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Freies Blatt · 1893-07-09 · 66 (9.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
66 (9.7.1893)
Date
1893-07-09
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 66. Freies Blatt. r-i-itc Wessen soll man sich dann bei der inissra plvl-s versehen? Biellcicht kommen jene leichtgläubigen endlich zur Besinnung, welche dem Märchen Glauben schenken, der Antisemitismus wachse jenseits der Grcnzpsühle und könne nur aus deutschem Boden gedeihen. Auch daS Slavciiihum macht bedenkliche Scitensprüngc, BaZat» und BrzcznowSky sind tonangcbend in tschechischen Ortschaften. X. V. X. ' („AntiscinitisnillS am lllircdjlcil, Crtc“.; Unter dieser llcbcrschrist berichtet der in Tabor erscheinende ^Ot*sk_y .lili“ über folgende» Borsall : In dem Orte Radüjkan sollten lürzlich an die dortigen Abbrändler von einem Eomitä Untcistützungsbeilrüge, die für dieselbe» gesammelt worden waren, vcrthcilt werden. X\i erhob sich eines der Eoniltömitglicdcr und stellte de» Antrag, cs seien die Abbrändler mosaische» Glaubens von der Betheiligung ausznschlicßcn; allein der sonderbare. Antragsteller sei, nachdem ihm der Xi opf gehörig ^gewaschen worden war, mit seinem Antrag allein geblieben. Ter „(Ji'sky .lilr nimmt nun Anlaß, den Antrag in schärfster Weise zu rügen, und gibt der Hoffnung Raum, daß sich so etwas nicht wiederholen werde. Das ist sehr schon, allein das Taborcr Blatt war in der Wahl seiner Uebcrschrift mindestens nicht glücklich. Ist den» in der bürgerlichen Gesellschaft irgend ein Gebiet vorhanden, wo Gesiunungsrohhcil, nationale und confcssionclle Engherzigkeit .,a»> rechten Citc" wäre? (Bestrafung eines (yj^cöflltcil.) Der Wiener Buchhändler Schwi der noch, der Ende April »ach dem Troppancr Anti, scmitcnfestc in einen Raufhandcl verwickelt wurde, als er über die Inden geschimpft hatte, nurdc nun, wie wir dem Troppancr Antisemiten blätichcn entnehmen, vom dortigen (Berichte zu drei Wochen Arrests, verschärft mit einem Fasttage in jeder Woche, vernrtheilt. Tein Bcrthcidigcr, natürlich Tr. .Uronimcr, meldete die Berufung an. Dem Troppancr Antiseinilenblültche» thnt cs besonders weh, daß mehrere ipegcn dieses RaufhandclS ebenfalls angeklagic Juden frei gesprochen wurden und »nr einer wegen Ucbcrlretnng des ts 4'.ü> St. G. eine Geldstrafe von 5> fl. zu erlegen hak. lProstsfor Trnicl über das Trcilir» Der Aulisciliiirii.! 3» einem Bortragc, den neulich der £ Immun des „ Deut s ch fort schritt lichcu Bcrcincs für Wcstschlcsic»", ckccichSralhs Abgeordneter Professor Demel, in einer Waiidcrversaniinlung zn Albersdorf hielt, sagte er. über das Treiben der Antiscinilcn: „An ihre» Früchte» sollt Ihr sic erkennen! Folgt inan diesem Spruche, tragt man danach, waö für Früchte die antisemitische Partei gezeitigt hat, waS sic Gutes geleistet und ob sie dem Dculschlhnin genützt hat, so erhalten wir nur verneinende Antworten. Wir hören nur von ^Spaltung und Zersetzung, von Entfremdung und Mißhelligtciten unter den Deutschen selbst. Das sind die Vcistnngcu einer Partei, die mit einer Ucbcrhcbung sondergleichen auszntrcte» beliebt, welche die vcr dicnlcstcn Männer, die in uncigcnuützigcr Weise;-(cil und Arbeitskraft dem deutschen Bvlkc opfern, die in Reichs-, Landes und Gemeinde angelcgcnhcitcn sowie in Bercinen jahrelang ersprießlich ivirlen nndwirltcn, herabsctzl und an ihrer Ehre aügrcist. Dieses unheilvolle Ireiben wird mit Borlicbc 'und nach wohldurchdachtem Plane in die 'lceihcn der Jugend getragen. Richt bloß an Hochschulen — nein, inan schreckt nicht davor zurück, auch die Jugend der Mittelschulen heran ziizichen und in das empfängliche Gemüth der Jünglinge den (''cii't der Unduldsamkeit zu tragen. Die Jugend — unsere Fntiinst nnd Hossnung — wird in einer unvcrantivortlichen Weise in das politische Treiben hincingczogcn und ihre ohnehin leicht erregbare Phantasie erhitzt. Tausciidc von ernsten Männern werden die Ansicht bestätigen, daß die Erzichting der Jugend ganz andere Wege wandeln muß als . die von den gegnerischen Partciinänucrn vorgczeichneten, und mit ge rechter Bcsorgniß >»»ß man künftigen Tagen cntgcgcnschcn, wo ans der irrcgcführicn Jugend Männer als künftige Intelligenz des Bolkes hervorgchcn werden. Um dieser Bewegung eine recht große, weithin reichende Bcrbrcitnng zn schaffen, werden wirthichastliche Fragen mit besonderem Eifer, und zwar znineist entstellt, behandelt und jede Ge legcnhcit benützt, um auS denselben neue Waffen gegen die verhaßten TcutschViberalen zu schinicdcn. Tic Thätigkcit der liberale.» Partei ivird als eine dem volkswirthschafklichen Fortschritte geradezu ab träglichc hingcslcllt. Der l^ewerbetreibeiide findet bei seiner angcstrcngteir Arbeit nicht die Muße, niu der Wahrheit der antisemitischen ^eela malioneii »achzuforschen, und nimmt Täuschung für baarc Münze." ^Wohlvcrdiriltc Glirilllg.) Dem Gründer des intcreonscssionellen ätranlenhauscs in Tesche», dein Rcichsraths- und Vaiidtagsabgeordncten Snpcrintcndcntc» Tr. Theodor Haasc, wurde am Jahrestage der Eröffnung dieses .Krankenhauses (Mitte Juni >. I >, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Tesche» verliehen. lAlIkiscinitischc Grccsst.s Im Araber Eomilat kam cs in den lctztciz, Tagen zu nzrhrfachcn Erccsscn gegen jüdische Pächter, die vielleicht auf eine planuiäßigc Hetze zurückzustthrcn sind Im Panlis- Bara^zkacrb Steinbruchc, wo uieisteniheils italienische Arbeiter bc' schästigt sind, gab cs einen Ansrnhr. Die von zwei Agitatoren' Dominik Bado nnd Stephan Pclrovies, . ausgcstachelten Arbeiter bcstünnlcn nämlich den jüdischen Pächter des Steinbruches, Dpt per, und drohteii, ihn nniznbringc», falls er ihre Vöhne nicht erhöhe. Während aber Li: Arbeiter über das Schicksal Spitzer'» beriethen, gelang cs diesem, zn entkommen und zur GendarmcriL zu. flüchten, welche die obcrivühntcn zwei A,,itatorcn verhaftete, Gegen die übrigen Arbeiter wurde die Anzeige erstattet. Er» Arbeiter, welcher an der- Aclion nicht theilnehinc-u wollte, wurde mit. Erschlagen bedroht. In Szabadhclh lehnten sich die Bauern gegen den jüdischen Rcgalpächlcr Hermann Schlesinger aus. Die Bauern, welche mit Schaufeln nnd Sicheln bewaffnet waren, drangen unter Führung G>,orgyc und Baßilic Baßi's in das Hans Schlesingers ein,! zcrlrüninrcrtcn Alles und bedrohten Schlesinger mit dem Tode, 'wenn 1 er ihnen die bei ihm verpfändeten Gegenstände nick>t aussolgt. Ein der» bedrängten Rcgalpächtcr beigespruggener Polizist wurde ebenfalls angegriffen, und die Situativ» wurde immer kritischer, als schließlich eine größere Abtheilnng Gendarmerie erschien, die Menge auseinandersprcngte und die Rädelsführer verhaftete. In Ungarn ist -eben die Behörde schneidig und rasch zur Hand, um jede antisemitische Bewegung, als den, Gesetze zuwidcrlanfend, schon im sicime zn ersticken. l Die „rcinrn" Riitiscinitcil im dculfchc» Jkcichstagc.» Es wurden gewählt: l. In der .Hauptwahl: l. Ahlwardt (Arnswaldc), '1 Vieber ina n u v. S on ne» berg (Fritzlars, U. Gräfc lBautzcn) : II. in der Stichwahl: -l. Böckcl Marburgs, n. W c r n e r (Hof geisinar , <>. W e r » c r - Hersscld), 7. Ven ß >,Eichwcgc , di. Zi nimmer mann -Alsfeld), i>.'.kköli lcr FGießen», I>>. Hirsche! (Bensheim), II. Zimmer mann Dresden Altstadt , 12. Rlcinin (Trcödcn- 'Renstadt.!-'>. Vicbor -Meißen-, 14. Hänichen «.Tharandt i, l.">. V ü tz e - Pirna), 1 < >. A l> Iwardt t Ren Stettin i. Die „reinen" Äutiseinilen habe» mithin ihre bisherigen >> Wahlkreise (Arnswaldc, -Fritzlar, Marburg, Hofgeismar, Gießen, Alsfeld) behauptet und IN Wahltre se, darunter! >> in Sachsen, gewonnen. Doppelt gewählt sind Ahlwardt, Werner und Zimmerniann.'Rach einer Berliner Bceldung haben die „reinen" Antisemiten gleickp nach der ersten ReichstagSsitznng sich unter dem Boisitzc Böckcl's eonskituilt und den Rainen „Dcutschc Rcforinpartei" angisnommen. Bei der Wahl.des Präsidiums in, Reichstage machte Einereinen tranrigen Scherz: als der Präsident und die beiden Bicepräsidenten gewählt winden, gab er jedesmal. Ahlwardt seine Stimme. iAiis dci» prtußifchcu Abgclirdilckrulianfc. In der SipuKg des plcnßischcn Abgeordnetenhauses vom 4. Juli ertlärlc der Frei eonscrvalivc Schultz V N p i tz gegenüber-Herrn-v. Vo>", -welcher die Bestrebnng'en des „Bundes der Vandwicthe" vertreten halte: R»r Arbeit und sicirntnisse würden der Vaudwirthichafl anshelscn Man mache sich die Sache vielfach leicht, indem man lediglich gegen die Inden Hetze und sage:! die Inden sind schuld. Jetzt heiße"bs abe> schon: die Jnnkcv »»dt die Inden. Anspielung ans-eine Aeußernng Ahlwardt's in einem, „cnsenen Worte" an seine Wähler in Arnswalde Fricdebcrg.) Auch cr.sea ein Bauer wie Herr v. Vo>- nnd .kbirne sage», den Bauern in der Alfinark gehe cs nick>t zn schlecht. 'Die-Tivoli Antisemiten waren über idiese ci-rl-.n v.-ritaf+s höchlich entrüstet/ >?ic Frtimniircrri iu Preuße».) Tie „.Bossische Zeitung" widmet der Frciinanrcrai in Preuße» einen cingehcndcn Artikel, in welchem sie schreibt: „Der Gehdiine Regierungsrath Prosesickr Dr. S c l lb g a n hat sich das Berdicnst erworben, das Privilegium derj drei alipreiißischeir Großlvgcn dnrchlnvchen zn haben Er lsat sich zn i gleich bemüht, in der neuen von ihm begründete» Großlogc .Raiscr! Friedrich zur Bnndeslrcne' eine» Boden zu schassen, in dein die frei , inaurerijchcn Gedanken sich freier entfallen tönncn, als cs inden vcr kuöchertcn altprcußischen Vogen möglich war." Rachdcm das Blatt die Hauptgedanken der Freiifiälirerci erörtert, fährt cs fort: „Die Frei maurer, wenigstens die wahren, meinen, daß die gegenseitige Fördcrnng in weltlichen Dingen nur die Hülle höherer Gedanken nnd Wahr heilen sei. Schon- Vessing hat in seinen Gesprächen tür Freimaurei diesen höhere» Wahrheiten Ausdruck gegeben. .Es wäre recht sehr zn wünschen,- daß cs iu jedem Staate Männer geben möchte, die »ich! glaubte», daß Alles »olhwendig gut und wahr sei» müsse, was sie für gut und wahr erkennen. :>ceck>t sehr yn wünschen, daß es in jedem Staate Männer gebe» möchte, die über die Borunheile der Bölte» schast chinweg wären nnd gciian wüßten, wo Patzriolisnins Tugend zn sein apshörl. Recht sehr -gi ivünschen, daß es in jede,» Staate Männer geben möchte, welche bürgerliche Hoheit nickst blendet nnd bürgerliche- Gcringsügigkeit nicht ekclt, in deren l^esellichast der Hohe lieh gern herabläßt nnd der Geringe sich dreist erhebt. Und aiich heute noch wird man beistimlnen missscn: Pc echt sehr zu wünschen!' Tie Dnld

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