Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 70 (6.8.1893)
- Date
- 1893-08-06
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Keililtze 511111 Freic» glatt, Grzau z»r Abiurhr des Fntisrinitismus. . Wien, I. Seil'erstcitte 10. ' Die Juden und der Antisemitismus. Jtrrrel unter den Nationen. Bon f Änatoke Leroy-Aeaulieu vom sranzösi'che» Iilstilnt. Anloriiirle Ueberietztinq. Zweierlei unterscheidet nach dem Aussprnchc eines unserer Haßten Schriftsteller den nivdcrncn Menschen: „Zwei Dinge, deren sich der moderne Mensch nicht entäußerl: das (Gewissen und die Ehre; jenes christlichen, diese feudalen Ursprungs"?'"» Bo» diesen beiden | neuen Begriffe», auf welchen das ganze sittliche l'ebcit unserer j (Gesellschaft beruht, war der eine gestern noch dem Jude» fremd,! der andere lange bei ihm verkümmert »nd gefälscht. Dadurch namentlich unterscheidet sich der-Jude von uns, dadurch bleibt er 1 . bei all feinen geistigen Fähigkeiten und seelischen Borstigen »ns! . häufig untergeordnet. Man k,öu>rle nicht behaupte»,, das; das Gewissen. Israel abgchc. - Tainc meint, cs fei christlichen Ursprungs; cs wäre vielleicht rich-! ligcr, es für jüdischen Ursprungs zu erklären. Es ist nämlich — j ga»; wie die Mildthätigkcit — semitischer Import. Israel hat es in unsere Beell eingcführt, wenigstens in jenem Sinne, welchen ihm das Ehristenthum bewahrt hat. Der Iu'dcist der Erste, welcher sich den .(lönigcu der Erde und de» Schwerlgegürtcleu gegenüber eine Gcwisscnswclt gewahrt hat, wo kein Herr eiudringen kann. Die Affhrcr, Griechen oder Römer, die ihn hintereinander bezwungen, wußten davon zu erzählen. Israel hat dem Gewissen seine ersten Blutzeugen gestellt; sic waren Gewisscushcrvlde, jene sieben Makkabäer, welche sich lieber foltern ließen, als.verbotenes. Fleisch aßen. Das Gewissen ist die Seele des Iudenthums gewesen, seine B-urzeln stecken in der Thora. Israels Existenz selbst ist dessen Bekräftigung gewesen. Weil Inda daö Gewissen über Alles gesrellt, ist er seinem Gesetze treu, ist der Jude Jude geblieben, Allein dieses jüdische Gewissen- Mutter und Rährmuttcr.des unferigen, ist nach und nach verkümmert und getrübt worden. Auch das Gewissen hat seine Unbcugsamkeit verloren, sich geschmeidigt, sich unter die Roth der Zeiten gebeugt, sich zu Berglcichcn herbei gelassen, mit der Gewalt paktirt, Bermummungcn angelegt und die MaSke vorgcn^mmc». Selbst in der Religion, was ihm zumeist am Herzen lag, hat cs heucheln, lügen und das Miiic vor jenen Göttern oder Propheten beugen gelernt, welche fein Glaube leugnete. Tausende und zchntausendc von Juden in Afrika, Asien und Europa haben äußerlich das Iudenthum abgelegt und sich zu Jesu oder Mohammed bekannt, um sich das Recht auf das Vcbc» ‘ zu erwirken. Ehristen sind ja auch während der Berfvlgnngcn schwach geworden, und die Lapsi waren zahlreick»; der Bkärtyrer jft eben immer ein seltener Beruf gewesen. Der Unterschied besteht jedoch darin, daß die Rabbiner diesen Schein von Glaubensabfall entschuldigt, gebilligt, biöwcilen vielleicht angerathen haben. Der Berühmteste ihrer Schriftgelchrtcn, der große Maimouidcs, der Ab- . Tainc: ,,Lcs Origines de la France contempbraine *. — ..La Involution“, Band III, S. 124—120. Wik habe» da zwei neue Worte, die in, Griechischen oder Lateinische» nicht gleichbedeutend vorhanden sind: weder corisoientia, noch lionos. »och dignitas haben den gleiche» Lin». l fasscr der dreizehn Glaubensartikel', icheinl selbst das Beispiel j gegeben und in seiner Jugend den Turba» aufgesetzt zu haben."'.'! Fünf Jahrhunderte später bekanntesich Sabbatai, der Pseudo! Messias des Drienles vor dem Sultan zu Mohammed und trat! die Iudciimütze mit Füßen, ohne daß sein Abfall sein Ansehen bei! seinen Schülern vermindert hätte. .Ich weiß wirklich nicht, ob nicht I noch Manche ans seine Anserstehnng warten, Andere, in Spanien, i Portugal, Italien, Frankreich — da, wo sie zwischen Tod und j Arcuz zu wählen ballen — ljitlu-it sich taufen lassen. Möglicherweise > gibt es unter den Sephardim Familien, welche nacheinander, ans Evaltgclinm.und (ioran ihre Lippen gedrückt haben. Dse mivos cristinims »lastiliens und die i»nrr»n,-s Lnsijanicns .besuchten die Kirche, ließen sich durch den Priester trauen, knieten im Beicht sluhl und amt Abkndmahltischc, ohne anfznhören Juden zu sein. Bei uns selbst, in Bordeaux, haben unsere" portugiesischen Inden, welche von den „neuen Ehristen" der Halbinsel abstammen, lange bethenert, gute »iatholiken und keine ungläubigen Juden zu sei».' "' „B-ir sind Israels," sprachen im (Geheimen die Bäter zu ihren Bindern und lchrlen sie, den o»Ianbcn, welchen-ne. ihnen int Ber borgcneu überlieferten, vor den Menschen zu verleugnen. Genera livncn von Iaeobstiuder» sind solcherweise am Heiligsten, was sie besaßen, zu Heuchelei und Lüge herancrzogen worden. Es ist nicht lange her, daß cs, den Spähern der Inquisition zu Trotze, in Spanien- »och Schein-ktttholiken gegeben hat — und in gewissen Städten des Drienls, in Salonich, wenn ich nicht irre, findet man noch immer Scheinmohammedaner. Heule selbst, wenn die russischen Sabbatvrrehrer nicht, wie man-bisweilen geglaubt hat, verkappte Juden sind,'"') scheint Rußland'Alles zur Bekehrung seiner iiraeli tischen' Unterthanen zu Scheinorlhodoben zu lhnn, da es ihnen tut ganzen Innern des Reiches nur, die B-ahl zwischen Taufe und ' Anslreibnng läßt. B-ie viele nnler jenen lausenden von Juden, welche seit zwölf und einigen Jahren Seine Excelleilz der Generalprocnrator des Heiligen S»nod in seinen vsneiellen Rechenschastsj berichten dem orthodoxen Taufbecken zugeführt zu haben sich rühmt,! sind Ehristen vor Ehrnlns? Bsie viele verbleiben in der Ber \ borgcnheit der Familis Juden und I eichen ihren .(lindern die Ber. 1 achlnng für jene Religion, zuderen Uebung sie dieselben öffentlich verhalleit müssen? — Da wundere man sich doch, wenn dem Juden die Doppelzüngigkeit leichter wird als uns. Braucht man besonders zu'fragen, welchen Einfluß auf »linder und Erwachsene es haben kann, wenn der Mund sich z» «inem Glauben bekennt, welchen das Herz verflucht? Dime diese religiöse Doppelzüngigkeit wäre allerdings das Iudenthum vielleicht verschtvunde». Das, sicherste- Mittel für den Jude», seigen c-'lnuben zu retten, ist denen Ber leugnung gewesen. Ist da nicht der Schuldigste der Ehrist, welcher die Juden zur Entweihung seiner Religionsgeheimnisse zwang? Rieht alle Juden indes; sind zu diesev äußersten Demnthigung, diesem scheinbaren Berzichl ans de» Glauben ihrer Bäter gezwungen I f ' ' "') Cbuu-hl von -»turnt und Gräv pigegeben, ist Sie .Thatiache bekanntlich ' bestritten worden MaiinonideS Ijar eine -.'lbliandlung;ur Berilieidignug der inuharnmedaniichen ,-uden geschrieben, -.'lach ihm unterlagen Talmud unk i-'e-etz bei Todesstrafe bloß Götzendienerei, Ehebruch und Mord. Liehe Grab: „Geichichle der?-»de»", Band VI, Eap. X, L. Ölt!—322. 1:,0> Tie?-»den von Bordeaux habe» erst im „Will?-al>rl»mdert auf die, katholischen Eultusübunge» vergchlet und jene ihrer Borfahre» wieder ange »omme». Lie hatte» wahrend mehr als hundcrnnnfzig fahren ibre» Glaube» verheimlicht lind sich für Ehristen ausgegebeu. Liehe Malveji»: ..!I>-i-ure des .luiks :> ttorticaux-. L. I7ü—ItSO. — Blau hat behauvtek, ^dast die Blutier Montaigne'S von dielen-portugiesische» gudeil abstammie , - Liehe: ,1. Ftiq-irc d,-s Tsars --t li-s Ilu——BsmS III: ..La I.V-ligion‘-. Buch III, Eap, IX, L. 010, 01s