Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 67 (16.7.1893)
- Date
- 1893-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite XI. Beilage zum Freien Blatt, Vrgan zur Abwehr des Antisenistismus. Thalsüchlich ist der Genuß der meisten im dritten Buch Mosis für unrein erklärten Thiere, des Schweines, des Hafen, der Weich- »nd Schalthierc heute bei vielen Krankheiten, Hautlciden namentlich, verbaten. Zudem muß man dabei dem orientalischen Klima Rechnung ^tragen, wo derartige Krankheiten allezeit so häufig gewesen und.'"' „Rach den vielen Borsichtsmaßregeln, welche der Gesetzgeber der Hebräer gegen die Tnberculose ergriffen," äußerte zu mir ein Arzt, „könnte man beinahe glauben, er hätte sic gekannt. Er barte es dreißig Jahrhunderte vor uns herausbekommen, daß die Schwindsucht vom Thier auf den Menschen übertragbar ist." So muß der Schochet, der israelitische Schächter, jedes Thier ausscheiden, welches beim Augenschein die geringste Verwachsung des Brustfelles auswcisl: zur Eonlrole werden die Zungen der geschäch- " teicn Thiere eingeblascn.''') Stünden unsere Fleischereien unter der Aufsicht des jüdische» Schochet, so würde zweifelsohne die Häufigkeit der Krankheiten abnchmen und die mittlere Vcbcnsdaucr verlängert werden. Anstatt von den Juden das Aufgeben ihrer Fleischereien und der Unterscheidung zwischen koscherem und unreinem Fleische zu verlangen, ibäten wirbesser, ihrem Beispiele zu folgen. Wäre,das Aufgeben der Eullusübungc» nicht die Bedingung für die Ausbreitung des Ehristenthums gewesen, man möchte es bcdaliern, daß die Kirchen« 'Neuigkeiten der ersten Zeit über die rituellen Satzungen nicht zum Siege des Gesetzes und der Juden-Ehristen geführt haben. Gewisse englische oder amerikanische Hpgirnisteii haben die Eivil- .oerwaltungcu aufgcfordcrt, sümmtlichen Schlächtereien die wenigsten» tbeilweffr Annahme der israelitischen Gebräuche vorzuschreibeu."'-) Für uns Ehristcn wäre cs in solchen Tingcn ein Fortschritt,, wenn wir nach zweitausend Jahren aus die Gebräuche der alten Hebräerzurückkämen. beider stellt das Gesetz bezüglich Gesundheit und Schönheit der Thiere so hohe Ansordcrungeu, daß die Einführung . aller jüdischen .Borschristcn in unseren Schlachthäusern schwierig - .ist. Das Fleisch würde dadurch maßlos verthcuert und damit der Fleischgenuß verringert werden. Jede Wunde, jeder Knochenbrnch, jede Svur einer früheren oder neuerlichen Krankheit stellt eine; Unreinheit dar, welche das Fleisch t,-i>-t':, macht. Ter jüdische | Schächter muß jedes den geringsten Fehler aufweiscnde Thier aus- | scheiden: so ist er genöthigt, eine große Anzahl, bisweilen zehn j oder zwölf von stvanzig, abzulehncn. Das koschere, mit dem Siegel j des Schochet versehene Fleisch wird -niemals für jedermann er- . reichbar fein: die große Menge läust stark Gefahr. allemal zum »-'enune von genöthigt zu fein.1 -T> '-■'i Teogceidien eer Berpnichlung, een -ür eie Ecnälnnng beslimiiuc»; li ieren Da? Blut zu entziehen: eie'elbe kann im Oriente beioneer? einen prorb'.uakli'iben Werth haben, wäre e? auch nur au? Dem (Grunde, weil blulgesüllre? Hn-i'd' Mdi viel rauher grient unf in AänlniR übergebt at? blutlofe?. Tie ■ .Aivhi'r« i'r;t*-litfs - cluril 'üliren bei Dieser (Gelegenheit eie Annchr! M Begi'? a» - E? kann übrigen? iein, eaß mehrere .Krankheiten sich vor- 'iiniid, e-.irch ea? Blnr übertragen, bekanntlich begnügen sich eie .luten nicht - ...B.menrziehnng eer Thiere, londern legen ta? Fleuch noch in Tal;- : ,'^lut heran? ni 'chlannnen. " I eer 2duadun>ciuwarte ich ineeß Borbelialie niadien.! M.-a.td e-.-.z:>r nicht grawamer, die schien zu «chächten, als' Ke zu keulen: j Sd'uelligteir ee? Berlabren? wale iekoch wlln>chen?wenbl Tie | 2-iir.a.ji '■ - eu: tzunki een moternen Men'chlichkeit?genihlen zu genügen j üben, irr - N-'IM ,? ihr zweifelhaft schiene, ob ne in dem Falle beginn: : n- >ren .--ewine i>'lae.in>'die «*emein>chasre:>, in «enr bei>piel?wei'e. Haben i eie? nirw:;-' lernt? aethen 'j;t ii-'.i' naniem.iris er:- T::!'!> e? Tr. '> BeHrene in tenc ..Xiin-Ir.-ntl, - (.«mir- , September - - 1 '-•i ,ut habe geb-.-n. .•••:> ...'.neu der Boewun gemacht würbe, eieie? nnceine Flei-d«. irelche? ne. er'd-nuih-'n. an Thrinen zu vertauien. als ob j Tie Spcisegesetzc und die Wachsamkeit des Schochet würden eine genügende Erklärung dafür geben, daß von gewissen Epidemien , gewissen Schmarotzerkrankheiten namentlich, die Juden weniger als ihre andersgläubigen Nachbarn ergriffen werden. Der sein Gesetz befolgende Jude ist offenbar allen durch thierische Kost übertragbaren Krankheiten weniger ansgesetzt. Dem ist noch die traditionelle Mäßigkeit des Juden, die orientalische Enthaltsamkeit hinzuzufügen, welche ihn so scharf von den nordischen, slavischen oder germanischen Völkern scheidet, in deren Mitte ihn die Strö mungen der Geschichte geschleudert haben. Der Jude ist kein Trinker; die Thora brauchte ihm nicht, wie der Koran dem Araber, erst den Wein zu verbieten. Dem Juden ist, unter welchem Klima er lebe, welcher Elasse er immer angehörcn möge, gewöhnlich der Alkoholismus fremd, ein immenser Bortheil für sein Jntellect, wie für seinen Körper. Solchermaßen entrinnt Israel der fressendsten aller Wunden, welche unsere modernen Racen anfreibcn. Will man sich über sämmtliche Bortheile der Juden in ge snndheitlicher Hinsicht Rechenschaft geben, so muß man das rabbinische Gesetzbuch über die Körperreiuhcil des Mannes und der Frau — und vielleicht auch die Beschneidung anführen. Trotz der Gefahr, welche den Neugeborenen das Messer des Bcschneidcrs bringt, -scheint die Beschneidung einen Doppclvortheil zu haben: sie kann — ohne daß allerdings der Beweis voll erbracht wäre — die Ansteckungsgefahr bei den ekelerregendsten Krankheiten vermindern, und sie kann auch, was nicht minder wcrthvoll wäre, die Sinne dcs Mannes abstumpfrn und. die Anreizung zur Fleischeslust ab schwäche». Ich kenne wenigstens Juden, die davon überzeugt sind und, ohne viel aus die Thora zu halten, ihre Söhne beschneiden lasse», sowie sic aus Gesundheitsgründen beim koscheren Flcischgenuß bleiben. , Die den Inden zuerkannten bioslatischen Lchutzsicherheiten scheinen indcß nicht so beständig und allgemein verbreitet, als Einige sich vorgcstcllt haben. So hat man lange geglaubt, daß die Juden des Mittelalters pestgcfcit gewesen seien. Es war dies eine der Bolksbeschwcrden wider sie: man beschuldigte die Inden, Die schwarze Pest zu verbreiten, weil sic davon minder häufig ergriffen zu werden schienen als die Ehristcn. Trat eine Leuche auf, so mußten die Juden die Brunnen vergiftet haben. Heute wissen wir. daß die Pest vor dem Thor der Jndenviertel nicht allemal Hall gemacht hat. . Gerade so ist es in uns näher liegenden Zeiten bei den Eholeraepidemie» nicht richtig, daß die Juden überall nngc schädigt geblieben. Man muß von dieser Ausnahmsstellung der Krankheit und dem Tode gegenüber Einiges ablaffe». Nicht alle Juden haben daran gleichen Thcil, was weniger in der Bersäiie dcnheil ihres Ursprungs, als in dem Unterschied ihrer Existenz, bediugungcn seine Erklärung findet. 'Nehmen wir die Krankheit, welche in Europa die größten Bcrhecruugen anrichtct, die Tnberculose, die Schwindsucht. Während in Vöndon bis in die elendesten Schmutzlöcher von Whitechapel hinein die Aerztc bei den Juden ein selteneres Borkomnien der Schwindsucht als bei den Ehristcn beobachtet haben,"") hat inan in Polen, in Rußland festgestellt, daß dort Schwindsucht und Scropheln die Juden häufig befallen. Sie scheine» sogar eine Empfänglichkeit dafür zu haben. ,nn« foi'3t. ne u»? Au?>chußihiere lieferte» uns tamil keinen Annans »ahmen, un» zu verqinen. Man laßt tabei außer Acht, saß diese? vom iiraelirisch?» Schädner zurülkgewieiene Fleisdi in jeder Hinsicht jenem gleid> ist, welche? unsere Schladi rereien ohne Bedenke» au?ichroren. ’2'- Tiehe beöpieleweiie bei Tr. Behrend: Xiiwti-einli i’eiitnry, September ltOil». Ter amerikannche Cen>ns Bulletin Teceinber iNflO verzeichnet nie eie Bereinigten Staaten dieselben Beobachtungen. Pkan aboiiuirt das Freie Blau in der Administration, Wien, L, Seilerstättc 10. Abonnementsprcis: ganzjährig ö. W. 2 fl. 50 kr., halbjährig 1 fl. 25 kr., vierteljährig 05 kr. 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