Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 62 (11.6.1893)
- Date
- 1893-06-11
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Freies Blatt. Seite d I (Ein Nlitioiial-Liberalkr gestcn den Rntiscniitisnlns.) 3» Duisburg hielt der national-liberale RcichstagScaiididat Dr. Ha», mach er am 4. d. M. eine treffliche Rede gegen den Antisemitismus, welcher, wie er sagte, güiistigstensalltz als Ausdruck unklarer Gefühle und Vorfrucht der Socialdcmokratic zu bezeichne» fei. Der Antiscmi tisnius fei weder christlich noch national und ini Widerspruche mit den Eiiltnranschauiigc» aller gcsiltctcn Völker Europas, zugleich eine Schmach nnd ein ArmnthSzcmziiiß für die deutsche Bevölkerung. (Gegen die coitfcffioucllc Tchlllc.) Eine tröstliche THatsache be. deutet die de» Rarennnd Glaubenshaß entschieden.ablehnende Haltung der deutschen Lehrerschaft, wie sic in der vor Kurzen, in Leipzig, der Hochburg des deutschen Antisemitismus, stattgchabten „allgem c i n cii deutschen Lchrcrvcrsa >» ini n » g" autoritativ zum Ausdruck kam. Die Versammlung postulirtc mit großer Mehrheit eine ei» hcillichc, nationale Schule, die jedoch keine Trennung »ach Eoufcssionen kennen, sondern einen simultanen Eharakicr habe» muß Der Referent Schnlinspcctor Scherer üuö WormS sagte zur Bcgründung der These, die Ration spalte sich immer mehr in politische Parteien und Eonfessioucn, der Staat habe aber die Pflicht, im Interesse der VolkSwohlsahrt und auch im Interesse seiner eigenen Eristciiz eine Grundlage für eine einheitliche nationale Erziehung und Bildung zu schaffen. Religion sei keineswegs identisch mit Eonscsszo». Die Religion liege im Geinüth. Ter Staat habe nicht das Recht, den einzelnen Menschen einer bestimmte» Glaubensgemeinschaft zuzusühren, daS sei Sache der Kirche. Der Staat habe bloß die Pflicht, der Hera» * wachsende» Jugend eine sittlich religiöse Erziehung nnd Bildung zu gewähren, deshalb sei, der Staat verpflichtet, nationale Schule» zu cr- ^richte», in denen die Kinder aller Glanbcnsgcnicinschastcn zu nnlcrrichtcn seien. I» WormS exisiirc seit de», Jahre 1824 die Sininltan schule trotz des Widerstandes der Rcactio»: dort sei cS aber noch niemals z» irgend welchen Ausschreitungen gekommen. In Rassau datircn die Ciuiultanschnlen seit 1 >> 17; man habe wohl »och niemals gehört, daß in Raffan besondere Uugchörigkeijen vorgekoinmcn seien DaS preußische Unterrichts >» i n i st c r i»in in » ß t c cs selb st anerkennen, daß seit Einiührung der consessionclle» Schulen die c o n f c s s i o n e l l c n (Gegensätze f i d> w clenlli ch verschärft haben. Im Interesse des Staates nnd seiner Bürger liege c S aber, nicht die e o » f c s s i ö »e l l c n G c g e n - sätzc zn schärfe», sondern dieselben ans; ngleichen. Die Frage der Ausbildung der Heranwachsenden Jugend .sei eine sociale und nationale, aber nicht eine kirchliche Frage. Er »icine, daß eS geboten sei, den (Geschichtsunterricht vollständig wahrheitsgemäß, ohne jede Parteipolitit nnd ohne jede» eonfcssionclle» Beigeschmack;» er , Iheilen. Es wäre ei» großer Rückschritt für die deutsche Enllnr, wenn j die eoiifcssionellen Schulc» in Dentjchland sich crhietlen und vermehrt würden, nnd eS sei Pflicht jedes deutschen Lehrers, für Einführung vo» Simnltanschnlen seine Stimme zn erhebe» Die Anssührungen des Referenten waren von stürmischen -^ustiuiinnngsbezrigungc» be gleitet, gewiß ein Weiche» des guten Geistes, der nocl, in der grsammten Lehrerschaft Deutschlands lebt. (Wicdtr Gilicr. > Rehen de» Engrossistcn in anliseniitisclier Ver lcnindung und Verdächtigung rr >:r Ahlwardt, Paasch, Schneider :c. gibt cs natürlich auch eine ganz erkleckliche Schaar von Kleingewerbe treibende» dieser Branche, von Männern', deren Rainen wir in der kregel erst aus de» Gerichtsvcrhaudlniige» kenne» lesnr», in denen sie gewöhnlich der berufsmäßige» Ehrabschncidcrei überführt werden. Wie ans Rnrnbcrg gemeldet wird, hat dieser Tage die dortige Straf lammer abermals einen Antiscmitcnhänptling Ramens Retter spitz wegen Verleumdung eines christlichen Amtsrichters z» dreinndcinhalb Monaten Gefängniß und zweijähriger Abertennung -der Ehrenreclste vcrnrthcilt. Rctterfpitz ist auch Autorität in. „Rstnal»>ord"jachcn, über »vclclscs Thema er eine Broschüre veröffentlicht hat. Tältio» Branntwein.) Untere Raeeuhctzcr, die aniiiemilische» Branntweinbrüder nicht ansgenonime», machen für alle Verheerungen, welche Dämon Branntwein «»richtet, nicht die hochadcl'gcn Bräunt wciubrenncr, sondern jüdisctze Bcanntweii-Händlcr verantwortlich. Für Nebel stände, die in der Ratur der Sache begründet sind, gibt ihnen immer der Jude den „Sündenbock" ab. Allein bei einiger Sachkenntniß iveiß man, wie. unbegründet die Anschuldigungen der Anlisemiicn sind. In Frankreich;. B. ist der Branntweinhandel fast ausschließlich in arisch katholischen Händen. Wir lesen nunin der .Zeitschrift „Ge snndheit": Ein von "dem Depulirlcn Guillcmct an die sranzösische Kannner über den Alkoholeonsnm in Frankreich cingereichter Vcricht eonstatirt, daß jährlich pro Kops der Bevölkerung' nicht weniger als .8. 1 c> Liter Branntwein verbraucht wkrdcn. Da dieser Verbrauch fast! ausschließlich auf die ärmeren Elassen entfällt, so ergibt sich hieraus, l daß durch den Branutwcingcnnß jährlich der Acbeilerbevölkernng l-0<) | bis 151 tO Millionen Francs entzogen werden. Der Berichterstatter eonstatirt zugleich eine erschrcctendc Zunahme -der „4«l)l der Unglücksfälle, Selbstmorde und Verbrechen, die sänuntlich de», vcrnichrte» Alkoholgcnnß zur Last fallen. In einzelnen Departements.sollen l'.tt Perl eent aller Vergehen und Vecbre«l>eu ans die znnrlnnenbe Drnnlsnchl znrückzusührcn sein, c^nillemel schließ! seinen Becccht mit der Ansicht des Dr. Länecrea», „daß die Alkohowcrgi'knng weniger der L icaniilät als der schlechten S-nalilät des Branntweins' zuznschreibe» sei". Ein Artikel im „Journal des Dübals" schreibt der anßerorvrntlichen Ver niehrnng der Schänken in Frankreich einen großen Ecnflnß aus die socialen Vcrhältniffe zn. Im Jahre 1 gab cs in Franlreich!>l>5 di7.5 Schänken, heute, »achdcni das Land I,l>lIO (MJU Einwohner nach lsTO verloren, werde» deren 440.01:0 czezählt. Im Jahre I ■ betrug der Alkoholeonsnm jährlich I 4t> Liter pro Kops der Bevvl tcrnng, vor etwa Ul», Jahren noch keinen Absinthe jetzt trinken von zehn Eonsnnicnten nenn Absinth, zind bilden diejenigen, die sich mit einem Gläschen begnügen, die Ausnahme. Ans je 8T Einwohner, kommt in Frankreich eine Schänke, in gewissen Bergwcrksdistrielen aus drei Häuser eine. Eine Bessert,ng 'bieser Verhältnisse hält das „Jviirnal des Dc'-bats" für ausgcschlosicn-, weil die Wühler die beste Kundschafl der Schankwirlhe bilden. — Und hat etwa im heiligen Rußland, seitdem nur behördlich gcaichte Griechisch Trthodorc das Vorrecht genießen, Schnapsschänker zn sein, der'Atkcsholeonsum mit Allem. : was drum nnd dran hängt, itgcndivic abgcnomnienL (Kiuidgcbililgc» Der jüdische» Reservisten in RninanitnJ Wie bekannt, sind die Juden in Rumänien Versosgnngen ansgesctzt, welche selbst die russischen an Grause,nitcit nbertcassen Rainentlich die jüdischen Rcsclvikten in,der Moldau sind Tpfer schändlicher Gewaltlhalen . Um die in Rumänien geborenen und erzogenen Männer, welche ihre Blut ftencr entrichtet hatten, znm heimatlosen Umhcrirreu zu zwingen, seque striricn Subpräscctcn ihr Hab nnd Gut, legten Siegel an die Thüren ihrer Wohnungen, nnd die Wcibcr und Kinder dieser Unglücklichen mnßteu unter freiem Himmel eanipircn. Eine Anzahl von Reservisten traf in Bukarest ei», cini bei», Ministerpiäsidcnten Eartagiu Beschwerde z» führen, doch ivnrdc ihnen auch nicht ein Schunnicr von Recht.ge . währt. In ihrer entsetzlichen '.»,'othlage wendeten sich die' jüdischen Re servistc» an eine Vercinignng, .mit welcher wir in Sestcrreich Ungar» nicht smupathisirc»' können, da dieselbe irredenlistische (Gelüste, bekundet, nnd der rvir auch keinen sonderlichen Einfluß ans die Geschicke ihres Vaterlandes beinieffeu können.' Der Erlrintcnde klammert sich an einen Strohhalm, und der Eenlralansschuß des „Vereines einheimischer Inden", wie sicl, die Vereinigung jüdischer-tfceservislen . in Rnmänic» nennt, richtete a» de» Vräsidenten der „rumänischen Enltnrliga" folgendes t^cfnch: .Herr Präsiden,! Wir benutzen den trrtcdigcn Anlaß, wo^Lie-bervorragendsle» -.»cilslieder der Liga sich zu eine», Eongreise veriannnelic. rin, zu cä„„st-.n der unter Fr>-mdherr>chait lebenden Bender eine „uiolulfoti zu lasse», nnd erlaube» uns Ihne» daS Bieniorand»,» zu überreichen, roelcheS unser Verein im Apest dieses Fahre» den geietzgrdende» itörpee» worlegle, liTii der ergebenen Bille, das selbe dem verebrliche» Eong'resse zur DiSenisio» zu tuuerkweilc», dainir auch ivegen Alisb.sierni'.g. unserer Lage eine Reiolvrio» gefaßtwerte, linier „uns" bezeichnen mir jene Inden, die de,» rninänijcheii Staate gegenüber iäninlNichestaatsbürgerliche» Pflichte», selbst jene der Vlnisiener ersntlea, ohne auch nnr die Eoinpeniaiion einer geregelten bürge:lichen Sielluug zn erhallen. Wie Sie, Herr Präsident, ans uni'ereur M'einorandni» eriehcn, gehl nnier An'icche» dahin, daß ein interprelativeS E>clc,> geichasjen wer e, wonach der in de» verschiedenen! bestehende» 'Gesehen vorkonrnieiide A.-Sdrant ,.Fr.e,»der"'dahin aufzitsiisseu >ei, daß ■ darnnter nur Angehörige eines fremde» Staates n meint sind. Eure iolche Jntsrprclaiio» iväre übrigens auch zn», Borlheile jener An,näuen, die ans! Länder», »>o ihnen eine precäre Lage geschast.» ward-, 'ansivanderir, reiveetive! liieher kiinrander». Welches in denn >» W,rklichke,l die.rechtliche Stellung eines ' Rn,nähen, der ans daS »ngari'che oder .rn'N'che S:a.iisbiirge» recht verzichtet, 1 ohne noch die Aneclennung al» rninaiiiiärcc Staatsbürger erlangt zu haben? | Ist er ein Fremder L Rein, da er doch aus «ein trichcres SlaalSbnrgerrechl verzichtet hat. Ist er ein Rnniäne im ge rvlcchkn — nicht ethnische» — Sinne d>s Wortes? täewiß nicht: »achdci» >h»i diese Eig.-»icha>: noch nicht zuerlannc wurde. Ec besindet sich also in einer Sonderstellung, die ,,» ptakiinkre,^Lebe» zu den größten Rachlheilen fübcl. Und gerade gegen diese auch für »»».erriete Sonder siellung richte» sich nnsere Klage,,. Es bleib, feststelrend, Herr Präsident, daß unker-7.sce,»d" mir Jener gemeint sei» lau», der Angehöriger >ineS freinden Staates ist: wir dagegen, die w'ir. Militärdienst leisten, tönn.-n leine F,vinde sei», »achdcin ichon. Arlitel - des Aeerntirnngsgeietzes den c^rnndiätz fenstelli. daß Fremde» dek EintFl, in d>e cnmäni'che Armee unterlagt bleibt. Die loginbe Folge dieses tärnndsal>e.S iväre also alle,dingS. daß nur Angehörige des ruinäni >che» Staates sind »nd nur weit dies a»f ge>'cvgeberi>chei„ Wege »nbi ans gesprochen nnr-.dr, cifjibini um die gleiche Bebandtnng inn den wirtlich Fremde». Ein täeieic al-'d: welches »inere Siellung als Angehörige des ruinänn'che»