Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 63 (18.6.1893)
- Date
- 1893-06-18
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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I?’cilaae zum Freien tM.itt. Organ man sic wcnigsicns berichtigen und durcheinander ergänzen. Rehmen wir Iran und Turan, das classische Urbild der Raccngcgensätze; sic schienen zwei Bölkcrindividnalitätcn zu verkörpern, die von einander abweichendsten unter Alle». Man ist daraus gekommen, daß sic wenigerzwei Raccit, als zwei Vandstrichc darstellten: ihr 'Gegensatz stammt weniger von zwei feindlichen Genies, als von zwei sich entgegengesetzten Randgebieten her. I» vieler Hinsicht ist zwischen dem Arier und dem Teinitcn dasselbe der Fall: der den Einöde» Asiens und Afrikas enlrückle Somit büßt viel von seiner scheinbaren Eigenart ein. Ein gut Theil der lange den iiindern Lcm's zugcschricbcncn Eharaklcrzügc kommt thatsächlich nur dem Araber zu, und das eigentlich weniger dem Araber selbst als Ara bien, weniger dem Menschen als der Wüste. Tic Zeit ist vorüber, wo die Annahme möglich war, daß die ganze Geschichte unserer'Welt sich um deiiIAiilagonismus zwischen Arier und Temil drehe. Wie auch die Zchulpcndanten dar über denken mögen, die Plünderung der jüdischen >iausläden durch die tlkinrussischen Mudschits oder dir Arbeiter der Wiener Borslädte ist kein '.Nachspiel zu dein langen Zweikampfe zwischen Hannibal und Lr'ipio, zwischen Abd cr-Rahmau nnd Earl Manel, zwischen Laladdin und Richard vöwenherz. Wederdie >tarlhager, uoel, die Larazcncn leiben etwas mit den Zänkereien des Pastors 2h'tfcv und der Rabbiner zu schaffe», und der angcblicl>e Widerstreit der Inslinekc und des Genies der Arier nnd der Lemilen hat nichts zu tlnin mit den Wahlkämpfen des Prinzen Alois Vieckleusiei» und des Tr. jirouäwcllcr. Bon jener sagenhaften Feiiidscliglcit zwischen Arier und Somit findet sich keine 2pur weder in den hebräischen Bücher», noch in der Geschichte Israels. Weder Bibel »och Evan gcliüm wissen davon. Ter Jude ist daran allezeit unbelbeiligl gewesen.. Tic Bcrwüuschuuge» der Propheten sind vorzugsweise ans semitische Stabte und Stämme nicdergegaugen. Tie Jln-viiidita- Israels und Juda s, der .'Uinrer und der Elialdäer gelten für Temiien. und der Beireier des HauseS Israel/ Eurns, iveläie» der <->'on Judas' „seinen Hirten und Gesalbten" genannt, „Jener, welchen Ichovah an der Hand-h geführt hak," wird als Arier betrachtet. Und wenn später die Juden sich gegen die Grieche» des Anliochns und gegen die Römer des Titus cmvörl üaben, hallen sie sich vor Alerander nnd Pompcjns gebeugt: nnd niemals, mcincs Wissens, hat der Tanhedrin von Iernsalem daran gedacht, den niaee, donischen Phalangen oder den römische» Vegionen die Welt streitig zu machen. /. ' 3o inüssen Ivir denn ans den Hanplgegcnsatz-zwischen Temil und Arier verzichten. Teil man eine gründlichere »ieninniß des Orientes besihl nnd die semitischen Böller nnd Tvrachen in der Rähe slndirt, hat man zwischen ihnen Unterschiede in Litten, Glaubensanschannnge» und Regierung auslanchen sehen, welche nicht mehr gestalte», ihnen ein- und dasselbe Genie zuziischreiben. Tie Einheit des semitischen Geistes in in Trümmer gegangen: die Einfachheit, welche man ihm gerne beimaß, ist verschwunden. Tie geistigen oder moralischen Eharaklcrzügr, ans wclckten man die ideale Gestalt des Somiten gebildet hatte, haben sich, Einer nach dem Andern, verwischt, und zugleich ist der Gegensatz zwischen Semit und Arier verschwunden. Lemilisches Genie, semitische Instinete, semitische Eivilisalion sind abnraete Begriffe ^worden. Man hat in diese Gruppe' neben den Hebräern und den Araber» sämmtliche ähnlichsprachige Rachbarvölker wieder ausnehinen müssen, »fcht allein die Asshrcr und dir Ehaldäer, sondern auch den Phü nizier, den Philister nnd den tstananilcr, die traditionellen Feinde der Hebräer; Bölkcr, die Israel allezeit als sremdblütig wie fremdglänbig betrachtet hatte, Ltämnic, welche die Bibel unter der Rachkommcnschnft Eham's und nicht unter jener Leins aufführt.'") I» Folge dessen bleibt in der Religion wenigstens von fenii ’-') oefaintf \J,Y. '2, 3. ‘‘) Erste» Buch Mose», IX, <>, 1.0. zur Abwehr des AiitncniilisninL. Sei,^ XXiil. lischcm Geist, von semitischem Genie nichts übrig. Es Hut sich hrransgestellt, daß ebenso wie die Arierdie meisten Lerniten lange Götzenanbeter »„?' Bielgvlterer gewesen sind. Auch ne haben die Ralnrträfle zu Göttdrn gemacht und von der semitischen Göller - ^'schichte bis zur arischen ist es weniger weil, als'von Baal oder Aschloreth znnr^-otl des Lina,. ,Seitdem die Enlflehnng der semitischen Inschrisienlnnde nnd die Entdeckung-Babnions-und Rinivcs uns mit den semitischen Göttern vertrant gemacht haben, bat mgn staunend gesehen, wie wenig sie sich im Grunde von ihren ariiche» Gegenüber unterscheiden."^, ■ - Tie Lchranten ziviichcn den beiden Allgöilerheinis werden von! Tag zn Tag düiincr. Tie Göller des Ariers und des Lemile^i,.! männliche oder weibliche, sind Berwandle.. Ja »lehr noch, dasarische Bielgötterthnm in seinem chockisten Ausdruck, dem griechischen Polhtheismns, scheint uns heule mN semitischen Glanbknsüderliefernngen durchlrän-ti. Tie Altäre der Hellenen haben nicht, die „Panagia" oder den Apostel „des unbekannten Gottes" abgewarlet, . um für die o-'olihnien Linnens Weihrauch, zn t'erdampse». Tic Aphrodite des Prariieles ivard ans dem Lchanm des pllöniziichcn Meeres geboren: :>kdoiiis hat beim Betreten des elasstschen TlhmpS seine asiatische Anmnlh und Enbele ihr orienlälüäu-s i^eiolge beibehalten. ' . Man vermöchte also' nielil mehr z-a behanplen, die Ein'golt-- vcrehrnne. sei im Gegensatz znin Arier ein' Erbthe:! des Lemilen. Ter inonothristische b'eisl ist, mit einem Worte, nur den Hebräern, de» Ielioväh-Anbeler» eigen nnd nach ihnen sind danl ihnen de»! Arabern, welche Mohaitimed halb zu Inden gemacht hat. Tadurch steht - die Bemerlnng ist nicht ohne Tragweite der Jude, der Hebräer, unter alten Böllern icmiliicher :>uree nnd Lvrache vereinzell da. Er ist' noch einziger in seiner ^'rN.pve, als der Grieche in der seinige». Er steht allein und hat nicht seinesgleichen nnter det> ..-.Aalioiicit". Er tritt »ich: allem ans der Vinie, er fallt auch ans dein.Rahme» heraus. Um ihn wieder lunem zn bctommen, wieder ans dasselbe. aiivean mit den benachbarte» Semiten zn bringen, in»üte man ihm ein dein snrische» oder dem-.phöniziiäien mehr oder minder entsprechendes Ur Bietgölleribnui an dickten. Ieheval, wäre da schlechterdings eilt Baal oder ei» Jupiter, der seine Rrbenrmbler verschlungen hätte. Mil,-fieser neuen Theorie - jedoch verstl,Windel die lei.-te Lpur vom allen G^geniape zwischen stilistischem Genie und ariänem Genie. - In der Religio» also gib: ,es nichts, was d>n Arier nnd de» Lemilen vre. Grund, aus scheidet: :ttrt- jef»ejitavrbeiilmen nnvermeidl:ch von einander abnniä;e»d^ .Fniunele: Zivu'äe» iluen Begrineu.vom ,>->'dlick-.l:e:! bestehe», leine :ina»stssbar>ii Unterschiede mehr. Ans den Gegenst.n ihrer religiöse» Borstellnngen ,!> r wollte man den -Widerstreit zwischen den: arische» und sem-iiu'che» a^edanten gründen. Ist dieser icheinbareWider'prl.ch be'e.tn.l, was bterbt dann vom Gestchlsvuntle 'des Inre-lletbs" 'oder'der -.'AT-rn: von dem Abgrund, den man zwifäie» der Welt dee»'Lem und der Weck. des Iavbcl .unlängst auigethan'.- '.stanni, rin «^raben. »'.län» die heutige F-or? schung mil jedem Tage mehr und' mehr ansz.ns»licn am Werke ist. Lprickn man uns von Lemilen. io muß ina» ups mindestens sage», von ive'lchen Lemste». denn ilnler di-'w» vetzteren bemerken wir iast ebenso große Unterschiede, nur zwischen ihnen nnd den' Arnas. „Tas 'seniilii'che Genie/' schrieb ein 'Meister in diesen Tingen"-', „ist seinem Wesen »ach einfach: cs begreist »»her die öiini« Jarmesteier: I!-->-h-,i- - :••. l!, - . - l',-.->It!,.>„. Aaäi semlcN'l'ii i^eielirien a-teneaielt-st» , ei 1 ’iiviit:Aiüi■ a>,■ :. .. t-oiren Äamii.ton. iilu'im in ker aviulKi; tu-r»'ln-i’ cm Bcrl>>".-i->'a>>-o 2»inm'.i. nii' in der ieiniiinlie» -.Avilieiogie. das Berhen>a>en Zer .Zalr.ee;,->: -jp.T ei " ", 0>'erate >'o. wie >» de» Ueberlie'erniigen imd eereinenien .Znaeie inan ieinii>>a,e, nanieniüai ctialdäiiciie Ein''lii>>e-.I-erver'zni,eben ge.iianb: in», ,'1'rn'o gm konnie man an' tZNanbeneannliannngen >nnd Cuin,e,»-0r>>u>v,-! nnre,-',-n. iveichr .Znda den Ariern Persiens, den Leerirern des -.'.','aedereinns.eniiel-nr iial.- - Renan: ...»-.-hinn--» N lii-i,,i,- > r 1.— I'.-iu>eiriitiun.--! » vergl. ..Ili«t«ir-!r>'-iwn»l»- ^l- -> Ii»mu>-> ->-».»>•-,ii,r. I. B».