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Freies Blatt · 1893-07-09 · 66 (9.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
66 (9.7.1893)
Date
1893-07-09
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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feit« 8. Freies Blatt. Nr. 66. daitte» an die hofsnungsroUe Zukunft ihres .Polle» wachries, Stall .Volkes' füllte eS ivolil Blatkts' beißen. und eine bonnnngsrollc-Zukunft ließ sich wohl mi’ci'mini, ivenn inan fir i^ioßen des dcmichcn PolkeS anS der Erde empor fteii’.cniah, .um die treneii Hüter der Tstma-.k;it segnen und z» stäi ke» . . .' Das . 2iVi'i;itf aber kominl erst. Schon damals trug Ehren Pergani, wie eS beißt, den Plan zur Giüudiing ieincsHlaties in sich und .eine Anzahl von Freunden legte Hand an :c. Wieder >o ei» Tnickschlcr! Stall .Hand' sollte es ivohl .Geld' heißen, und twis-tidn den beiden Worten ist ja »iir der'»»bedeutende Unterschied, daß das Zurückziehen einLr Hand bei Pergani ans viel weniger Schwierigkeilen >ioßl, al» das ZurnckzieKe/i von Geld Und gar der bo>e Schönerer! Za, wjie konnte es ihm den» eintalv», von Pergani .abzu'alle»'? Warum muß er denn beule .ad'eitsstehen iind^den Man» befehden, der das stolze.Bcwiißliein in der Prnst trägt, .den am Aggstcin geleisteten Treuichwnr gehalten und erfüllt zu Hab,». Wir Tciinchiiationale find von dir'c», Pergani schon viel gewohnt, aber io weit ist das klönende Menschlein gekoNinie», daß eS sich al» den Treugebliebcnei,, Schönerer und denen Freunde als dieAbgeiallenen bezeichnet. Das komint daber, ivenn man die Hunde zu lange ohne Beißkorb lausen läßt, und diecr Gm'elpiinkt der Frechheit wird vielleicht manchen Hieiiossen klar machcii, ivarnni schönerer ans die Kundgebungen gegen die .2Vitt'dif Polkspest' besteht und bestellen muß Uebrigens mag Herr schönerer sich trösten: Pergani .an erkennt seine Perdienstc .stets', und die Anerkennung eines Ebrenniaiines ist der 'chönite ','cbn Auch heuer ist Sonnenwende. .Auch Abgeordneter Pergani und 'eine Mitstreiter werde» dort nicht fehlen Sie werde», wie es beißt, treu eigen Herzens;ti»t ctctiicnbiinmrt emporblickcn, wahrscheinlich mit dem frommen Kim'che, daß die Pan'chalieii auch s o niegezählt tind unzählbar fein mögen wie die Sterne. .Mit Befriedigung werden sie sich des Schwures am Aggstein erinnern' ^— ich glanb's: die Sache bat sich ganz gut rentirt, nnd ich bin iiberzcngl. daß Pergani noch zehnmal schwört, wenn ein schwur i'o einträglich ist n ie Kim : denn statt Treue zu halten mit Hab und <*»!', wie er damals 'chwnr. bat' er eben Hab und Gut gehalien ohne Treue, was entschieden prakj li'cher :ü und die .Besiiedigiing' erklärt, mit der dieser Eomödiant auf seinen theatralischen Aggsiein'chwur znrnckblickt." 'Auch rin SlttNPlom der Ausbrnlcrci.i Ter „T e siel reichliche Bolks ireiiii.d" gibt-dem Herrn Handelsministcr anläßlich seiner Znsormationsreise in den Jvdui'iiiebcziik.n des nördliche» Böbinen, de» wohlgemeiiuen Rath, ivenn er wisicii wolle, ivein die Gablonzer Industrie allein ihren Millionenmtven abwerfe, ..die vrachtvolle Snnagoge" in Gablonz zu besichtige». Fürwahr, mit der Frömmigkeit des „Bolk.-'rennd" muß cs ab'onderlich bestellt -eni, ivenn er es de» Mitgliedern einer ankeren Confession verargt, daß sie ihr Betbans. ibr Gotteshaus mit aller Pracht, mit dem Auigebote aller Mittel schmneken nnd aus statteil. Was würde z. B. Herr Pienncr dazu sagen, wen» dte Protestanten i» Lachsen den dortigen Katbolilen, die' ja gleichfalls in der Minorität sind, den Borrrnr' machten, daß sie ihre Kirchen zu luxuriös ausj statten und dieken religiösen Prunk auf die wirtbicha'ttiche Ausbcutiingstkätigktit i der sächsischen Katholiken zntück'übren würden. Uebrigcns wissen wir gar nicht, | ob der Gablonzer Temvel io Inruriös ist, wie ibn das Pseiiner'iche Blättchen diustellt. und ob er-an Reichchum etwa noch die Kirche zu Mariazell iibmtim ’ > Bcrgani'S GcichäskSvraxiS. Aus Arbeiterkrei>en erhalten wir folgende > Zu'chri't: Tas Svecialorgan zur Perbreitnng der „Trottelosis", genannt .. Teutsches Polksb'.att", schrieb in ''einer lebten Loiiittagsiininnier unter „Anl j u orten per Schristleiliiug" Felgendes: „Herrn Joses Dienst!. Bedauern, Jhrein i Wuu'che nicht enurrcchen zu können: eine deiartige Firma ist uns nicht bekannt. | •i'i.: ,1u-ii S, e einen P-.-.-iich durchs Jn'eriren — A Ü ft Be r- ' u >1. eu Lie es mit einem Inserat." T, der schlaue Solccer, er sucht! Bavkpauschalien auch andere Einküit'te sich zu verschaffen! Tas denkbar Günstiger, i lieber den Stand der antiicniiti'chen Bewegung ' in L .'. bte:t kann ein angeblicher Belgrader Eorreipondent des Pergani'schen I B au." t . -'e:r>::! . Pergnügen" das „denkbar Günstigste" mittbeilen. Er 'übr j mehrer.' Tl auach n an, die von dem - „guten Änti'emitismils" der Bevölkerung - z.-iigen. Le ist :t A .'.r..Antisemiten-.Katechismus" stark verbreitet, und als er ' in einem "W'.'.'h-iau'. etwas Teut'ches zu lesen verlangie, habe man ibm j .Psa-.:cr T e tkerl's „Ritualmord." gebracht, was ihn natürlich sehr wunderte. Auch;\t'v fj öi;j-.,:essen Umhüllung die Tisza-Eßlarer Assaire in : „gelniigencm Fa'.beiidruche" -darstell,'. Wenn die ganze Geschichte nicht erstunken i uzid erlogen ist. >'o zeugl ste n.i.hk vom „guten Antisemitisiniis" der Belgrader, : sondern reu der an.' H'.'oiichtm Bcden iibrigene nicht sehr gesährlicken Thaiigkeil ' eines Reisenden in Wtener „christlich -oeialer Waace. > l tLkötkcr's Lchmcr; und Bcschkidenhcik.) Ter in Liegen durchgefallene Llücker läßt im „Bolk" seinem Schmerze und seiner Bescheidenheit durch folgenden schönen Lay Ausdruck geben: „Tic conservative Partei ohne L.tvcker, das ist eine Edeltanne, der böse Buben den Mitteltrieb'abgebrochen haben." Stöcker sollte sich fassen; auch sein Freund Wagner hat als Mandatswcrber kläglich Schisibrnch'gelilien. 8ul:»>».-» miseris ,-oi ios baliuisse »uiloiiii». lPathologisches llUb Zsopalhisches.) Ter bekannte Bismarct-Bcrhimmler Mar B ewer, der an nnsreiwilliger Komik auch bisher nicht UneilleellicheS geleistet Hai, verösieiillichte in einer der'leyte» Runimer» der „A u t ise in i ti sch eit Eorrkipondcii;" einen Aussay „Zum Mord in Lauten", den man fast für eine Parodie auf die ganze Ritnalmordliteratur Hallen könnte, wen» nicht Bewer's Name und die „Aiitisemitischc Correspondeuz" für den blutigen Ernst büxgten. Der Bisliiarctomaiic schreibt anichsießend an die Lantener Assaire: „Ich bitte dringend dura» festznhalten, daß es ein mcdicinischeS Gesetz gibt, nach welchem der Blutbcdarf der Juden zu erklären ist. Begehen sie Rilualmordc, io begehen sie die Morde nicht aus FanatiSmns, »ichl ans Irr sinn, i'ondecn lmt dem klaisten Bewußtsein und dem kältesten Rasfineiiicnl. Ich behanvtc i„ nieincm Buch (.Getankeii ), daß das medicinische Gesetz, nach dein die Jiidcii Rikualniarde verübe», daS Gesetz der Jsopathie ist; dies Gesetz bestimmt, daß, lveii» man sich von einem Krankheitsstoss inficirt fühlt, ma» von denisclben LiAs ein ganz Minimales zu sich nehme, um durch diese sublilc Reizdosis den Trgunismus zu einer Gesamintreaclio'n gegen die schon früher anrgcspeichcrleiT^irankheitsstosie zu provooircn. Tie Inden haben nun den sesteu Glaube», daß. durch das Blut derjenigeu Bölker, unter denen sie dauernd leben, ihr Blut, nnd zivar allein schon durch den bloßen Berkcbr verunreinigt werde, lim sich nun von Zeit zu Zeit zu reinigen, genießen sie »ach dem Gesetz der Ziopatbic ganz minimale Toi'e» des fremde» BluleS, das sic sich in seiner sveoisiich wirkenden Reiiibeit durch stiiidcrmord verichässe»." Bewer sühn nnu zum' Beweise 'einer epochale» Emdeckniig ganz classische Zeugen an, die Inden nämlich aus Tc>kerl'S, Broschüre. Es hieße wirklich der Rarrheil zu viel Ehre antbuii, ivenn inan sie mit Mitteln der Berniilifl behandeln ivollle, mir des valhologi'chcii ZmerefseS halber möge» Bewer's ivcilere Ausführungen hier Platz nndcn. Durch die „Aussagen" (sie!) sämmilichcr Inden im Tricnter Pioceß sicht er seine Annahme, „daß die Juden bei ihrem Blulgebranch »ach dem iiopalhii'cheu Gesetz verfahren, voll bestäligt: sie wähne» ihr Blitt durch den Bei kehr mit Ehristen vernnreiuigl und nehmen, um sich zu reinigen, zur Tsier> zeit als .Gegengift' eine ii'opathische Minimalkosis dieses BluleS zu sich. Bon Fanalismils oder Irrsinn ist keine Spur zu entdecken, vielmehr hat n>a» das Gefühl, als blicke man in eine durch ,ivei>'c und erfahrene geleitete Apotheke, die jedem ,echte»', d. h. durch Mord, nicht etwa durch Aderlaß ge itonncncn Fläichchcn Ebristcnblut ein Beglaubigungsattesl mit aus den Weg gibt. Blut nämlich, das durch Aderlaß gewoiincii wirk, hat bei weitem nicht die animalische Potenz kesienigen Blntc-s, das unter höchster Leelciiangst einem Gemordeten entfließt." Tic Eiilbnllnngcn Bewer's sind ebenso neu al-s bc lnstigend. Ja, seine Bosheit ist noch beliiskigender als die des Lhakcspcate'schkn Tstersilcs; Herr Bewer scheint nämlich der reine und nicht blos ein geheuchelter Schalksnarr zu sei». Begiciig sind wir nur auf die Talmudstellen, die der geniale Eindecker, wie cs sich gcbört, znin Beweise dafür erbringen wird, daß die Judc» schon vor Maimonidcs' Zeilen die Zkehren der hoinöopalhischcii Heil kiiiidc dem armen Hahiieiiiann rein votiveggeiiommen Jetzt ist eS lins auch vollauf klar, lvarnm die Homöopathie so ziirückgegaiigcn ist und ihre Jünger so ivenig Clieinen sindcii; ganz »aiüilich habe» wir es mit einem jener Gewerbe zu tbini. die durch die ' jüdische Schmntzconclirreiiz total zngruiidc gerichtet -wurden. Wenn doch Herr Bewer täglich einen Artikel über Ritualmord schriebe, dann, war' alle Tag Sonntag. Bliefkasten. Tr. A. H., Schdlkknbaslri. ES war nur ein Berseheu. I». .Rtcills. Ter Zsobbyiniius auf Schönerer von Magda Hardenberg in der „großen Seestadt" Leipzig beginnt mit den classische» Worten: „Hali wach das Auge! Schließ den Pkund, i.'aß dir nicht ichan'u zum Herzensgrund!" Taß Ritter Georg eine weite Kehle hat, ivar uns bekannt, daß inan durch die'elbe aber bis ins Herz (vielleicht eine Perwechslung mit Magen) seben kaiin, ist entschieden abnormal. Schönerer wird daher gul thun, stels den Mund zu hatten . , Frilsch, Aussig. Taß Ihr Matt „eine Freistätte für ehrlich geheckte Meinungen" sein soll, ist gul gesagt, xicbes Löwlein, brülle doch »och einmal! Bcitritlserkläruiigcn zum „Ptrein;nr Abwehr des Antisemitismus" werden ciltgegengenommc» im Lecretariate des BcreincS 49icn, I., Parisergasie 4. Abonneineutsanineldungen auf das „Freie Blais" nimmt die Administration, Wien, I., Lcilerstätte Ist, jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch einzelne Nummern abgcgrbrn. ’ Probcnummern zur weiteren Verbreitung des „Freien Blattes" werden Gesiiinungsgenoiseu auf Berlangen bereitwilligst zur Berfüguug gestellt. Herausgeber und veranttvonlicher Redacteur: Ernst Victor Zenker. — Druck von <5^. Reißer & M. Werkhner, Wien.

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