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Freies Blatt · 1893-07-02 · 65 (2.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
65 (2.7.1893)
Date
1893-07-02
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Freies Blatt. Seite 6. sondern kam in die Hände des angeblichen Absenders zurück. Als wirklicher Absender wurde der Antisemit Sattler Nothhaupt in Walldorf ermittelt, gegen den Strafantrag gestellt wurde. l£r wurde vom hiesigen Schöffengericht zu drei Monaten Gcfängniß vcrnrthcilt. Ein Glück für ihn, daß die Annonce nicht veröffentlicht worden ist, sonst wäre die Strafe härter ausgefallen." (Weine Antisemiten.) Aus Paris wird uns geschrieben: Die allgemeinen Neuwahlen der Gemeinden haben in ' ganz Frankreich, Paris inbegriffen, stattgefunden, ohne Anlaß -zu einer antisemitischen Agitation oder ,gar zu einem autiseinitischcn Wahlcrfolge zu geben. Man constatirt bereits . dieselbe Thatsache bei den Borbcrcitungcn zu den allgemeinen Abgeordnctcnwahlcn. Unter den schon angemcldeten Eandidatnrcn ist die dcS Herrn J riiraont in -einem angeblich reactionären Pariser Wahlbezirke die einzige antisemitische Kundgebung. Sic wird wahrscheinlich ein leeres Gerücht verbleiben. DaS Blatt des Herrn Trumont wird wenig gelesen und noch weniger gekauft, seitdcni die Industrie'der Diffamation gänzlich abgenützt ist. Trnmont und sein Blatt machen sich noch eine letzte Reclaine, wenn sie das Anwachsen der antisemitischen Bewegung in Frankreich behaupten, sie nämlich mit der socialistischcn Agitation verwechseln, von welcher der Antisemitismus perhorrcscirt wird. Der „Tcmps" hatte jüngst in einer Berliner Eorrespondcnz die Gründe mitgcthcilt, womit man in einer gebildeten deutschen Familie de» specifisch deutschen Antisemitismus nicht zu rechtfertigen, sondern zu erklären und zu dcsinircn versuchte. Unverzüglich wurden ihm von Drumont antisemitische Tendenz angelogen. Es kommen ins Publicum allerdings antisemitische Scandal macher wie der. Marquis M o r e s vor: aber sic werden jedesmal und unverzüglich mehr oder weniger übel zngcrichtct. Eine große Anzahl von junge» Männern, die »m die Aufnahme in die Militärschnlc von Saint Eyr candidirten, mar unlängst behufs der schriftliche Prüfung in der Maschinenhalle ans dem Marsfcldc versammelt. Beim Weg' gehen fanden sie am Thorc eine Gruppe verdächtigen Gesindels, das antisemitische wieder sang und den gedruckten Text derselben mit dem Ruse anbot:. „Es lebe Saint Eyr! Spuckt, die -Juden an!" Ein elegant gekleideter Herr schien sic zu dirigiren. Als die Gruppe der Anffordernng, den Platz zu räumen, nicht gehorchte, wurde dem Zudringlichsten ein Faustschlag versetzt, der ihn, die Nase verletzte und überdies seine Berhaftnng zur Folge hatte. In letzter Zeit machte sich im '.'chrsaalc keine antisemitische Opposition bemerkbar, als Herr Ehartes Moricc, der Acsthctiker der jungen symbolistischen Ntcraturschule, einen öffentlichen Bortrag über das Iudcnthum hielt, worin er dcmonsirirtc, daß schon die Thatsache, daß cS eine „Iudenfragc" gebe, und die Möglichkeit, eine solche Frage aufznwcrfcn, einen Rückschritt aus dem Wege der Eivilisation bedeute. Der französische Jude, sagte er, ist ei» Franzose: der russische Jude ist — ein Jude. 'Alphonsc dc Candollc über die Zndtll.l In seinem erschienenen Werke: „Geschichte der Wiffenschaften und der (belehrten seit zwei Jahrhunderten" äußerte sich der berühmte Botaniker Alphousc de Eandollc wie folgt: „Ich habe überall die jüdische-Bevölkerung in derselben Weise wiedergesundcn: arbeitsam, intelligent, sparsam, zuweilen bis zum Geize, aber mildthätig, wenig zn Gcwaltthätigkciten und Bcrbrechen gegen die Personen geneigt und der Trunksucht nicht ergeben. Man wirst ihr-vor, sic habe keine Würde, sei zu unterwürfig und zu schlau in Geschäften Im (Ganzen hat sic die Eigenschaften und die Fehler der hochcivilisirtcn Völker, d. h. vortreffliche Eigen - ichaftcn, erträgliche Fehler. Das -Bild, welches Europa etwa zeigen würde, wenn eS einzig von Israeliten bewohnt wäre, dürfte seltsam scheine» ES gäbe dann keine Kriege mehr; das sittliche Gefühl würde demnach nicht so häufig beleidigt, Millionen von Menschen würden nicht dc» nützlichen Arbeiten aller Art cntriffen, und die Staatsschulden und die Steuern würden geringer werden. Den bekannten Tendenzen der Israeliten zufolge würde der Enltus ° der Wiffenschaften, der ViteiiiFiu-, der Stiiiittc, besonders der Musik sehr weit getrieben werden. Industrie und Handel würden blühen. Man würde mir wenige Angtisie aus Personen sehen, und die Vergehen gegen das Eigenthum würden selten gewaltsam ausgeführt. Der Neichthum würde durch die Wirkung einer mit Sparsamkeit verbnndcncn, intelligenten und rcgelmäßigen Arbeit ungemein zunchmcn. Dieser Reichthum würde großartige Mildthätigkeil üben. Tic Geistlichkeit würde mit dem Staate gar nicht oder nur über 'Nebendinge in Conflict kommen. Möglicherweise gäbe cs manche Bestechungen und wenig Festigkeit' bei den Beamten. Die Heiraten wären frühzeitig, häufig und ziemlich allgemein in Achtung gehalten; demnach wären auch die Hebel, welche aus der Sitt'enlosigkcit hervorgehcn, selten. Dieser Umstand sowie einige gute hygienische Vorschriften würden dazu beitragen^ die Bevölkerung gesund und schön zu machen. Tie Geburten wären häufig, die mittlere Lebensdauer länger. Aus allen diesen Ursachen würde die Bevölkerung un¬ Nr. 65. gemein zunehmcn. Es wäre etwa der Zustand Chinas mit mehr Moralität, mehr Intelligenz, mehr Geschmack und ohne die scheußlichen Aufstände und Schlächtereien, die das himmlische Reich entehren. Zur Entwerfung dieser Skizze bedarf cs keines Aufwandes von Phantasie, denn sie beruht auf wohlbekannten Thatsachcn, aber ich beeile mich, hinznzufiigcn, daß eine in solcher Weise zusammengesetzte Gesellschaft nicht lebensfähig wäre. Wenn in Europa oder den benachbarten Ländern nur einige Nachkommen der alten Griechen oder Römer, der Cantabrer oder Ccltcn, der Germanen, Slavcn oder Hunnen zurückgeblieben sein sollten, so würde die ungeheure israelitische Bevölkerung, die wir annahmcn, bald unterjocht, zerstampft und beraubt sein. Je größer ihr Reichthum, desto schneller die Plünderung. Je schöner die Race, umsomehr würde man sie behandeln wie die Eircassicrinnen .und die jungen Gefangenen, die einst in Babylon weinten. Und wen» eS keine Barbaren mehr in Europa geben sollte, so würden sic übcrS Meer herübcrkommcn. Mit einem Worte, die Annahme einer, großen, sehr civilisirtcn, d. h. sehr humanen,, sehr milden, sehr intelligenten und sehr reichen Bevölkerung ohne Plünderer und Despoten, welche anS ihr 'Nutzen ziehen, läuft ebenso den Thatsachen zuwider wie die An nähme eines Contincnts, der nur von Pflanzcnfreffcrn, nicht auch von Raubthicren bewohnt wäre. Man kan» theoretisch eine höchst civilisirtc Gesellschaft construirciz, die von der Barbarei entfernt wäre, aber daS wäre kein vollkommener Zustand, denn eine solche Gesellschaft könnte sich nicht vcrthcidigcn. Wie kommt cS nun, daß diese kleinen, in der Welt zerstreute» jüdischen Gemeinden Eigenschaften und Fehler besitzen, welche einem vorgeschrittenen Zustand der Eivilisation am besten ent sprechen? Aus den gewöhnlichen Ideen der Philosophen und Gcschichts schrcibcr läßt sich diese Thatsache nicht erklären. Wenn die Religio» allein den Charakter der Jude» und Christen bcstiminte, so müßte mau gerade das Gcgcnthcil von dem sehen, waS man findet. Die Israeliten lassen sich vorzugsweise durch das Alte, die Christen durch das Neue Testament leiten. Nun müßte gerade das Alte Testament ranhe Sitten erzeugen und gcwiffc Ungerechtigkeiten entschuldigen. Esstellt Gott als einen Rächer dar, der an mehreren Generationen das Unrecht eines Vaters straft, der ein Volk auscrwählt hat und somit die anderen vernachlässigt. DaS Nene Testament im Gcgcnthcil ist von Milde, Wohlthütigkcit und Unterwürfigkeit dlirchdriingen. Gott wird in ihm vorzugsweise als gut und mitleidig dargestcllt; er nimmt alle Menschen ohne Unterschied der Racc und Hcrknnft als seine Kinder a». Tic Milde und Tcmnth sind sogar bis zur Uchcrtrcibnng an empfohlen, wie in dcnl Gebote, die andere Backe darznkictcn, wenn man auf die eine geschlagen wurde. 'Nun sollen gerade die Inden bis zum Gehorsam gegen diese seltsame Vorschrift dcmüthig sein, während die Christen häufig hochmülhig, gewaltsam, ausschließlich in ihren Neigungen und über die Maßen streng in ihren Gesetzen sind. Wen» die Religionen allein die"Völker gebildet Hütten, so könnten die Inden ganz gut gcwaltthätig sein, während die Christen nntcrwürsig sein müßten. Das Gegcnthcil ist aber der Fall. Man sagt: die Juden sind unterwürfig, mißtrauisch, sparsam und ihre» Angehörigen zugcthan, weil sic seit langer Zeit verfolgt wurden. Aber viele christliche Völker sind auch verfolgt und in verschiedener Weise unterdrückt worden, haben aber unter solchen ^Verhältnissen stets gesucht, sich zu empören Tic Inden haben geduldet und geschwiegen, während die Spanierunter den Arabern, die Polen, die Irländer und andere mehr sich ganz anders betrugen, wenn sic glaubten, Ursachen zu Klagen zu haben. Die vcrhältnißinüßigc Milde der Israeliten hängt also weder von ihrer Religion noch von ihrer Behandlung ab. Tic 'Naturgeschichte allein kann das Räthscl lösen. Die jüdische Racc ist eines der ältesten Cnltnrvölkcr, daS sich niemals mit einem anderen gcinischt--) hat. Während der brutalen Rohheiten des Mittelalters hatten die Inden Handelsbeziehungen erfunden, welche die Völker verbinden, wie z. B. den Wcchselbricf. Sie trieben Künste und Wiffenschaften. Schon vor zwcitausend Jahren hatten sic bcmcrkcnswcrthe moralische und intcllcc tiiclk Begriffe, welche die Tradition um so besser erhalten hat, als die allgemeine Zerstreuung doch die Jsolirung der Racc nicht hinderte. Daher kommt cS, daß ein Israelit, wenn er auch seinem Urgroßvater oder einem weiter-'entfernten Ahnen-gleicht, dennoch die Eigenschaften und Fehler eines civilisirtcn Menschen und zugleich jene schöne Bildung seiner Race besitzt, die von den Künstlern mit so viel Recht bewundert wird. Die. christlichen Völker im Gegenthcilc trete» kaum ans der Barbarci heraus. Ihre Eivilisation hat in Centralcnropa seit drei Jahrhunderten und in Rußland erst seit Peter dem Großen begonnen. Sie habe» noch immer gegen ihre früheren Gewohnheiten des Raubes, , der Ungerechtigkeit, der moralischen und physischen Gcwaltthätigkciten *) Andere Forscher sind über die Unvcrmischtheit der jüdischen Race anderer Ansicht. , Die Red.

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