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Freies Blatt · 1893-06-11 · 62 (11.6.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
62 (11.6.1893)
Date
1893-06-11
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Beilage zum Freien Blatt. Grgan zur Abwehr -es Antisemitismus. Seit« XVIII. Vieflt. in dem Verfall der christlichen Idee die Wiedervcrgcltung eines vinltcö an dem anderen, -einer fernen an der jüngsten Vergangenheit, so isi's jene des allen Heidenthums, des unsterblichen Heidenlhums würden unsere Neuheiden sagen, welches sich zu gleichem Triumpse über Thora und Evangelium, Jchovah und litirimio riifret. Weniger cigcnllich wiverstreiten dem christlichen «leiste die neue Wissenschaft und der moderne Geist mit seinem verworrenen Zehnen," alS die alten heidnischen Jnstincle, als die durch die Jahrhunderte von bleuem entzügelte Fleischeslust und Hosiart deS »ebene. Tic Abgötterei für die Natur, die Abgötterei für den zum Gült erhobenen Menschen, dies ist der nette viult, zu welchem unsere abendländische Zivilisation zurüekzukehren scheint; und dieser Irr . glaube von dem an Stelle, des göttlichen gesetzten Menschlichen widerstrebt vielleicht mehr noch der Bibel als dem Neuen Testamente, dem Sinai als dem Kalvarienberge. Tic Vergötterung des Geschöpfes, Individuums oder Gesammlhcil, ist die ausdrückliche Verneinung des Judenthums: „Ich bin der Ewige, dein Gott," sagt Ou'l'ouah, „und du sollst keine anderen Götter haben vo^ inemeni Angcnchl." gut, .wird mancher Antisemit sagen; der Jude ist weder die einzige, noch vielleicht die hnuvtsächlichste wirkende Rrasl bei der Enichrittuug der zeitgenössischen V'esellschasl. Tao Jlidcnthum laun v'efabr, als Tprer des von den Zeinen gegen das Ehristcntluini und die christliche Idee geführten Krieges, selbst zugrunde zu neben. Allein, wenn wir von der Vcrjudung der «Gesellschaft und der Zersetzung der europäischen Nationen durch den Juden sprechen, so haben wir nicht, so sehr das Judenthum als Religion, denn als Naee, weniger den Juden als den Zemilcn im Auge. Israel er iätriur uns wie ein fremder, inmitten der modernen Völker ge lagerter Zlamm, welcher dieselben mit moralischer Unterwersung «-und materieller .sincchrung zugleich bedroht. Zehen wir ab von der chrittliä'en Eivtliiakion: der Zn de wirkt zersetzend aus etwas uns nicht minder am Herten liegendes, nämlich unsere nationale Eullur, unser hiüorisches «Riue, unsere fran;onsche, slavische, deutsche Zccle. Viertes Eavilel. Tic Judcii uns Die natioinilc Bcschwcrac. ( Aricr und Zcmitcn.! .. . ..ui ne nisteeuen Bo.k»".' mir Enmanonattstrung. Kamm iü eer :"ir::ii!!U' nr. T-'ttt'äien Reictie tur Welk gekommen?•— Ter Jute , ile a. r.'.ian«. — >>c!<oe Alker t>,-'er Ve>>tnver0-.'.- : II b.-un' habet'. tu Juten, auch nach eer Zernreuung, andatieut ein Volt! — U, l n liebe Vei'viele. — Wie - er C rient Religion mir Aarimialikäk ' ir.-ntiuartf. III Mm;-man im Älvne.ine Re.iienalnnr une Raee iteniineiren? — Welche . >. , l .Be.ter NN leii^ Race— Bitten tir Semiten bei UNS das einzige I r:.1:: i'.nn.ri - — i-.ic r.-ritebt man unter kemiti'cher Rare? j \ B.:t : . i~t-nubernellung ee» ari'chen und tes »emiki'che» i^eni's. — : W.: ui' e . zwi'chen ihnen nch betränkt — '.Hann ein (ihriü die; L.'mue!' .us unu-.'geordnete 'Raee betrachten? '! i «■! .baä;n religiöse!' Beschwerde, die nationale. Nicht die Neligion : und die durch lleberlieserung überkommenen eörundlagkn unserer! christlichen >i'cscll>chasl allein, >ondern auch unsere Nationalität mit unserer Eullur und., unserem historischen Genie scheint der Jude! in Gefahr zu dringen.?ui den Äugen der modernen Völker gibt! es aber kein größeres Verbrechen: alles wird vergeben, nur dies nicht: es ist die unverzeihliche Zünde. - | Man hat unter dem Juden den 'Semiten wiedergefunden, eine; nir die minder Abrahams bedenkliche Entdeckung! Man macht sie | nicht mehr für ihren Glauben allein, sondern auch für das in ihren > Adern rollende Blut verantwortlich. Ter Jude, so sagt man, ist ein fremdes Element, von exotischer Nace; er hat nichts mit uns gemein. Israel ist die Jahrhunderte hindurch ein inmitten der Völker des Abendlandes zerstreuter orientalischer Stamm geblieben. Wenn die Juden nicht mehr den religiösen Fanatismus zu fürchten brauchen, so hat sich etwas nicht minder Leidenschaftliches, nicht minder Ausschließliches vor ihnen emporgerichtet: die Racenabueigung. Das XIV. Jahrhundert wird in der Geschichte das Nationalitäten-Jahrhundert gewesen sei». Das Nationalgefühl, welches plötzlich aus das Weltbürgerthum des XVI II. Jahrhunderts folgte, ist die Großmacht der hundert nach der Revolution gckoiymcnen Jahre gewesen. Es hat unter u»seren Augen und zuin großen Theilc durch unsere Hände Europa umgestaltet und dabei Wunder vollbracht, wie sic seit Geschichlsgedenken nicht erlebt worden, Todle j aufcrweckt und Lahme zum Gehen gebracht. Es ist gefährlich, i diese furchlbarc Macht gegen sich;n haben, tue Juden haben dies j in mehreren Ländern erfahren'. Es war ihnen kciilcswegs anhcim-! gestellt, diese Erfahrung nicht zu machen. Tas durch seine glänzenden; Erfolge oder seine Leiden überreizte Nationalgefühl mußte in seiner Ueberspaniiling über diese Menschen aus anderem Blute herfallen, i welche aus anderen Himmelsstrichen, bisweilen in jüngster Zeit gej kommen waren. Jeder hall sich in seinem tlandc an das, was ihm j wie ein Fremdkörper' im Fleische seiner Nation vorkommt. Solchcr-; maßen hat sich in Deutschland die germanische Ausschließlichkeit j gegen die „Zcmiten" erhoben. Der Jude wähnte sich unter dem Schutze der modernen Duldung iu Sicherheit. Ta kommen seine Nachbarn und geben ihm den tzauspaß, liixd zwar diesmal nicht im 'Namen des Ehristuskreuzes, ' sondern im Namen seiner Väter Isaak und Jacob. Torqucmada j und die alten Nctzcrblulrichlcr noch überbictend, richtet sich der tz>'roll der neuen Judenfresser gegen seine Abkunft, das Blut seincr Ahne»; und wenn der Jude den «Glauben wechseln' kann, so steht es nicht bei ihm, dfc Race zu wechseln. Wenn der Antisemilisinlis im neuen Reiche der Hohenzollern geboren ward, so ist daran nichts Erstaunliches. Man halte ihm dorl seine Wiege hcrgcrichict. Schon nach dem Jahre 1*10 waren die Juden in Deutschland Cofer der deutschen Ziege geworden. Tlirch den beftimmendeil Einfluß Frankreichs befreit, sahen sie sich jener 'siechte wieder beraubt, zu lvclche» ihnen das französische Uebergewichl verholsen Halle. Tic Dcutschlhümler, welche Napoleon los waren, empfanden es mit Enlrüstung, daß Juden sich für Deutsche ausgcben konnten. Vom Rhein bis zur Weichsel erscholl der alte Hcp-Hep Ruf. Sechzig Jahre später hat Sedan beinahe dieselben Folgen für die Juden gehabt wie Waterloo. Das Trompctengcschmcttcr, welches den Sturz Frankreichs begrüßlc, ist von Neuem das Signal zur „Judenhetze" gewesen. Ganz natürlich. Sowie, der Unabhängigkeitskrieg, so mußte auch die Wiederherstellung des Deutschen Reiches die Tculomanic, oder wie cs der jüdische Historiker neunt, die „christliche Teillschthümclei wieder auserwecken. Zur Ztunde, wo das Gcrmaneilthum in der Berauschung seiner wie^ergefundenen Urast Alles, was ihm teutonisch schien, vom .Kriegsbeil des Arminilis bis zlir Bibel Vilther's, in Den Himmel erhob, mußte sich der iirdcutschc Argwohn gegen Israel kehren. War's möglich, meinte der preußische „Junker", daß der Germanismus, der Besieger der Wälschcn Frailkreich«, sich dlirch die Scmilen dcmüthigcn und durch das Judcnthum bändigen ließ? Zwischen diesen beiden Ausdrücken: „Germanenlhuiil und Judcnthum" entdeckte der pedantische überrheinischc Palriolisnius einen natürlichen Gegensatz der Anschauungen. Vernahm man nicht zur selben Stunde, wie Gcrmanenthum und „Romanismus" l Römlingsthum), der neue Naiserthron xmd der alte c^raev: „Geschichte eer Juten", Bant XI. 2. :M. — Bergt. G. Valbert: ..Iln„,m>-> et cltos^s -lu temps present", 2. 78, 79.

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