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Freies Blatt · 1893-07-16 · 67 (16.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
67 (16.7.1893)
Date
1893-07-16
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Beilage znm Freien Blatt. Mrgan zur Abwehr des Antisemitismus eite XXXIX als die Nichtjuden. Zum Ersätze verlieren sie fast überall merklich | weniger Kinder. Auf diese Weise ist das Anwachsen der israelij tischen Bevölkerung, trotz geringerer Geburtszahl, rascher als jenes! der christlichen Bevölkerung. Der Ueberschuß der «Geburten gegen die Todesfälle ist bei den Hilden größer."") Der Unterschied ist in gewissen Ländern beträchtlich, dort sogar, wo, wie beispielsweise in Rumänien, die jüdischen und die christlichen Familien fast gleich zahlreich sind."?) In den Bereinigten Staaten Amerikas soll die' Ueberlegenheit der Israeliten nicht minder ins Auge springen wie in Rumänien."'» Die Ungleichheit zu Gunsten -er Iuden^ ist nicht in allen Ländern dieselbe: allein sie findet sich i» fast allen vor. Die Inden haben solchergestalt ihren andersgläubigen ('andslenten gegenüber eine doppelte Ueberlegenheit: sie wachsen rascher an und mit geringeren Kosten. Sie liefern dem ManneSalter eine größere Anzahl von Männern indem sie eine geringere Anzahl Kinder in die Welt sttzen. Es ist, als hätten sie, geschickte Rechner wie sie sind, instinctmäßig das stachelige Bevölkerungsproblem auf die ihnen selbst nützlichste und den Nationalökonomen angenehmste Weise gelöst. Wir sind versucht, diese Ueberlegenheit der Israeliten dem unter ihnen verbreiteten Wohlstände zuzuschreibcn. Die Erklärung ist ungenügend, denn die armen Inden Englands, Deutschlands, Ungarns sind in dieser Hinsicht ihren getauften 'Nachbarn gegen über ebenfalls im Bortheile. Man könnte darin, jedoch kein Raccfactnm von rein physiologischem Charakter erblicken; cs rührt dies zweifelsohne einzig und allein von den Sitten her, vom Familiensinn der Inden, von der elterlichen Aufopferung, der mütterlichen Pflege der Kinder und auch der Keuschheit des Ehe bettes, von den gesetzlichen Vorschriften, den Rücksichten und der Achtung des Gatte» für die Gesundheit seiner Frau. Bemerkensmerth ist, daß die „biostatischen" (d. h. eine längere Lebensdauer ver sprechenden) Vorrechte der Juden schon vor der Geburt beginnen: bei den Israeliten ist die Anzahl der Todtgeborcne» weit geringer als bei den Christen. Eine andere Erscheinung von demselben Charakter und gleichfalls den Juden zur Ehre gereichend ist: man verzeichnet unter ihnen beträchtlich weniger uneheliche Gebilden als unter den Katholiken oder Protestanten, obwohl die Juden mit Vorliebe die Städte beivohnen. Jedermann weiß aber, daß die Anzahl der uneheliche» Kinder in den Städten unvergleichlich höher ist als auf dem Lande. In diesem Punkte ist die Ueberlegenheit der Juden und der jüdischen Sitten unbestreitbar. "*) n9> Siehe beispielsweise O». ('ngneau, bas vorcitirte Werk. Bergl. ..Xouveuu l-iotionnaire de tieo$rr»pliic universelle." Artikel „bilden" oo» Isidor Lob, und ..The Journal of the anthropologieii! Institute", XV 11H85 861, Artikel des Herrn I, Jacobs, Wiederabdruck unter dein'Titel: ,.On tlie rncial characteristies of modern Jews." ,,°) Tabelle der Geburten und Todesfälle in Rumänien sür einen Zeitraum von drei Jahren, bei dm. Israeliten, und den Orthodoxen: > Geburten Tobeeiislte Im Jahre 1884 . Jütten . 9729 Crttiobor« * 185.000 4626 -Lxthodore 114.300 „ „ 1885 . . . 9542 197.000 5036 114.000 „ .. 1886 . . . 9458 196.000 5194 124.500 Nach Di. Alexandrini (Studin statisticu im Jassner >1 reife, 1S86) war das GebunsverhäUniß auf die Eimvohnerzabl bei den orthodoxen Rumänen 4 72 von 100; bei den rumänischen Juden 4 47 von 1<X>, also unbedeutend geringer: das Sterbeverhältniß aus die Einwohnerzahl jedoch betrug bei den Orthodoxen 3 82 von 100 und bei den Juden nur 2'6I von II0. Man sieht den llnterschied. m) Census Bulletin Nr. 19, Tecember 1890, ebendaselbst. Eine noch merkwürdigere Erscheinung bei den Juden, die man gleichfalls aus mit den rituellen Gesetzen über den ehelichen Verkehr verknüpfte phnsiologische Ursachen hat zurückführen wollen, ist das enorine Borwiegen der männlichen Geburten über-die weiblichen. Der Abstand ist bisweilen ein solcher, daß inan sich fragt, ob die Judenfainilien nicht häufig die Eintragung der Geburten voti Mädchen unterlassen haben. C. Loinbroso hat in seinem Werke ,.Li- ('rinnt politique et les Revolutions“ (Paris, Alcan, B. I., S. 149) dieses abnorme Bor» wiegenmit der Seltenheit der unehelichen Rinder bei den Jude» erklären.wollen. In der That ist bekannt, daß überall der Ueberichutz der männlichen Geburten unter den ehelichen Geburten stärker hervortriit. Tie Erklärung scheint jedoch darum nicht minder ungenügend. Schließen wir in dieser Hinsicht mit einer allgemeinen Be merknng ab. Man hak bemerkt, daß die „bioiratischcu" Unterschiede zwischen den Juden und den Christen, je wen er man von Ctwu nach Westen vvrrückt, von den ('ändern, wo die Juden abgesondert leben, nach den Gegenden, wo,sie sich »nler die übrige» Bewohner lengen, im Abuehmen begriffe» sind. Ebenso machen in^Amerika ie Redacteurc des^l''-usu.» Bullrtm die Bemerkung, daß, je länger die Ansenthalisdauer der Juden in- Amerika, desto größer die Neigung ihres mittleren Pereentsatzes aik Geburten und"Todes füllen, sich dem Durchschnittssave in -den Vereinigten Staaten zu nähern. Mit anderen Worlc/i, durch die Assimilirung der Jude» 'mit der umgebenden Bevölkerung »verden dir Besonderheiten, welche den Juden unterscheiden, nach und nach verringert. Je mehr nedie Sitten nnd Gebräuche der Gönn annehmeü, desto weniger tinterscheiden sic sich körperlich und seelisch -von denselben. Ließen sie sich Alle taufen, io würde der Statistiker nach zwei oder drei Generationen nichts Besonderes mehr an ihnen wahrnehmen. Izn Grunde alter Unterschiede zwischen ihnen nnd ihren Nachbarn stößt man immer wieder auf das Gesetz, die Thora. II. Es müssen in der That die Vorzüge, welche die Statistik bei den Juden hervyrhebt, für ein gut Theil ihrer Religion und ihren Cultusgebräuchen angxrechnel werden. Bliebe Israel allezeit der Thora treu, so IrciteLfeine Ueberlegenheit über die „Schweine ■ flcischesser" noch offener hcrvpr. Man hat in mehreren Ländern die Beobachtung gemacht, daß die Juden gewissen ansteckenden Krankheiten gegenüber schutzsichcr zu sein schienen. Die Erscheinung ist bisweilen io klar fcstgestellt wordeu, daß. sie sich schivcr in Abrede stellen läßt. Uns scheinen diese Schutzsichcrheiten vornehmlich von den Satzungen des mosaisthen Gesetzes, insbesondere den Vor schriftcn über die Reinheit des Körpers und der Nahrung herzu-, rühre». Das Gesetz hat für Juden einen vorbeugenden Werth: man muß immer vor Augen haben, welchen Platz es dem Körper einräumt! Gewisse Modernen würdigen die Sittrnlehrc zu einer Art Gesuhdhkilslehrc herab. Gewiß thut dies jenes Gesetz nicht, welches unter Blitzesleuchten auf dem Berge Sinai gegeben worden: allein in der Praxis gelangen das Gesetz.und der rabbiniichc Codex beinahe zu demselben Restiltatc. Das Iudenthum hat den Glauben in den Dienst der Gesundheitspflege gestellt: deifi Iudenthum schlägt die' Frömmigkeit zum Nutzen der Gcsupdhcit aus. Die Thora wollte aus Israel ein gesundes und heiliges'Volk machen, >:t„,iv ot sinu-tti*: beide Vorstellungen sind für sie enge miteinander verknüpft. Moses hat den Stämmen-ein Gesetz ftir das ('eben, das individuelle, das gesellschaftliche Leben — das leibliche, das sittliche Leben gebracht.""» Keine Religion hat derartige Vorsichtsmaßregelngegen die Krankheiten und Seuchen ergriffen. Die -Vorschriften der Thora lind des Talmud stimmen in dieser Hinsicht ganz merkwürdig mil jenen überein, welche nach dem Wunsche unserer medicinischen Gesellschaften in unser bürgerliches Gesetz ausgenommen, werden sollte». Die bis ins Kleinste gehenden Normen des Gesetzes in Betreff des Fleisches der zur Ernährung des Menschen best, minien Thiere sind der Welt lauge kleinlich vorgekommen. Jetzt,'nach dreitausend I»hren, haben unsere Physiologen der Bibel Genug thuung verschafft. Die Thora.hat die Wissenschaft für sich, gleich als hätte der Verfasser des PentateuchsPasteur vorgcahnt. „Moses," behauptete ein polnischer Jude, „hatte die Trichine entdeckt, deshalb verbot er das Schweiuefleiscki." . Hu Zeugen rufe ich beute Himmel uns Erde, saß ich euch vorgeleget ('eben uns Tos, Segen uus Fluch. So wichie senn tat Veben, auf saß du leben, du uns kein Same: und seit Herrn, seineit Gott lieben, und seiner Stimme geborchest, uns ibm anbangen (kenn er in kein ('eben unk sie Länge keiner Taget..." Fttnües Buch Mofis. Eap. XXX. 19, 2».

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