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Freies Blatt · 1893-07-09 · 66 (9.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
66 (9.7.1893)
Date
1893-07-09
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Freier Blatt. . Nr. 66. Seite 2. ü'fnn Schlesinger nämlich bcu ergötzlichen Einfall, die S.nintesscnz der Dalwin'chcn Vcfirc alb „ccf»t jüdische" Erfindung hinznstcllcn. Wir erlauben uns, den Herrn Ptofcssor auf diesen kleinen „Jrrthnm" aninieik'ain zu machen und zu betonen, daß cs doch über den Spaß gebt. Darwin für einen Juden;ii hallen. Darauf antwortet uns in \Kv. l*ih'- des .. deutschen PolkSblattcs" der Professor einer cxaeten Wissen'cha'l wie folgt: „Charles Darwin für einen Juden zu halten, ginge über den Svaß, daß (--io!) gebe ich dcui .Drganc zur Abwchr des Auliscuiiiisnins zu: aber Darwin hak ja den Kampf umS Daicin beeil nur kür die lbicrnchen Da'einSformcn gelehrt, nicht aber, daß vernnn'ligc Men'chcn diesen Kamps auch zu kämpfen haben u. s. w," Äber Herr Protenor, ist daS Jlir Ernst? Wenn ja, dann siyd wir irirtlich in beillo'er Berlcgenhcn, was ivir Jlincn antworten solle». Die streiten Ebarles Darwin nämlich nicht mehr und nicht weniger als ras Ilm und Auf seiner Nainrauffassung, die strenge Einheit- :->l>!eit ab. Darüber, was Darwin principielt gelehrt bat und was nullt, kann es da eil cben'owenig einen Streit gebe» wie über die Gl.-ickung - , - -- -k Allein es kann unmöglich liniere Ausgabe lein an kieier Stelle 'o eniviindliche Bersäuninine Ihrer Bildung nackzuheleu. Bielleichr, Herr Professor, suchen Sie sich bei einem Jhrrr '.Hörer über das, was Darwin lclwk, zu informiren, und sollte auch er :c!>r r:;;ai:diut -ein,' dann: Herr Professor, lassen Sic den Jüngling;•:.!= El amen fallen, den n er ist entschieden unfähig! Al :: ge-etzk-, Herr Prosenor — gesetzt, nicht zugegeben! — Darwin hätte ' .ei n i’;.tu _Thl'. s.-. iit ,.s ni.-n - geschrieben^ nichr diesen Schlußstein in den Ban seiner '.'eine gefügt — wer bat cs denn gckbau? '.Knn ja, das mm! Sie jaeben in Ihrer Erwiderung ganz klar.' -,, Die .Reue »vmc B-. und die Inden!" In der Dbak. die „Reue Freie Presse" sind. iU‘. Jad.n ’cLiren Jline», Herr Prosenor, eine Dankadr-esse senden für die .l-.enrolle Bieiunng, die Sie, eine-anerkannte wissenschastlichc Eapa ran ilmen liegen. Leas 'reitich die Herren Hacckel,. Büchner, /Beat, Ea-.as Sterne, Earncri, Spencer — lauter Juden — dazu v.;;: n i den, n-n'en irir noch nicht Und Sie, Herr Professor, kennen '.'ranien vermnilUich gar nicht. Sdcr doch? Den Einen oder den Anc-.ren? Bielleie!.r Hacckel? Ja, gewiß, Herr Professor, Sic waren a im letzten Herbste erst mit ihm beisammen, wenn ich recht uulerrichtcl b:n, in Altenbnrg, beim IJjährigcn Jubiläum der Naturforschcnden n-ckast des Ssierlantcs, und damals 'vielte sich eine kleine Episode ab, die Jl.neii ins (''-.däckilniß znrüllznrn'en hier wohl der Mühe;; t r . Tantal* ai>o hieltest, Sie, Herr Professor Schlesinger auS Baien, -ei:'.-:: Bo:trag über „narnrwtfsenschatTliche (Glaubenssätze", worunter S'-e :.:vine „veiininslige Hnpolhefen" verstanden, die zwar nickst sicher l e-.rsend, aber „zur' Erklärung der Erscheinungen vcrwcriher iv r n 'ur'en, fo'Vni >ie der vernünnigen cktatukerkennlniß nicht wider- .! .:" Sind wir gut informirl, Herr Professor, und dürfen wir '.m eil? Als solche „vernünftige Hppoihesen von sundanientaldr B.d.-ur.nigbezeichneren Sie also u. A. „den (Stauben an die Einheit d-r Mat rie, die Znsanimcusetziiug der Eleniente aus llratoincn '.ini.lls halken Sic al'o noch nicht Ihr berühmtes Memorandum an d e Akademie d-.r Winen'ckasten geschrieben), ferner den <S landen an die Urreugniig cki-tu i«und de» ('Glauben an .- i p r i n : i r,i e l! e Einheit aller ')i a kure r s ch c i n li n g e n." und narr vor Etstanneu. Herr Professor, doch eS kommt noch ...ge.. Nack Ihrer Rede «hob steh Professor Hacckel— Sie wissen, ' Jude Hackel, der den Kamps nmS Dasein als auck für die :'.K ■. 'cken geltend hingen-ellr bar und sagte wörtlich an Ihre Worte . Vt: -..ne mich, in rieten wichtigen Punkten mit ihm (d h. mit -?... Schlesinger . ZN harmonircn, während ick in anderen -B!!!»''<.- nH-.e Bedenken äußern' und abweichende Ansichten zur .;rr:.: -.neckte. Zunächst st i in m c ich vollkommen Mit n ' : . n : u d e r e i n h e i k l i ch e u A n ff a ' s n n g de r ('' c- - .-n r n a t:::. r. aeb-' wir mit einem Worte als Monismus - bc- :. m en!!.! -.., dVN»g 'rücken wir damit unsere Ueberzcngung aus, ' - . -'Hin in aelen Dingen lebt, und daß die ganze : ■ I W.; r nach eine nt g ein e in s a m en <''rn ndgcse tzc . :'t : 1-1 n n d »i e!. e a t ir i ck -e. I Insbesondere betonen wir dabei die -tzluck-. Einl it der anorganischen und organischen Natur, von -v -.i c: i.^eve re-.h tllnißmäßig spät ans der enteren sich entl-ai Ebensowenig als eine scharfe (Grenze zwischen diesen Haupkg.bieten cer -.'ialur zu zieheü ist, ebensowenigkönnen wir auck einen absoluten diinerschied zwisckciC Pflanzenreick und Dhicv reicki anerkennen, ebenso auch nicht zwischen T Hierwelt Bk en sch e u me l r. Dementsprechend betrachten wir auch die in:.- m-.nschl.iche B-issenschafl als ein einheitliches Erkenntnißgcbäudc." Alle--- - dies sagte aber Hgeckel im vollen Einverständnisse mit ^>en kur; vorher dargelegtcn Anschauungen Schlesinger'S. Und nun, Herr Professor, »vas sagen Sie zu diesem Sccnenwcchscl? „Ist das nicht echt jüdisch", Sie derartig an einige schon im TTctober dcS vorigen JahrcS gesprochene Worte zu erinnern? „Ist das nicht echt jüdisch". Ihnen so getvissermaßen zu fühlen zu geben, daß Sic entweder feit vorigem Sctober Ihre wissenschaftlichen Anschauungen gründlich geändert oder alles bis dorthin Gelernte vergessen, oder endlich — das ist die dritte Möglichkeit — daß Sie absichtlich die Wahrheit entstellt und Ihren eigenen Anschauniigc» ividcrsprochcn haben, nur um den „Juden" eins aufs Zeug zu flicken? Können Sic uns noch eine andere Möglichkeit nennen? Nu», cs müßte vielleicht die sein, daß Sie das „Deutsche BolkSblatt" mit feiner rührenden Unwissenheit ab sichtlich a»fS Eis führen und vor allen Gebildeten compromittircn wollte». Nun, wir find sehr begierig, für welche Möglichkeit Sic sich entscheiden, Herr Professor. Vale et me ames! E r n ft B i c l o r Z c u k c r. (Line englische L'tiln.ne. Herr Sidney Whitma»") hak sich in kurzer Acit ein ziemliches Ansehen als Bcurthcilcr deutscher nud österreichischer ..^»stünde erworben. Ein Engländer, der, wenn er nicht Diplomat ist, fremde Berhültuissc sich auch »tuzä verstehen bemüht, galt und gilt für eins nngcwöhnliche Erscheinung: man fand sie in Whitman, bewunderte die Klarheit seiner Auffassung wie seiner Darstellung auch so verwickelter Bcrhältnisse, wie cs etwa die unserer Hciinat sind. Nun hat er ein fliegendes Heftchen über die „Jndcnfragc" ansgchcn lassen: cs wird viel gelesen- und beachtet und wird ohne allen Zweifel gegen den Wille» des Berfassers eine neue Nüstkammer für giftige Angriffe werden. Denn Whitman bemüht sich, objcctiv zu sein: daS aber geht in einer sirage nicht gut, die füt eine historische Betrachtung noch lange nicht reif ist, die in J-ür und Wider die Geister entzündet nud scheidet. Niemand vermag Werdendes unbefangen zu bcurthcilcn: nur dem Abgeschlossenen gegenüber ist der'historische Standpunkt möglich. Sonst gilt das Wort vom höchsten Recht, welches das höchste Unrecht ist. - Herr Sidney Whitman sicht den AnliscmitiSmiis in einer Weise wachsen und groß werden, wie nurnoch den Socialismns. In C esterreich hat er »tüchtige Erfolge; in Preußen und Deutschland überhaupt hat er cincui Ahlwardt, der, nach Whitman'S Worte, gemäß seiner Bcrgangcuhcit sonst nicht ein Dtttzcnd Stimmen auf sich vereinigt hätte, ei», bei den neuen Wahleil sogar zwei Mandate für den Reichstag cingcbracht: er regt sich nach ihm mächtig in Jrank reich, gewinnt in Italien Boden und hat sogar schon in England, in der gothischcn Halle von Westminstcr Haut gegeben: aus Amerika bringt er einen bezeichnenden Jall, den ')ciemand nicht füreinen starken Beleg von roher Unduldsamkeit ansprcchcn wird. Er findet den tsirund dafür in der -geschäftlichen Ucbcrlcgenhcit der Juden, in ihrem cngcu ^usainmcnhaltc», an daS heute doch nur noch die Antisemitcu zu glauben porgeben. Jeder Kenner der Berhältnissc weiß, daß das Judenlhum heute tief gespalten und. zerklüftet ist, daß sich das (('csühl der StanimcSangehörigkeit in ihm längst gelockert hat. Ein Beweis dafür ist jener Dr. Leopold Caro, den er mit Borlicbe anführt, und Dr. Caro ist nicht etwa eine vereinzelte Erscheinung. Ein Bcrglcich des Judcnthums mit der Freimaurerei ist nickst wohl möglich. ylach Whitman ist das Judcnthum eine starke rnnd also eine aggressive Nation. Das wäre sehr schmeichelhaft, wenn's nur anders wahr wäre, wcnn'S nur nicht an jene feinste'Art der Rcnomniagc erinnerte, die den überwundenen (Gegner so stark und so furchtbar darstellt wie nur möglich. Denn sonst märe cs ja kein Berdienst und keine Kunst, ihn bczwyichetl zu haben. Er sicht ihre Borzügc eist, rühmt ihre geschäftliche Treue, ihr Worthaltcn — und begreift dabei und darum die russischen Judenverfolgungen' fast wie eine Art -.Kolhwchr. Er erinnert an die Chinesen 'Nordamerikas. Das soll denn doch nicht ganz nuger-ügt bleiben. Denn hier ist einmal ein wirklicher Raccminterschied, ein völlig verschiedenes Glaubensbekcnntniß. Eder könnte man im Ernste eine Parallele zwischen dem reinen Akaterialismus der Bekenner Fo'S und dem strengen Monotheismus derer, die zum Ewig-Einzigen beten, zwischen der Mutterrcligion aller Weltreligionen und dcui wunderlichen Götzendienst der Chinesen ziehen? zKic und nirgends hat sich der Chinese noch cingewöhnt; was er in der Fremde cnvirbt, das soll nur der Heimat zugute kommen. Er *) Sidney Whitman: „Die amisemiiische Bewegung". Aus dein Englischen übersetzt von D. Th. Alerander, Berlin, Earl Ulrich L Co., 189h.

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