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Freies Blatt · 1893-08-13 · 71 (13.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
71 (13.8.1893)
Date
1893-08-13
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Anlage zum Freien Alatt, Organ zur Alnvrhr des Antisemitisinus. Wien, L Seikerstälie 10. Die Juden itn|r -er Nntisernilisrnus. Asrrrel unter den A n t i o n e n. Po» Änatole Leroy-Aeaulieu voitt sran;öslichcn Jnslinm «^Ilorisine Ueberseyunq. I ■' (13. ,>ortfc?ung.) Es war bei Israel dasselbe wie bei allen Racen, die lange mit Füßen getreten »nd herab^ewürdigt worden. Wissen wir doch, was die römische Eroberung,!}>er byzantinische Despotismus und das türkische Joch lange ans dem edelsten Volke deS AltcrthumS gemacht haben. Die Knechtschaft ist überall ein furchtbarer Factor der Entsittlichung, und vielleicht werden die höchststehenden Racen durch sie am tiefsten entwürdigt: optmii curniiitio possiina. Alsdann gibt es für bin Eharakter und das Gemüth eine andere Erziehung, nämlich jene der ererbten Professionen, der Gewerbe, welche die Vorfahren betrieben haben. Jedes Handwerk hat seine Moral, so wie jedes seine Wunderlichkeiten und Ticks. Wir kennen die gewöhnlichen Gewerbe d«!s Juden. Wir haben deren Gepräge in seinem Geisteswescn wicdergefnndcn; vielleicht haben sie in seinem Eharakter eine fiesere «pur zurückgelassen. Lange in seiner Wechselstube angehängt, oder in seinem Kaufladen ein grschlossen, hat der Jude deren Ortsgeist in sich ausgenommen. Es ist ihm häufig davon > ekwaS Krämerhaftes verblieben. Möchte doch ein derartiger Jnstinct sich blos bei den Kindern Abraham'ö vorfinden, wo er so leicht erklärlich ist! Für den Juden liegt da eine Art Atavismus vop. Bei dem Bankier in Berlin oder Frankfurt, bei dem Jouryalistcn oder dem Gelehrten in Wien oder Paris kommt bisweilen plötzlich der Trödler der Judengasse oder der Kleinkrämer deS Ghetto zum Vorschein. Dies Gepräge war zu scharf eingegraben, uin! sich in kaum einem Jahrhundert gänzlich zu verwischen. So rasch wird inan seine Ahnen nicht los. Bei allen abstoßenden HantirUngen oder Verrichtungen, zu welchen der Jude während Generatioüen gezwungen worden, hat er sich bisweilen wie die Finger so auch die Seele beschmutzt. Rehmen wir die ehrlichsten der von seine» Vätern betriebenen Gewerbe: den Hausirer, den Roßkamm, den Schänkwirth, den Händler mit alten Kleidern, nehmen wir den Säckelwart deS Königs oder des Sultans, den Finanzmann oder den Steuerpächter, so sind dies keinx Professionen, welche die Seele erheben oder den Eharakter veredeln. Sie prägen dem Menschen nicht das sittliche Zartgefühl, nicht! die Aufrichtigkeit, die Uueigenuützigkeit, die Hochherzigkeit ein. Es geht nicht an, dem Geschäftslebcn Uebles nachzusagen; allein, unter allen Prosessionen ist der Handel, namentlich der Kleinhandel, jene, welche am meisten dazu neigt, den Sinn für Moral abzustumpfen, odLr welche den höheren Seelenfähigkeiten den geringsten lIpielraum läßt. Die Alten waren davon so sehr überzeugt, daß ihre Gesetzgeber oder ihre Philosophen die Kaufleute von der Agorä und den öffentlichen Geschäften ausschlossen. Das Vorurtheil des früheren Regimes„Der Handel entadelt", war nicht so unbegründet. Wenn nun auch der Jude niemals ganz im Geldmenschen aufgegangen ist, so sind doch alle Juden Geld zu machen genöthigt gewesen. Von den freien Gewerben ausgeschlossen, hat beinahe keiner von ihnen, wie unsere Väter sagte», adelig. zu leben vermocht. Wie verhält sich's erst, bedenkt man die llmstände, unter welchen die jüdischen Handelsleute ihre Geschäfte zu machen gcnöthigt waren! Gewöhnlich genießt der Handel den Schutz der Gesetze; auf welche Gesetze aber konnte der Jude trotz der Freibriefc rechnen, welche ihm die Politik oder die Habgier der Ehrislcn ertheilt oder verkauft hatten? Der Jude trieb sciipn geheimen oder eingestandenrn Handel ohne Sicherheit, .oft verstohlcncrwcisc, in steter Ungewißheit des nächsten TageS, allen Packereien und Berandungen ausgcsetzt, von Ablcugnungcn und Herabsetzungen seiner Schuldsordcruugcn bedroht, ängstlich bemüht, seinen Gewinn zU verhehlen, um die Aussicht auf Rettung einiger Ducatrn zu haben, am Tage, wo eS dem. Volke oder dem Fürsten einfallen würde, durch meuterische Plünderung oder durch königliches Ediet ihn zil zwingen, daS Erworbene wieder herauSzugebcu. - Das ist noch nicht AlleS: Genöthigt wie er war, den Großen seine harten Thalcr um einen Spottpreis zu überlassen, mußte er die Kleinen ausbeulcn, den Armen das Blut auSsaugcn, den Unglücklichen durch List wieder abnehmen, was ihm die Mächtigen durch Gewalt entrissen halten. Für ihn selbst sowohl wie für den Ehristcn war dies eine der deinoralisirendsten Seiten der Thätigkeit des Juden! Staatspüchtcr oder Gntspächter, glich der Jude den Vögeln, welche man zu Jagd oder Fischfang für Rechnung des Herr» abrichtet. Er war der erbliche Agent aller Unterdrückungen und Erpressungen. Von Oben herab ohne Mitleid behandelt, inußtc er mit den Leuten unten unerbittlich sein, ihnen Alles nehmen, was er'nur aus ihnen hcrauopressen konnte, zuin Ruhen Jener, welche in ihm lediglich einen auszuquetschenden Schwamm erblickten. In Polen, Ungarn, Deutschland, Böhmen ist der Jude der verabscheute Mittelsmann zwischen Volk und Fürst, zwischen Ccibeigcnem und Edelmann gewesen. In dieser Eigenschaft ließ er natürlich den Kleinen die Verachtung und die Hiebe entgelten, welche er von deii Großen empfing, ließ er die Baucrulümmcl für die Beschimpfungen ihres Gutsherrn büßen. ~ Rehmen wir als Beispiel den Factor im (Osten, de» polnischen Juden, welcher vom Staple, von den Pa'ns^ von der Kirche selbst dazu verwendet worden ist, die Steuern, Auflagen, Pachtzinsen, Schuldforderuugen, Renten jeder Art herrinzubringe». Dieser Factor hat zwei Seite», er ist vermöge seiner Profession ein Mensch mit einem Doppelgesicht: da^ eine kriechend und knechtisch im Ausdruck mit einem ewigen Lächeln nach dem Gebieter gewendet; daS andere hart, hochfahrend, höhnisch dem Bauern und Zinsmann zligekehrt. Solchergestalt gibt sich derselbe Jude abwechselnd oder gleichzeitig demüthig und anmaßend, spricht er leise oder laut, je nach der Person, mit welcher er spricht. Bei diesem Handwerk hat sich sein Empfindungsvermögen abgestumpft, ist seine Oberhaut schwielig ge. worden, sein Herz eingctrocknet oder hat sich verhärtet. Er harte zu viel zu leiden, als daß er nicht gegen die Leiden Anderer, hart geworden wäre. Sein Auge war trocken; während Generationen waren, nach dem von Heine gebrauchten Bilde, seine Thräncn nach dem Oriente hingeflosseil und hatten die Gewässer des Jordan geschwellt; so blieben ihm keine mehr in den Augen. Dann war er bei dem Volke allzuverhaßt, um für die Leiden, deren Werkzeug er wär, Mitgefühl zu haben. Wenn er den Christel.! mit Füßen trat', wenn, er dem Bauern im Zinsrückstand Pferd oder Kuh verkaufte, übte er an den Goim bloß Wiedervergeltung für die Nebel, welche er von den Goim erlitten hatte; mit der Bibel konnte er sagen: „Aug hm Aug! Zahn um Zahn!" war er doch sicher, was er auch thun

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