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Freies Blatt · 1893-06-18 · 63 (18.6.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
63 (18.6.1893)
Date
1893-06-18
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 63. Freie» Blatt. Seite 6 | „rituellen Zwecken abgeschlachtct" hätte, wenn sie nicht geflohen wäre. An der Stimme habe sic in einem der Männer den David Tandler erkannt. Diese Angaben des Dienstmädchens erwiesen sich als 'tilgen, trotzdem die Angeklagte auch bei der Verhandlung bei ihren früheren Angaben blieb. Dieselbe wurde dcS Verbrechens der Verleumdung schuldig crkanns und zu dreizehn Monaten Kerkers vcrurthrilt. (Wer zahlt'*?) Wie Vcmbergcr Berichte melde», ist der Mechaniker Ernst Schneider auf einer „SricntirungSreisc" durch Ga lizie» und die Bukowina begriffen. Der Zweck solcher Reisen liegt offen zu Tage. Dagegen ist cS nicht anfgeklürt, wer denn eigentlich die Kosten deckt. (Tic Zlldcil und das Handwerk.) Der ungarisch israelitische Handwerks- und Ackerbauvercin in Budapest hielt jüngst seine 50. ordentliche Generalversammlung ab. Dem Jahresberichte für daS Jahr 1802 sind folgende Daten zu entnehmen: Die Zahl der Vereins- Mitglieder hat sich auf 1210 erhöht, welche 5110 fl. 50 kr. an Jahresbeiträgen entrichteten. DaS Vermögen des Vereines hat die Höhe von 50.580 fl. 00 kr. erreicht. Mit der matcrielleu Ziurahmc dcS Vereines erhöhte sich auch desicn Thätigkeit, so daß im abgclaufencn Jahre 377 Handncrkszöglinge und 20 Stipendisten an der StaatS- Gcwcrbcmittclschnlc und an der Ackcrbauschnle, somit zusammen' 3'.»7 Knaben der Wohlthaten dcS Vereines thcilhaftig wurden. Im ab gelaufenen Jahre wurden 00 Lehrlinge frcigcsprochcn. Ans dem Vermächtnisse Mori; Wahrmann's sind dem Vereine 7,000 si. als 2li pendicnstiftung zu 0'un|'tcn , solcher Zöglinge, welche die Staats (^cwcrbcmittclschulc besuchen, zugekonimcn. Aus der Reihe der ehemaligen Zöglinge dcS Vereines cr.ieltc» drei angehende Meister (ein Tischler, ein Knnstdrcchslcr und ein Bildhauer) behufs ihrer Etablirung Stipendien von 000 bis 500 fl 20 HandwcrkSzöglingc.. wurde» frei gesprochen. 37 Zöglinge, darunter vier Taubstumme, winden prämürt. Ter anwesende königliche Rath Earl HcgcdüS erklärte am Schlüsse der Versammlung, er wisse wohl zu würdige», was dieser Verein leistet, und es bereite ihm stets eine aufrichtige Freude, inmitten dieses Vereines erscheinen und Augenzeuge seines segensreichen Wirkens fein zu können, lassen bekenne er, daß cS keinen Privatvcrcin in Ungarn gebe, ivclchcr zur Entwicklung der vaterländische» Industrie in sohch intensiver Weise beiträgt, als eben dieser Er wünschc nichts sehnlicher, als daß bei allen Eonfcssioncn ähnliche Vereine entstehen sollten, ans daß sich der Wettstreit der Eonfcssioncn bloß ans daS Gebiet des Wissens und der Arbeit beschränken möge! (Crsarc Vombrofo über dc»-A»tiscini1isiiins.) Tas letzte To,», lagsblatt der „Rene» freien Presse" veröffentlicht einen Artikel Ecsarc V o in b r of o'S, worin sich der hochlnrühmtc Anthropologe in erschöpfender und durchaus wissenschaftlicher Weise gegen de» Antisciniiisinus ausspricht. „Der erste Eindruck," sagt der Turincr Ge lehrte, „den jeder Denker empfängt, der sich mit der 5fragt.be* Anti scmitismus befassen soll, ist ein Gefühl tiefen AbschcncS, ähnlich dem jcnigcn des Physiologe» und dcS Pathologen, der gezwungen ist, die ekelerregendsten menschlichen Scerckionc» zu unlersuchen. Aber so wie ' diese von der Wissenschaft nicht übergangen werden könne», so kann und darf der Soeiologe jene Frage nicht vernachlässige», ja er muß sic im Gcgenthcilc eingehend studirr», vorerst, weil derartige außergewöhnliche Erscheinungen, wenn sic einen so großen Umfang annchme», stets der Beachtung wcrth sind, und weil zweitens solche Anomalie», mögen sie nnS auch »och so widerwärtig und verabschcunngsivcrth erscheinen, ihr Entstehen'und die Möglichkeit ihres Bestehens stets irgend einem (besetze verdanke». Und so muß denn der Mann der Wissenschaft seinen Abscheu unterdrücken »nd an die Vösiing der Probleme gehen." Rachdcm Vombrofo nunmehr der Frage vom ethnischen und pathologischen Standpunkte näher getreten, führt er foat: „Tie poli tischen Pseudo Anthropologen, die sich Antisemiten nennen, sage», sie schlügen bloß deshalb so viel Vürni, weil sic verhindern ivollen,. daß man die germanische Rare verunziere und schände. DaS sind, sehr gelinde gesagt, EhauviniSincn, die ivcit schlimmer sind als diejenigen der Franzosen, jedweder historische» nnd erpcrimcntalc» Basis entbehren und viel Achnlichkeit haben mit jenem Wahn der /Adelige»', die ihr Geschlecht z» verderben glaube», wenn sic sich mit .Bürgerlichen vcr eheliche», während gerade umgekehrt die Ehen zwischen Adeligen den Heiraten zwischen Blutsverwandte» nahezu glcichkonimc» und Ent artungcn nach allen Richtungen zur Folge haben. Wie ich schon öfters nachgewicssn, gibt cs in Europackeinen ans einer höheren Stufe der Eultur stehenden Völkerstamm, der nicht gemischt wäre, und ich darf wohl mit voller Sicherheit behaupten, daß in de» wenigen Fülle», in welchen ich aus dem Studium der Hirnschüdcl die vollständige Ei» föruiigkcit der Racc constatirt habe, der Grad der Intelligenz ein bc deutend geringerer ist als bei den gemischten und gekreuzte» Stämmen Ich erwähne nur die Abyssinier lind die Sarden, deren Schädel einander glc chcn wie ein Ei dem ander», sicherlich, weil cs in diesen VündcrpOeinc ethnischen Verschiedenheiten gilst oder weil dieselben durch den cthm chcn Grundtypns absorbirl worden sind. Tic Sardrn beispielsweise. stehe» aus einer weit tiefere» 3tüfc* der Intelligenz und Eivilisatio» als die Sieiliancr. Selbst die Bevölkerung Wiens, einer Stadt, in der ich viele Jahre gelebt, hat durch den Einfluß der - slavische» Racc» nur Vortheile gcwoniic» Reichtverhindern soll man also die Mischehen, sondern, unterstützen und begünstigen in jeder Weise. Der Kreuzung der Raren habe» wir jederzeit große Männer zu vcr danken gehabt. Es genügt hiebei, daß die Kreuzung eine klimatische sei, d h. verursacht durch die unter dem Einflüsse eines anderen Klimas erfolgte Veränderung einer Rare. Derartige Fälle konnte man in der Schweiz gelegentlich der zahlreichen Einwanderungen aus Italien und Frankreich wahrnchnicn, nnd man kann sagen, daß diese Emigranten — Dpfer der confessioncllc» Reformen — es waren, welche der Schweiz deren wirklich bedeutende Männer gegeben habe». Man vergesse nicht, eine weitere', bekannte Thatsachc in Betracht zu ziehen. Dort, >vo cS keine Judenvcrfolgnngc» gibt, der Jude -also vollkommen gleichberechtigt ist mit seinen Mitbürgern, wie in England und Holland beispielsweise, dort, wo er alle seine Fähigkeiten in jeder Weise voll zur Geltung bringen kann, da wirst er sich mit dem Eifer, welchen der Mensch den ehedem verbotenen Tinge» entgcgcubringt, in die Arme der Politik, der Erziehung, dcS Heerwesens n. f. w. »nd verläßt zum große» Thcilc daS Gebiet deS Handels und besonders dasjenige der Finanzspceulalionc», ein Gebiet, daS ihm den Haß, den Rcid und die Mißgunst seiner Mitmenschen zngczogen, und er verdient -- waS ganz besonders in Betracht zu ziehen iss — viel weniger Geld als in den anderen Vünder». Dadurch gibt er seinen Mitmenschen keinen Grund zum Rcid und zur Mißgunst »nd befreit sid vor der Furcht, daßdas semitische Volt mit Hilfe seines RcichthnmS die anderen.Raren über flügcln könnte. Teshalb würde auch der Antisemitisinns, wen» er von Erfolg gekrönt wäre, ei» vollkommen cntgcgcngcsevtcS /fiel erreichen als dasjenige, ans welches er -losstcucrl, nämlichauf die Machtein schrünknng der Juden in finanzieller Hinsicht. Es fei denn, mau vcr nichtc die ganze Rare durch. Feuer nnd Schwert! Aber die Jude» vcr folge», ihnen die Wege der Politik, der Wissenschaft, der Kunst versperren, daS ist zumindest thöricht, weil man ja dadurch nur dazu beitrügt, ihre rommcrricllc» Fähigkeiten immer mehr anSzubildcu und zu rcrschärstn nnd ihren Starrst»» und ihre Bebanlichkcit in Bezug ans rituelle nnd historische Gebräuckse. und Gewohnheiten zn bekräftigen, denn diese Gebräuche und-Eigcnthüinlichkcitrn würden mit der Zeit vollständig - verschwinden,, wenn man die Krcnznng nnd die «Gleich bcrcchtigung der Scunten mit den arideren Völkcrstäinincn begünstigen würde. Ich glaube, daß -mit dem Aushörcn dcS"A»tiscniitisniuS auch der Typn» deS wahren Hebräers »ach einigen Jahrhunderten gänzlich verschwinden oder sich doch nur ans vereinzelte »neivilisirtc Vänderstrichc beschränken würde. .Aber, wird man fragen, wird der Antisemitismus je zu bestehen anshören'? Es ist traurig, cs sagen zu müsse»: aller Wahrscheinlichkeit nach nein! Tenn der. Antisemitismus ist eine ata vistifche Erscheinung, die den grausamsten uud erbärmlichste» Veide» schäften, deren der Musch fähig ist, ihr Entstehen verdankt. Und die Fortschritte der Eultur werden leider steinen große» Einfluß zu Up guustcn dieser traurigen Bewegung ans.znüben vermöge», weil eben u i ch t-da s'E r t c » »t u iß v e r m ö g e», sonder n ausschllcßli ch die blinde Vcideuschaft t je -T riebieder des A nkisemi tlSinnS ist. Auch die neuen, ans der <><rundlage des allgemeinen Wahlrechtes errichteten SlaatSsörmen, welche die liebermacht der' unteren Schichten über die inlcllertucll höher stellenden Elasten zur Folge-habe», begünstigen de» Antisemitisinns, und wie man in Folge alihcrgcbrachtcr Vornrthcilc dem GcbnrtSadel nngerccksterweiie den Vorzug gegenüber den Bürgerliche» gibt, so wird man bei Hosstischcn Wahlen anS doppelten Gründen stets alle anderen Eandidatet, den Iirden vorzichen, selbst wenn diese höher anznrcchnciidr Eigenschaften und Befähigungen anfznrrciscn habe». Und so wird es komme», daß alle Jene, welche sich der Waste des Antisemitismus zu bedienen mrstchen, mögen eS auch geistig beschränkte, unzurichnnngssühigc und vcrloinmene, charaktcr lose Menschen vom Schlage eines Alilwardt fein, ja selbst noch brn talcrc als dieser, von der Menge stets mit ossencn Armen freudig ausgenommen werden. 'Aach dem (besagten waren wir demnach zn dem Schlüsse gekommen, daß cs eigentlich keine Möglichkeit gäbe, den Anti scmitiSinns ans rationelle Weise aus der Welt zu schassen. Ter einzige noch denkbare AnSwcg bestüiide »niuer Ansicht nach darin, daß 'sich die gebildeten, geistig bevorzugten.Jjracliteirnnd Elnikten, zur Vcr t'chmclznng ihrer Religionen zu einer neuen Religion vereinigten, welche weder die vatkeanischc noch die ursprüngliche mosaische wäre, sondern, eine Religion, welche die ijleucn naturwissenschaftlichen-Errungenschaften

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