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Freies Blatt · 1893-06-25 · 64 (25.6.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
64 (25.6.1893)
Date
1893-06-25
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 6. Freies Blatt. Nr. 64. klagten die Untersuchungshaft, letzterer aber »ahm schon vorher ReißauS und wird vielleicht nach Berlin erst wieder znrückkehren, nachdem ihn die Antisemiten bei irgend einer Nachwahl in den Reichstag gewühlt haben werde». Zur Berufswahl der Hilden in Preußen.) Ueber die Berufswahl der tut Frühjahr 1*01 abgegangenen Abiturienten an de» preußischen (^»innasien veröffentlichte Professor Dr. <6 e >» ß in der „Deutschen Sch ul post" (Mär; 1302) einen Aufsittz, der sich ans die Angaben der Schnlprogramme stützt. Die Zerhl der daselbst angeführten Abiturienten betrug 3610, wovon 2453 (0.7 Percentl evangelischer, i>U7 (25 V6 Percent) katholischer, 200 (71* Percent) jüdischer Konfession und 5'Dissidenten waren. Rach der Bolkszühlniig vorn 1. December 1300 lebten in Preußen 64 4 Percent Evangelische, ->-4 4 Percent Katholiken und 1'2 Percent Juden, mithin stellten die Evangelischen 3'3 Percent mehr, die Katholiken 0'2 Percent weniger und die (luden 0 3 Percent mehr Abiturienten, als ihnen der BevölkernngSziffer nach zukommeu müßte. Diese Abiturienten haben sich folgenden Berufszweigen zugewandt: l. Beri>fSzweige, die de» Inden of'en sind:' l^van.ull'che 1cUtl0li!c'ri 1 oubot Tbeologie.. . 47-'. •1 M'edicin... 16-_» IR) Jnra und Caineralia.' . . 4!'-' 167 74 Baufach ..... t)»', *JO 7 Elasfiiche Pbiloloqie. Xansmannsstand. . i;:> in 16 4 Ingenieur unk Teäinikerfaäi . . . . l_> 7!> Bankfach. 4f> 6 L» Bergnnd Hüikensach. J'S i" J Raiurwisienntiäsle». . lll i 7 MaichiNenbansach . : . •_M i Shemie.' . . J;; GeiZtiisne ... lrlekiroiechnik ... IT ri r} Mliheinaiik ... u l;> Rcuere SvraM . i>> . i 1 «fserinanisilk. > o 1 Rationalolonoinie ... . > «);; '.'ankwiritiieban :. i o Jnnunnien . i:»ii -_»>;i II B e ui ' ■:',»' -c g e, d, e d e » I h - e» v e i > ä-1 .' s; n lind- '*4 M Ldeologie nnd Pduologie i:> 1f Miliiar nnd Marine. ■s\ t o Postfach.;üt 1) Steuerfach . . . ., ’S» ii o Beamtenlauibal,». n w u Forstrach. .. IN 7 n Jniainmen . |.',s ir.s o D ie jüdischen Abilurienlen bilden 7'/„ Percent aller Abiturienten Da ihnen nun die oben angegebenen sechs Bernssziveige verschlossen sind' so ergreift die .4,1,1. die der Statistik »idch in dielen Fweigen Untct tunst si»den müßte, also 7' „ Percent von 10*; 10*, tz. h. 13 .Inden, die übrigen Berufe. Auch dieser <^rund muß bermlsichtigk werde», wenn inan, sich über die hohen Kistern wundert, welche die .luden r B bei Jurisprudenz und M'edicin aufweisen. l stillffischr ^citniistsstimiilc» über die Rechtlosigkeit Drr^uDcn. i .'iidtt alle russischen. Journale theilen die Mcinnng der „Roivoje ^L-reinla" und des „<^vafd)baiiiu“, daß die Rechtlosigkeit der (luden :ui .'»lerene des russischen Staates liege. Die „P eters b nrg st i j a L-1 e k o m o st i", welche anerkannterniaßen die russische Intelligenz und n- OaLeinischen Kreise an der Rewa vertreten, schreiben: „,lu Dachen : i ■ifn’fi'r.iuuig unserer nord und südwestlichen (sK'cnzdistricls spielen ne Sic.d'.e offenbar eine besonders wichtige Rolle und wird man deren Einfluß ,n d:r eenen oder in der anderen Richtung als maßgebend nicht nur, 'c-ndern gerade;» als enlscheidend anerkennen müssen. Der "Kund dafür ist 'ehr lei 11 ersichtlich, weil in den Städten die ge -'aininte» geistigen und materiellen Kräfte des Candes sich conceutrirl siuden. Es ist ein allgemeines Entwicklungsgesetz, das noch;u allen Feiten und bei Fen verschiedensten Rationen seine 6'iltigkeit bewährt hat, daß geiüige Strömungen und pölitische Dendenzen immer;uerst m den Städten;» teimen beginnen und dort auch;»r Reise gelangen. Ern nachdem die .lteen »nd die Bestrebungen in der städtischen Bevölkerung feüe Wurzeln geschlagen haben, sangen .sie an, allmälig auch in das flache Vaud durchzusickern. und reißt der Strom schließlich auch die an 'ich träge Vandbevölkernng mit, sofern sie sich überhaupt fähig erweist, dem Eilige der Zeit;n folgen. Und wo immer es sich in der «beschichte um die politische Zuverlässigkeit und die Reichstrene eines wichtigen «fsreuzgebietes handelte, suchleir die Staatsmüniier vor Allem die städtische Bevölkerung;u gewinnen und diese für die Idee der Reichseinheit zu begeistern, in der richtigen Erwägung, daß die Vandbevölkerung noch nie die politische Initiative ergriffen habe. Man nehme int» ein beliebiges statistisches Eoinpendinm.zur Hand, und man wird sehen, auS welchen Theilen die städtische Bevölkerung der fragliche» russischen Grenzgebiete besteht. Die Juden mache» die große Mehrzahl anS. Zu Anfang der Achtzigerjahre, .als die Jude» »och aus dem flachen Vande daselbst wohnen durften, setzte sich die Bevölkerung in den 07 Kreisstädten deS sogenannten rechtmäßigen AnsässigkeilSgebietes auS (»7 Percent Juden »nd 43 Percent Richtjiideii zusammen, unter welchen daS eigentlich orthodore, nationalrussische Element eine verschwindende Minderheit bildete. Glaubt man etwa, daß es den rnssischen Inden ein besonderes Bergnüge» macht, in diesem eigenartigen Ghetto eingesperrt zu bleibe»? Und klingt eS nicht wie Hohn ans die Gerechtigkeit und auf den gesunden Mensclp:» verstand, wenn man die jndenfresserischen Srgane darüber jainmern hört, die Inden hätten daS Gebiet in Beschlag geMinmeu und sie wären die Herren im Cande! Dieser Borwurf ist thatsächlich mit dem Aerger darüber gleichbedeutend, daß die Geächteten, allen gransamen Bersolgungen znin Trotz, doch »och zu leben und selbst sich fort znpslanzen wagen,' statt eil müsse Selbstmord zu begehen. Man drehe und wende sich, wie man wolle: die für die russischen Staatsiuteresse» so eminent wichtige Frage von der .moralischen Eroberung' der nord- und südwestlichen (Grenzgebiete, welche jetzt bei der Feier ihrer hundert jährigen Eroberung durch das'Schwert dem national-russischen Staate so fremd sind wie zur Zeit der Polenherrschast, ist von der ratio nellen Lösung der Judensrage in Rußland schlechterdings nnzertrennlich. und will der russische Staat jene.Reichslande' wirklich gewinne» und dauernd an sich fesseln, so muß er sich zur vollen Emancipatio» und rückhaltlosen Gleichberechtigniiq der Inden im Reiche entschließen. Der erste und iiiiningängliche/Schritt dazu ist die Aufhebung der fluch beladenen Sperre: die Sessnnng deS RiesentäsigS, den Heuchler und Rarren das .reä'luiäßige Ansässigleitsgebiet der Inden' genannt haben " — Die ,.Rn ßIaja S chiza", welche sehr große Popnlarität a» der Rewa besitzt, schreibt: „Die Frage von der wirksame» Berschmel zuiig unserer westlichen «sKenzniarken mit dem Innern deS Reiches ist mit der Vosuug der viel diSculirlen Judensrage identisch, und ivird die Rnssisicirniig der stceichslande ohne die Proclamirung der vollsten Gleichberechiignng der Jude» nie und nimmer gelingen." Die „R n ß lija B.' j e d o >» o st i", das Drga» der Moskauer' lluiversiiät, lasten sich wie folgt vernehmen: „Das ernste Bestreben, unser iv.st liches (Gebiet in Wahrheit russisch zu machen, und das zähe Festhalte» an deni alten Unrecht gegenüber den Juden schließe» sich gegenseitig ans, und wer lein Heuchler und Phrasendrescher ist, muß gestehen, daß unsere, eigenen Vebeiisinleressen eS gebielerijeh erheische», jenes llnreäit endlich einmal weit zn machen." Die „R e t> j e 1 jdas älteste j Wochenblatt im Ezareureich, veröisentlichl ans demselben Anlaß einen! „Das lmsterisclie Element i» der Politik" überschriebenen Artikel, in welchem, es heiß«: „Es ist unser national russisches llnglülk, in den; wichtigsten Fragen des Staalslebeus die überlegende Bernunst nicht I zum Wort toinmeu .zu lassen^ vielmehr >ich lediglich durcli die dnullen . «^esühle der erregten Veideiischast und durch lmsterische Vemucii leite» . zu lassen. Mag man mit den Pnbliciste» im .Graschdanin' und in ' der Rowojc Wremja' sechs Dage lang I>erumdispntiren und ihnen sonnenllar beweisen, wie sehr sie durch ih>e. wüste Judenhatz die besten Interessen des BaterlandeS schädigen, am siebenleii Dage betommt man j doch den brnlaleii Bcachlsprnch zur Antwort: .Wir ivollen leine Inden! . Die mnssen von der heiligen-russischen Erde ansgerottet werden!' Und ' — damit Punttunl. Es ist überflüssig, erst des Vangere» zn beweise», daß wichtige polilische Fragen nicht nach Maßgabe der Eingebnug lmsterischer Anfälle nnd kranlhastcr Veidenschasten benrtheilt oder gar behandelt werd-m können! Auf die .Ausrottung' der Juden werden die braven Patrioten noch lange zn warte» haben, und inzwischen — - stehen die Räder des weltgeschichtliche» Fortschritts trotz alledem nicht still." Aus antisemitischen Vereinen und Der " sammlungen. «Tic Bauern »nd der AnliskliiitisiiiiiS > Am lehiverslossenen Sonntag gäben die '-Wiener Amüemilen »lieber ein senchl fröhlich politische» Gastspiel auf dein flachen Vande. I» Gros; Enzersdors wurde» die Wiener Dlan Hänpl ringe durch die Pfarrer der lliugebung sowie durch die ihren Seelenhirteu u» bedingt gehorchenden Schäslein solenn einpiailgen, wofür sich die Wiener Gäste damit revanchirlen, daß sie den arme» Bäuerlein de» Marchseldes die schlennigsle Rettung ans all ihrer wirihschastlichen Misere versprachen. Tr. Geßmann spielte, „in die Vage de» bäuerlichen Siandes rechne delolat hinznstelle», wieder

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