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Freies Blatt · 1893-08-20 · 72 (20.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
72 (20.8.1893)
Date
1893-08-20
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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reite I.X. l?ei[jijc zum Freien T-latt. Mraan zur Abwehr des Antisemitismus. überall alle Pocne erstickt worbe»? ix'cil eben ber Jude in der Berborgenheil ber fchinnhigen t''heltogäßchen, i» seiner Bibel unb seiner Haggada zwei dichterische Borne bewahrt Halleworan er seine Z'ippen lel-te: ber eine ein gleich den schatlenkühlen Quellen an den Hängen deo Z'ibano» auoder Tiefe bervorsprnbelnber d'ucU, der andere, minder klar und frisch, jenen Springbrunnen in de» orienlalischen Basaren vergleichbar, welche eine Nuppel nberschwebl und Arabeoken nnnanken. Er besaß eine gleichsam nnlerirdisch verborgene Poesie, ivelche dort, wo Jacob durch den ,vormelu;wang deo Nilno nichl all;» anogelroeknel oder durch die Unterdrückung und dao erniedrigende Erwerboleben nicht allzu herabgewürdigt worden, wieder znm Borschein koininen mußte. Zionotöchlcr von niedriger .Herkunft haben und dieieo poetische Talent, v'k freilich'in gemeiner Hülle, vor den Nampenlichlern geoffenbarl. 'Naäi der Munk in jene Nunfl, worin die Juden, die ,Jüdinnen besondero, die geräuschvollstenErfolge gehabt haben, die dramatische >iunn, wie die Schauspieler sagen. Tiese Släunuc, die io lange ohne Theater gewesen, diese 'semitische Rare, Die man für unfähig hielt, ano sich herauoznirelen, haben nno'Schauspieler und Tchaufvielerinnen gegeben. Tie dramatische Nnnä hat dem Juden die planiiche eriein - fie in 1 eine Bildnerkunn geivesen. Tie lebenden «^enalien. die ^'eiiiulliobeiveguugen, die Veidenichaiten, ivelche der x\tibe selten mu Palette und Meißel wiedcrzngeben gewußt, haben seine Soluw und seine Tochter mit den Muokeln ibreo Eäsichleo bildnerisch, mit dem Ton ihrer Stimme malerisch dargenelll. Eo braucht nno dieo übrigeno nichl Bönnder zu nehmen: eo bestätigt eben nur die uno bekannte Täuneidigkeil deo Hilden, seine -.'iachahmuugogabe, geine Aalugkeu zur Aitglcichnng. Tao Schau spielerialeiil, werden seine Ieindc sagen, sei ihm angeboren: seil raugem her habe er die Nnnü deo .Heuchelno und Siäwcrsielleiio nch von t'-'rnnd ano angeeignel: eo sei dieo eiueo der Merkmale deo Semiten, der allezeit. die (''eichicktichkeil besessen, eine snidirie Miesi"an;unehmeu, jede M'aoke vorznnehmen, mit seiner Persoll, wie mit seiner Quinte zu trügen. 'A'iag sein: allein hat er ver schiedene Nolle» spielen gelernt,' versiehter eo. nach Belieben ('Wuchtnild Bli-.i zn wechseln, io haben wir eo ihn gelehrt durch die l>'eiverbe, welchewir ihm anfzwangen, und durch die Böerlli schapilng, die wir ihm entgegenbraetilen. Ter ^ude.bedeutete zn wenig, er war der 'Achlnug und' Tnldnng ieileno '.'luderer;u nn gewiß, um sich beherzt >o }» geben wie er war. enite Bemerkung iudeß: ui.->::alo Hai uch dao Blut Israelo in der Tarstellung Niedriger oder klein.i.kier reidenschafien ano,ze;eichnel. Leine Toetner weingsieno alo halten sie gleichsam durch eine geheiinnißvolle Zuchtwahl deo ('wschlechtco den ihrer Na ec während Jahrhunderten lunzitgefugten Schimpf schmerzlicher einpfniiden habenininder gläazeude Erfolge ini heileren Spiel der >lombdie alo in den .n'efühlowandliiiigen der Tragödie und deo Tramao davoirgelragen. Eine setlsaine BTiedervergellung seitens der >tiu,ft oder deo ('wnieo in eo, daß eine Tochter dieser Naee in Beifall, eine ungebildete, eineö M'orgeno auf der ('Mite aufgetesene Jüdin, die majeflätischen Schöpf ur.g'n der Poeten deo großen Iahrhnnderlo am edelsten verkörpert hat. * Bezug auf die mathematischen Böissenschaflen, die -Aiatur wissenichaflen, wird '.hiemand beslreiten, daß dafür die Nachkommenschaft Iaeob'o sehr begabt in. 'Auch darin zeigt sich die Befähigung deo ^uden für unsere Eivilisalion. Ans diesem (''ediere in die vielleicht am häufigste» bei ihm entwickelte Zähigkeit, jene-für Malheniatik. „Tieie Inden," äußerte zu mir ein Professor, „be siiu-n hänng die '.'ln läge zur Mathematik wie jene zur Munk." Bekanntlich findet man übrigeno nicht selten beide ..Protnberanzen" au. demselben >{iune. | Tiefe anscheinend von dem Trachten nach.Konkretem und ma - teriellen E'ütern gänzlich in Anspruch genomnieiie Naee Hai seil - der Zerstreuung sretö Borliebe für die abstraeten Wisse» schäften, j die (''eometrie und Astronomie wie für die Philosophie gehegt. Eö! erklärt sich dieo durch die beschichte, dao hohe Alter der liultur, i die Professionen der Borfahre», vielleicht auch durch die Neligiono j bedürfnisfe. Israel ist übrigeno nicht der einzige Semit, welcher Neigung für die Metaphm'ik oder für die mathemalischen Wissenschaften gehabt hat. Tie Araber verschmähten sie nicht,' und die Sternkunde . in von den Ehaldäern begründet ivorden. Zn Babnlon,.auf den Staffeln der Stiifenpiiraniiden, habe» die Juden die Anfangogründe der Astronomie gelernt. Tie Nabbiner brauchten dieselbe, nin die Iesitage ihre» Nalendero zu beslimmen. Tie .Himmelowissenschafl nimmt iiTY Talmnd ihre Stelle ei». Tarnm wohl haben von Herschel biö zlt dem Bruder Meherbeer'ö, 'Bö. Beer, dem Berliner Aslronomen, die Slernwartknpveln sich über so zahlreichen Juden geivblbl? In Frankreich, wosie ihrer kaum zwei oder drei ans lansend sind, braucht man bloß die Iahreoberichle der Akademie der Böisseuschaften vorzunehmen, um dort mehrere Israeliten neben einander vorzufinden. Halphen beispieloweiie galt für einen der ersien Makheinaiiler unserer Reit. Anowärlo werden (''oldichmidl . * und Jakobi genanui. Ein Tetail noch: Mehrere der berülimleilen Schachspieler Enropao und Amerikao waren Juden. In der (''eist i der Berechnung und deo Rechnend nichl slelo durch Bererbung bei ihnen entwickelt worden? Bielleichl sind sie sogar mehr alo andere geneigl, den mathemalischen ÖViü und dao Teduelionoverfahren zu! mißbranchen, so Spinoza in der Philosophie, Nieardo i» der Bolko wirthschanolehre, Marx im soeialinischen Paradox.171 E'ibl eo eine 'Wissenschaft oder eine .sinnst, für welche ihre Bergangenheil üe nngeeignel zu machen scheint, so in eo sicherlich die Politik, dao'Negieren über die Mensche». Sie sind während Iahrhunderleit davon anogeschlossen gewesen obwohl ne »och im Mittelalter m Spanien und anderowo daran lheilgenommen haben. >ian»i.freigeworden, hat sich der Jude darum nicht mindek in dao venvorrene y'ewühl der Parleieil gennrzl. Tie Bersuchnng war narf: er brauchte bloß den Inß auf den Schemel der Macht zu sehen, nm mit Einem Schlag.Bermögen nnd Ehren zn erhaschen. Seine Behendigkeit, seine ano Beharrlichkeit nnd Schmeidigkeit ge bildete Schnellkraft mnßien ihm in jenen rändern, wo die raufbahn .offen stand, den Znlrill zu den Aemlern erleichtern. - So zählen denn auch die Staaten mit Böahlregime, Frankreich, England, 'Tenerreich, Teulschland. und Italien, bereilo eine Anzahl Politiker jüdii'cher Abknnsl. Tie Politik, .Hai man behauptet, sei eine nnsanbere >iüche geworden. Tieo särzeckl freilich die Nachkommen Iaeob'o nichl ab. Sie haben sich lange zn widerwärtigeren .Handwerken begnenien müssen. Tb beschnitten oder gelann, der moderne Politiker in eine wenig erbauliche Sippe, nnd ist der Jude nicht schlimmer alo die Anderen, so in er auch nicht mehr werlh. Böir haben nichl inimev (''rund, mit feiltet' Tbeilnahme an den öffentlichen Geschäften zufrieden zn sein, selbn dann, wenn er lediglich darin ein ,t''eschäsl" erblickt. '»!.»./ i:li 'llm nidit allzu uiwolliländig zu el>ä>ei»c», müßte inail nm fic große Anzabt oiifeu liinweise», ivelche nch in ker Heilkunde und der Pbnüologie, in Deutschland besondere, auegezeichner baden. C. t'ombroio. »elbiY Zude, bat in feinem J .mi.) -I, senio.v ltfenn ich nicht irre, ein Verzeichnis; auigeneUt. ckntere . ö'raeliien baden sich in der Nechielebre einen Namen gemacht, ivaö nm io begreiflicher in. alo der Nabbiner eine Nrl .Zurin, wie der Talmud eia (-orßis t inri-; war. k . Ma» öbounirt üao Urcic Blatt in her Aaminislratio», Wien, l.. Scilerstätke 10. Abonnementspreis: ganzjährig ö. W. 2 fl. 50 kr., halbjährig 1 fl. '2.') kr., vierteljährig (55 kr. H'-vaaeg,.-- t T -.!! ü TN ei or,-z eilte r. — T^eraniwerilicher Nedacieur .in zeitweiliger Abwesenheit des E. B. -Zenkers: .Zoiet Borwahlner. Truck von Tb. Reißer A- M. Leertbner, Wien. '

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