Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1893-07-09 · 66 (9.7.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
66 (9.7.1893)
Date
1893-07-09
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
80% known words query
IRI
…/4886575-5439157-5441426--0684-4887193
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4. Fr.;,,,Blatt. Nr. 66. darin überein, daß der Judenhaß eine Form des ProteelioniSmus sei. Was die besondere Eignung der Juden für den Handel betreffe, so darf nicht überiehen werden, daß der Jude ein künstliches Product der t'V'iet-e fei und daß die Freiheit und Gleichheit ihre tiivellirende Wirkung iinf ihn nicht verfehlen werden. Professor W o r in S schickt voraus, daß er Jude fei. Leine Elanbensgenosien ivjrkeir nicht allein auf dein Gebiete des Handels, ne widineu sich auch "der Philosophie, der Jurisprudenz, der Medici», der Viieralnr und der Sinnst. WonnS glaubt, daß der Judenhaß sich gegen die jüdische Philosophie richte, welche so hoch und so weil sei, und welche jegliche Tnrannei und alle Bornrtheile so entschieden betäuipfe. Pie Juden sind die Lündenböcke des Fortschrittes, und dieses Bewnßliein mag sie wohl hinwegtrösten über alle Feindseligkeiten, denen >ie a»Sges.pr sind Ter Porfiyende.de Molinari schließt die Debatte mit der Be uierku'tig, es treue ihn, in dieser Gesellschaft, die den liberalen lieber» liefern ngen treu anhangt, so energische Proteste gegen eine Bewegung gehört;u haben, - die auch in seinen Augen nur eine der schliinmste» Forineu des Proteetiouisinns. ist. ltuicrblicbciic Wohlkhäkiilkciköfcskt. | Per Ltadlralh der Haupt- N::d üie'-.deilistadl Wien überließ, wie inanniglich bekannt, dein Anti 'eniit.'nvereilie ,.E h.r i st I i ch e Familie", welcher die Boyeoitirung indischer üvidüiftülemc betreibt, die Polkshalle, das Bestihule und den Play rar dein Üiaibhanie tnm Zwecke der Peranstaltnng von Wohl ilnitigl.itsse'ten ain d!'J. Juni und 2 Juli. Man ließ aber diese beiden Page verstreichen, ohne daß diese Feste abgehalten worden wären. Man In.it es nicht einmal der Mühe werih, eine Anzeige in einem der Hetzblätter scheinen lauen, ive.che das llnterbleiben der angekündigten Wohl tl:ii!uU.;:eT'c'tc irgcndirie;u beschönigen gesucht hätte. Ein über dieses 'onderbaie Berfahren entrüsteter Wiener Bürger schreibt, uns: „WaS '.'ll das bedeuten'/ Wollicn Vatschka und Eoniorten bloß den Liadl ia:l> einer Art anti'einüischer Belastungsprobe nnlerzielien und nur zur .. P.-ä'rnnng des Prineips" einen ihnen genehmen Beschluß herbei inbien? Tder scheiterte das Project daran, daß sich für die Hertichinng der ieierruteil A'gnmlichkeiten;» Festzivecken' Line so opferwillige» Bürger fanden, wie diejenigen, welche dies - bei Festen des „Tenifchen Lchulvereiues" besorgen, und fürchtete» die aiiiis.uistiichen Projeete micher, daß sie nicht ans ihre .(tosten kommen werden? Lei dein, wie il.ni »volle, dein Publicum gegen über verfuhr die Pereinsleitnng der „Ehriftlichen Familie" rücksichtslos, aber sie leimt ihre Vcute und kann ihnen. Alles bieten." Wir ließen an wohlunterrichteter Lteile Er liiiidignngen eiiiziebeii, und das Ergebniß derselben lind folgende Miltbeitilugen: *;'ti' de. iiattrath UI.seiner Coiiiüoe»; den diir.li seine Fraaeiive,- l emuigsrerhiUiinlniiaeii .ii! weiteren .»ieeiie» b. kauut geivordeuen Perei» „ob,in!ieie Faninie" 'e weit 'ging. Lern Aiisncken desselben um lleberlassniig des •i..tfct.i: Vi.tr li .nü.'.üliug. von Feilen am ü!>. Juni und öuli tos gante „»iduifllitc" 'iieieit >ib r fielen Triiiiilph s, :ras de» R»'. ,.Xau>t nur bei Jliiisien!" ertebi, s dies:! gieße» E-'oig. Tas aaiaugs >'o inäckitig au'.oalleude Jubelge'-lirei iaiini.ie aber,;e r.-.h^v e r r-.fte Feniag liutie, die beide» ,^i»üg dnisl-! " '-V.'oiiit.iiu liit-rie» »i.tt nielie. die Reciamenoinmel, und am ü!i Juni, e.n.n: Fesuage, ,var an» dem üi.ul>h.inSp!aI>e über allen PTpül» Auh'. Ab ürbr ei» Eiii'rauner in kth>ä>'rigem Temvo über de» Platz, hie und da ..v ii;: ,v. » .u:e,er. i» das lodte Pien,l, aber die „Cliriiilicke Familie" »retten Fenrage irar dasselbe Lchauipiel;» beobachlen. Lisas E'uige Mtlglieke.- des sonst ko rührigen Bereine» wolUen '.'U,s- Ii.'.'r Tage kam die Auikrärung Lchuid da-aii, daß die Feste .:b*; v. .de» tonnlen, waren w.eder einmal die „böten Juden", t •. ' te .ui-. Papti.-.l in Hände» haben Ter armen „Christlichen Fainiiie" v i.i-tt . ''»ai.Satbeiieii geneigte EewerbyreibeuSe zur Verfügung, riet «Seid bei den „unübersehbare» Heerschaareu" um den tlkaihl anSvlalz. »ach d?m Muster der Feste .mes" in liuen Festvlatz ^»»iziuvandelu Ihre fürft P , 'ainnilvitgSiedner iheileu entweder die (Keidnoih, -ch '-' b.-l'iu:-. re. r'eeS war ihnen . vielleicht leid mn eine nach •!»<:f.i'enne'Ausia,-- Isjie dem auch fei, Thaiiackie ist, die -- „gintv. : » Fat:-»-,-" au» kein :>iiidba»srlaize et blickten nicht das P-''lt - > ' rnr Au'tiüruns Alle:, denen eice Fiste in ihrem Per :i i.g'vd i-'.tetn runde abgegangen sei» iollirn. N «Grüschs Dct Alllistllllt. Bo» berveutibetei Hand erhallen wir gdr M:ttl:.:iu>-g: ..Bor etwa zwei und einem'halben Monate saß im Eas>- Silinger -in der Burggasse und las ae-.r »» » V. :.i; .'iachminags meine Zeimtigen. Ta setzte sich zu mir cin junger Mann, der sich als Buchhalter Groschl vorstellte und mir vom Nutzen des AtitisciiiitismuS zu schwätzen anfing und daS Bergani'sche sogenaiinlc „Teutsche BotkSblatt" als die Perle unter alle» Jouriiplett anpricS. Mir wurde der dreiste Mensch lästig, und ärgerlich erwiderte ich ihm: .Auch ich habe mit Antisemiten Ersahrunge» gemacht. Unter ihnen bcfiitbett sich die meisten GesetzeSverüchter. Tcr Unterschied zwischen denselben besteht nur darin, daß der Eine schon gesessen ist und der Andere noch nicht sitzt, tnS Eriminal komue» aber Alle.' Dabei blickte ich den Buch- Halter Groschl recht zornerfüllt an. Er saß einen Augenblick wie verstört da, erhob sich wortlos und ging zu den Billardspielern hin. Bald daraus entfernte er sich und betrat nicht mehr daS Katseehaus. Er begegnete mir seitdem säst täglich Abends, da wir in derselben Gaste wohnten, und jedeSmat wandte cr sich ostentativ von mir ab." fiL'Crfradrt.) Ter Reisi-schriftsteller Al. Borges hat sich dem Polizeicommistariate Bandstraße'gestellt und hier angegeben, er sei aller Mittel entblößt und bitte, man möge ihn verhaften, weil er beiläufig 4 00 fl. schuldig sei, keine Deckung dafür besitze und sich bewußt fühle, das Berbrechen der leichtsinnigen Erida begangen zu haben. Barges mußte verhaftet und dem IfandeSgerichte eingeliesert werden. Er ist ein Mann von 01 Jahren. Im Jahre 1 Hi* 1 war er noch ein mit Wartegebühr 'beurlaubter Lssicier deS JiisanterieregimentS Nr. Ü0. Leither trat er in den Nuhestattd. Im vorigen Jahre ßad er ein ^<>0 -Leiten stapkeS Büchtein: „Ein Ritt durch Indien" mit dem Porträt des BerfasierS int -Letbstverläge heraus.' DaS Buch' enthielt einen Appell an die allgemeine Wohlthütigkeit guter Menschen. Es sollte sickt mit dem Ertrage der Lchristum Befreiung der von den . Mahdisten gesatigenen Europäer handeln. Es liefen auch zahlreiche Beitrüge ein, deren Berzeichniß BargeS später veröffentlichte. Barges trat wirklich die Befreinugserpedition an, kant aber mir bis Masiauah, wo die italienischen Eolonialbehörden ihn aber zu seiner -Licherheit und gerade im Interesse der (befangenen nicht weiter, ließen Mit aussal lenden Placalen und Profpeeten trat' BargeS dann wieder alS Heraus geber eines Blattes unter dem Titel „Ter elf oh rs patz" vor die Teitentlichteit. In diesem Blatt veisnchte es BargeS mit dem letzten Nettuiigsiiiitiel aller vettrachtenEristenzen, mit dein A n t isein il ism»s. Ter „Nohrfpay" sollte den Antisemitismus in witzig sein sollender Form. fördern und dem „Herausgeber" besonders die Protection, des „ Ä'nttidfrii Boltsblaites" verschaffen. -Lo sehr sich aber auch Barges für denedle» llrgermanen ans Lolee eingesetzt,, so hat eS ihm doch nichts in der Ze t der Silemme genützt: denn Bergaui, die zanber gewaltige Erscheinung, ergreift mit Behagen den Anlaß der Lelbst stellung deö Barges, um ihui einige Fußtritte zu applieire». ^Tas gibt zu degken!"-- vflegt die zaubergewaltige Erschcinnng jedesmal aus ziirnfen, fo oft es ihr gelingt, irgend eine neue Leistung auf dem Gc - biete der Eharakterfestigkeit zu produciren. (Züdischrr Wohltliüligkritssiilil »uv arische?a»kbarkcit.)-Ans Nenbidfchow ivird nn-s geschrieben: Mil sehr erheblichen .(loste» Hai der <>(.-oßindn:riellc Herr Jonas Bergmann vor zwei Jahrcu ein äJai'enhanS erbaut, welches nicht nur etiie Zierde der Ltadt bildet, sondern auch den armen BJaisenkindern ein gastliches Heim bietet. Herr Bergitian», ein Jude,-hat dieses BJaifenhaus der Geuirinde Ncubidschoiv znm (isefchenke gemacht, ohne int Ltistdbriefe ausdrücklich festLilfetzen, daß auch nichikatholifche .(linder Aufnahme, in dasselbe zu finden haben Er wollte anch iiicht den leisesten Lchein erwecken, als ob das „anrüchige jüdische - <^roßcapilal" consessionrUe Beschränlnngen oder Bedingungen mache. Tiefer Art der Humanität wird in jüngster Zeit von der jnngifchechischen Bevölkerung, welche sich fo gerne freisinnig ltefinl, schlecht gelohnt. Man höre! Ein Tamencoinitö.— die „reinliche" , Lcheidniig macht vor dem schöneren Geschlechte nicht. Halt — ver anstaliet ein B.-ohtlhütigkeitssesi, verbunden .mit cincr-'GlückSlottcric. llin dir nöthige Zahl von (.((ewiiinstobjccicn znsaiumenzubringen, »nt Nippes »nd anderen Tand für ihren Zweck zu sammeln, gehen diese Tarnen von HauS zu Hans, (((leichwie der Würgengel zur Zeit der egiiplischen Plage die Häuser der Juden mit seinem Todesgruß verschonte, fo meiden auch die zarten Tarnen jedes Hans und jede Wohnung, ivo die „vom Ltamme Inda" hausen. DaS „non »>>-t" B.'spanans scheint anch das Vcitmotiu des liberalen JiiiiglschechenlhnmS geworden zu fein, ivelches im Wiener Parlamente mit den Herren vom antiseinilischen Berge lotetlirt und anch im getvöhnlichen, fpießbürget lichen Berkehre jndenseindlich ist, nichtsdestoweniger aber jüdisches 0(eld nicht verschmäht, wenn Ebbe in den arischen Easien herrscht. Daß der hier geübte Borgang, die jüdischen Familien nicht um freiwillige Bei trüge anzugehen, nur den Zweck hat, die Inden vor den .Stopf zu stoßen, damil sie nicht am Tage des Festes etwa sich erkühne», durch ihre Gegenwart die arische Harmonie;« stören, unterliegt wohl keinem Lo die Tauten aus den „besten Häusern" NeubidschowS!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.