Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 70 (6.8.1893)
- Date
- 1893-08-06
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 70. .freies 8Ia.lt. ' Seite 7. ntänfirr? Zum großen D heile p legen sic der Sontmerruhe. Sie sei ihnen nicht mißgönnt, aber der Eine oder t er Andere sollte doch das Opser bringe», eine Versainntlttng zn veranstalten, »ni nicht während deS Lämmer» der anti semitischen Verhetznngssucht allein da» Wort zn überlasten. (Verkitt der „Deutsch-Nationalen" in Steiermark.) Leibst irascheclne Anliseiniten in Deutschland lacht „ darüber, daß ein in Oka; bestehender Verein der „Deutsch Nationalen" in Scierntatk, dem ein Architekt ■Statt, der ritt lasscne Mittelschnllehrer Polzer und ähnliche (»eistesgrößen angchörcn, anstatt sich mit slovcnischen Dentschenh, ssern brav herttti,',»schlagen, rinctt Ansrus an alle größeren Städte des Den scheu Reiche» in Betreff de» Heine DentmalS versendet. Po» Oka, aus Ivetten die hervorragendsten dentschen Lnltnrstätten belehrt, daß es ihre Pflicht sei, )en Mainzern nahezulegen. kein Heine Denkmal innerhalb der Bannmeile ihrer Sladt zu dulden. Wenn in analoger Weise ein „ liberaler Verein z. B. in Brünn sich herausneltnten würde' Hamburg, Vretnen oder -Hölti sage» zu wollen, was sich sür sie schickt. so wäre da» sicherlich „jüdische Arroganz". tDik Uin-Stkinwcndkr.)!\»itr den Herbst ist e»n „Parteitag" in Aussicht gettotiitnen, ans welchem sich „ >»ie nut Steintvender" versanttneln werden. Ls liegt auch bereit« ein ncite» Programm vor, welche» diesem Parteitage zur Be s.ltlttßsassting ttntctbreitet werdm soll. Abgesehen davon, daß das Programm reich an Widersprüchen ist, bald da» nationale Moment alS da» einzig attes.lilag gebende bezeichnet, bald wieder ha» unbedingte Festhalten am Bestände der freien Lchute gelobt, macht cS sich durch zwei Umstände bemerkbar! i. li» »uirb der * Grundsatz ausgestellt, das Bäte land müsse kleiner sein und der slaviiche »Rordosten, wozu nebst Galizien und der Vtikowina Dalmatien gezählt wird '.eine Cicenz, die strenge Mittelichulb hrer ihren Schülern latttn gewähre» dütsteni, an» den im Reich»rathc vertretenen Königreichen und ('ändern „relegirt" werden. 'J „Die um Lteitnvender" sol en vom sarultativcn zum obligatorischen Anti sentitisutus übergehen. Sehr >cachtenswerth ist eine Villacher Ltiuintc über dieses Programm und seinen irlellertnellen llrheber. Die „Deutsche Allge meine Zeitung" schreibt: Air criuncru daran, daß Stetnwender seine Lau didatur int Halite ls*'> nicht al« »Antisemit betrieb, daß er in seiner Lau dikatenredc im Gegentheite betonte, daß er sich, falls die Vildnng eines großen Deutsche» LtubS nicht zustande kointnett sollte, der liberalen Partei, letncstveg» aber Schönerer antchließen werbe; wir erinnern daran, daß Dr. Lteintvender gelegentlich seiner Wiederwahl in Wort ttnd Schrift anssührte: „Eine nationale Partei darf als solche nicht judi nsreundltch, sie darf als solche aber ati.1t nicht antisemitisch fein, sondern sie muß es eben jedent Vollsgenosscn möge derselbe über den Antiscmitisntus wie immer beuten, ermöglichen, unterhalb der Partei Ra ihn zu finden." 1 Skf> gab sich Dr Lteintvender seinen Wählern gegenüber — in Studentenkneipen war :r allerdings von jeher Äntiiemit — als Nicht antiskinit ans: „Zch werde mit) eher den liberalen als den Lchönerianetn anschließen". IbOO: „Man laut nicht cincin Dheilc unsere» Volkes bloß wegen seiner Anschaunttg in der ^>u! tenfvage den Anschluß att hie Deittschnationale Partei verweigern Es' gibt an h unter den Antisemiten attsgezeichnele, national süblendc Männer, die wir nicht n |>i»iori von tut» tveisen können. Darin» »tust das Programm der Rationalpaetei ein solche» sein, daß sowohl »Antisemiten als auch Richtantisentiten in dersellen stehen lönncn." lo!).">: „Die »Vekämvfnng de» jüdischen Einslnsscs aus allen G bieten ist ein wesentlicher Punlt eines nationalen Programme»." Glaubt den» Dr. Steintvender, daß die politisilt nrthcilsfähige ituelligcnle Wählerschaft der Stäke und Märkte Dberkärntens alle diese Vocksptüngc minttachcu wird!' — Die Wähler Villachs haben nicht den »Antisemiten, sondern den scheinbare» fortjchrittstnann Steintvender gewählt. Der jetzige Steintvender ist ein Mann mit einem andern z olitischen Programm, als das gctvesen, ans Grund dessen er gewählt wordett ist, und er hat daher lein Recht mehr, das Mandat alS Vertreter der obertärntifdteil Städte und Märkte in Händen zu halten. Uebrigen» ist auch der letzte Grund für die Schaünttg des netten Progranttnes bgld durchschaut: Steinwender weiß ganz gut, daß er sich in kämmt nicht »zehr lauge zu behaupten vertu tg, und darum nimmt er die Candwakttr in irgend einem Wiener Vororte in Aut sicht, und dazu braucht er ein antisemitisches Programm. Tie politisch Halbblindcn in manchem Wiener Bezirke könniett fwh sein, Steintvender-zu ihrem Vertreter zu baden — der Protection de» fürsten Liechtenstein könnte er sicher sein — aber sür die politisch hellsehende oberkärntiichr Lürgerschast ist der Antisetnileltsührer Steintvender nicht mehr der rechte Mann. (Gegen Stöcker.) Tie Berliner Anlisetniteitversantinlnttgen gestalten sich säst durchgehends zu »Anli-Stö kcr-kitndgcbuugcn. In einer vorige Woche ab gehaltenen Versaminlnng erklär e der verkrachte kattsmann und nunmehrige Gast wirth Bo deck, er habe die Versammlung selbstständig einberusen, weil er Muth zu tragen, und sie keinem antisemitischen Verein „Hofprediger" in der „Radanversanunlung" seiner genug besitze, die folgen allein ausbnrden wolle, Nachdem der Christlich-Socialen sein wahret Gesicht össentlich gezeigt, wolle er wissen, ob die Antisemiten sich ferner zu den selbstständig werden wollen, ob Großgrundbesitzern He Die Antisemiten hätten sich ta nur mit den Großgrundbesitze! agogischen Zwecken ntißbrancheu lassen oder endlich sie serner den feudalen und verschuldeten ere»folge leisten oder ihrem wirklichen Ziele znftr.ebet: wollen, den kleinen Beamten, Handwetkertt und Arbeitern ansznhelscn. tge »assühren lassen vonkinent Manne, der es n und Agrariern hält und die antisemitische Bewegung nur als Hceressolge >kür die Lotn'eivativcn und zur Bes» icdignng seines persönlichen Ehrgeize» benutzt habe ttnd weiter dennven wollte Seit U» Diahren hätten viele Antisemilen leider sich von consetvatwen Ltrcbern und demagogi scheu Gelicimtäthen an der Rase lnrnmsühren lassen, und deshalb lgtbe der Anti sentitisntu» leine Erfolge zn verzeichnen gehabt. Eist durch die Ertolgc der Wahlen habeMtan cinjehen gelernt, daß die eigentlichen verdienstvollen Männer de» Attlisentitiüuius Dr. B.öclel, der verstorbene G lag au und Ahlkvard sind. (Lebhaster Beifall.» Man habe bisher sür die Lonlervativen geatbeitet. Ltöcker habe die Henchclei so nteisterbakt verstanden, daß selbst Ahltvardt sich mit Bocket nicht einigen wollte, weil ev es nicht glaubte, daß Stö.ker die Antisemiten nur gebranchen tvill, nut den Eonservativen anszuhelsctt. «Lehr richtig! Bcisall.) Unter hestigcn Angrissen ans das» »Ltöckcr'sche.„Volk" ries »Vodeck ans: „kämpft sür eure Fendaten und verschuldeten Rittergntsbesivcr, wir -katnpkett sür die (leinen Beamten, Handwerker und nothlcidenden Landwirthe gegen die fnden, aber auch gegen den jüdischen t'n’i'i in unseren Reihe»!, t Sturmi,cher. Beifall.» Man hat uns vorgeworsen, nngehorsatne .»linder zn sein, die ihre ft" Vater nicht mehr lcntteu wollen. Wir danken sür einen solchen fntsorger tut» „crreleiter, mit wollen es einmal mit der Praris versttchen, tvir wollen ein wirkliches Ehriftenthntn pslegcn, nick t das Lhriüenthnm bei jedent Wort int Munde sühreu, um nachher nichlchristlict» zu handeln., t Stürmischer Beifall, llntuhe bet den Christlich Socialen.» Wir wollen eine Rcsormpolitik, welche nicht die kleinen .Handwerker belastet, iondern die energisch einmal in die Geldsäcke der Reichen hineingrcift. Tie von den Arbeitern Reich" gewordenen sollen auch einmal etwas sür dte Arbeiter' tfittii. Wollen wir tut« noch länger „unter da» Scepter einer sogenannten „Berliner Betvegung" beugen und bei.den Wahlen comtnandircn lauen, oder wollen »vir uns nicht als „Vcr einigte Antisemiten" zusammen finden und nn» selbstständig machen? Da» Duchtuch ist zerschnitten, wir »vollen nicht mehr die Vorspannpscrde am c o nserv at iven Agitat i onsI arre n sein. Die Ren Stettiner hätten auch heransgesnnden, wer es ehrlich mit dem Volke meint, und Ltöcker heimgeschickt. tAnhaltender Beifall.» Der geplante norddeutsche antisemitische Paktcitag werde nunmehr hostenilich alle Zwistkgleitcn nnter den antisemitischen Vereinignttgen attshebett. Ein gnte» Gewitter, tvelches die Vuft reinigt, nzzißte ftattfinben, tim die salichen freunde erkennen zn lernen, die nn» in den Racken Hanen/ die cotn'ervativen Streber, tvelche sich gegenMohe Herren liebedienend zeigen, um sür. sich etwa» zu erreichen. tErnenter Beifall.) Man brauche an der Spitze der antiseniitischen Vereine keine Doctoren und Majore a.»D., ein treuer deutscher Schuster könne es auch. Takt» »vcrde die antisemitische Betvegung auch tveiicre Erfolge zeitige», iVanganlialtcnder Beifall.» — Titz Discnssion gestaltete sich gleich anfangs sehr stürmisch. Als erster Redner trat deti christlich sociale Mechaniker bi ln ge sür Herrn Ltöcker ein und warf Bodeck/vor, daß er schon iss;» tie Wahl Stöcker » in Berlin znnt Landtag hintertriebei.1 habe Er hätte also den Unfrieden zuerst in die »Betvegnng getragen! , furchtbarer Lärm. i Hoipredigcr Ltöcker fei doch der Vater des Antisemilismus. tRimmermeltr! 1'ärtit. Lchlnßiute i .»Inge fuhr sott: .»eine Partei belügt sich so wie Sie, die Anarchisten und Loeial Tetnolratcn bekämpsen sich geistiger, ltzärm. Ruse: z'ttntp! RauS!i Der über.wachcndtz Polizeilientenant ließ erklären, daß er bei srortsevnng de» tzärmS die. Versammlung anfloien werde, .»luge w»trde da» Wort entzogen. »Beiiall und tzärtn.» — B od eck erklärte, er sei stolz daraus, Ltöcker ichon damal» durchschaut zn haben, der cs nicht wert!» tvar, daß die Antisemiten - sich bei ossener Ltjtnmenabgabe seinetwegen brotlos machten, tfurchtbarer rärnt und Beifall.) — Antisemit Petri bemerkte ebenfalls: Ltöcker sei e» gar nicht» iverth, daß man sich mit seiner Perlon beschäftige, glicht an» tziebe znnt Volte, sondern an» Herrschtnchz. habe er in der Bewegung gestanden. 1'eidcr gebe es noch tnebr solcher Heuchler, denn von den achizcbn ans da» antisemitische Programm Gewählten seien sieben zur consetvativeu Partei übergetreten. (tzärtn. Pfui!) Mehrere »Antisemiten, darunter der li-orsivende "de» ehemaligen „königstrcncn »Arbeiterverein»" »Wallach, ergiulzen sich int Vertanse der Discnssion in den schärsften »Angriffen gegen Ltöcker. »ilttge, der in der von Ltöcker einberusenen Versammlung gesagt haben soll: „»Was tvill der Bodeck liier, der an allen Ecken Schulden bat »e" ward ttmringt, drohende Häufte er ltoben.sich gegen ihn. Der Vorsitzende schloß die Vcrsantmlnng, tun sic nicht der »Anslösnng verfalle» zn lauen, -'ilnge mußte unter dem Schutze de» »tzolizei ttentenant» und-eine» SchnvinanncS delt Saal verlassen. -Aus antisemitischeil flattern. 1 (Der erschlichene Doclortilel.» Das „Deutsche »Volksblatt" berickuetc vor einiger Zeit,» ein jüdischer Mediciner hätte nach einem »Rigorosntn durch Vortveisnng einer fingirten Depesche über einen Unglücksfall, der ihti betroffen, das »Mitleid der »P.rüfnngsconttnissäre erregt,' so daß sie ihn trov mangelhafter jicnntnisse „lanfen" ließen. Diesem »Berichte folgte bald die »Rachricht, der beleidigte »Mediciner habe gegen da» »Antisemitenblatt die Ehrenbcleidignngsktage überreicht. Donnerstag, den l). d. M. theilte das „Deutsche Vollsblatt" jubelnd mit, die klage sei vom Privatankläger znrückgczogen tvorden. für den Rücktritt von