Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 69 (30.7.1893)
- Date
- 1893-07-30
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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69. Seite 7. de» „Conservativen" hart zugrsetzi. Ter Abgeordnete Werner sprach Uber da« Thema: „Der falsche und der wahre Antisemitismus oder der Wolf im SchaiSkleide" und sagte: Die Antisemiten habe» bei de» Wahlen so große Erfolge errungen, weil sie sich anf eigene Füße gestellt nnd mit keiner anderen Partei ein Eompromiß geschloffen haben. Tie gefährlichsten (Gegner der Antiieiniien seien die Conservativen. Diese Leute könne man mit Recht die Wölfe in Schas»- kleidern nennen. (Beifall und Widerspruch.) Es gebe ja einige ehrliche Eon servakive, die mit anlisemitischem Cele gesalbt seien, die Partei im Allgemeinen aber gebe nur Versprechungen, die sie niemals halte; deshalb sei diese Partei mit größter Entschiedenheit zu bekämpfen. (Beifall ) Er habe in seinem Wahl kreise einen Landrath aus dem Felde geschlagen; er sei der Ansicht, daß in den Reichstag nicht Landräthe, sondern freie, nnabhängige Männer gebören. (Leb Hafter Beifall.) Die Antisemiten wissen, daß mit der Lösung der 0 u d e it s r a g e allein die sociale R o t b nicht a»S der Welt geschasst werden könne, sondern daß dazu anßeidem gesunde sociale Resormen ersorderlich seien. Die conservative Partei, die viele Jahre eine herrschende Stellung in der Gesellgebung eingeitomnteu, habe den Schlaf des Dornröschen« gehalten. Diese Partei diinke sich eben ztt vorttehm, tun für das Polk, at>t das sie hochnäsig herabiehe, ettvaS'zu thnn. (Lebhafter Beifall.) Ztt bedauern sei es, daß Abgeordnete, die ans das antisemitische Programm gewählt wurden, sich der conservativen Partei angeschloffen haben. (SUttfe: Psni!) Ein altes französiiches Sprichwort sagt: „Wer sich den Inden ergibt, stirbt," ich füge hinzu: „Wer sich den Couservativen.ergibt, stirbt." Die Bezeichuung „Radanantiiemit" sei de. bereitein Ehrenname geworden, denn der Lärm, der in der Persainmlttng der christlich socialen Partei am vergangenen Freitag gentacht wurde, lei ein geinnder gewesen. (Stürmischer Beifall.) Die Borgänge in der erwähnten Bersaminlnitg seien ja sehr bedauerlich, da« Anftreten Stöcker'« gegett die verschiedenen anti semitischen Candidaten bei der^ letzten Wahl habe diese aber herausgesorderß Er könne nicht begreifen, wie ein evangelischer Geistlicher, ein Prediger der christlichcn Nächstenliebe, sagen lonnle: er werde Herrn Dr. Böclel bi« ans« Butt bekämpseu. (Ruse: Psni!) Hosprediger Stöcker, den er (Redner) persönlich Zehr hochachte, diitsc sich nicht wundern, | ivenn die Antisemiten ihn bekänipsen Stöcker sei ans halbem Wege stehett geblieben. Stöcker sage: wenn d.r Ittdc sich laufen laffe, dann sei er mit den Ehriste» gleichberechtigt, während die Raceuantisemilett sagen: „Der Jude bleibt Jude, und wenn er s.ich zehnutal hat taufen lassen." (Stürmischer Betsall.) So lange Hosprcdiger Slöcker im Amte war, mußte er vielleicht. «och einige Rücksicht üben, man balle aber erwarte» sollen, daß, nachdem er sein Amt attittirt, er znm Raren. AnltsemiliSinttS übergehen werde. Im klebrigen sei nicht Stöcker, sondern Dr. Ernst Henrici der Pater de» AtttiseinitiSmus. (Stürmischer Beifall.) Herr Stöcker sei durch seine eigene Tölpelhastigkeit in Siegen durch gesallcn. In Neu-Sleltin sei Stöcker als Ehriftlich Socialer ausgetreten; ivenn er gewählt worden wäre, hätte er sich doll, aber ztveisello« sofort den Eon iervativen angeschloffeu. Er wünsche, daß Stöcker ebensall« ein Mandat.erhalte. Möge er sich in einem sicheren conservativen Wahlkreise ausstellen lassen, aber nicht den Antisemiten Mandate streitig machen Die Eoniervaiivett würden >a die Antisemilen als sehr so(gsame Xittder betraciiten, ivenn sie ihnen/ Heere« folge leisteten. Allein die Antisemiten müssen den Mampf ebenso heftig gegen tie Eoniervativen, wie gegen die Freisinnigen nnd Social Temoliaten sührrit; denn bet der vorigen Wahl habe e« sich gezeigt, daß die E o >,ser vativen nicht bloß mit alle» schmntzigen Mitteln arbeiten, iottdern den Aapciz gleichen, die vorne lecken und hinten fra::>• ii. Er müsse de kennen, daß ihm ein ehrlicher Gegner, tvie Engen Richter, lieber lei als ein Eonservativer. ,Stürmischer Beifall und Widerspruch.) Die Antisemiten baden itunmehr Herrn Hosprediger Slöcker nebst der conservativen Partei kennen ge lernl und seien genölhigt, beide al« Feinde zu betrachten. (Beifall > Wenn es nach den Coiiservativen gegangen wäre, dann wurde daS allgemeine, gleiche, directe und geheime Wahlrecht bereits dem Landtagswahlrecht gleichen. . Die Antisemiten wollen eine „echte BolkSparlet" sein. An diese AuSitihrtutgen Werner'S schloß sich eine Erörterung, in der u. A. Lehrer Lang hei picke ersuchte, die Streitaxt zu begraben und daS zu betonen, waS die Antisemiten nnd Ehristlich Socialen eine, und nicht, .was sie trenne. Abgeordneter Werner erwiderte: Der Borredner möge seine Mahnung au die Adresse richten, von der der Utr friede auSgegangen sei. Tie conservative Partei sei eine alte, morsche, abgelebte -Partei geworden, das Polk «volle aber eine lebenssähige Partei baden, daS seien die Antisetniten. (Beifall.) Ahltpardt habe nicht Unrecht, wenn er die Junker angreisd. ES gebe einzelne inständige Junker, wie cS auch einzelne anständige Juden geben»löge. Im Allgemeinen seien aber die hochnäsigen Junker gleich den Juden zu bekämpfen. «Lebhafter Beifall und Widerspruch.) Mehrere andere Redner belonte», man müsse Stöcker gewiffermaßen als General a. D. reipectiren, in der Praxis aber den cottservativen und christlich socialen Ballast, mit dem man sich lange genug herumgeschleppt habe, ablchntteln. ü Slatb. 21us antisemitisch«.'!! blättern. (Nach Ibis skr.) DaS duftreiche Hellblatt von der Linken Balingaise brachte in einem Schmähartilel geg n eine» indischen Journalisten nnter Anderem von, daß dessen Blatt nach l-stlf, >:e lauerliche Armee „mit boderrlo'er Perndie an griff". E« mußte eine Berichtnzuug aus,rechnen,' das; diese Angczbe. salicli war. Aber gesept den Fall, sie wäre richtig getveien, ein Anti'emit hätte deshalb noch immer kein Reck,« erlangt, Jemandem Mangel an Patrwiismns voeznwenen. t)uis mli'iit tinttvlios rlu üviliticino i|tii'ii'iilcs! Noch vor den« Ausbruch des .«leiege« von lHtiti brachte die heutznlage auch in AtttiseinitiSmus machende „Zeitung für die österreichische Monarchie" einen Artikel, der in allen dem Paterlgnde treuen llreiseli so lebhafte Enlrüsntng erweckte, daß die hinter jenem reactionären Blatte stehenden Feudalherren sich bemüisigt iahen, öffentlich den Artikelschreiber zn de« avoniren. lind tvie schrieb D F. Berg nach l"tit!> paßt er doch in der Posse^ „Die PsarrerSlvchin" beit Psarrer ansenien: „Ah. das iik det «>erc Lieutenant, der tut« geholsen hat, die Schlacht verlieren!" D F Berg ivar in den leplen Jahren seines Lebens ein strammer Antisemit nnd starb auch echt anttiemitiscb, nämlich alS Irrsinniger; allerdings bat er nicht, während sein Geist tunnaättei war, Schönerer verdächkigl, „Minen bald »nler da« Han« der Familie, Julie nnter die Redaction de» Ernst zn legen", tvie dies nach Angabe seine« Sohnes der alle Bergani gethan haben toll. Hätte ein Pofrenscbreiber an der Spree oder gar an der Seine unter gleichen Umständen einen ähnliche» Will, verbrochen, e« wäre ihm schlecht ergangen. Jene« arische Publicum Wien« aber, an« d§m sich iept die Antisemilen recrutieen, brach sedeSmal in ein lromerncheS Gelächter an», so oft der alte Ron >US Pfarrer in der Webe, tvie eS ihm seine Rolle voeschrieb, unser Mißgeschick aut dem Schlachtselde bespöttelte. „Deutsch nationale" Antileuute» pflegen ubtigenS am Gedenktage der Schlacht von .'löniggräv — Feftcommerse zu veranstalien. - Tyr (Alierkkniinng für die Polen.) Den Polen ist eine große Auszeichnung zu theil geworden. Wir meinen nicht etiva dieAnerlennnng, welche .«täüer Wilhelm der polnischen Fraction dos deutschen Reiclgages s»r ihr Berhalteu in der Militärsrage anSgesprc^ben hat, sondern die Befriedigung,, die der „BollSfrennd" des Herrn Ptenner über den .«lrakaner statholilentag äußert. Aus detnielben habe sich, hebt er freudig hervor, „der liefe, int polnischen Polke schlummernde Antisemitismus wiederholt zu elementarem AuSdrncke durchgerungen". Die Herren Tarnowski, .«tozlowski rc. können ans diese» Erfolg Not; sein. «Ein znriilkgxwikscttkS Aüiattzaubok.) T>e Wiener ,,'Wurschtlesselpartei" ließ die Fraction Steinwendcr durch da« Berliner Algivardt Blatt zu einer Allianz im Namen de« Antisemitismus anssordetn. Dtcics Anbot wurde in einem Artikel der RcichenbeLger „Bolk«zei l u ng" etnlchieden abgelehnt: die Anhänger Steinwender'S, die sich im Herbste zur Feststelluug eines netten ActionsplaneS versammeln werden, rvollen ihre eigetken antüemitischeu Bahnen ivandeln und nicht in Reihe und Glied mit den Liechtenstein Husaren marichrreid. (Das Troppanrr Llnltjrmil, nblalt und dir Deschcner Eommunnlver walltlltg.s Mau schreibt der „Freien Schlesischen Presse" aus Teichen: Seit einiger Zeit veranstältet da« Srgan der antisemitische» Partei in Tropvau ein .«iesseltreiben aus dir Eotttmunalvenvaltnng und inSbesendere aus unser Panämt In rascher Folge erscheinen Artikel, die nacheinander den Stadtregulirnugs platt, da» städtische PersorgungshauS und das AnknabrnSgebände am netten Eommunal Friedhof besprechen. Die llnwahrheii der Behaupt,rüg, das? der Stadt regulirnngsplan verworsen tvrrrde, ist bereit« in amtlicher Werse dargetbau worden. In dem betressenden Artikel wurde auch.unser Bürgermeister, dessen Beliebtheit in den .«tiei'e» der Teichener Blirgerielraft in' für-leine Gegner be klemmender Steife gewachsen ist, in der rnvvelba'teüeu Art angegrineir und eS hat allgemein befriedigt, daß der Gemei»deattS>'chuß soiort die richtige Aut wvri hieraus'gesunden hat. Tie in ökieniticher S ivnng gegebene» An'ltärrmgen .über den Stand der Arbeiten betreiis des StadtregulirungSvlanes haben du' Bürgerschaft vollständig befriedigt -und die gedankenlos ersruideneu Anwitrse gegen da« Stadtbauamt tvirkiam tviderlegt. Es wurde u. A. auch darüber ge willelt, daß die Bancommiisio» nacheinander eine» Fleinbermcister. eine» Gerber, einen Rauchsanglehrermeister zum Dbmanu batte- Demgegenüber muß .hervorgehoben iverden, daß diese Herren im Intereffe.der baulichen Entivickluirg der Stadt mit Selbstausopjernng mehr geleistet haben jlS alle jene Dechniler zusammen; die ohne Interesse für städtische Fragen nuvihrer Eitetleit stöhnen wollen und das strebsame Bnrgertbum der Stadt mit Berachtuug be handeln. Tie Gedabkenlosigleit der geistigen Leiter'des Autisetniienblat-tes bat hier übrigens Heiterkeit hervorgernsen, da dasselbe Blatt in einer Eorreivondenz anS Bielill einige "Wochen sriiher gerade das «eichener Bangmt gegenüber dem Bieliper besonder«-in der Frage der Sladtregulirnng und der emsigen Atbeit im städtischen Interesse ans da« Nachdrücklichste belobt und der Skadtgemeinde Bielrh geradezu alS. Muster empsoblen batte. Um die Logik bandelt e« sich den Herren aber nicht, wenn nur ja recht geschiinpit und gehellt werden kann. »Bei Be sprechnng deS städtischen PeriorgnngShanseS, welche« nicht etiva jevt, sondernvor sieben Jahren gebaut worden ist, bethätigt der Schreiber des Artikel« «'eine ekle Gesinnung, sein tiefes Gemiith und seinen unversälscht deutschen Ebarakter dadurch, daß er in der unsläthigsten Weise da»Andenken.de« verstorbenen Bürger-- meisterS Dr. Demel besudelt. Wir glauben hierüber lein Wort verlieren zu