Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 62 (11.6.1893)
- Date
- 1893-06-11
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Freier Platt. Nr. 62. Staategenau präcisirr, ist eine unbedingte Aotdwendigkeit. Tie iclbft, Herr Präsident, habe» im Senate erklärt, daß die Klagen der einheimischen Inden gerechte sind. Telbstverständlich konnten Tie nicht unter „einheiinische" die »atnralisirten Inden meine», da diese nichts zu verlange» habe», sonder» jene, welche im fände geboren nizd der Militärpflicht nachgekommen sind Wir alio, die zu kieier -Kategorie geboren, erlauben uns Ihre llntcrsiülmng zu erbitten. Wir geben und der Hennnng bin, daß unser gerechtes Verlange» eine» Wiedcrball in den edlen (Gefühlen der (Kongreß Theilnehiner finden wild. (Tie Zlldxllvtnolstlllltl in RllßlülldI In der Juni Nummer der Bkonatsschrift „Türken R n s s i,t" lesen wir: Im Tccciiibcr I bciiachrickttiqtc u»$ unser Speeialeorrespondent, daß die Ausdehnung der Mai (i'etepc auf die polnischen Provinzen bevorstäiidc. Früher war cd den Juden in Polen erlaubt, sich niederzulanen, wo sie wollten. Ielet sollen sic unbarmherzig and den Törfcrn in die Städte cjetricl’cii werden. Ticse AnStreibungsbesehle find vcrcmvtorisch und gewähren in einigen Füllen nur eine I4tägigc (nnt,' während welcher die Unglück lidtcit Aiimilit'ii ihre Borbercitungcn »lachen »innen, bevor sic ihr altes Heini verlassen. Tie Redaction der Zeitschrift „Tarkctt Ruisia" bat die folgende M'itthcilung aus SelpiSk in dein Gouvcrneincnt Radom erbalten: Tie Vertreibung der Juden aus de» Torfcrn und vom fände hat in Polen begonnen. In unserem Tisirictc 'sind die daraus bezüglichen Befehle vielen Hunderten von jüdischen Familien zugegangen. In einem einzigen Torfe, Tukboduiewa, find 2’><i Familien in dieser Weise bcbandelt worden. In dem Tiüriet Ronda (»'uzomska, an der Warschau Wiener Eisenbahnlinie, haben 4't> Familien den Befehl erhalten, ihre Heimat zu verlassen. ÄUe diese Familien sind im Handel engagirt und müssen das von ihnen 'erworbene Tigcnihu'i! im Slichc laüen. Hier folgt der genaue Tert eines folchelr Äusweiinngsbesehles. Tertelbc wurde einem Inden in dein Torfe Kamicnn» zngciandt: In ««eniäsii-eit e.-s 'Pt'.: ,-;,!> enl'.'a der Eb-'s rer Polizei IM Tisirictc nmer Cyiii 1"> Feb'.uar a>lr lsf->, crl.i'sen, fortcro i.ti Tie hicinit ju>. .llittn irviaen Wolnivlap. zu'am neu int olnvr Familie jind Ihren Tien.'ril, zu verl.rüen. unl naä> einer Tlie! zu g.",,-w, welche L>e ü.ch nicht >v.i!,r als luezum -'I. Feh:,,.!'. 1-U'l answälll.» können. Tollten Tie diesem Be'.ble nicht Felge leisien, 'V Man regeln erati'sen iverdeu, um T ie zivar.gsivei'e doriliüi zu 'enden. Tie Perton, an die dieser Befehl gerichtet war, ist ein sehr sahiger, tbätiger junger. Jude Nainens >"luofino, der beim Militär ge dient und den nngetrrbtt'.ielien Rang eines NiilerofficierS' erlangt hat. vitittder ans den politischen Provinzen vertriebenen Juden und bereits in fondon auf dem Wege nach Amerika oder dem Tap cingeirotfen Tie find meistens wohlerzogen, und viele von ihnen sind im Besiy bedeutender tHldsummcn. Tic ollöcir in Paläskiim. Ter TlMvandernng von Inden nach Palästina werden, wie ans Iernsalem berichtet wird, fortwährend Hindernisse in dev. Weg gelegt Im Ucbrigen sind die Schätzungeii der in Palästina lebenden Inden stark übertrieben. ’ In Iernsalem leben nicht nrehr als 2.Y bis .‘iO.rttti Iatdcn und' in ganz Palästina nicht mehr als 4:>.<iimi, während bisher die Zahl irrthümltch mit J'M* bis l.')O0tMi angcnouiincn wurde. Tic (Kolonien öcs Baron Hirsch i» Rrgtiikinic». In einer ron Tnde Mai daiirien fondoncr Torrcspondenz wird niitgciheilt: In seinem leisten Berichte an das „Fürcign Chice" machte der britische Bieeeonsul in Rosario einige intcretsantc Mitlheilnngen über, die Tolo men e.s Baron Hirsch in der argentinische» Republik. I»i Frühjahrc I'i'I tarn der erste Trnvp rn'ü'cher Inden in dem fände an: cS ...u,,t im 'Hinzen 22u Pcrionczz. Tie Tolonie, die ihnen überwiesen '.t:;'.';, ir.-gt unge'ähr 1.’) Kilometer von dgr Station PalacioS au 'f'v.vo-? fl.rcs und Rösario-Tisendahn) entternt. Tie erhielt den .'iam t' ..Moi'-.s Biüe" und besieht aus 108 foke» zu je 1 tu» Hektaren, d:e rru.d..; je vier Tectionen zu 22 Hektaren beuchen. Bon 28.r>U 1 anrl'aäiv.'v :.v"t'ch;v Juden, die ivährcird des Jahres 1^'..N in A'.gelii'nieii zntainer!, rvnrd.'n in dieser Tolonie 4t>2 »nlergehracht. Tic wohnen ,n 1"> .rrmlich ausgcüattctcn fehinhüttc», die, je liO Bieter ron ciaandlr eutientt. in einem Halbkreise angelegt sind. Tin TomitI von r: r Heren r rwaiiet eie Anncdlung TaS fand wird den Inden ui Voten von; unge'sbr 'Ul fl. Werth gegen Zahlung binnen sechs Jahren zugcibeil:: nur den Bemittelteren werden von denr außen Uebenden Betrage''»»' Percent Zinsen bercchnct. Tie Rahruug und alles fitr den Äckerban erforderliche Zubehör wird den Tolonisicu beigenellt: de» Preis lne'ür brartchen lie nicht früher zu entrichten, als bis sic es von dem blebertrage ihrer Trnic ',n ihn» iniftanke find. Tic Tvrachc der Toloniuen tü meistens russisch und .deutsch, aber Biele sprechen auch spanisch, und die n-eiftci: verliehen es. Wenngleich sie sich de» fandesgcwohnhcitcn anzupasie» besirebe», behalten sic doch auch ihre überlieferten Branche bei und ballen ihren Ürobbiiicr in hobt». ÄirscHcn. Im November I8‘.H kam ein zweiter Trupp von. 242 Personen (l)y Familien) in der- Tolonie an; da aber die getroffenen Borbercitungcn im Berhältniffe zu der unerwartet großen Zahl weitaus unzulänglich waren, so konnte» viele der Neuankömmlinge nicht sofort unlcrgcbrachk oder mit NrbcitSfcldcrn und Werkzeugen versehen werden.. Tic Folge war große Unzufriedenheit und Desertion in die hcnach i harten liegenden, wo viele der Tinigranlcn an der Seite der Italiener ’ im Taglohne zu arbeiten begannen. Durch eine gute Trnic begünstigt und dank ihrer großen Tparsamkeit gelafig cs bald Manchem, ein : kleines Ttüfi fand zu kaufe» und für eigene Rechnung zu säen. Ttlichc der Tolonisten haben sich bei der Ärbcit ganz unbrauchbar cri wiesen und wnrdcn aus Kosten der (Gesellschaft nach Europa zurückgeschickt nm tauglicheren Trsavmänncrn Play zu machen. Tie argen tinischcn Behörden und das argentinische Puhlicum verfolgen die Tntwicklung der Tokonicn mit großem Interesse, aber eine cndgiltigc Mcinnng über den Werth derselben hat sich noch nicht hcrauSgebildct. Ter Tonsul meint, daß der Erfolg dcS Planes zweifellos nur von der richtigen Änswahl der Tolonisten abhänge. Tic argenlinifchc Regierung, beißt cS, sucht mit allen Kräften das fanden solcher Inden zu vcr \ hindern, die kein (bewerbe haben oder kränklich sind, weil man mit der Ucbcrsü'llnng der Tlädtc durch bcichäsligungslosc Fremde schon früher schlimme Erfahrungen gemacht hat. Wegen der niedrigen Bodenpreise, des großen Angebotes lind der cntwcrthcten fandcswährnng ist gerade der. gegenwärtige Zeitpnnlt sehr günstig sür das Unternehmen. Ter durch die Tolonisatiön gesteigerte Wertb der fändcreicn und die : z» erwartende Resiaurirnng der fandessinanzen (also Tinkcn des Agios': dürste allen Auslagen der (ikscllschasl das l^lcichgewichl Halle». Ter Tonsiil g'Iit so ivcit, zu beltanpteii, daß ' die Anlage nicht bloß Bertricbeuen eine zweite Heimat, geben und s>s ein wohltihitigcs Unter n.ehnicu zn nennen icin wird, sondern mit der Zeit sich' auch wohl zu rentircn, ja eine O'oldgrnbe zu werden verspricht. Ter Bau von j Tnnagogcn und Tchulcn ist bereits in bestimnite Aussicht genommen, : und „Moises 5;ille" dürfte, wie der Toninl zum Schluffe meint, in i nicht sern-'r ->(eit ein „bedeutendes Tcntrnm" 'ein i! ^lu5 antisTmitischz'n IVreinIn und scIMMluNgIN. I 'Ans Der TtlliicidcrliciioiiciisckaftI Ter Tces.-im^, der hiesigen Tck»eib.-r , gcitosseitiämtt.Warl Iellinet, nnirt-c wegen PeruMleming von mehr al; 4<«hj fl. j zu aäit vionaten schivcren .'ietlets, rerschärfl inil cineni Faniage in jedem s Mouätc, vernrlhcilt. Bei der Tä'lnßverhandlnng vor rluem Erlen»t»iß>'eitale i des faitdcsgcrichlcs wurde der Isenofi'ensitia'lsvoeslchcr Fenzl als Ieuge vcr! m'mnien: der Ptäfidcnl confialirle hei dieser Zciigeiivernehiiiung. daß der An! geklagte nnlee gar keiner ToMrvle gestanden ist. Auch der Perihesdiger wies in \ se:ncni'P>atdoiier daraus hin, daß in der Tämeideigenosseiischast eine große : „ Täiiamperei" herrsche. Herr Fenzl gehör! zu den Noiabcln der „Christlich Teeiaien" und ichlt bei lrinem der vom Mechaniker Tchncidcr vetanftallelen , „tfieiverbelaec".. . 'Ein christliches F-tiidlingsskst > Man schreib! Nils: Ter Gciiklalpachiei des „Thristemlnims" und I.eilnngSheiansgebcr von der finken Pahitgaisc gefallt sich darin, >ogar eminent Knmanilärc Bcranstaltangen durch schnnitzigc Glos'en bemdcla zn lassen. Es ist wobl wahr, daß'Tadel von solcher Teile ehrt; dennoch i! ' verlohnt cs sich der Milbe, i» diesem speciellc» Falle daS Eiebahre» dcS „ckirist. lichen" TelavcnhallcrS ein ivenig zu belenchlcit Tie„Zliedcr »nd stiosenfeste", ivclche tmter dem Pi'oteelorate der Erzkerzogin Marie Therese int Belvedere von einer «i'tuvve hochlierzigcr atistolralischcr Tanten veranstaltet wurden, gebe» dem sandcren Patio» Beranlafinng, gegen den böien Juden einen ucnen Hieb z» siihren. indem er de» Belvedereseste», deren erstes von mehrere» Mitglieder» des HoseS und von rund üO.OtK) Personen besucht war, den Eharaltcr von BollS'estcn ad'pricht. Tic Motivirung lautet wörtlich: „Tic fcnle deS beweg lichcn Capiials, Lpeculanlenlliuins und arbeilsloi'en Erwerbs veianstalien prunkende Flieder und ttioscnseste, Blninciicorst u s. >v, in erster finie dazu bestinimt, üieichlhuin, Glan; und Pracht zu zeigen Es ist klar, daß an solchen Beranstallmigen säst mir Angehörige der oben genannten streite theilnehiiicu und daß fie lrov aller Anpreisungen nicht die Eigenart von Polls sestcn haben." Tie Fürstin Metternich und die anderen etwa :•*> Tamsn der Hocharistotiatie, ivclche nicht E!etd und Mühe scheute», »nt dem Tnbcrzulosen heim und der Allgemeinen Poliklinik eine Tpendc von 2h.l)txt st. znsühren zn können, iverdeu als Bclanftallc'.inncn jener Feste diesen artigen Titulaturen den richligen Wcxlh beimefien Doch genug davon, die tvahre 'klächstcnliebe soll nur bei dem „Ersten Margarethcner huinanitärcii Aikolobrüderverein" zu Hanse >ein, um desscnlwillen Bcrgani die Peranstallcriiinen der Nosenseste von einem seiner schäbig, genug enlkohnten Tchristselaven vcrunglimpseit läßt. Dieser Verein veranstaltete' ein „christliches" Frnhlingsfest in Hambcrger's Saallocaliläten. Ter