Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 66 (9.7.1893)
- Date
- 1893-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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AtonuementSpreiS: (Dri\tlU jtlV 2lbll>d}r bi'S 2luti)Vl1litisilUl5. 'JJtHattiWLUuH'JlSmiuiflraiioit: Ganzjährig mit Postzus^ndung . . fl. L.LO. «>- Halbjährig fl. l.SW». Bierteljährig fl. —.65 Freies Watt Einzelne Nummern l kr. 4 Erscheint au jedem Sonntägr. I. SeifcrftÄlU 10. Plummer (i(i. Wie», 9. Juli 1893. II. Ialstgnng. Mit der heutige» Nnniincr erhalte» mifere Vefer die achte Fortsetzung des Werkes: Die Jiidrii >»>d bei' Äiitiskiiiitismiis, 3fvacl‘ ititfcv öen ‘Slatiom’it von ilualofo Leron-Aeautieu i»om fi-iui^öfirdu’it puftilut. 'Jicii ciutrtteiide '.'Uiomititirii erhalten ans Brrlnngcu die bereits erschienenen Fortsetzungeii nachgclirfcrt. ' Lächerliche Ix'roftratc. (Zuschrift eine« rMiStagSabgeordueleu ) Die deutsch böhmische Antisemilerei oder, wie sie sich nicht ohne dir kühnste Usurpation zu iicnncn beliebt, die „dcntsch-ualionale Partei" in Böhmen organisirt sich. Die wenigen Herren, die im Rahmen der bisherigen deutschen Parteiorganisation nicht die ihrer Sclbstschätzung und Selbstüberschätzung entsprechende Rolle spiele» könne», sic könnten sich auch an einem Sperre ralliircn, den» ihre ^«1)1 erreicht nicht einmal die numerische Stärke der „sichen Schwaben", naher Geistesverwandter. Index, sie wollen sich auch organisiren, und man kann ihnen füglich das Bergungen lassen, da cS dem Deutschthum in Böhmen kaum gefährlich werden dürste. Es gibt lächerliche Herostrale, die ohne jeden anderen Zweck, als um von sich reden;u machen, Alles in Brand setzen möchten, was groß und edel ist. An bösem Willen fehlt cs derlei Leuten meist nicht, wohl aber zum Glück an Fähigkeiten und Macht, und so kommt cS, daß sie außer der moralischen Berdamniung zugleich auch de» Fluch der Lächerlichkeit auf sich lade». Diesen Eindruck verfehlt auch daö „Programm" nicht, mit welchem sich die fünf deutsch-böhmischen Sceessionisten lärmend ankündigen. Was daö Programm in nationaler Beziehung fordert, ist eine direkte Entlehnung dessen, waö daS Programm der vielvcrlästerten „Easinotcn" ausmacht, und was hier in politischer und wirthschaftlichcr Beziehung postnlirt wird, ist in alle». Wesentlichen-nichts Anderes, als was der Liberalismus in Oester- ' reich zu allen Zeiten gefordert und vertretet/hat. Soweit also bietet das „Programm" nichts Neues, und man könnte sich wunder», wie die „nationale" Pentade eine solche Abschreibearbcit für den richtigen Keil Hallen kann, mit dem die Einheit der deutschen Partei in Böhmen zu zersprengen wäre. Bon einer Partei, die sich gerne für die deutsche Uebersetzung der radikalen Iunglschcchen ausgibt, hätte man doch logischermaßen wenigstens eine wesentlich schärfere Betonung eben diozes nationalen SlandpunlieS. erwarten sollen, ja von dieser Seile hätte uns ein anlisrmilisches Uumr sälschtciithum zum mindesten nicht überrascht. Statt dessen begnngi sich das „Programm", in Punkt IN „gesetzliche Einschränkung des jüdischen Einflusses in wirthschaftlichcr Hinsicht" zu fordern. Es ist also weder dernationale noch der devitale Anliicini tismuS, der in Reichenbcrg wächst, er will weder eine Beschränkung der Glaubensfreiheit, noch Ansnahmügesetze für die „fremde Roee" oder 'Austreibung derselben, er fordert nicht einmal den- Boncolt, der. nicht gesetzlich ist. Der Reichenbcruer .Antisemitismus schlägt nicht' Ratan und macht nicht in Rilualniördwaare, erfordert nur in lapidaren Worten „gesetzliche Einschränkung des jüdischen Einflusses in wirthschaftlichcr Hinsicht". Es muß natürlich den fünf Schwabenaus Böhmen überlassen bleiben, zu bestimmen, wie diese „gesetzliche Einschränkung" beschaffen sei» n-U, -Jui ja au-1« bei einer rein tvirlhschastlichc» Maßregel, wie die geforderte, eine scharfe Abgrenzung > der Inden und Richijudcn vom e.onsessionelle» oder ethnischen Snsndpunkte die unerläßliche Boratissctzung wäre. Die Spießgesellen de/ Herrn Prade werden sich also heute oder morgen entweder f ir den Racen oder .christlichen Antisemitismus entscheiden oder ihre» rein« wirihschaftliche» Antisemitismus als undurchführbar fall rn lassen müssen. ■ * So kläglich, ist eS also auch um diesen Herzpnntl des ganzen „Programmcs" bcfelli, daß wir ganz unwilltürlich auf den Ber dacht komme», der ganze Passus sei dem Abschriflstncke nur ,de/ halb cingesügt wo>den. um den Abfall von der geinetiistrinen ^rganisälion.nach rußen hin zu rechtfertigen. Dreier Abfall war die Hauptsache, das eigentliche Programm der Herren Prade, Tchücker st Eo., welche es' offenbar nicht länger in der Sl llnng von bloßen Subalrcrnofsieiercn anshallen »ivchi.u. a^: AnlijemitisniuS abe diese Herren/ wenn iliren clr glauPeu wir, affen gestanden, lii.iu. Daß es sich händclle, einen Grund des.Zwiespalts vom Zaune zu brechen, gerade die hlipokrilijche Plira-e von der wilthschaftliche» Einschränkung des Iudeiilhums wählen, ist eben syn'ploinalisch für die Herren wie für de» Aiuiseiziuisnius selbst. BieleS Nachdenken shll tiopsschmerzen machen, und so ballen den» diese lächeelichcn Hejevslrale einfach jene Worte nach, d.e heule jeder politische -tairncgicßcr zu jeder Stunde, bereit hat. Und. gibt eS für die Bemäntelnng jeglichen Slrebcrlhiitns ein ervrebteres Mittel als de» Anliseniitiömüs 2lber Herr Piofejfor! Der o. ö. Profcsiob an der Hochschule' für Bbdcncultur und Reichs ralhöabgcordnctc Herr Josef Schlesinger hat ünS wieder einen tl-nt.» Spaß bereitet. Er ist eiji migeheuer huniorvoller Pi au», denn als' t.strtlche Scherze lnüsicn wir feine Einfälle anscl>en. ivenn wir >ie incln iür Ausgeburten haarsträlkbcnder Unwisienheil oder bewußter Eeuoietiau-t halten wollen, wovor hns Gott behüte. Bor einiger Zeit lra.tte Per