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Freies Blatt · 1893-06-25 · 64 (25.6.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
64 (25.6.1893)
Date
1893-06-25
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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ttr. <»4. Seit« y. . Freier V l a t k. Weib zu cruirc» suchte. Diese hatte nämlich de», -Geiiiciiidcvorstchcr ihren richtigen Namen nicht angegeben, sondern unter Vorweisung eines Zeugnisses der (Gemeinde Zlechan, welches bestätigte, daß ihr Hänschen sammt ihrem Gatte» verbrannt sei nnd sie vier unmündige Binder zn ernähren habe, »in ein Almosen gebeten und sich Per»iela genannt. Nach längerem Forschen wurde durch die Gendarmerie «ruirt, die erwähnte Frauensperson heiße nicht Pcrnicka, sondern sei identisch mit der Angeklagten Katharina Schön bäum. Am 24. Februar d. I. als Zeugin verhört, bestätigte sie, daß sie dem Wschetnler Gemeindevorsteher die von diesem dem Gerichte angezeigte Mittheilung gemacht habe, bemerkte jedoch, es habe der Borfall sich am Nachmittag desselben Tage« ereignet, an welchem sie zum Gemeindevorsteher nach Wschetnl kam: sie licstätigtc ferner vor Gericht, daß die Sache sich wirtlich so zugetragen habe. Am selben Tage mit David Tandler, besten Sohn Friedrich Tandler und Sigmund König confroizlir», bezeichnete sie den Elftere» mit vollster Bestimmtheit als denjenigen, welcher sie bei der Hand erfaßt habe, und die beiden Anderen als Ocnc, die aus dem Nebenzimmer gelaufen kamen; Friedrich Tandler sei ihr auf die Gaste nachgelaufen nnd habe sie zur Rückkehr überreden wollen, Nachdem Katharina Schönbauin behauptet hatte, es sei ihr bei dem Attentate gleich eingefallen, daß die Inden sie morden wollten, und weil vor einigen Monaten im Hause des Tandler angeblich durch unbekannte Thäter ein ähnliches Attentat geschehen sein sollte, wurde» die Beschuldigten in Berwahrnngshaft genoninKn, indem zugleich gegen sie die Untersuchung wegen Mordversuches eingeleitet wurde. Diese wurde jedoch wieder eingestellt, nachdem sich die Unwahrheit der Aeußernngen der Katharina Schönbanm aufs Unzweifelhafteste heraus gestellt hatte. Dieselbe hatte nämlich dem Borsteher Bakala gegenüber nnd ursprünglich auch vor Gericht behauptet, daS Attentat sei am Freitag den 27, Jänner d. I , das ist am selben Tage, an welchem sie zn Bakala kam, rernbt worden, Als aber durch zahlreiche Zeuge» der Beweis erbracht wurde, daß David Tandler am 27. Jänner d. I. nicht zn Hause, sondern in Kremsier war, änderte Katharina Schönbanm ihre Aussage dahin, das; das Attentat am Montag den 2-'> Jänner IS1,);’» vollführt wurde. Diese Divergenz in ihren Aussagen kann die Angeklagte durch einen Irrthnm nicht anstläreu, weil sie ja früher behauptete, .sie sei sofort nach der Thal zn dem 'Wschetnler (Gemeindevorsteher gelominen, nnd weil durch hie Aussage des letzteren nnd das Geständniß der Angeklagten erwiesen ist,- das; dies am 27. Jänner d. I der Fall war. Die An geklagte erzählte ferner, daß sie von dem Borfalle »och ganz aufgeregt zn Bakala gekommen sei, nnd doch hätte sie (Gelegenheit gehabt, sich innerhalb vier Tage von ihrem Schncke» zu erholen. Durch die Aus sagen vieler glaubwürdiger Zeugen ist weiters erwiesen, daß David Tandler Montag den 23. Jänner lans dem Iahrmartte in Frei stadtl >var und das; besten Solm Friedrich am selben Tage sich in Bilaroko anshielt. Auch hat sich die Angeklagte in vielen Einzelheile» ülcer die Anssührnng des angeblichen Attentates, wie Jic dieselbe in illicm AnfenthaltSorte Tnpes schilderte, wiederholt so gründlich wider sprachen, daß ihre Angaben sich - »»zweifelhaft alS erdichtet heraus stellen. Obwohl ferner die Angeklagte nach dem angeblichen Mord versuche noch mehrere Tage in Hvlleschan weilte, konnte sie daö Haus, in welchem das Attentat verübt worden sein soll, nicht finden, sondern befragte am 24. Februar l>"G3, als sie mit einem >R»darinerie postenführer zur Agnoscirnng .des HanseS geschickt wurde, einen in der 'N'ähe dieses Haufxs stehenden Knecht, wo Tandler wohne, und erst dann zeigte sie dem Postensührer daö fragliche Hans. Die Angaben der Katharina Schönbanm leiden auch an dem Mangel innerer Wahr tcheinlichkeit. Sbwohl die Angeklagte früher nie in Hollesctian war, sollen doch die von ihr Beschuldigten sie mit Messern nnd Spagat erwartet habe». Unwahrscheinlich ist auch, daß es der schwächlichen Angeklagten gelungen wäre, drei Männern sich zn entwinden, und daß sie nach diesem Attentate nicht sogleich der Polizei, dem Gerichte oder der (ssendarmerie die Anzeige von demselben gemacht hätte, das; sie .iberhänpt durch vier Tage von dem, Attentate Niemandem etwas ge sagt histte, zumal'sie zwei Tage nach demselben bei dem Bürgermeisterin Holleschan betteln war. Endlich wurde durch den Z'oealaugenschein eonstalirt, das; inan von der Küche aus gar nicht den Tisch, ans welchem die Messer und der Spagat gelegen sein sollen, sehen kann. Katharina Schönbanm wird von der Gendarmerie und viele» Zeugen als verlogene Person geschildert; Beweis dessen ist auch der (Gebrauch eines gefälschten GeineindezeugnisseS zu Betteleizwecken. Die Berhandlung, welche unter dem Borsitze des Z'andeSgerichts rathes Mick stattfand, nahm folgenden Berlanf: Tie Angeklagte erklärte sich für »ichtschuldig; es sei Alles wahr, was sie angegeben; sie habe nicht gelogen. Sie erzählte den" Sachverhalt in tee in der Anllageschr.st dargestellle» Weise. Jin Gegensatz,' Z» ihrer Sei» Gemeinde l Vorsteher Bakala ge«iachlen Angabe, sie sei am '-'7. Jänner i>> Tandler"- Hause gewesen, hielt sie nun daran fest, es sei die« bereit« Monlag dev 24. Jänner 1H!)4 der Fall gewesen. Ter Borsivenbe niachte die Angeklagte auf die vielfachen Widersprüche ihrer Berantwortnng ausinerksam und hielt ihr insbesondere vor, daß ihre Darstellungen nach jeder Richtung den unb.dingte» Eindruck de« Er. logenen nnd Erdichteten machen. Die Angeklagte schwieg hiezu. r- Vorsitzender: Wie stelle» Sie sich daS vor? Ter alte Jude zieht Sie mit beiden Händen gegen eine Thür. Diese Thür ivird geöffnet, im Nebenzimmer warte» bereit« ' zwei jüngere Jude», zwei Messer und Spagat sind vorbereitet. Habe» die Jndvrr wissen könne», daß Sie komlne» werde»? Wie konnten Sie sich aller Drei so leicht-erwehren? Habe» die Juden Sie früher ei»ii|äl gesehen? Es war um die Mittagszeit, Sie waren in der Küche; wurde gekocht? Wie .- grofi waren die Messer? Was für Spagat >vac dar? — Angeklagte: Ich weiß mich daran nicht zu erinnern. Tie Jude» haben niich früher nie gelaunt, ich bin am selbe» Tage soeben in Hollescha» augelangt. — Vorsitzender: Wa« wollte» die Juden mit Ihne»? —.Angeklagte: Ich sage es vor Gericht, sie wollten mich morden oder mir etwa? AehnlicheS anlhu». — Vorsitzender: ' Sie behauptete», daß die That am 24. Jänner geschehen sei; Sie sind noch vier Tage danach in Holleschan heruiugezogen, der Bürgermeister von Holleschan sagt au«, daß Sie am 2ö. Jänner bei ihm gebettelt haben; gegen Niemanden, auch gegen den Bürgermeister, habe» Sie von alldem etwas erwähnt. Plötzlich erscheinen Sie am 27. Jänner beim Crlsvorsteher Bakala in Wschetnl und er- — zählen ihm, Sie seien soeben, da« ist am 27., Kon den Juden angesallen »vorden. Ter Vorsitzende verlas die diesbezügliche Anzeige de« Bakala nnd verlangte-von der Angeklagten Aufklärung dieser Widersprüche. — An ge klagte: Ich war so verwirrt. Auch im Traume ist mir dieser Vorfall wiederholt erschienen. In Holleschau habe ich mich gefürchtet, zu reden, damit mir die Jute» kein veid anlhnu. — Tr. Budik, als Vertreter der Privalbelheitigten: Tee Wichtigkeit der Falles sowie der Umstand, daß eS meine» Elienten daran liegt, daß da» Lügengewebe nnzweiselhaft aufgeklärt'werde, erheischen die Bille, daß . Gemeindevorsielier Bakala, desten angeblicher Handschmerz ihn wohl an einer so kurze» Reise nicht hindern kan», telegraphisch zu Gericht bernse» werde. Bakala scheint mir in diesem Proeesse mehr alS Zeuge zu sein Ich wünsche die »ninittelbalkeit de« Eindrücke«,— Ter GerichlSbos beschloß, dem Anlrage de« Tr. Budik in der Elwägung keine Folge zu gebesi, weil e« sich m' dicier Strafsache nicht um eine überflüssige Reinwaschung der Privalbelheitigten, sondern »in die Uebersührnng der Angeklagten handelt, wozu aber nach der klaren Sachlage daS persönliche Erscheine» deS Bakala, gon dem übrigen« ein t ärztliches Zengniß vvrliegt, nicht nochwendig chei. Ans die Frage des Vor » sivende n, 'woher sie denn überhaupt etwa« vom „Ritnalmord" der Jude» I lvisse, erwide.>-te die Angeklagte, sie habe darüber schon von mehreren fernen gehört und auch voii älteren Personen, denen man glauben mnsse. — Vor sitzender: Rach Ihrer eigenen Aussage lönnen Sie de» junge» Tandler und' den Taglöhner Sigmund König nur für einige Strunden in deip Zimmer, wo ' angeblich die Messer-lagen, erblickt haben. Wie kommt eS, daß Sie sich ihrer so genau erinnern und auch jcvt noch sie wieder erkennen? F- - Angeklagte: Ich erkenne alle Personen, wenn ich sie auch nur einmal gesehen habe; ,ans Tausenden würde ich -die drei Personen, die. mir damals nach dem Veden trachteten, wieder erkennen. — Vorsitzendem- Wie konnten. >>c denn zu der Vcrinnlhung gelange», daß He Messer im Nebenjimmer;» Ihrer Ermordung bereit lagen? — Angeklagte: Ich gerieih durch de» Anblick.der.,Messer i» große» Schieckeu nnd habe mir da» so zurechlgelegt. ~~ E« elsplgte die Einvernahme von Zeugen. David Tandler an« Hollesahm, mosaisch, :>2 Jahre all, Produe|enhä»dler, erzählte, er sei ab, 2-l. Februar d.I?^ : von dem Beziiksgerichte Hollkschan unter dein Verdachte des verluchten B,r brechen« de« n!o>dc« in Hast genommen und elst am 27. Februar au« der Hast enllassen irordeu. Tie Augellagte habe er zum erstcumale-während seiner Hast und sonst im Z'cben nie srnher gesehen. Er sei am 27. Immer i» Kremsier gewesen »i>d habe do>t zu der von der Angeklagten angegebenen stunde mit mehrere» Pcrwnen, die dic« auch bestätigt ln>ben, geschäsllich . ver lehrt. Am- 2.4. Jänner sei er in Freistadtl aus dem dortigen Jahrmärkte gciveje»; er war lin» l> lkhr Früh dahin aufgebrochcn und lehrte erst um ,4 Uhr Rachinillägs »ach Holleschan zninck Er habe daselbst um die Mitlagsstunde mit skuiem Schwager und aus dem Rückwege nach Holleschan mit mehreren anderen P-r sonen gesprochen. Tie Aussage der AugeUagien erklärte David Tnndler sür voll ständig au« der Vust gegrissen: denn sie sei ihm, wie gesagt, zuvor nie begegnet. — Die Angeklagte, mit dem Zeugen consrontirt, gab vor, ln ihm bestimmt denlenigen Inden zn erkennen, der sie am 24. Jänner in der Millag«stunde im Tantler'sche» Ham'e in Holleschan beim Arme gefaßt und in da« Zimmer gedrängt habe, wo die zivei jüngere» Juden sich besanden nnd bie geickMei»» Messer bereit lage>>. — 'Ter Zeuge erltiivte” tiefe Azigabe» als erlogen. — Zeuge Friedrich Tandler, 20 Jahre atz, Sohn des vorigen'Zeizg<-n, gab an, er sei am 24. Jänner in Bislritz am Hostein. einem mehr al« eine Meile von Holleschan entfernten" Cito, gewesen, wo er geschäsllich von Frühmorgens bis über Mittag zu thnn hallt nnd von er erst »m 4 Uhr RachinittagS nach Holleschan. zuriickkehrle. I» Bislritz habe er mit mehrerc» Personen zur kriliiche.i Zeit gesp:ochen Tle Angabell der Angeklagten ‘toten durch »»0 durch sali.n, ec

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