Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 66 (9.7.1893)
- Date
- 1893-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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I Nr. 00. Freies wieder zahlreiche» Socialdemolraten von dieser Wohlihat der Zulassung auS geschloffen worden sein. Das sind aber die Bollsversauimlnnge» in denen allein die freie Tribüne zu finden ist. Hi» klebrigen habe» die an der Schwelle ^mi'ut gewiesenen gewiß nicht-? verloren. Tie Rede Liechtenstein'S über die wirihschasilichen Grundsätze der christlich socialen Partei war so lang, aber auch io eintönig und kahl wie die IlinsrieduiigSmaucr des Jesuitencoiiviclcs i» .Holt«- | bnrg, woher sich Liechtenstein seine Ansichten verzapsen läßt. Ritter v. Troll; erklärte, er wäre im niederösterreichische» Landtage gegen die Lnbvei,tig»irn»g! d:s Deutschen Schulvercincs gewesen. „Ader sür den Deutschen Schnlverri» habe inan Geld, weil er zur llntc>stütz»ng von Zudenschule» dient." Dr. Paltai, j der nach authentischer Quelle nicht Französisch kann und also auch leine Mit schuld an der Abfassung der Menschenrechte tragen dürste, zählte die Sünde» deS Liberalismus ans, unter welchen sich a» erster Stelle natürlich die Einsühruiig der Gleichberechtigung aller Bürger befand. Da« behindert allerdings Paltai nutzt, für die Einsühlnng des atlgcnieinen Rechtes zu plaidire». Wie /rnst Pattai's Schwärmerei zu »ehnieu ist, ging aus de», ganzen ihn uingcbendeti Milieu hervor, a»S welchem sich nninittclbar darauf ein anderer Redner erhob, nur die erprobten gewählten Führer des BolkeS — die antisemitischen Ab geordüete»— und die „von Golk gesetzten Führer deS Polles" — die (Steriler — hochlebcn z» lasse». Wen» der Rennkirchner Parteitag eine entscheidende Autorität besesien hätte, wäre gewiß eher die Wiedereinführung des Eoncordats als die Einsühruiig deS allgemeinen Wahlrechtes beichlosien worden.. Applaus unter allen llniftnii&cit) F» Tdrau veranstaltete der Wiener Schönerer Perein eine Wandei veriainnrlnng. Ter.B.ider Türk, der E»lkc,ter deS Rniggeschen Eonversations Lexikons, blie« z>l», Rückzüge. »Man müsse zu den Zustände», wie sie vor 1818 zn„, Heile arischer Produeenie» blühten, zurückkehre». 'Rach ihm iprach ein geistreicher „Schriftleiter" aus Wien. Ft» Gegensätze zu Türk schrie er „Poiwärts!" und verherrlichte >ogar das „judenteniokratilche" snlVraiio miiversel. Beide Redner fanden bei dein zusammen getroinnielten Häuslein .„leulichec" Aäiiner große» .Beifall. Vorwärts oder rück ivärlS — das ist eineilei, in einer A»ti>et»ile»vertaii»»lung inängelt es niemals an strainine» Händcklalscher». Tie ^drauer Wandei verfaminlniig fand übrigens wegen hestiger Angrisse aus die Regierung und ivcgen Richtbeachtnng der 15, iiiahnnngen des landessürstlicheu EommiffärS ein vorzeitiges Enke. (Ahlwarbk wieder an der Arbeik.l Gleich nach de» Wahle» naht» AKl wardt seine geschästliche Thätiglrit wieder aus »nd veranstaltete i» Berlin eine gegen Eintriitsgeld zugängliche Pcrsainnilnng. Gr sprach über das Thema: „Der Sieg des radicalen Antiiemilisinus". Da seiner Richtung der Raine Radical Antisemitismus beigelegt jei, so wolle inan den 'Raine» behalten: er rechne sich ganz besonders zu den Radicalen. Tie Eoniervaliven verlrelen nur daS Agrarier- und H»»lerlhui». AIS der Antisemitismus austral, da haben die Funker die antisemitische Bewegnitg gehätschelt und gepflegt, »in sie alS Bor span» für,das Hunte, ihn», zu benützen. Bor de»'Wahlen habe zwischen den Eon servative» und dein aiili'emiiischeu AgitalionSverbande eine' gemeinschaftliche Beralhiiiig stailgcfnnden, an welcher die Herren v. H a ni"in c > stein, v. Borke, v. Lang/», er selbst und andere Parteihänpler theilgenoinnie» chabc» Da sei beschlossen worden, die Anlitkniilezi sollten anS den Wahlkreisen der Ec» lervativen,;. B. in Pomnier», scrnblcibeii, dafür wollten die Eonservativkn auch den Anliscinile» nicht in den Weg treten. Aber was >ei geschehene Die Eonservativcn hielten nicht Wort; in Friedeberg Arnsivalde habe man ihm eine» sehr gefährlichen Gegner, den Landralh von Bo rüste dt, cnlgegengestelli. Da habe er gesehen, daß bei den Eonseivalive» Alles eher als Ehrlichkeit zu sinden sei, und er habe dann iadical gegen seine Gegner gelämpst. Herrn S köck e r müsse er nuninehr alS seinen Feind betrachten Den Wahlkreis Ren-Stettin habe er fast ohne jede öffentliche Persaminlniig erobert. Ta inan ihn an der Abhaltung von Bersaniinlungc» gehindert, >o habe er in den.einzelnen Töriern die Leute ins WirlhShans rufen lassen und. sich dort bei einem Gta>e Bier »nd einer Eigaire mit ihnen unterhalte». Ai» wirksamsten sür ihn und de» Ami skiniliSniliS sei der „Hndenslinlen' Proeeß gewesen. Auch der letzte, vor einigen Tagen verhandelte Proccß werde sehr günstig willen. Ter Aniiscinitiennis sei betzeils zu einer RcichSlagSsiaction cinporgesticgen. 'R'ltti weide nian bald An träge stelle». Dcnjcnige» AtlSbculern, welche nicht znin deuischen Bolle gehöre», werte man den Weg zeigen, und gegen andere AnSbcuter weide inan Gesetze »lache»; er habe sein Programi», nach dem von seht a» gearbeitet werde, fertig. Gesängniß u->d dergleichen mehr köniiten ihin nicht schaden Er sei mit ganzen zwei Mark i» den Wahlkampf gezogen und habe zwei Wähl krciie im Slnrnr genomnie». Ter Radieal-eAntijciniliSmns habe den Anti feiniliSnuiS in Glacö Handschuhen glänzend besiegt. Man dürfe sich nicht sürchle», »len» man auch diesen oder jenen hohen Hciru einmal auf die Hühneraugen trete. Tic Strohpuppen i>« Parlament wolle man von dort hinausholcn. Mil den Conservative» habe inan nicht« mehr zu ihu». TaS Auditorium, welches Ahlwnicht in der „Metropole der Hniclligenz" fand, nahm alle seine ÄnSlassungen ernst, auch die Anlündigung von AliSiveisunge» und von Gesetze» im Geiste des radicalen Antisemitismus, und begleitete sie mit frcucttfdjem Beifall. Der Meinung Ahlwardt's, daß Gesängniß ihm lischt s>1,aden könnte, müssen auch wir beipflichte». L I a t t. 2-eitc 7. fSchweniihagk» sammelt Material > ä» einem BeriiiieTFikkf-rmitinveteie.e. versicherte ein gewisser G r oh n> a n », Eoinpuee HST st rkbrieilich verfglglen iOe schäslsänti.inilen S chipennhage», di.si'r sei keineswegs durch zebrannk, sotider» habe eine Studienreise! »ach Rniitäiiie» uniernoininen, um Beiveisuiateoial iürseine Behauptungen gsgcn de» preußisch,i Finanzininister Dr. Miguel zu saininel». Den Zeitpnitill, in welchem cä>ivei>vhagen zurückkehrrn und sich dein Gerichte stellen werde, lgab Grohinan» allerdings nicht an.. aixtifcinitifdien Blattern. (Aus bin „llilUCtinlfriilni".) Wieder, eine neue Wendung! S chöner c r" läßt aus Anlaß der zijin Abschtnß gelangten deniiche» ReichSlagswahle» »die Er \ folge der Socialdemolurten „mit aufrichtiger Freude" begrüßeiz. Sein Trga» : schreibt: „Sie diese E>folge) erfüllen niiS mit »euer Hoismiiig, sic stärke,, uns 1 in dem Glauben an!j c.Nl lo. diese »tzra»»nakil!> Fortschritte unserer Ratio» ',>,!» Besseren und Edleren. Denn die Geschichte des deutschen BolkeS hat »ns in hundert und aberhundert Beispielen gelehrt, daß unser Voll in seinem duiillen Drange sich stets des rechten Wegs bewußt ivär und daß das Gefühl sür das Rechte »nd Wahre unseren, Bolle nie völlig, verlöre), gegangen ist. daß , cS oil »ach jahrelange» Drübnugen i» richtiger, wenn auch oft erst in letzter Stunde wieder zur GetTnng gelangte " Bei der Geschicklichkeit der ohne Be- . sähigiingsnachweis ihre« Amtes ivaliendeii „Schristleiiung" kann es aber nicht befreindcu, daß an einer anderen Stelle ein Genosse das Wort erhält, welche/ non der neuen Parole!: „Wohlivollcn gegen Socialdemokralen" »och nicht in .Hciinlniß gesetzt worden ist und in gewohnter Weise bramarbasirt: „Mil der Socialjadodeinokratic' werden wir »och manchen blntigen Gang auSziilragen haben, besonders mit der reichsnnireuen Horde innerhalb der schwarz weiß rolhc» ^Grc»z>chrauken. Tort läinpsen die stumpsfiniiigen Aerlchc» vornehnilich gegen jene Höre, die mit ihrer Allgewalt einzig de» Streit zu schfichte» vermag, gegen - die nalionale, Hdee, gegen, de» Ratioualstaat." D iei'er über die neueste Wendung noch nicht iniormirle Genosse ist Überhaupt ei» etwas naiver Patron? Er legi anch da« Geständniß iil>, daß die ganze ..Socialresori»", wie, sie anliieniitische __ Maulhelden den beibörten .Nleingewerbetxcibenden anprcisen, ividersiiinig und unr daraus berechnet ist, Huden zu chieanirc». Zur jetzt tagenden Gewerbe Enquste! bemerkt er nnter Aiiderein:. „Ta wird von den> BesähignngSiiachweiS im! Fabriksgewei.be gefabelt, und einzelne Fabrikanten niüßlew da ans 10 —17 Ge iverben den Bdsähiguiigsnachiveis oblegen. Man will hie capilalistiiche Prodnelionsiveise der Hude» treffen und suhlt aber gleich selbst, daß man sich immer neue Schlinge» nni den Hals legt! und der schlauere Hebräer doch wieder' de» Slops heraus hat . . . Man melle »ich! Zwang auf Zwang und Unterbind»!',) ans Unterbindung hänfen, man nenne-den Schaden der Gewerbetreibenden beim rechle» 'Ra,ne,i und beantrage AnsnahinSgescve gegen die Hilden. Welche ab — ichenzichen Beriirnngen der Weg des Hiiieresienegoidinns des HleinnieislertKnineS zu zeitige), vermag, bewein ivolil zur Genüge die Ausrage der Tullner Meister schaft, ob die armen Räherinuen, dir in Priralhäu>ern nähen und sich ja armselig-und lninmerlich genng, und zivar.-zliinein elnbar ihr Brei vcldiencn. nicht als Gewerbcstörcrinnen verfolgt weide» lönnicn und ihnen das ^l^it.'ii ver holen iverden könne Tie -Besü-wortung und Au>'richl»ng eines dfrariigen MonopoliSinnS int Gcwcrbeleben - ist ebenso veriveistich wie die ivirihschaitlichc Ranbtüielinoral >,ud die socialdeniolralische Hdee cineS allgemeinen Gäniierll nmS und einer ZuchtbauSnioral!" — Selbstverständlich bringe» die „Unverstilichieii" a>,ch diesmal Ans'ätze zur Beilicrilichung Schönerer's einer und Per»iiglinipf»»g Berga ni 'S andererseits. Letzterem Zwecke ist ein „Ter Schwur! am Aggstein" über'chriebeiier Artikel genndnict. welcher sür das Beihältnis; der Anli'einiien zu . einander so charaktcristn'ch ist, daß wir ihn hier re-ln,, gerne wiedergcben. Schönerer läßt einen „Paul" schreiben: „Wenn ein echter Tenlschnätionaler einmal, naiürlich mit Nichtig carbotisirlcn Fiiigern, das belanme Trgan für Frnelineirung deS AnlisemiijSmuS, das sogenannle .Deutsche Bollsblall', in die Hand nimmt, io geschieht kics entweder in einer Absicht, die ich nicht näher,- bezeichnen kann, oder ans jcnein pnichologi'chen Hnlerefse,^ das w^r dein Bor . fchrciicl' eines"leibst noch so ekelhafte» geistigen ZersetznngsproeesieS enlgegen- .bringen. Fenen, die dieses Hnlercsse besitzen, sei die 'Iciunnier vom e!l. Hunl enipsohle». .Ter Schwur in Aggstein' — inan erivanel eine» Schäuelromai' in 24 Liesernngeu, cS ist aber nur ei» Leiie.usfatz mit 'Raturcingaug und .stuiist auSgang. .Hedem von de» Tausciiden, die sich an dein Feste betheiiigl batten, wird die Erinnerung an daS Erlebte wohl für das ganze Leben itnanSlö'chlich' i»> Gedächtniß bleiben.' Hawobl, du ehreniverlher Heraus—geber, keiner wird cs vergesie»! Bin ja auch einer von denen, 'die damals dem- BrusttSli der llebcrzengung gelauscht^ über den — o Hronie! — Rieuiand lachte alS die bohniifchcn Musikante» zu keinen Füßen. Rur du kcwer wirst tas Meiste ver gesie» haben, denn »in' einen Schivur im Gedächtnisse zu behalten, braucht man - vor Allem ein Gewissen, und mit solcher» abgetragenen und aus der '.'Rode ge- . koinn enen Dingen gibt sich ein indnstricUcr Heransnehnier —. >-nr-lan! —' Herausgeber nicht ab. Auch ein unangenehiner Truttschler hat sich cinge>chlichen, wenn eS heißt, daß i» den begeisterten Menschen daS, waS sie schauten, Gc-s