Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 64 (25.6.1893)
- Date
- 1893-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seire XXVIII. Beilage zum Freien Blatt, Organ zur Abwehr der Antisemitismus. flrfoüct hat, wer lagt cs und? Tie Ziffer kann auf Millionen veranschlagt werden. Angesichte des ungemein raschen numerischen Anwachsens der Juden seit-de» hundert und einigen Jahren, wo ne Duldung genießen, iff die Annahme gestattet, daß das Iudenthum, hätte ihin das Ümt; nicht in jeder Generation tau-, sende seiner Binder hinwcggcnomme», heule vier oder fünf, viel leicht zehnmal mehr Anhänger zähle» würde. -Die Differenz ist in den christlichen Nationen ansgcgangen. Einige derselben, wie Spanie» oder Portugal, habe» so viel jüdisches Blut verbraucht, daß sie davon sozusagen dnrchtränkt worden sind. Bon den Ediclcn -des Theodosius und Hcraklius bis zur französische» Revolution hat Israel gleichsam eine Insel oder Jnselgrnvvc gebildet, deren von den Tvtutcn unterwaschene Ufer nach und nach in das Meer sanken, und zwar;n mancher Zeit in solchem Manc. daß Israel von einer gänzlichen Uebcrsluthung bedroh! schien. Nur eine kleine Anzahl, eine verschwindende Minder beit vielleicht der Nachkommenschaft Jacobs ist dem (stauben der Pater bis zum Ende treu geblieben. Die große Mehrheit der zwölf Stämme Hai sich unter das Joch des .«ircuzes begeben und ist seit rangen mit UNS verschmolzen worden: Das Taurwassrr hat sie in den '.'iaiioiKiT aufgelöst. Wer wir auch seien, niemals werde» wir wissen, j ob wir unter unseren Poriabre» nicht irgend eineit dürftigen Inden > ans dem 'Vörden oder Süden zählen. Denkt man an die. säeularen gegenseitig vollzogenen «ireuznugeu, so ernennt man nur mit Mühe in der Abneigung zwischen Jude und Christ die verhängnißvollc <''egnerschast zwischen Semit und-Arier. II. Was nach der «beschichte gilir Bermulhung ist, wird durch die Antbrovologie und das Studium des lebendigen Menschen bc staligt. Tie jüdische Rare ist nicht rein: Es können ebensowenig alle Inden als Semiten betrachtet werden, wie alle Ehristc» das Recht haben sich Arier zu nennen. Was verstehen wir zuvörderst nnier semitischem Typus? Man verweist uns bisweilen ans die; Ehaldäer und die Basreliefs von Ninive, um uns den echten Tupus vor Angen zn führen; ich kenne allerdings Indenttiven, welche wie von der Wand des Palastes von «dhorfabad losgelöst erscheinen: aber ihrer sind wenige. Das semitische Urbild ist für Jene, die darüber den größten Väriti schlagen, gewöhnlich nur der jüdische Tnvus: und der jüdische Tnpus selbst ist dyrchaus nicht so einheitlich oder.so fest ausgeprägt, als man sich hänsig vorstellt. Als , Beweis dient schon, daß Christen und Mohüinmcda.ner während i Jahrhunderten den Iiiden, um nicht mit ihnen verwechselt werden! können. Unicrschridnngszeichcn auserlcgt haben. Heute selbst be stebl die Frage, ob es Einen jüdischen Tlipus oder deren mehrere! aibl. '! Stirne, "bic dichten, geschwungenen Angcnbranen, die oft zusammengewachsen sind, die großen, bisweilen blinzelnden Augen und die schweren, wie halbzufallenden Viöer; die lange, gekrümmte und an der. Wurzel verengte Nase; die mehr dicken Rippen, das gerne zurückweichende Kinn; dies ist, scheint es, das classische Urbild des Inden. Allein, wir müssen zugebcn, daß nicht alle Inden sich daraus zurücksührcn lasst». Man findet nicht einmal bei Allen den charakteristischen Zug Israels, den — gibt cs einen — semitischen Zug, nämlich die gebogene Nase. Mit um so größerem Rechte sind sie weit entfernt, Alle schwarze Augen und Haare oder jene leichte Neigung znin Prognathismus (vorstehenden Kiefer) zu haben, die man bei Einzelnen bemerkt hat. 10’) Es gibt unter ihnen mehrere Uutcrtypcu, welche die verschiedenen Kreuzungen bezeugen. Solchergestalt lassen sich häufig ans den ersten Blick die Juden der verschiedenen Länder unterscheiden. Man muß vorerst gewisse Gruppen von Israeliten absondern, welche vielleicht keinen Dropse^ hebräischen Blutes in den Adern haben. Solche sind die schwarzen Juden Abessiniens, die zweimalhunderttauscnd Fellachas, die offenbar afrikanischer Abkunst sind. In gewissen Gegenden leben sogar, Schulter an Sctnilter, ohne sich zu vermischen, Juden, deren Berschiedcnheit des Ursprungs durch die Hautfarbe angczcigl wird. So führt man in Bvmbalj drei Arten von Inden ans: Weiße, den Levante-Inden ähnliche; Braune, mit dunkler Haut, welche den alten'Namen Bcni-Isracl führen und für Eingcborne Indiens gehalten werde»; Schwarze, welche von gewesenen Sclaven, bekehrten Negern, abzustammcn scheinen. Auch in Persten findet man zwei Arten von Inden, die sich durch körperliche Erscheinung von einander unter, scheiden. Bei den Inden Europas macht sich kein so starker Eonlrast! bemerkbar. Allein selbst dort, wo die Juden durch den Gebrauch j nicht in verschiedene Gruppen geschieden werden, nimmt ein ausmerksames Auge häufig unter ihnen noch nicht recht miteinander verschmolzene Tlipen oder Unlerthpen wahr. Und dies trifft nicht bloß in den großen Indenschasten des Dstcns zu. So gibt es Juden von hohem und Inden von kleinem Wuchs, dunkelhaarige und wieder blonde. Man trifft bei ihnen schwarze Augen und blaue Augen, TIietschnasen oder Stülpnasen neben schmalen und .«irummnasen. Aehnliche Berschicdenhciten zeigen sich, betrachtet man die Schädclsorm oder das Knochengerüst. Die anthropologischen Merkmale sind nicht dieselben für die Juden aller Länder; bisweilen ändern sie sich für die Juden desselben Landes. Gewöhnlich stößt man da aus nicht genügend beständige Merkmale, um die Israeliten unzweiselhast von ihren andersgläubigen Nachbar» unterscheiden zn können. ^ortsktzung iolgl.) ,'ut neige meinerseits, im «Gegensätze zn Renan,"") zur An »altiiu, daß cs einen vorherrschenden jüdischen Typus gibt, welchen man den semitischen nennen kann. Rembrandt hat uns in der Petersburger Eremitage bewundcrswerthe Sludicnköpse davon hinterlaffe».'' Das längliche, meist ovale Gesicht, die schmale i I.- .Iiitlai-in- <•<iiniNH >-t i-oiume n-liai-m.'‘ ■’ '. Ma» kann den Bildnissen, deren Originale Rembrandt Sen Zephartim oder vortugiestidien ZuSen ÄinnerSaine entnommen Kai, Sie Zuteil Ser ungarischen Malers Munkaeni au« «einem große» «Gemälde „Christus por Pilatus" an Sie 2eite gellen. .2lebe aucb Sie „ZuSengeichichren" von Sacher-Masoch, Seren Zllu »rationell iämmlllch von iiraetiliichen «tünstlern ausqeiükrt wurden. Man be «liertr dabei, sah Sie Zeichner in ikrem Bestreben sie «'-enchiozuge Ser Race zu betonen bisweilen, in Sie Larrikalur verfallen sind. (Paris 1888: £.uflntin.) 101i Pergl. Lombroso und tzaichi: ,.I.c «'riuis zxditigue et ks Kevolutions". Franz. Ausgabe, Alcan 1892.» B. l., 2. 148, 149. '“*) Bei den Juten darf man Sem ..Indk-inni sepdsliei»»' keine große Wichtigkeit beimessen. Tie Beobachtungen stützen sich auf eine zu geringe Anzahl von Individuen. 'Vach Pruno-Bey und Loinbroso. wären Sie Juden Afrikas und Italiens aber Tolichokephalen (tzangschädel) oder Unter -Dolichokephalen. Nach den durch Koperniki und Blajer vorgenommenen Messungen wären Sie polnischen Juden gewöhnlich Brathnkephalen (Kurzschädel). Wenn man bei vielen Israeliten den Fehler von, im Berhältniß zum Rumps, zu langen Beinen . hat feststellen können, so ist dies desgleichen bei Weitem keine allgemeine Erscheinung. (Siche de» Artikel „Juden" im ,.Nouveau Dietionnaire du (reographie universelle.“) Man abonnirt das Freie Blatt in der Administration, Wien, I., Seilerstätte 10. Abonnementspreis: ganzjährig ö. W. 2 fl. 50 kr., halbjährig 1 fl. 25 kr., vierteljährig 65 kr. Herausgeber uns verannvonlicher Redacteur: Ern» Biclor Zenker. — Druck von LH. Reißer & M. Werlhner, Wien.