Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 71 (13.8.1893)
- Date
- 1893-08-13
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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- Aleppo 5× ep/1047811
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Seite 6. Freier Blatt. der Drohung, die Geschichte meines Darlehens zu erzähle», daß er in der A'tbrc Paro l«' geschont werde. Sein Lk-ame durfte in dcn Angriffcn nicht genannt werde». Ach bot Drnmoiik'an, daß ich selbst die Geschichte erzählen werde. Trumonk wurde böse und widcrscptc sich nieiner Absicht. Svüier wollte Eornclius Her; , mich 'zum Mitglicdc eines Ehrengerichtes machen, das iy» rcyabilitiren sollte. Ich weigerte mich, darauf cinzugclieu." Endlich gelang cs Morvs, 2«>.0t»0 Francs anfzntrciben, »nd er erlegte sie angeblich bei Andrienr für rlecchnnng des Herz. — Tas t^cständuiß Mor>s' berührte D ru in o nt peinlich, und er schreibt z»r Ergänzung desselben in der „Vibic Parole" : „In der Darstellung MoGs' find die Tinge, wie das. schon vorzukonimcn pflegt, ein bischen arrangirt. Im Frühjahre hatte MoröS. im-Ecrclc der .Ruc Royale eine größere Summe verloren; er konnte nicht zahlen und fein Name sollte afsichirt werden. Er wollte sich deshalb erschießen. Mon'-S wendete sich um Hilfe an Andrienr, der als ,Familienvater sich nicht entschließen konnke, 2 >000 Francs hcrzugebcn, dann an mich, Wir borgten ihm wobl eine Kleinigkeit, aber konnten il»i -nicht aus Lrr Bcrlegcnhcik ziehe». Ich hatte keine Viift, meine er arbeiteten und ersparten (Gelder in den B a c c a r a ts ch l u n d zu werfen. Wahrend Mori-s in seiner glänzenden Jugend ein Bcrmögen verschwendete, verbrachte ich manchen Tag, ohne zu esse». Wohl aber ließ ich mich bcrbci, um Moris gefällig zn sein, einen Besuch bei Eornclius Herz zu machen, der sich übrigens sehr anständig benahm und alle Ticncr entferntbatte, so daß uns Niemand kommen und geben sab. Eli-menceau halle meinen Besuch bei Herz nicht erwähnt. , Nur Morus bat diese >R'>'chnliie ehnc Noch der Ocsscutlichkeit preisgegeben und daniir dem Fienudc, der ihm gefällig war, wenn schon keine stiänkuug. so doch Ilnanuebuilichkeiren bereitet." 'Nochefort schreibt: ..Es gibt ip den Wältern Amerikas, 'die der Marquis mit dem Bleiuock frübcr frcquentirte, kein l^'eflrüpp, das dicht genug wäre, seine Tchmide;» verberge»." — Bk o r >- s, ivclcher, wie sich heraus stellt, auch von T orou l d e stets als ein Skrauchritter angesehen wurde, vertteckt «ich indessen nicht und antwortet den Herren Drnmont und Nochcsorl im , Iigaro",^wobci er-sich der patriotischen That rühmt, Herrn Ephrussi im Spiel l^eld abgewonnen und davon einen Theil der Wablkosten des Ebrenmanncs Lanr bestritten zn haben. Sur Ansicvliiiig jiibiidicr Answüiidercr ans Riißlnnd.^ Nach Berichten ans Amikerdam nuterhandclu dortige und Rotlcrdamer indi'che'Banauiers wegen Ankanss der holMudifchcu Insel Schirmonnik r. eg, um aus derselben jüdische Einigranteu ans Nußlaud ansiedeln zu tonnen Tiere Insel, rvelche nördlich von der Provinz Fricsland, Zn der >ie adrniuiitrakiv gebärt, liegt, ist Eigenlhnm eines NcchtsanwaltcS im, .r?aag, der rie jevl um 30<).t>00 t^rildcn feilgcbotcn bat Begünstigung niisgedienker Solvaten.' Wie der.„Reichs „ ru-lu" au > Buka r e >l .berichtet rvird, hak die rumänische,rsicgicrnng denjenigen .lüde», rvelche ihrer Miliiärdienstptlicht gesetzmäßig ent sproche» babcn, wesentliche Bortheilc zugesichert. Ausgediente ruinäriische Loldaten mosaischer Eonfcssion sind fortan, zufolge einer jüngst an alle Praseriuren -ergangenen Beeisung, ohne Rücksicht auf ihren Zu iländigleilsorl und selbst dann, wenn sic nicht rnmänischc Staats augebörigc waren, berechtigt, in jedem Orke des Königreiches ordentlichen Beobnsile' zu nehmen und daselbst jedes erlaubte Gewerbe zu betreiben. l Eine Knniigebiiiig des Grzbischofs von Brnfsn.! I» einigen L orsern am Golf von Gheinlck hatten ernste Ausschreitungen gegen .'>ade„ rtallgefuudeu, welche man der Ermordung eines todt auf r'-'riudenen jungen Ehristen beschuldigte. Ta trov der unzweideutigste» rl'.r.. der llnschiild der Juden die Erregung sich nicht legte, vcr der gricch r'che Erzbischof von Brusia, Monsignore A'i '!! '!. der schon wiederholt Beweise seiner Toleranz gegeben - >!> . - - - Kundgebung, welche in allen Kirchen verlesen wurde: ..Br r. -!l ... >.r Sünder in Ehristo! Einige Tage'vor lästern wurde in. ir .' - e. . ."s Tazikli bei Brnsia ein Jüngling ans Ghc»ilck, '.'iar u- 'dl.?.. lamboe f |i au o n, lodt aufgesuiiden. Sobald die - vonu-ct-. i;:. BI'.ord bierou I enachiichtigt wurde, entsandte sic einen Aru rrr r u a. Tri, welcher die Leiche untersucht und, nachdem er iretWuur.'n noch »onst ein Seichen der Bcrguvaltigung gesunden, den Scho.:'' g.-:. z.n Kat, daß der junge Mensch, der geistig nicht uoim.il war, d- 'Nacht au diesem Ctt zugcbracht habe und! sck)ließlicl> erfroren >'er r a die ossieielleu und unbestreitbaren Nachj richleit übci dre Lotcsari des cbggnannteu EKarlambos Spanou alles Borhergciagte beikükigrn, begreifen wir nicht, inmirfcrn sein Tod den Juden tugeichrieben werden konnte. Tiefe unsinnige Behauptung, die durch böswillige Berlcumduug Berbreituug gefunden, hat die Be völkerung ro» li'beiukek gegen die Juden anfgcreizt, von denen nikhrcrc nii'jbaue.. lk ivlit deir. x. jx,lLe,oal!ilialeu habe» sich auch noch an anderen; Nr. 71. Orten unseres Sprengels wiederholt, wie unS von dem ehrenwerthen Nabbiner von Bornffa und den Notabeln der Gemeinde mitgetheilt wird. Diese barbarische Handlungsweise hat unS mit großem Schmer; und tiefer Bekümmerniß Erfüllt, und cs betrübt uns sehr, daß sie in unserem Sprengel stattfindcn konnte. Nichts ist weniger übereinstimmend mit dem Geiste unserer heiligen Religion, als der Racenhaß und der blinde Fanatismus, die die niederen Leidenschaften des Volkes auf reizen. Daher »nd weil wir die Behauptung, daß die Juden christliche Kinder abschlachtcn, uni sie zu einem geheimen Ritus zu venpenden, als unsinnig und verrückt beurtheilen, rathen wir euch väterlich hicmit, euch jeder Gcwaltthat gegen die Juden zu enthalten. Die Zuwiderhandelnden werden sich von uns eine Rüge und von der kaiserlichen Regierung Strafe zuziehen. Wir bitte» euch, in Friede» und Eintracht zu leben mit allen euren Mitbürgern, wie cs das heilige Evangelium vorschrcibt mit den Worten: .Glücklich die Friedliebenden, denn sie werden Gottes Kinder genannt.' Auch erflehen wir für euch die Gnade unseres ^Heilands und geben euch unseren erzbischöflichen Segen." (Tic Juden ill Aleppo.) Der „Jüdischen Presse" wird aus Aleppo berichtet: Auf eine Gcsammtbevölkcrung von 200.000 Seelen, welche unsere Stadt zählt, rechnet man nahezu 10 000 Juden. Ihre Be schäftigungcn sind sehr verschiedenartig. Es gibt nur etwa 20 große israelitische Geschäftshäuser, welche sich mit Import beschäftigen, während das Exportgeschäft fast lediglich in den Händen dir Ehristen und Mohammedancr liegt. Unter den Juden sind ungefähr <>00 Eolonial waarcnhändlcr, Posamcntirer, Tabak-, Tuch- und Eonfectionshändlcr. Jüdische Bankiers gibt cs »nr fünf, mit geringem Bcrmögen, dagegen mehr als 100 Wechsler. Die Kleinhändler, fahrende Händler und Agenten übersteigen die Zahl 300; besonders die Agenten machen sich sehr nützlich »nd sind unentbehrliche Zwischenhändler bei den meisten Geschäftsoperationen der Stadt. Ungefähr 300 Inden Aleppos sind Handwerker, »nd zwar Schuster, Schneider, Goldarbcitcr, Blcchschläger, Buchbinder, Müller,' Bäcker, Färber nnd Glaser; außerdem findet man noch circa 5,0 Eommis und Provisoren, welche fast allcsammt ans den Schule» der Alliance hervorgegange» und wegen ihrer Redlichkeit und ihrer höheren geistigen Fähigkeiten sehr gesucht sind. Mehrere Juden nehmen an den öffentlichen Geschäften theil, so zählen z. B. der Mnnicipalrath und die Gerichte Inden zu ihren Mitglieder». In Aleppo sind 15» bis 20 jüdische Beamte, von denen mehrere vom Sultan mit Orden ausgezeichnet wurde». Nahezu 5>00 jüdische Fa milicn sind ohne Hilfsmittel und ^xistircn von der Mildthäligkeit ihrer Glanl'cnsgcnossen. Dennoch ist die Armut bei den Juden weniger verbreitet, als bei den Andersgläubige». Unter der jüdischen Bevölkerung AlcppoS gibt cs keine besonders reiche» Leute, aber eine zahlreiche und sehr wohlhabende Mittclclasic.. Die Gemeinde Aleppo hat zwei Oberrabbiner, an ihrer Spitze. Der Eine wird öffentlich von der Negierung anerkannt nnd vertritt die Gemeinde bei der Localbehörde, der Andere, Hakam (Ehacham), beschäftigt sich ausschließlich mit religiösen Dingen nnd schlichtet mitunter die Streitfragen unter den Inden. Sic werden von der Gemeinde bezahlt, und ihr Honorar betrügt zwischen 1500 und 2000 Francs jährlich; sic haben aber außerdem noch einige Einnahmen. 'N'ebcn de» Obcrrabbincrn besitzt - ' die Gemeinde Aleppo auch »och Untcrrabbincr, deren Hauptmission cs ist, die Kinder im Lesen und im Hebräischen zu unterweisen. Außer der Schule der Alliance, ' welche 100 Schüler zählt, von denen 120 den Unterricht unentgeltlich, genießen, gibt es in Aleppo auch höhere religiöse Lchrinstitute) welche von Nabbiner» geleitet werden. In 10 derselben lehrt man nichts als das Lesen der Thora, in fünf andere» geben die Rabbiner höheren Unterricht. Die Schulen werden insgcsammt von nahezu 1000 Kindern besucht, welche den Rabbinern je nach dem Bcrmögen der Eltern mehr oder weniger Schulgeld zahlen. Schließlich sind hier zwei Schulanstaltcn für gauz arme Waisenkinder. Diese Schulen enthalten 1500 Schüler; die Kosten, circa 3000 Francs, werden durch Privatwohlthätigkeit gedeckt. Die Genieinde Aleppo besitzt mehrere Spnagogcn, von denen die eine, die „große Synagoge" genannt, mehr als 3000 Mensche» faßt nnd viele Jahrhunderte alt ist. Ter Localtraditio» gemäß wäre sie zur Zeit dcS zweiten TenipelS erbaut worden, aber eine hebräische Inschrift, welche sich auf einem der Steine der Synagoge befindet, weist ihr ei» späteres, wenn auch sehr frühes Zeitalter a». Diese Inschrift trägt das Datum 170 des heutige» Zeitalters; mir befinden uns also vor einem Bauwerk, das siebzehn Jahrhunderte überdauert hat. Tic anderen religiösen Bauten bieten nichts Bcmcrkenswcrtheö; das älteste unter ihnen zählt kaum 4o0 Jahre.;Tik Inden Verfolgung in Persien.) Rach Berichte» aus Teheran ist die Lage der Juden in Hamadan trotz der wiederholten Schritte, welche die Vertreter Frankreichs und Englands bei der persischen Re.- i I