Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 64 (25.6.1893)
- Date
- 1893-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 64. Freies L l a t t. Seite .6 Makel auf meiner Ehre und aus meinem Gewissen macht mit da-? »eben „»e>traulich. Meine» Feinde» verzeihe ich, u ögen sic auch nur verzeihen! Allen Jenen, welche meiner Witwe und meinen Waisen Gnies Ihn», lohne cS l^vtt reichlichst! (Bcrffani's Gkschäftspraxis.) Ter «in ff lionshof verhandelte vorigen SamStag die Nichtigkeitsbeschwerde der Herren Alexander Scharf und Edmund Mayer, welche vom Wiener Schwurgerichte wegen Ehrcnbcleidignng, begangen durch einen Bcrgani'S Geschäfts Praxis erörternden Artikel der „Sonn und Montags-Zeitung", zu Geldstrafen von 1000, --beziehungsweise r>m) fl. vcrnrthcilt wurden. Der Vertreter der Beschwerde Tr. Somary machte eine Walte von stl'nllitätSgründcn geltend nnd betonte unter Anderem, das; der Gerichts Hof, wiewohl die Anklage Bergani's gar nichts darüber enthielt oder behauptete, als hätte Alexander Scharf den betreffenden Artikel durch Rath oder Befehl veranlaßt oder als hätte derselbe den Artikel znm Drucke befördert, dennoch eine solche auf Scharf Bezug hallende Eventnalfragc zugclasscn habe, waS eine Ucbcrschreilnng der Li läge bilde. Im Bcrlanfe seines PlaidoyerS bezcichnctc der Berlheidigcr auch jene NechtSbelchrnng des Präsidenten für falsch, 'nach wclck>er alle de hanptetcn Factcn von den Angeklagten bewiesen werden müßten: wo eS sich ni» de» Nachweis der Unchrcnhastigkcil handle, lönnc dieser auch durch den Nachweis einzelner Faxte» erbracht werden. Bei Be fprcchnng des objcetivcn Thalbcstantzes ersiincrtc Tr. Somary daran, daß das „Teutfchc Bolksblatt" in einem heftigen Angriffsartikel gegen die Südbahn sich äußerte: „Warum zahlt die Südbahn das Geld, daS sic für Inserate und Pauschalien anSgibt, nicht den Waisen'/ Ja für die Zeitungen hat man Geld, weil man sich vor ihnen fürchtet"; daß dasselbe Blatt aber vierzehn Tage später mit der Südbahn einen Beitrag abschloß, wonach cs niuimchr für die Aufnahme der Publi eationcn der Anstalt ein Pauschale" von l Al Nt fl. erhalle. Ter Easialionshof gab der Beschwerde theilwcisc statt. Tas llrthcil gegen Mayer wurde zwar bestätigt, dagegen das gegen Scharf aufgehoben und der selbe frcigcsprochcn. TaS frcifprcchendc Erlcnnlniß wurde damit bc^ gründet, daß die Stellung der Eventualfrage unbegründet geivefen fest TaS „Tcntfchc BolkSblalt" kann feinen Acrgcr über diesen Freispruch nicht unterdrücken und gibt ihm in einem Artikel Ausdruck, welcher , die Uebcrfchrift hat: „Ter Jude A. Scharf frcigcsprochcn." Es ivcift darauf hin, daß Scharf mit feinen Processen „entschiedenes •('»huf" hat, erinnert an den AnSgang des Vucger'schcn Beufchl ProecffeS und sindct, daß die Bcrgani'fchc (ftefchästSpraris anS der „Prüfling ans Herz nnd silieren" durch die Trichter aus dem Bolke „rein und unbemalelt" hervorgcgangcn fei. , ' (!ckalholische Arbeiter sttge» de» Alltisciilitisilins.) Tie social rcformatorischc Thütigkcit der Pscnncr nnd Vicchtcnstein muß eine sthr wenig überzeugende Wirkung haben, sonst wäre es nicht möglich, daß auch jener geringe Brnchtheil von Arbeitern, die, der Soclaldcmokratw abhold, bisher eher den Ehristlich-Sorialcn Hilfstrnppcn beistellten, sich nunmehr zu offener Stelliingnahnic gegen die Antifemilcu vcr anla^jt sicht. In einer am l 4. Inni in Nudolfshcim staltgefnudenen und etwa von ftOO Personen bcsnchlen Bcrsammlnng des „tatho l i f ch c n B c r c i n c S der b c r n f s g c n o f s c u s ch a s t l i ck> c n H and' werter und Arbeitet' T estcricid)s" sprachen sich fast alle Ncdncr in der schärsstai Weise gegen die Antifemilcu, Ehristlich So eialcit nnd deren Führer ans. äTbmann ücoth betonte, daß die bcrufsgcnosicnschaftlichc Bewegung sich Ebensowohl gegen die „ofsirielle" Tocialdemokralic als gegen die antisemitische und cljristlich sociale Be ivegnng richte. Ter Be re in sei ein echt katholischer, und gerade darn in vcr d o m m c er den A ntisemiIis m n c> n » d d i c glc ichwcrthigc christlich sociale Bewegung. Metall aibeiter Kuglcr erklärte, das arbeitende Bolk könne mit der „Per lrclnng" der Toctoren und der Prinzen (r)iuic: Viechlenstein!), welche sich im Parlamcnlc gerne „voltsfrcnndlich" gcbcrdcn, dnrchans nicht zufrieden fein. Tc» Arbeiter solle der Arbeiter, den Hatidtvettcr der Handwerker vertreten. WaS verstehe Inm Beispiel ein Advocat von der Schuh- und .stlcidcrindustric'/ Ter könne wohl Stiefel reden, aber leine Herstellen. (Große Heiterkeit. Nufe: Vucgcr!) Anstrcichergehilse Schätzt sagte: Wir sind Ehristen ntid nichts als Ehristc». "Ter wahre Ehrist aber ist weder antisemitisch noch christlich social, denn diese Schlagwortc stcha> mit der wczhrcn christlichen Moral in vollstem Widerspruche. Tiefe AnSführnngcn tvprdcn mit lebhaftem Bcisalle ans genommen. i (Auch ein „stiitlialmord".) Tic Polizeibehörde von Sl'dowa Winnia halte sich am «>. Inni mit einem sogenannten „Nilnalmord" zu beschäftigen. ES hatte sich nämlich in dem Städtchen das «Gerücht verbreitet, daß im nachbarlichen Torfe die Vcichc eines Mädchens von einem Hunde ansgcgrabcn tvordcn sei, welches die Inden zu „rituellen Zwecken" gelödtct haben. Ter dortige «Geistliche gab sich alle Mühe, um.zu bewirken, daß die-leichtgläubige Menge dieieni «kürüchtc nicht «Glauben fchcnlen solle: der Polizeibehörde ist cs aber gelungen, der Sache ans den (>«rnnd zu kommen. Tgs. Biädchen -tt iiid» voii de» Inden, sondern vom eigenen christlichen B a t c r eri.rordcl tvordcn! Tamil ist auch dieser „ürilualinord" 'nr >-ie Antisemiten nubranchbar geworden. - .. (Zn dt» dtlUschril N^chc-tüstSwühlt».. An, -'«>.. Inni gelangte daS richtiggcstcllte Ergcbniß von ReichstagSwahlcn zur Berönent lichung. Tanach erschein«^ gewühltTTl Eönscrvatjvc, l t? Eandidaken der Reichöpartci, l«> 'NationaPViberale, ■) Eandidatcn der Freisinnigen! Bereinigung, dO Eaiididaten des EentrumS, I-' Polen, 4, Antisemiten, i -4 Social-Temokrate», I Wild Vi Krater, l Tänc, '2 .Eandidatcn des i bayrischen Bauernbundes, 7 clcricalc Elsässer, 4 Eandidatcn der snd! dctitschcn Bolkspartei. 17'.' Stichwahlen sind crfor erlich. "An denselben! sind bcthciligt: d4 Social Tcinokraten, 73Pcatio>wl Vibcralc, 7>2 Eon j scrvativc, .">- Eandidatcn der Freisinnigen BoltovmTci, 1^ Eandidalen i des Ecntrums, lM der üceichSparlei, 10 Antisemiten, 14 Eandid.atcn -! der Freisinnigen Bereinigung, 14 Polen, 10 Welfen^ Eandidalen .. j der süddeutschen Bolkspartei, I vom nicderbayrischen Bauernbund, *! '2 vom Blind der Vandwirlhe, l elsäsnscher Protestler, l clcricalcr; Eliässcr. Im zweiten.Berliner Wahlkreise haben die Eonservativen bc-,! schlossen, bei der Stichwahl, die zwischen Birchow nnd einem social j demokratischen Eandidalen anSznsechren ist, sich der Abstimmung zu > : enthalten. Man führt diesen Be'chlnß ans-die Erbitterung. der Tivoli Brüder übcx-daS Mißgeschick des Professors W a g ne r. zurück, der-!-nicht einmal der' Ehre therihanig wird, in eine Stichwahl zu kommen. Tic „Bost" bringt sogar eine Aufforderung, für cheii^Social Tcmotraten zu stimmen, um Birchow zu verdrängt», und auch anderwärts zeigen sich die sogenannten Eonservativen.. eher geneigt, Social-Tcmo traten direct oder indirect zu unterstütze», als Frcisiitnigcn ihre Stimmen znznwetidcn. Für die Stellung der Antisemiten älteren Tanuns ist iolgende Erklärung des Herrn Viesiermanii v. Sonncnbcrg bczeichtrend: Alle deutsch iaeialen Amiseiililc», inwnderheil eicienigen. die mir in viele» Seien TenlichlandS im crsien Wahlgange ihre Lliimnen gegeben haben, bitte _ ich, bei der Llichtvahl Alaun tue Ma»n"k1ir denjenigen Eandidalen in (hrem Wahlleeite kin;utrcten, der sich vcrpslichlel, >nr die Tecreövoelage zu stinuncn. Alle varlei voliiischen Erwägunge» müssen vor der grosien Sache des Vater lande» iil den Hiniergeund treten. ii?o sich in der Stichwahl zwei Gegner der! Heeresvorlage gegennberstehcn, ist Sliminencmhaltnng am Platze. Insbesondere : haben wir gar keine Ulsiiche, sreisinnigeu Gegneni der Eecresvorlage gegen Sccialdcinokealen etwa zinst Siegeln ve>helfen. Heil zur Arbeit! » A hlw a rd t lehnt daS ihm wieder zügefallene ArnSwaldcr Mandat ab, weil er mit Bcstiliimtlteitdarauf rechnet, in 'Acnsteltin, wo er mit einem Tivoli Antisemiten in die Tlichwglsi kommt,—einen Sitz zu er; lange». Zn Ahlwardt's lvürdigcm Aachfolger in Arnswalde ist Weästs ' anwalt Herkwig ansersehcn. Freiherr v. Mantcuffel lind-'- Stöcker haben noch in >ialan, bcziehnngsaveisc in Siegen Srictj tvahleu dnrchznkäinpsen. - (Proccß Pggsch. Für den k. Inni war. tvic aus Berlin" berickyet wird, nach lviederholicr Berlagnng tviedcr eine «^erichtsvcr hMidlung-.anberaumt, in welcher der antisemitische T-nenilant Paasch , sich wegen Beleidigung des srühexen dcnlschcn «gesandten in Ehina sowie höherer Beamten des Auswärtigen Amtes zn'verantworten hatte. Bor Beginn der Bcrhandlnng verinchle Pziasch in dem UntersueltungSgesäng nisse sich die Pulsadern zu.össncn. In Folge dessen mußte die Erössnung da- Belhandlnng einen zweistündigen Ansichnb eisabren, und es wuldd «^erichtsphyntnel Mil tcn zweig mit der llntersuchnng des Zustandes Baasch' beanslragt. Aachdem da»»' die Berhay-lung,. zn welcher <^c iandlcr v. B.rct.ndt und «^ehcinier Finanzralh Je nie als Zeugen erschienen wärest, eröffnet tvordcn, erklärte der 0''erichtsphttsi.t»s, er habe alis den «f'csprächcn mil Baasch, beiten Berletznltgcn unbedeutende sind, den..Eindönck empsange», das; derselbe »ol lst ä lidiq von Bc r s o lg ni, g S wah n besangen sei, und bcaniragle, ihn einer scchs>vöck)cntl icl>en B eo badt t n n g a nf der E häri l■■ z » ü ber>vcifcn. Bertheitiger ücechlsanwalt He rtw i g lind Staats, anwalt Trefchcr stinilliten dem Anträge zli. Ersterer, stellte jedoch ' in Abrede, daß Z'cin Elient geisteskrank fei: es hübe ihn nur der Selbstmord des z'andgcrichtsratltcs Enrtius, der' in die vorliegende i Angelegenheit Vicht zn bringen versprochen haue, ansgeregl Ter-<^e richzshos beschloß, die Berhatidltlng zn vertagen und Mtaich durch sechs Wochen in der Eharltü beobachten zn lassen. Stecklirikslich vcriolgt.l Ter berüchtigte l^>schäilsanlisemu S ch we n.» ha g e n, der in seinen Angbiiicn gegen de» preußischen Finanzminister Tr. M i g n el. sellgl Ahlwardt nbcrlroisen b^lie, tvird! nnnmehr, wie ans Berlin gemeldet tvird, ftcitbrieftidt verfolgt. Be j kannllich hat Tr. Miguel gegen Schtveunhagen die Ehrenbeleidigltiigs i klage überreicht. Ter lltttcrsnchnngsrichter verhängte über Len «sie