den Salzburger GesinnniigS' genoffen eigenllich nur „alten Xohl" anfgewärmt. Ahlwardt gegen die Eonservativen.) In Berlin fand wieder eine Ver saniinluiig statt, in welcher Ahlwardt gegen die Conservativen lo'zoz. Sofort »ach Anflösiing de» Reichstage», lheilte er mit, habe der „Norddeutsche antisemitische Agitation-; Verband" beschloffe», in de» Wahlkreisen LandSberg Saldi», Friedeberg ArnSwalde, Schievelbein, Siolp und Reu Slettin die Agitation zn eröffnen. Al» die» bekannt wurde, seien die Eonservativen gekomineii und habe» durch Freiherr» v. Mantenftel de» Antisemiten ein Eartell angebolen, da» auch mit 17 gegen I Stimme von den abgesendelen Verlretern beschloffe» wurde. Danach'sollten die Eonservaliven in de» .steei-en' Landsberg Soldin, Tsthavelland, Niederbatniin »nd Friedeberg ArnSwalde keinen Candikaten aufstellen, wogegen die »orddentschen Antisemiten sich verpflichteten, alle änderet, xreise unberührt zu taffen. Die Eonservativen haben jedoch in treubrüchiger Weise anf'-der ganzen Linie eigene Eandidaten Ausgestellt und ihn selbst in seinem eigenen Wahlkreise in der schmutzigsten Weise angegriffen. Da habe er den» selbstverständlich die Eonwivativeii auch nicht geschont n»d alS Strafe für den Treubrnch und die gemeinen Angiiffe gerade den Xrei» in Angriff genrinnien, welcher von den Eonservaliven alS der gesichertste gehalten wurde — Neu Stettin. Sodann griff Ahlwardt da» „Volk" an »nd bezichtigte Stöcker der llnivahrlzeik, weil er im Volk" geschrieben habe, die Ahlwardt Versainniliingen seien Radanversammlungen. Er wünsche allen Pastoren ein 'o ruhige» Pnblienni in der Xirche, ivie er e» in den Versammlungen habe. Mil der eonservativen Partei ivolle er nicht» mehr zu lhiin habe», >o weiug ivie mit de» Illdeii. E» habe vor etwa'Al Jahre» in Deutschland zwei führende Parteien gegeben, die Adels und die Indeupartei. Jede von beiden sei bestrebt gewesen, auf losten 'de-S Volke» die andere zn besiege». In die>'em Xanipf sei der Adel unterlegen. Er habe deshalb Sendboten in» Lager der Anliseinilen geschickt, um sie zur Mithilfe bei der Wiedererlangung der Herrschaft für den Adel anszlifordern. Die Anliseinilen würden aber solche Hilfe nicht leisten, denn sie wollten selbstständig sein, und e» <ei ihnen gleich, ob sie durch Juden oder Junker anSgebenlet ivürden. Hoivrediger Stöcker, der übrigen» nicht der Vater de» ÄtttisemiliSinnS lei, wie er sich bezeichne — die» seien vielmehr die Doeloren Henriri und Bernhard Förster — habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt. AlS er gesehen, daß die Berliner Beivegniig sich von den Eonservaliven loszumachen begann, hätte er nach Ansicht de» Redners .sich wiederum an die Spitze derselbe» stellen sollen. Jetzt fei er in die Allgemein beit herabgesnnke». Tie Eonservativen al» eine Adelspartei verlangten für sich Vorrechte, die ihnen die Rnlisemilen nie bewillige» würden. Ter AntiseniitiSin»» sei eine freiheitliche (!) Bestrebuitg mit iveilgehender socialer Grundlage. Auch die» scheide lhn von der eonservaliven Partei, denn dieezbe sei reaelionär, während der AiiiisemiliSinnS 'jedwede Reaetion verabscheue;!). Deshalh laute .die xampfparole der Antisemiten von jetzt an: „Gegen Inden und Inuler!" Zn dem Artikel der „Dresdener Nachrichten", in. dem er al» Lump n. s. iv. bezeickmel ivird, bemerkte Ahlwardt, daß dg» Blatt, so lange eS sich geschäftlich» Borlheile davon versprochen, ihn in den Himmel gehoben habe, lialnrgeniäü reiße iS ibn jetzt nach Möglichkeit heruiiier. Hierauf verla» er eine lange Liste in Deutschland eingesührier ausländischer Papiere und behauptete auf Grund derselben, daß da» Iudenthnm dem deutschen Volke seil dem Jahre 1n?."i durch diese Papiere 7ij",i>r>7.:il': Mark,gestohlen habe. Al» „Ziele" de» AntisemitiSnin» bezeichnele Ahlwardt 'ästießlich die Sealiestrirung des von den Inden erworbenen Vermögens durch de» Staat und gleichzeitige Sistiriing aller von Inte» gegen Ehristen eingebrachlen Seguestralioilen und Pfändungen bi» zur Erledigung der „Iudensrage". Er kündigte die Einbriiignng eine» dahin gehende» Anträge» int Reichstage an, gab jedoch selbst zu, daß der Antrag nicht angenommen werde» würde. Man ivolle aber diejenigen kennen lernen, die dagegen stimmen, damit sie nicht wietergewählt würdeli. Die Erklärungen Ahlwardt'» in Betreff de» EanellS mit den Eonservaliven wurden vom Vo.sitzenden de» „Agitation» Verbände»", Haarlang, bestätigt, ivelcher versicherte, Herrn .v. Mankenffel damals um.eine Aufklärung ersticht zu haben, die-auch zuge'agt wurde, aber heule noch 'ansstehe. Ein Eorreetor Perleberg sprach danii gegen Stöcker, ferner über den t'anlcner Xnabenmord, tvobei er sehr Zit Unrechter Zeit «siebe die an anderer Stelle veröffentlichte Notiz an» Lauten) die Inden wieder ver dächligte, und endlich über die Heldenthat einer deutschen Dame, die in einem Gastbanse einen sie firirenden Inden beschiinvst und geohrfeig) hätte. Ein an wesender Social»),- fortwährend lärmend unterbrochen, führte an», daß die heutige Gesellschaftsordnung eine verdorbene Institution fei «nd die Anii i'emilen besser zhälen, an der Beseitigung derselben initznarbeileii, al» die Inden zu scknnähen. ES ergriffen hierauf »och mehrere Verehrer Ahlwardt'» und schließlich irr selbst abermals daS Wort, brachten jedoch nichts irgendwie Be nierkenSwerkheS vor. Während dieser Schlußreden wurde zur B kräktignng der Ael'ßeriing Ahlzvardl'S, daß es in seinen Ve:sai»üil.inge» ruhig zugehe, ein

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