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Freies Blatt · 1893-07-23 · 68 (23.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
68 (23.7.1893)
Date
1893-07-23
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Seit* 8 Freier Statt. Wagner ein .Hinb Israels Wo Alle« Juden schafft, kann auch daS Steyrer Antiiemilenblatt nicht zurückbleiben, und er producirt den „Judenabstäinmling" lieber. („Wer ist unser Feind?"» Das Mährisch ^strauer czechische Hetzblatt, dessen wir bereits letzthin e wähnten, heißt „Qstrawice" und wurde von dein Advocaten PolkoivSkq gegründet. In einer in den letzten Nummern be gottnenen Serie von Artikeln, betitelt „Wer ist unser Feind?", welche im Predigerton gehalten sind und auS zahlreichen biblischen Eitaten die Feder eines geistlichen Autors errathen laffen, werden die Juden als „Aussauger" und „Ausbeuter" und zugleich als die ärgsten Feinde der czechischen Volkes hingestelll. Tie Landbevölkerung wird zu Haß und Feindseligkeit gegen die Inden, welche darin in unglaublicher Weise geichmäht und beschimpft werden, aufgereizt und letzteren fitr den Fall, daß sie nicht zur czechischen Partei übergehen würden, mit Gewalttbätigkeiten uitd Entziehung de« Erwerbs und der Existenz gedroht. Zu den „(Größen" der czechischen Partei in Mährisch-Lstrau gehören auch Manche, welche in Beziehungen zu jüdischen Gewerken stehen. Es ist wohl anzuttehmen, daß diese Herren in Zukunft nicht mehr ein Crgatt fördern werden, welche« den contessiouelleu Frieden zu stören sticht. zlsiin beleidigtes Aitttsemitkitblättchen.» In der Restauration des reich euer Ecntrnlbahtthofes kam es vor einigen Wochen zu einer erregten Scene deshalb, weil ein jüdücher Gast aus Mährisch S trau das Troppauer Antiscniitenblättchkn atii dein Tische fand. Er äußerte darüber dem Zählkellner gegenüber iein Miß- 'allen und soll das Blättchen mit einem Xcaftausdrnck bezeichnet haben, welcher in solchen Fällen landläufig in. Ter von dem Borfall verständigte Troppauer- „Schriftleiter" strcugte eine Ehrenbeleidigungsklage an, über welche mm vor dem reschener Bezirksgericht entschieden wurde. Außer dem Zohlkellncr bat keiuer von deu Tttchgeuofien die erivahnte, das Blättchen angcwcudete Be Zeichnung gehört. Puch waren die Angabeu bes Kellner« schwankender Natur; er tvttßte nicht bestimmt, ob der in der Iilage dezcichnete Krastausdritck oder ei» anderer gebraucht wurde. Tie Bethandlung schloß damit, daß der geklagte Gast ireigesprochen und der Klüger in die Kosten verurtheil.l wurde. 'Erwin Bauers Mitarbeiter. Tie „Neue Teutt'che Zeitu„g" in Leipzig, welche von Erwin Bauer geleitet wird, bedient sich mit Vorliebe der Mitarbeiterschaft von Polizeiorganen. Vor Kurzem wurde der verantwortliche Nedacteur diese« Blatte«, Schroot, wegen verleumderischer.Beleidigung desRedacteurS des „Berliner Tageblattes" und des Berliner Eorrespondenten der römischen „Tribuna" zu .'>'<» Mark Geldstrafe vernrtheilt. Es stellte sich heraus, daß der ittcrimittirle Artikel von dem damaligen, inzwischen aus dem Tieuste entlaffenen Beamten der Berliner politischen Polizei Schn mann, auch unter dem Namen Normanu, Walgren, Werner :c. thätig, verfaßt war. Man dürfte sich erinnern, daß bei dem Processi der „Neuen Teut'chen Zeitung" wegen Beleidigung des lanlener Gerichtshofes ein Polizeispitzel die gleiche Rolle gespielt hat. l keiner gegen die Attderea ' Wie Schönerer gegen Vergaui, die Steyrer ..Indenkrage" gegen Schneider und Lueger, Bückel gegen Stöcker, zieht Liebermann v. S o nn e n berg in den „Deutsch-socialen Blättern" gegen S chwen nb agen und Pla ck P odgo r«ki los. Tiefer Letztere hatte die „Acten" Ahlwardt'S zu einer Bro'chüre, die „Pharisäer und Heuchler" betitelt war, ver arbeitet; 5a« Pamphlet wurde sofort »ach seinem Erscheinen mit Beschlag belegt. Liebermann schreibt: „Wenngleich wir der Berliner Bewegung, wie sie siäi in den letzten Fahren entwickelt hat, und wie sie sich gegenwärtig darstellt. Manches-zugetraut haben, das ist un« doch immer unbegreiflich geblieben, wie ne solche Geister ntie Schwctmdagen, Plack n. A. nicht »nr in ihren Reihen dulden, sondern ihnen sogar führende Stellung einräntnen konnte." 'Tie Ziistäiide in Grodna) Ter „Wilensky Wjestnik" biiugt eine Eorre'vondenz auS Grodno, welche die sonstigen Hetzereien und Beschuldigungen diesi-s Blatte« gegen die Juden Lügen straft. War e« ein Ueberiehen der Re d.tctieu. oder wandelte sie ptötzlich die Lust an, auch einmal der Wal» beit die Ehre zu geben — gleichviel! die Grodnoer Eorretpoudenz schildert wah'rhctt« getreu die traurigen Zustände, unter denen die jüdischen „Aosbeuter" in ihrem „rechtmäßigen .'lu-äisigkensgebicte" ihr-kümmerliche« Taiein fristen; sie bemerkt u A.: „Unwillkürlich drängt sich die Frage auf, womit ernährt sich denn eigentl ltch die aröfirre Hal'ie der städtischen Bevölkert ng. welche doch jeglicher he- : stimmtln Ertsteuzmiiiel entbehrt V Wie bescheiden da« -Budget ihrer Ausgabett! utrd an' trelche« niedr'g'te Maß alle ihre Ledeusaniprüche heradgedrückt sein mögen, >o oder anders müssen sie doch ihr nacktes Taiein fristen und unter halten können! . . Ich kenne persönlich einige hundert Familien, deren Monats verdienst int Tutchtchnitte 4. sage vier Rudel beträgt. Um nun.kicse Zahl in ihrer ganzen Nr. 68. verhängnißvollen Bedeutung begreifen und würdigen zu können, muß man wiffen, daß die große Mehrzahl dieser Familien auS je 5 und 6 Köpfen besteht. -Ich will aber mit Vorbedacht die kleinere Zahl für richtig annehmen und jene Familien aus nur je vier Personen bestehen laffen Ich dividire also 4 durch 4 und erhalle so je einen Rubel pro Kops und Monat. Wiffen Sie, waS da« besage« will? Nein, Sie wiffen c« nicht, und Ihre Leser wiffen e« auch nicht. Aber, für anderthalb Pfund schlecht gebackenes schwarzes Brot, womit 4 bi« 6 Personell sich täglich ernähren sollen, muß mau bei uns V!t und selbst 2 Kopeken bezahle»; bleiben somit höchsten« 40 Kopeke» monatlich für Heizung, Leleuchtnng, Kleidung, Leschuhuttg und alle sonstigen Bedürfnisse übrig. Die Leute hoben oben außerdem die Miethe zu bezahlen und — Steuer» zu entrechten! .... Die Bevölkerung GrodnoS soll au« 40.000 Seelen bestehen. Ich sage absichtlich „soll"; denn diese Zahl ist die osficicll geltende. In der Wirklichkeit haben wir in Grodno eine Gesammtbevölkerung von mehr als 50.000 Seelen. Unter diesen mögen sich etwa. 10.000 Nichtjuden befinden, welche Ziffer sicherlich das Maximum bedeutet. Diesen gehören zusammen 609 Häuser, tvaS eine» Hauseigenthümer aus 16'/, Personen der michtjüdischen Bevölkerttng ergibt. Jüdische Hausbesitzer finden wir in«gesammt 1229, was unter Zugrundelegung der offioiellen Zählung von 30.000 Juden ein Hau« erst auf 24 4 Personen ergibt. Bon der christlichen Bevölkerung finden wir über 5000 Personen mit bestimmter Beschäftigung: sie sind Militärs, Lehrer, Beamte, HandelSgehilfcn und selbstständige Kanfleute. Dagegen zählt man bei den Juden : 102 Groß Kanfleute, 412 Kleinhändler, Agenten, Lommissionäre und Vermittler aller Art — zusammen etwa 1000. Dazu kommen etwa 3000 Handwerker, Fabriksarbciter und Religionslchrer. DaS heißt BlleS in Allem haben etwa 5><>00 Personen der jüdischen Stadtbevölkcruiig eine bestimmte Beschäftigung, die ihnen wenigstens die knappsten Mittel zum Lebeusunteihalt sichert. Womit ernähren sich aber die übrigen 25.000 Juden? E« gibt daraus^ nur Eine Antwort, und diese muß doch einmal öffentlich und laut ausgesprochen werden. Die jüdi schen Massen unterscheidensich wesentlich von den russischen Bauernmassen dadurch, daß sie nicht bloß chronisch, sondern beständig hungern. Wer da skeptisch den Kopf schüttelt, der komme nur zu uns nach Grodno: er wird Wunder und Zeichen sehen." — Im Einklang mit dieser Grodnoer Eorrespondenz steht auch ein Artikel de« „Graschdanin". Fürst MeschtscherSkij verleugnet darin iein ganzes antisemitische« Vorleben und schreibt: „Tie jüdische Frage birgt für Rußland keine Gefahr in sich. Wo die Juden leben, dort sind sie nothwendig, dort müssen sie bleiben Und wenn e« ihnen an Rauin mangelt, so kann man ihnen verschiedene Gebiete und Gegenden zur Ansiedlung eröffnen. > Ich gehe noch weiter und wage zu behaupten, daß die Verbreitung der Juden in allen Gouvernements und in alle» Dörfern im Reiche nicht nur kein Unglück, sondern von Vorthcil wäre. Ta« wird da« Lebe» der russischen Bauern bequemer und billiger machen —» und sogar nützlich sein, um die Macht der russischen Wu che rer und Hautabzieher zu schwächen." Roch io ein Artikel und die antiseinitischc Internationale wird deu Fürsten MeschtscherSkij für einen Abtrünnigen - erklären. Briefkasten. Einsender. Jnnichen Besten Dank! Civis. In der Aisaire Stritzl haben sich eben die Antisemiten wieder einmal blamirt. Sie besürworletcn eine Remuneration für einen Beamten, der umt im Tisciplinarwcgc in den wohlverdienten Ruhestand versetzt werden soll- Anr gefälligen Kcachlung! Wir erlauben uns darauf auslucrksam zu machen, daß wir bei Uebersendung von Abonnemeutsbeträ^cn zwar Postmarkcn, nicht aber Stempel an Heldesstatt annchmcu könnrn. Ferner er suchen wir dringend, sowohl bei Abonnements-Anmeldungen als Reklamationen Dame und Adresse (besonders Crt und Post leserlich zu schreiben, da wir sonst bei bestem Willen nicht in der Lage sind, eine Pcrantwortung siir nichtbcstellte (vfciiHilorc;n übernehmen. ' Die Administration. Beitrittserklärungen zum „Verein zur Abwehr des Antisemitisulus" werden rntgegengenommen im Sekretariate des Bcrcines Wien, I., Parisergaffe 4. Kbo««eme»t»anmeld«»ge« auf das „Freie Blakt"' nimmt die Administration, Wien, I., Leilcrstättc 10, jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch einzelne Nummern abgegeben. Probrnummern zur weiteren Berbreitung »«-„Freien BlatteS" werden GesilltlungSgenosseo ans Verlangen bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Hsrau«geber: Ernst Victor Zenker. — Verantwortlicher Redacteur sin zeitweiliger Abwesenheit des E. V. Zenker): Joses.Borwahlner. Druck von Eh. Reißer & M. Werthner, Wien.

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