Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 68 (23.7.1893)
- Date
- 1893-07-23
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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nrj*. Frei. der Trunksucht uud des Wuchers ergäbe» bereits sichtbare uud fühlbare gute Erfolge. Christliche Geschäfte und Hoiidelsvereiue, obwohl »och jung und »eu, mache» dasselbe. Wen» der Jude auch geschickter uud früher alS nur und ostinal« gar zu unsere,» Schade» diese Erleichterungen auSuützte, welche er i» de» heutigen Gesetze» saud, so stehe» deunoch auch uns dieselben Gesetze zur Verfügung, und auch u»S stehe» dieselben Wege offen. Wir versuche» nun die angkdcuielr» Wege zu gehen durch Gründung von christliche» Geschäften, Handels , Industrie und Handwerkervcrcine»; auf diesem Wege, welcher zwar ei» lang sainer, ober ein sicherer und einfacher ist, findet sich jenes Gleichgewicht von Geldmitteln, welches nnS fehlt, wie auch die Wiedererlangung der Industrie und des Handels, die wir vor Jahrhunderte» au« den Händen gelassen, Außerdem aber ist für die Zukunft zu gewinne», was hcnte nicht vcilore» gehe» darf, sonder» sichergestellt werde» muß — daS moralische Uebergewicht und der Besitz von Ärund und Boden. Das Eine ist mit dein Anderen fest verbunden. Hier wurzelt die Pflicht des katholischen und polnischen Gewissens, hi>r wird gegen daS Eine wie auch gegen das Andere gesündigt. Diele Sünde — he»i;uiage oft begangen — ist daS llebergcben, Perkause» uud wen» auch nur verpachten des Ackers in nicht christliche Hände. Dadurch kann inan vielt», Äergcr entgehen . und sogar dabei viel gewinne». Aber waS muß man dabei einbüßen, und was * verliert man bei diesem gute» Geschäfte? Die Grundlage selbst der religiöse» wie auch der nationalen Zukunft deS BolkeS. Weniger schuldig ist jedoch hiebei der Bauer, der mit Schulden belastet, oft betrogen, unwisskild nicht sieht, wie er sich Helsen kann. Aber der Großgrundbesitzer, der Adelige, der sein Paterland uud seinen Adel aus de» Lippe» hat, der hat da sowohl die größere Sünde als auch die größere Schande. Der Katholikentag muß das vom katholischen wie auch vom polnische» Standpunkte betone» »nd strengstens verweisen. Tie Arrmere» haben tiue durch die Roth oft entschuldigte, trotzdem aber schlechte uud gefährliche Gewohnheit, nämlich Dienst aufzunehme» i» Hänier», wo ans da« religiöse Bekenntniß und die Sitte» nicht nur keine Rücksicht genommen wird, sondern gar oft schlechtes Beispiel und Gefahr sich vorfinde». Wir Alle, arm oder reich, und de» Reicheren ist es schwerer zn verzeihen, wir habe» die schlechte Gewohnheit, bei unseren Einkäufen de» Juden vor de» Christen Vorzug;» geben. AlS große »nd beinahe unüberwindliche Versuchung wirkt hier der niedrigere Preis, uud dagegen vermag der .kaufende allein nicht auzukämpfcii, da muß die andere Seite, und zwar der christliche Kaufmann oder Handwerker, de», .stausenden zu Hilfe komme» und den Preisunterschied, der für den .stauscnde» ,echt oft zu hoch ist, heruntersetze». Alles dies sind gerechte und mögliche, von u»S abhängige Schutz- und RelluiigSmittel. Uud diaser Rettung sind wir sehr bedürftig, den» falls wir »»S eine solche nicht bald und energisch ve, schossen, tonnte eS unS vielseitig schlimi» ergehen. ES könnte zwar Jemand einwenden, dies seien schwache Mittel, die nicht bald helfen werden. Ja, habe» wir aber wirksamere und schneller wirkende Mittel? So gering jene sind, führe» sie dennoch jetzt schon sichtlich zu». Bessere»; beständig uud allseitig gebraucht unk .verbreitet, könne» sie »ns »och mehr Gutes bringen. Verachte» wir daher nicht kleine Mittel, da sie oft große Erfolge ergebe», wen» man sie nur unverdrossen und nicht t^äge ergreift. Tic Jude» selbst könne» uns als Beispiel diene»: durch geringe Mittel und ans kleine» Anfängen kamen sie zu ihtci» heutige» Reichthui» und Ansehk». (Gilt Vortrag Böckel'S.» In einer Berliner Auiiseinileiiversammluiig hielt dieser Tage Böckel eine» Vortrag über „die Socialden.okratie, ihre Irr lehren „nd Wahrheiten". Bei den Wahle», sührtc er au«, habe d,e Social demokratie einen erhebliche» Stimmenzuwachs erhalte», derselbe wäre ohne die Agitation der Aiitiieinileu noch größer gewesen. Beide seien die einzige» wirth .schaftliche» Parteien, denen deshalb auch allein eine Zukunst bevo,stände. Tie eine sei die Partei der Revolntio», die andere die der Resorm. Tic Socialdciuokralic sei die Zuchlruthe unserer Zeit, auch ohne ihre Presse und Agitation wäre sie vorhanden. Die conservative Partei habe mit einem aiüiscmitischr» Mäntelchen die Mumien ihrer alte» Cadaver zu verdecke» gesucht; äuch der Bund der Landwirthe habe vergebens versucht, bei den wirthschaslliche» Par leien eine Anleihe auszunehmen. Tie Proletarisirung des Mittelstandes mehre sich immer mehr, daran feie» die RechtSverhältniffe in Teutschlaud Schuld, die allein für de» Gläubiger sorgen, den Schuldner aber ohne Schutz ließen So lange jedoch in de» Ministerien Männer de« Liberalismus sitzen, die für Ge. werbefreiheil uud Freizügigkeit schwärme», werde der Mittelstand vor seinem völlige» Niedergang nicht bewahrst werden. Die Macht deS Capital» werde josorl tobt sei», wenn die Arbeit zu ihrem Rechte gelange, aber nicht allein das jüdische Capital sei gefährlich, sonder» ebenso auch da« christliche zu bekämpseu. Im Reichstag müsie endlich mit deü fortwährende» Rüstnnge» ein Ende gemacht werden. Mit de», fremde» römisch-jüdische» Geist in der Gesetzgebung müsse gründlich aufgeräumt werde». Selbst aus die Gefahr hi», ei» Socialdemokrat genannt zu averde», werde er eine durchgreifende Social resorm erstreben. Dem großen Capital müsie man ernstlich zu Leibe gehen, wa» liege an de» paar Millionären in Deutschland, die mögen zum Teufel gehe». Wer heute eine Mark nehme, sei'ein Dieb, wer aber Äillioueir stehle, stehe in hohen Ehren. Der Mann im ArbeitSrock iverde heute verachtet, der Börsenmann im Cylinder, der vielleicht schon im Zuchthaus gesesien, werde geachtet. Zum Schluß legte der Redner die Ziele der neuen l ' f\ , \_L S Blatt. Seite 7.’ „Resormpailci" dar, wodurch allen durch den jndnchen (^Mii im Wirtin chaft'sieben hervoigeLi,scne» llebelständen ei» Ende gemacht iverde» tvune. An diese» Vor'rag, der von der Mehrheit der Versaininlung-mit stürmischen, Beilall ans gknominrn iviirde, schloß sich eine Tiscussivn. Et» gewisser Hoga rk, Anhänger Stöcke,'s, sagte: „Es ist eine Schmach, in welcher Weise Herr Böckel gegen Stöcker gearbeitet hat. »Beifall imb Lärm). Stöcker ist der Vater des Antisemitismus. lWidciipruch, Zwitchenrufe, Lärm.« Ter edelste und beste Anis. _ seinil ist jetzt nicht mehr In, Reichstag. »Ruse: Runter! Raus! Schluß!, Es ist eine Schande, daß Anliseiniien sjir einen vernidcte» Ratiostalliberalen stimmen gegen einen christlich-sociale» Mann." lAllgemeiner Tumult.» Zivci Socialdeniokralen, die hieraus das Wort nähme», wurden durch fortwährende Ruse: „Inden >au«! Runter! Haut ihn!" nnicrbrvcknui und atn Sprechen verhindert. Der antiscinilische Agitator Bodeck zog dann gegen Stöcker los. Tiefer sei ein Temagoge, der sich ans Ehrgeiz, »in in-den.-,Reichstag zu loniinest," gegen den ivahren Antisemitismus habe aufstellcn lasse», Auch ei» Herr Kretzer erklärte kur; und bündig: „Mil den Christlich Sociale» muß das Tischtuch -zerschnitten werden". Böckel ergriff nochmals das Won und sagte: Stöcker habe den Streit angefangen t Zustimmung». Mit ihn, haben die Anlijeinitcn daS Tisch luch längst zerschnitte» Ihm sei Dreßlcr < Stöckers national liberaler Gegen candidakebenso lieb wie Stöcker, Beide seien Earlellbrüder, und gleiche Brüder ’! gleiche .stappe», meinte er. Tb der .Eine jüdisch libc>al, der Andere anusennlisch. j conservativ schillere, bleibe gleich. Ans die Krage, ob er Ahlwardt i» seine I Kraction anfnehincn weide, sprach sich Böckel dahin an«, Ablwardt habe ihm : jetzt bezüglich seiner siüheren Warnungen Recht gegeben, derselbe sehe sein Ün > '.echt ein, stehe seiner Partei'-jetzt bedeutend näher als siüder, und es sei zu! honen, daß sie noch cininal znsamilien weiden arbeite»? lönue». Böckel und j Ahlwardt sind einander würdig. Aus antif?mitifd??u blättern. »Tas „Tkiilschc Vo>Isdlall'"ciu „Judrnblatt'., Das „Deutsche Volts btall" bekennt sich als „Judenblatt'Z in einem Berichte" über ei.e» Görzer Proceß heißt es: „Mit Ausnahme deS .Teuljcheu VolksblattpS-, des .Rinnova inento' und eines Laibachcr slovensschc» Blanc«, verschwiegen alle Jndcnblätice ganz und gar diese inleresiaitle Verhandln»;;." Am Ende wird noch irgend einer der antiskinilischcil „Socialresonner" dieses falsche Beleninniß, welches sichtlich aus ei» mangelhaftes Aerstäitdniß des Tcutschcn zni»ck.z»sühre„ Ist, zum Anlaß »chme», ui» einen Besähiguiigsuachwcisiiir Zeiningschrtider anzurrge» ..lüiiuni tone re »i»ii>-->! - lagen die Soleccr Lateiner lSchltkidtr muß widkrriistii.) In der Umgebung Wiens kam cs anläßlich' einer Toiizunterhallnng zu einem Coiisliete. Schneider verösieiztlichte hieraus im Verganl'jchc» Blanc am 7. d. M folgende Eikläruiig: „LöblicheRedactio»! Ihr vor einigen Tagen veröffentlichter Artikel über da« Benehme» deS Reserve Tssicicr« Wenheiui hat mich veranlaßt, Erknndiguug übci feine Abstammung einzuziehc» Soivohl Werlheiin >vic Bond» sind Inden Tannt erscheint AUeS aufgeklärt. Mehrere Tfsicieze, »nt denen ich über das von Ihnen besprochene Borlominniß Rücksprache gepflogen Hane, bade» mich versichert, daß ihnen lein einziger Kall bctannl ist, in welchem ein christlicher Reserve . Tffic.ier ähnlich ausgetreten wäre. Ihr ganz ergebenster Ernesl Schneider, Reichsralhs »nd n. ö. Landtags Abgeordneter" Am I*: Jnli jand sich Schneider beinüjsigt, in demselben Blatte vackistehenden Wider» irft-zur visentlichc» -stenntniß zn bringen: „«beehrte Schrislleilnng! Zwei Tsficicre de« k. und l. l«>. Jnianiericreginienls erllärlen mir eben persönlich.' daß meine Information, ans tstrnud welcher ich >n ineineni .Eingeseudet' vom 7 Juli > de» k und k. Lientcnanl Werlheiin. als Inden bczeichncle, »»richtig ist, und daß! derselbe kein Jude ist. E. Schneider.'.' Andere llikwahrheite», die Schneider vorgcbracht hat, widerruft er nickst: es handelt sich da allcltings nur nm Eivilisten, die ihm keine Angst ei»:agc». ‘ 1 <«vriirtificirluig niiticafjitnlutifdicr Rcdcu! Tie .IInvelsälichie,, Deutsche.» Worte" beschästigeu sich wieder mit der Geschastspraris.Bergan,'» und citiren einen heftige» Artikel gegen eine PclsichcrungsgtseUschajt, dein sechs Tage spater als eine-„wohlwollende Terleinschaltung" zivei große bezahlte An kündigilnge» derselben Gesellschaft folgten. Tie „christlich sociale»" Parlamentarier, die mit Pcrgani srenndschasilichc Bezichinigcn nnlei'haltcn, meine das Schönerer Blatt, inöge» iiinncrhi» gegen Banke» und Bahnen ankämpseiz, der Esiect—den sie »uwillkürlich erzielen, ist tce, daß sie dem Bcrgani die Pauschalien hinanz. reden. Ter betressende Aussatz ist von einem ehemaligen Mitarbeiter Verganiä- »nterferligk. (Gin „Jiidruabslänimling".» Es ist jammerschade, daß der Kührer des deutsche» Eciitrunis, Tr. Lieder, die Steyrer „Jndeyfrage" nicht liest: er wü.rde ans dieser antisemitische» Zeiliing, welche eine», ehemällgsn Kit'chhos Verehrer gehört, erfahren, .daß er ei» „Jndcnabsläinmliiig" .sei. Was so ein antisemitischer Scribent nicht Alles weiß! Ter Eine macht ans dem Kürste» Bismarck, der Andere-'auS dem General Saufsier, ein Dritter sogar aus Richard