Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1893-07-30 · 69 (30.7.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
69 (30.7.1893)
Date
1893-07-30
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/4886575-5439157-5441437--0727-4887233
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Beilage zum Freien Blatt, Grgan zur Abwehr des Antisemitismus. Seite XLVIII i'öifffiifdiaftni durch die Erörterung der Schrifltcxtc iu gelehrten Sprachen: fürdie Ralurwissenschastcn durch die Beobachtung des pebens und des lebendigen Körpers. Mancher Israelit, welcher sich der Philologie oder der Altcrthumskunde widmet, stammt von einer langen Reibe Rabbiner ab, welche während Generationen sich das Lludium dunkler Schrifnexte sauer werden ließen. Tie beiden Tarme»rcler beiivielsweisc, Löhne eines schlichten Buchbinders, zäüleu unler ihren Borfahren wohl dreißig Rabbiner.""» Tas jüdische «Geistesleben in kein Brachland, das unigcgraben werden muß, es in niemals lange brach gelegen. Es ist ein seit Jahr Hunderten angcbauler Boden, der nur neue wissenschaftliche Ber fahren erwartete, um neue Ernten zu geben. Will man, noch einmal sei es gesagt, Israel als ein Bolk betrachten, so ist es das ällene und vielleicht begabteste der. wie die Tcutschcu sagen, Eulturt'ölker. Es bildet durch Mannigfaltigkeit wie durch Älter seiner l^eineseutinr eine Ärt «>'cburtsarii'tokralic unler den Ralionen. ■ - I r. er ("ein bat bei den Juden die überhand über den Körper: > zum Ersah in bei ihm der Bcri'mnd dem Eharakler überlegen, i Es in, als ob der eine auf »tosten des anderen gewachsen wäre, 1 oder richligcr gemgl, als ob, 'was den erstercu gestärkt und ge j .äulen, de»; »veilen häufig hcrabgewürdigt hätte. Tiefe Erscheinung! in nicht olmePraeedcnzfall. Ein Pessimist würde vielleicht hinzu- .fugen, es «ei eine ganz normale Thalsache, daß bei. de» Racen und i Eivilisationen. wo nicht bei den Individuen, Intelligenz und Moral sich mit den beiden Lchalcn einer Wage vergleichen lasse», deren > eine emvorneigt, wenn die andere hinabsinkl. Manche dürsten dies j für fin. historisches «''det erklären. Es liegt uns;u viel daran, dies nicht;u glauben, um es leichthin gutzuhcißcn.' Tas Beispiel der Juden ist kein Beweis. Ter Fall mit Israel findet unschwer «'eine Erklärung. Tie «beschichte liefert sie uns. Bei den alten Hebräern verhielt es sich eher umgckehrt: der Eliarakter war dem «leiste überlegen. In diesem Sinne, im geistigen ebenso wie im phnfischen, kann der moderne Jude als eine Racc im Ricdxrgang erscheinen. -Es bildet lhatsächlich die Herabwürdigung des Ebaraktcrs im Berein 'mit der Lebhaftigkeit des Geistes einen der hervorstechendsten Züge niedergehender Bölker: die allen Grieche» und die Italiener der lcptcn zwei Jahrhunderte bezeugen es. ES ist viel von der Beständigkeit des jüdischen Eharakters die Geschichte hindurch geivrochen worden. In gewisser Beziehung ist die Bemerkung richtig, in anderer falsch und oberflächlich. Tic Halsstarrigkeit war der herrschende Zug, das Merkmal des alten Juden, des antiken Hebräers. Er befaß eine bei den Orientalen seltene Unbeugsamkeil der Seele und des Rückgrates. Er ist Mardochai der hochmülhige Frömmler, welcher sich weigert, vor Haman das .stnie zu beugen. Halsstarrige Racc, wiederholt Moses im Exodus. T er Jude ist allezeit störrisch gewesen; dann selbst? wenn er der Macht «'ich beugte — seine Schwäche hat ihn ja oft dazu gezwungen - bückte er sich nur zu Schein. Tiefen Starrsinn hat I Uida bewahrt:, er bildet einen Theil seines Ich : er ist im Laufe! der. Zeiten durch seine Prüfungen sogar noch verstärkt worden.! Ze:>n Willenskraft ist. durch zwanzig Jahrhunderte beiden in Jener und Wast'er gehärtet worden. Widerstand zu leisten, ist ihm «Gewohnheit geworden. Lein Wahrspruch war: „Trotz Ällem". Es ist eine eigensinnige Race, wenn es je eine gab. Tie Ltarken, die Thatkrästigen, die Halsstarrigen allein habe» sich in den stopf setzen können, Juden zu bleiben; die Schwachen, VüSuc Xarmcucter: **ientiriques*\ 18UU. Borwon von xiame* Xarmmter. | die iveigeii, die Unschlüssigen, alle jene Willensschwächen, an Leib! und Seele nicht genug Widerstandskräftigen, sind durch die Jahrhunderte ausgcmerzt worden. Berfolgung oder Berführnng wurden mit ihnen fertig. Hier namentlich ist die Zuchtwahl am Werk gewesen. In manchen Landen mußte inan nichts Geringeres fein als ein Held, um Jude zu bleibe». Es besitzt denn auch die Race soviel Willenskraft als je. Keine hat in diesem Sinne mehr Charakter. Tie Thatkraft, die Wiltcnsj anspannnng bilden eine der beständigsten Fähigkeiten des Juden, sine der Ursachen seiner Ucberlegenheit. Tie Unbengsamkeit jedoch ist verschwunden. Ter Prophet würde von Israel nicht mehr sagen: „Tein Hals ist ei» Eisenbarrcn". nrmis ti-nvus cenix tim."*') Ter Racken Israels hat sich zu beugen gelernt, und das Rückgrat j Iaeob's ist biegsam geworden; cs mußte wohl, sonst hätte Israel das Kreuz gebrochen. Rachdem cs die Eiche gewesen, welche dem Sturme trotzt, mußte es zum Rohr werden, welches sich unter allen Winden biegt. l Rnr um diesen Preis hat cs fortgclcbt. Es hat seine Thalkraft bewahrt, diese hat sich jedoch nach Junen gekehrt. Seine Zähigkeit hat sich durch Schmiegsamkeit abgcdämpft und hinter Temuth versteckt. Im Juden verbinden sich zwei selten vereinte Eigenschaften, deren Bündniß ihm znm Ocffncn der Glückspforten genügen würde: er ist zugleich der Widcrspänstigste und der Schiniegsamsle, der Ltarrköpfigstc und der Geschmeidigste der Menschen. In dieser Beziehung decken sich bei dem Juden Eharakler und Intelligenz; er ist ein gleichartiges Wesen: Geist und Eharakler stehen bei ihm im Einklänge miteinander. Beide besitze» dieselbe Biegsamkeit, beide die gleiche Schnellkraft. Ällein, was gewöhnlich für den Geist ein Borzug, wird häufig für den Eliarakter zum Fehler: die gute Eigenschaft läuft Gefahr, sich in eine schlimme zu verwandeln. Tic äußerste Schmiegsamkeit, die äußerste Tel»»- barkcit, »vclchc die geistige Ucberlegenheit des Juden ausmacht, j bildet anderseits seine moralische Untergcordnclheit. Ter Jude hat diese Biegsamkeit »'eines ganzen Wesens nicht l umsonst zu criverbcu vermocht. Er hat so oft den Rücken ge- : krümmt, daß er nicht mehr anders kan». Häufig hat er dadurch \ seine rechte Gestalt verloren und ist »vindschics gcivorden: bisweilen j bleibt ihm davon eine Ärt von Berkrünimung der Wirbelsäule! zurück. Seine Seele ist 'hcrabgewürdigt »vordeü und sein Her; ■ zusammcngcschrumpfl wie sein Leib. Ter physischen Entartung hat j allzu oft die moralische Hcrabivürdigung entsprochen. Ta er ge-! zivungcn »var, sich zu gar vielen Bergleichen hcrbeizulasscn, hat er sich an »vidrigc Eomprontisse gewöhnen müssen. Sein innerer Bceusch hat die Rückivirkung der Bücklinge seines äußeren Menschen verspürt. - Er ist durch die Jahrhunderte so tief niedergebcugt »vorden, daß er nicht immer wieder sich empor zu richten vermocht hat. Sehen wir uns den Juden im Osten an r so lange hat er den .stopf gebellgt tragen müssen, daß er die Geivohnhcit des Äufrechlgchcns verloren hat. Es ist, als hätte er etwas vom Reptil, ctlvas Sichschlängelndes, Kriechendes, etwas Klebriges, Zähschleimiges, das auch der gebildete Israelit nicht immer abzustreifen vermocht hat. In diesem Sinne kostet es den Juden Mühe, sich zu entjuden. Dadurch ist er gewissermaßen »vieder Orientale geworden: eö ist dies ein Racezug, eine Erbsünde; weder das Wasser und Salz der Taufe, noch die Beschwörungen des Priesters sind/fllleinal zu deren Wegtilgung ausreichend. «»ig,., "'» Iekaias XLVIII, 4. Man abonnirt das Freie Blatt in der Administration, Wien, I., Seilerstätte 1V. Abonnementspreis: ganzjährig ö. W. 2 fl. 50 kr., halbjährig 1 fl. 25 kr., vierteljährig 65 kr. Herausgeber: Ernü Victor Zenker. — Verantwortlicher Redacteur «in zeitweiliger Abwesenheit des E. B. Zenker): Josef Porwahlner. Truck von Eh. Reißer & M, Werthner, Wien.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.