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Freies Blatt · 1893-07-16 · 67 (16.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
67 (16.7.1893)
Date
1893-07-16
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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I * ßeilngi zum Freien Blatt, Organ zur Abwehr des Antisemitismus. Wien, L Seiterstätte 10. Die Juden und der Antisemitismus. 3» f r a c l unter den a t i o n t n. i:oy Anatofc Leroy-Beautieu vom iranzösifchcn Jiifiitut. ttutarifirte Ucbcrirkung. Zori'evumi.! "Vlutf) hier kann der Jude den gegen ihn gerichteten Borwurf wider uns kehren. Wenn er in so viele» Ländern darauf beharrt, einen Stamm oder eine Gesellschaft abseits;u bilden, so haben wir ihn;uni großen Theile dazu gezwungen. Selbst heute, wo wir ihm den Ghettoschlüssel ansgeliefert, thun wir ihm allemal freiwillig unsere Thüre auf? Wir Franzosen, Deutsche, Slave», Ungarn, Rumänen laden wir ihn gerne ein, an unserem Tische Platz zu nehmen? Und doch hält uns heute weder der Mangel einer gemeinsame» Sprache um mit. ihm zu verkehren, noch das Bedauern, ihm keine koscheren Speisen vorsetzen zu können, davon ab. „Warum spielt ihr nicht nstt diesem kleinen Mädchen"? hörte ich ristes Tages im Parke Monceau die Frage an minder richte». ■ „Mama, weil sie eine Jüdin ist." — Bon welcher Seite kommt vornehmlich der Ausschlicßungsgeist heute? ^m größten Theile iiiunjrtu scheint er weniger vom Ariden als vom Christen herzurühre». Zumeist brennt der Jude daraus, mit uns;» verkehren; er in biswcileü zudringlich damit. Daß er sich nicht mehr mit Seinesgleichen so sehr abschließt, und von uns entfernt, wirft man ihm nicht vor; eher das Gegcntheil, daß er sich uns aufdrängt, daß er wohl oder übel unsere Gesellschaft oder unsere» Kreis aufsucht, mit Gewalt in unsere geschlossene Zirkel und unsere Salons eindringt, seine. Binder mit den unserigen in unsere Schulen und unsere Gymnasien schickt, anstatt sie in der Cheder oder Melanied zu lanen; daß er mit eineyi Wort alle jene gesellschaftlichen und weltlichen Schranken überspringt, die wir zwischen ihm und uns bei zu behalten wünschten. Die Ghcltoinaucrn sind^ gefallen, der Ghetlogcisl aber lebt häufig selbst bei Jenen fort, die sich davon 0 befreit wähnen. Woher kommt doch diese zähe und unwillkürliche Abneigung? Ist sie lediglich i» de» instincliven Rachklängen der Borurlhcilc unserer Bäte» begründet? Osten gesagt, dies möchte ich nicht behaupten. Mai» muß zu ihrer Erklärung jene jüdische Rare, deren Berührung »och so vielen Menschen.minder edlen Blutes widerstrebt. näher inö Auge fassen. Zu ihrer >iennt»iß genügt es ohnehin - nicht, über die völkerkundlichen oder religiösen Clcinentc, aus denen sie hervorgegangen, unte»richtel zu sein. So frommt es.denn, che wir betrachten, »velchc Stelle die zeitgenössischen Rationen den ^uden einräumen solle», Geisleswesen und Charakter des Juden z» untersuchen. Cs bildet dies, däncht mir, ein lehrreiches Capitel Pstichologie. Siebentes Capttcl. Physiologie des Indens I. Äeußere Erscheinung ter Race. — ömuieimt fic faj Prokucl rinet Zucht mahl ist. — Jüdische Pollöbeichreibung. — Vanfllfbigtcit. — Fruchlbarkeil. Geburten und Todesfälle. — Welchem llmftanp ift die Ileberlegenheik der Zsraeliten zuzm'chreiben? II. Ängedlichc Lchutzsichcrsteileu der Fuden. 7— Die Schechnal,/>»t die Speii'esieseve. — Mose« und Pasteur. —. Lebenskraft der Race und Uriachen ihrer anicheiuendcn'iLntarluiig. — Plnisiologiiches Elend einer großen Anzahl. ' III. Ten Zuden zugescheiebene Xrankheite» und Gebrechen. — Ileberwiegenter Einfluß des Rervenst,stein» bei ihnen. — UriLchen und Wirkungen ihres nervösen Zustande«. — Häufiger Mangel an Gleichgewicht zwischen den seeliiüpn und den Mnekelvcrrichiungen. — Frühreife der Zuden: ihre Ursachen. — Ziraei ist die von Altersher gebildeteste Race. -- l. Wir haben gesehen, unter welche» Cinfliissen eine jüdische Race, Kunstproduct des rabbinischen Gesetzbuches und der mittelalterlichen Gesetze, unter dem Ghrttoverschluß sich rcsorinirl Halle. Bersuchen wir ytm die Psychologie dieser zugleich neuen und alten Race zu entwerfen, und da es--in diesem in wissenschaftliche Formeln verliebten Jahrhundert nicht mehr Mode ist, die Seele vom Körper zu trennen, so beginnen wir mit der „Physiologie". Ohnehin gehören beide.zusammen und wird die eine durch dir andere erklärte Der Jude trügt i» seinem Fleische und Pis in seine Seele hinein di? Spur der während fünfzehn Jahrhunderten erlittenen schmachvollen Behandlung. Cr hat von seiner Schulter den gelben Fleck hinweggewischt^ seine Stirne hat er nicht immer von den Clendmalen des Ghetto zu reinigen vermocht/ Cr' ist Pamit gebrandmarkt geblieben. Rufen wir uns das Veben zurück, welches ihm von seine» christlichen und muselmännischen (Gebietern bereitet und die Erziehung, welche ihm voll diesen gegeben worden ist. . Stellen wir uns zuckst das Haus vor, in welchem^- auferzogcn worden. Fast überall ist es bereits verschwunden : ^unsere Kinder werden nichts mehr von 'der „Judcngasfe" wissen. Die letzten Uebcrbleibsel der classischcn Judengasse Frankfurts sind abgetragen worden. Das verwinkelte Gasscngewirr des röinischcn Ghetto mit der Piazza Giu'dca und der Bia Rcka ist zum großen Veidwescn der armen Cbrei unter der italienischen Lvitzhaue zu Fall gekommen,. So lange batten sie dort gelebt! Sie waren an diese verpesteten Bieoli gewöhnt. Umsonst hatte ihnen Pius IX. mit der Ricde.rlegung dieses Gemäuers das Recht amgezwungnr, cs zu verlassen. Wenige nur hatten davon Gebrauch gemacht. Biele hatten ihre Ausweisung beweint, welche für die künftigen Tiber Ouais RXtum zu schaffen hatte:. im früheren oder neuen Rom vermochte» sic keine so schmutzige» und so billigen Wohnungen mehr zu finden. Seit etwa dreißig Jahren Halle ich das Ghetto des linken Tibcrnfers oftmals durchstreift. Die Gäßchen waren eng, düster, voll Gestgnk: die Häuser hoch, alt, verfallen, sie wackelten' vor Altersschwäche. Mit dem scharten Gerüche des Jnimo-ndezzaio an der Ecke vermischten sich die schalen Ausdünsinngen der Trödlerbilden. Durch die Thüre, auf deren Schwelle Fralien jedes "Alters alte Fetzen ausfliMen, waren im Dästimer niedrige und enge, licht- .und lustlose Sinken kaum auszunehinen, wo ganze Familien angehäuft umherkrabbelten. Das vcrhültnißniäßig moderne Ghetto des päpstlichen Rom war weder das anwidernste iwch das u» gesundeste. Das Rom der Päpste hatte sich beinahe immer'die Gastfreundschast--für die Hebräer zux Ehre angerechnel.- Stfin

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