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Freies Blatt · 1893-07-30 · 69 (30.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
69 (30.7.1893)
Date
1893-07-30
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. Freies Blatt. 'bot ,vmh Beutler;al)lrci(f)o lioittttfioiicit, einen Bluterguß aus Muiidnaib '.'iitlcnliölili' und einen contplicirten Bruch des linken Oberarm- 'kiwchens, mitliin eine schwere körperliche Verletzung, die bei dem hohen Älter der Angesalleneu von de» bedenklichsten, Folgen begleitet sei» kann. < ('irmcillöcUHltllCH i» Jarnopol.) Bei de» Neuwahlen für die ^'enleinteverireinng der Sürdt Jarnopot gelang es notorischen Jndenseinden, ilne Eaiididateu dnrchzubriiigen. Darüber herrscht große Freude bei der ankiieinikische» internationale, und eines ihrer Hilfsorgane ruft irinuivliirend ans: „Es geschehen pichen und Wunder!" Jndesten >Ü, ineinen wir, wenigstens in Jarnopol dafür gesorgt, daß die anki iemiti'clieii Baume nicht in den Himmel wachsen. —ir. Su öcn niitifciumidicu Wablsicgcn in Tcittschlaiid.) Welcher Mittel sich die RadanAiilisemiten in Deutschland bedienten, zeigt ein in Neu Jieitin.verbreitetes Flugblatt, in welchem eS hieß: . T ie P.ine.ii, Hanewerkcr, »ileiiigewerbelreibeiideii uns Aibeiier find immer inedr veraritik, trotz der fleißigsten Arbeit, und der Neichtbum derjenigen, die ni.tu arbeiten, tut ft* ins lliiendliche verinebri Nicht mehr wie früher führt die Atbeit zur Woblhabeiibeit, soiiderit dazu führt allein die Ausbeutung der Arbeiislra't Anderer. Alle StaatSIasteii sind ans die Lchiillern der arbeitenden Jninde gelian't, und die reichen Veute wissen sich davor zu drücken. Trinkt der .Urne .»i'.imi; P einen Tckmavs für 5 Pf., >o bezahlt er 4' , Pf. für Steuer«!!>, d im der J.tin.ite iü nne 1, Pf ivertf). Trinkt der reiche Mann ein Glas ivein 'ne l .'.Viatf, .>o liegt daiairs nur eine Steuer von 10 Pf.; ihr habt also l.'an.il >o ine. Tlener» als die reichen bettle. Fetzt, wo die Wehrkraft im ,;n;e:,'ie re* PaierlauLes iietdweiidig erhöht werden muß, will man wiederum ::r l auen an' euch werfen und die reichen Leute wie initiier schonen. Laß Vet'e .gwiande e;ii.;etret.ti sind, in eure eigene Schuld. ihr habt vornehme s'ee.rii yiv■.e’.t!:, die.emt) alles Mögliche verl'piocheu, euch die Hände gedrückt, im »i'-nti:-m,)o aber aUeüi die Filter,tseu ihre« Standes vertreten haben. Bei v-ii-i: gilt ibeit der Griüidiav: „Par den Wahteti Haitdgeschürtel, Arm in Arm mit Arbeitskittel, Nach d-u Wahlen kurz und grob. Wir die Herr n und ihr der Mob." - Jan die begüterten Jivoli Antisemiten, die „vornehmen .Herren", »bet kie'e Agitation entrüstet sind, ist begreiflich. Sie sind den Äliliraidt und Eoiiiorken, denen sie die Wege geebnet haben, schmählich d.::'g,'rss.:i Dagegen frohlocken die Social Demokraten über die anti ,\;i::t:’cl).ii Wahlsiege. Fast täglich begegnet man in ihren Organen den Äenßt'riiiiqen fester f>»verücht. daß der ÄiitisemitismuS nur ihnen voiaibeike. Jo i'chieibl die ..Rene Zeit": „Wären die rninirte» Bauern und Rleiubüiger mit all ihren verworrenen Einbildungen sofe'it;ii'. Joeial Jemofratie ü! ergetrete», so hätte diese Partei eine sehr Harle' Nuß;n kn cken gehabt, und es steht zu befürchten, daß sie ihnen unir alten lheorelisäirn Belehrnngeu lange nicht so schnell ökonouiisckie Jiatetlif eingevaiilk haben würde, wie ihnen der Äntisemitismus niil seiner vraktiickien Leistiingsiinfähigkeir einpanken wird. Fn dieser Beziehung, wenn ancki in keiner anderen, kann man der antisemitischen Jeniagogie alles Bertiaiien schenken." Noch deutlicher spricht der ,,'B o r >v a i k s". „Bis fetzt," sagt er, „haben die Änlisemikitii gute "'e'chiiske g.macht, und wir wünschen ihnen noch bessere. 2 re in n di e n Pie <s'eidiäfte ja s ü r .uns J ie Bauern und >> inrn. ei fei, die den .nntiicnuttidteii Eharlataneii ins Garn rennen, Iveidm ie!', ltild am eigenen 'Jcibc inerken, daß sie gründlidf geprellt und J ie Heiieu Wiinderdoclore» waren so unvorsidjtig, zu viel und;• l sinnnii.;n ver'vredie» Ja gibl's kein Äusiveichen. Jas Ber 'v.-'d'-ne muß geihan ider der Wortbrnch bekannt werde»."' Sv die?.. . 7 i:. liate» iidi nidjt'täuidjen, ob die Antisemiten nidjt ihre <. d di»i di behanvten werden, daß chnen bei der snste»iakisd>en •... n-.numng, die sie betreiben, kein 'Wortbrnch irgendwie schaden .' . .. tot U!g üitlt bleiben Der social demokratischen Diplomatie, .. : ■ .' : •.•I:::;’\miien „noch bessere Geschäfte" wünscht und dem- : n '. E milen wir, selbst wenn wir uns auf den socialistische» 2:.;; :in .. n :• üidkn, keinen Geschmack abgewinnen. Auch der >.v-a'i':--'di: -ln! I Bgl fein nnlaiiteres Mittel. ric »'lrichhrrtchligtiiig der preiißischen Zudeu >» praxi.i J .!•' „V l •.• 11::. .> r i! f nal" in Berlin gibt eine Reihe von beachten«!- wer ti.cn Äni'dnnn n ui. sie Art, wie die gesetzlich gewährleistete «^'ieichl'etechtignn.', der F-ndeu in Preußen zur Anwendung gelangt. Radideni es die nngerediitertigien Znriickietzniigen geschildert hat, denen ein liidüdier ,'üngtiiig wahrend der 2t„Pien-,eit ansgesetzt ist, führt es fort: Jas Häikeike sieht jedodj noch bevor — die Militärzeit. Es ist geradezu iingebeuerlidi, welches Unrecht nach dieser Richtung hin den pieiisziidien Soldaten israelitischer Religion alltäglich zngefügt wird. Es iü ein Ding der Unmöglichkeit, daß ein christlicher Referendar bei guter Fiilirnng innerhitlb und außerhalb des Dienstes nach Ablauf des Nr. 69. Dienstjahres nicht die Tressen erhält. Bei dem jüdischen Referendar ist das Nid>t-Avancenient selbstverständlidi; znm Reserve Ossieier wird' eres jedenfalls nicht bringen. ES ist uns sogar der heitere Fall bekannt, wo der Rittmeister, um den Untersdfied irgendwie zur Geltung zu bringen, seinen vier christlidfeu Einjährigen daS FührungS-Attest „vor' züglich" ansstellte, den beiden Israeliten -jedodj das Prädikat „redjt gut" gab. Sind nun die Eramina bestanden, tritt die Sorge des praktischen Lebi^ an den jttdisdjeu Juristen heran, so blieben ihm bisher drei Wege offen: Rechtsanwaltschaft, Richteramt, Lehramt an den Universitäten. Ansgesdjlosien sind thatsächlidj: Auswärtiges Amt, Landrathsamt, Regierung, Jntendantnr, Staatsanwaltschaft. Daß eS keine aetiven jüdisdstn Officiere gibt, dürfte allgemein bekannt sein. Der stläge über den Mangel an Reserveofficiere» wird entgegen gehalten, daß im Kriegsfälle die Juden natürlid) avanciren werden, wie dies auch - in den Jahren 1di<>6 und 1^70 thatsächlich gesdjehen ist. Die Dankbarkeik des preußischen Staates äußert siä> daun in der Weise, daß in den nädisteu Jahren iiad) Beendigung des Krieges nockf jüdische Reserveofsiciere ernannt''werden. Rach und nach schläft dann diese edle Regung ein. um wiederzuerwadjen, wenn jüdisches Blut für die Bertheidigung des BaterlandeS gebraucht wird. De» Herren pou der „Staatsbürger-Zeitung", weläfe stets die frivole Parole ansgeben, daß das deutsche Bolk von den Inden ausgesaugt wird, iilliß entgegeugehalten werden, daß kein Unterkhan von dem preußisdfeu Staate mehr anSgebentet wird, als der Israelit, desien Rechte in keinem Berhältnisie zu seinen Pfliditen stehen. Am deutlid>fteii spiegelt sich dieser unwürdige Menscheitwucher bei dem ärztlidjen Stande wieder. Der jüdisdje Mediciner wird es stets znm Assisteuzarzte oder, weiter bringen, weil daS zwingende Bedürfuiß hiezu im prenßisdjen Heere fdjoit zu Friedenszeike» vorhanden ist. Jüdisches <^eld ist für d>ristliä>e Zwecke ein gern ge fehener Gast. So mancher aus mosaischem Säckel gefloffeuer Thaler ist in den zahlreichen neuen K.irdfen Berlins verbaut, auö denen die Herren Förster und Genosien ihre Bitten auf Berniäitnng der semitischen Rare znm Himmel senden werden. Und dock) — trotz des schreienden UnreäjteS, welches unseren israelitischen Mitbürgern stündlich zngefügt wird — sind und bleiben die Inden eine monarchische und skaatserhaltende Gemeinde im Gegensätze zu der antisemitischen Partei, weldfe doch in ihrem letzten Ende nur auf Anarchie, Raub und Zerstörung ausgeht. Dieser Gedanke beginnt denn and) in dem logisd>em Denken sdjwer zngänglid>en Hirne der „Kren;;eilnngS"-Männer sd>on Wurzel zu fasten, und wjr selten die Zeit heranrücken, in welä)er das beifällige Murmeln der Rechten die antisemitischen Wortführer im Reiäfsiage nid)k mehr „znm fröhlid)en Jagen" ermuntern wird. Wenn die Herren die Ueberzeugnng bekouimeu, daß Herr Böckel, wenn er „Bleichröder" sagt, auch Herrn Stnmm meint, wenn Herr Rudolf Herzog erst einsieht, daß der raubende Antisemit zwischen den Waar^n in der Breitenstraße und am Werder'sd)en Markt keinen Unterschied machen dürste, wenn Herr v. Langen einmal erkennt, daß Ehre und Freundschaft mit Ahlwardt heterogene Begriffe sind —- dann dürfte der Angenblick^kommen, wo die reichSgesetzlich verbürgte (^leid>berechtignng der Inden 'ans der Asd)e der „Staatsbürger^Zeitiing" zur Wirklichkeit erstehen wird. iAlltisnililischcr Grccß.) Das Berliner Schöfsengericht verurtheilte den Eapitäiilienienaiil a. D. und erpedirendeii Secretär im :)reichsversid>ernugsamte F. Al tag wegen eines in einem Restaurant verübten antisemilisdien Ercesses zu einer Geldstrafe von Mark. Der Excedeni süchte nach Antisemitenart sein Borgehen damit zu entsd>nldigen, daß er stark betrunken war; das Sdjöffengericht ließ dies nur als mildernden Umstand bei der Strafbemessung gelten. (Löbtancr Straßciltanfcil.) Unsere Leser werden sid) wohl nod, an die Mirtheiluiig erinnern, nad) welcher der antisemitisd>e l^emeinde rath des Dresdener Borortes Löbtau eine Straße „Ahlwardt straße" getauft hat. Ter den jeweiligen Strömlingen fid) anpastende Gemeinderath hat und) Ahlwardt's Auftreten im deutsd>en Reidjstage die Straße sd>nell wieder „mugetauft". R,m ist demselben likemeinde rath neuerdings ein kleines Malheur passirt. Er lgrtte nämlich kürzlids besdjiossen, die Hein'estraße, die, wie man allgemein annahm, ihren Rainen nach dem Didjter Heinrich Heine führte, in Poststraße niil' zutauseu. Wie sich aber heransgesteUt hat, ist die Heinestraße seinerzeit gar nicht nad> dem Didjter Heine benannt worden, sonder» »ach dem bekannten Dresdener Maler Heine. Dieses Mißgeschick hat natürlich überall große Heiterkeit hervorgerufen, ninsomehr, als an dem „Arierthnm" des Malers Heine dkiemand zweifelt. lMarquiö dt MorcS.) Rach einer Pariser Meldniig hat das dortige Eivilgerickjt dem Berlangen des Herzogs von Ballombrosa entsprockjen und über seinen Sohn, den vielgenannten antisemitischen Abenteurer Mgrquis de Morvs, wegen Verschwendung die Curarel verhängt.

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