Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 62 (11.6.1893)
- Date
- 1893-06-11
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/4886575-5439157-5441418--0633-4887146- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
grillige 511111 Freien glatt, Grgan zur Abwehr des Antiseinitisinns. ' Wien, I. Seiferslcitte 10. Die Juden und der Antisemitismus. Fsrrtel unter den Nationen. Po» Änatole Teroy-Aeaulieu vom iraiizösitchc» Zmiilur. Autorinne Ufbersceung. 4. ,>orrieyung. Was hat den Zudcn die Zahrhundcrle hindurch erhallen und fein Anfgcl^cn in den Rationen verhindert? Leine Religion, wie bereits bemerkt, das Ritual, die peinlich strengen Latzungrn und Andachtsübnngen, womit ihn der Talmud umgeben halte. 'Run, diese schirmenden Gebräuche, dieser Harnisch, dieser Rückcnpanzcr von Latzungc», welcher dem Zuden während zweitausend Jahren Lchntz gewährt lind undurchdringlich gewesen, ist durch unseren abendländischen Geist stark beschädigt, im Begriff, Ltück für Ltück auscinandcrzufallcn. «einer schützenden Hüllen beraubt, zeigt das Ziidenthum und mit ihm der Zude sozusagen seine Blöße. Wird es, solchermaßen entblößt und gleichsam bei nacktem t'cibe wie in ei» Bad unserer modernen Säuren getaucht, der zerfressenden Wirkung zu widerstehen vermögen? Und wenn dao geschwächte Zndcnthum sich zersetzen und auflösen sollte, was wurde aus dem Zudcn? '.'äuft dann der Zude, ein unter Einwirkung und Lchutz seiner Religion entstandenes Gebilde, nicht Gefahr, mit dem Zudenthum zu verschwinden? '.'Ran sicht, jenen Borwurf, welchen, der lutherische Pastor oder der orthodoxe Pope so leicht gegen de», Israeliten erhebt, wären die 'Rabbiner gegen den Ehristen nmzukehren berechtigt. 'Auch sie haben Grund zur Bcsorguiß. Manche fühlen, cs und gestehen cs auch ein. x\» den Zudenschaftcn des Ostens sind mir welche ansgcslvßcn, die in ihrer Äugst, die zwischen ihren Brüdern und den Heiden immer noch aufgcrichlctcn künstlichen Lchranken fallen zu sehen, die Erniedrigung .und den Zwang der Äusnahmogesetze nnscrcn verderblichen Frei heilen vorzogcn. Lie meinten,, nicht Ällcs sei für Israel Gewinn in dieser Eivilisation, welche ihm die Well zu erschließen scheint. Wo Ändere den TrinNiph Zions begrüßten, da fragten sich diese, ob man in seinem Liege nicht das Boripiel seines Falles erblicken und ob die Befreiung Zuda's nicht zur Ueberflnthung Zuda's, zu seinem maligen Bersinken unter den Rationen führen müsse. Es besteht zwischen dem Jude» und dem Richtjudcn, zwischen. dem „Lcmitcn" und dem „Arier" immer der Unterschied, daß, was das Zudenthum mit Zerstäubung bedroht, allerdings aus unseren Zdccn und unserer arischen, gcrmano-laleinischen Euitur besteht, während die das Ehristcnthum bedrohenden und unsere christliche Gesellschaft zerfressenden lehren nichts speeifisch Lcmitischcs haben. Man Ihne sich da bei den Arabern um. Der Zude hat jene Krankheit, als deren Träger und Ucbcrtrager wir ihn beschuldigen, bei uns bckominen. Zn dieser Hinsicht steht es gerade so im Morgenland wie im Abendland, in Rußland wie bei uns selbst. Weil entfernt davon jüdische Erzeugnisse zu sein, sind Skepticismus, Materialismus, Rihilismus bei den davon ergriffenen Zudcn lediglich Zeichen und Folge der Racenannäherung, Zeugen der Berührung der. Juden mit uns. Hier wie beinahe überall, in der Reuzeil sowohl als im Miltelalrer, ist der Jude nur eine übertragende .straft, ein Unterhändler gewesen. Die Geisteswaare, die er uns anbietet und absetzt, ist gewöhnlich nicht sein Fabrieat^ne stammt nicht von il,m, er hat sie aus - unseren Werkstätten oder unseren Vaboratoricn bezogen. Höchstens gibt er ihnen Zuschnitt. Äpprelnr. 'Man wiederholt es immer wieder, der Zu de sei nicht selbst Erzeuger, immer mr Zwischen Händler. Biellcicht ist dies hier am richtigsten. Und selbst in dieser Beziehung düukt mir, wird der Einfluß des Zudcn übertrieben. Wenn er bisweilen das.'.'Ronopol dcs.Banlgeschäftcs besitzt, so hat er nirgends jenes des Zdeen HausirgeschäfteS. 'Richls zwingt uns, unseren Bedarf bei ihm zu decken. Es zeigt von wenig Billigkeit, wenn inan dem seinen jüdischen Lpolt, dem israelitischen Lkepticismns, dein semitischen Geiste die Bcrbreitnng - von t'chren zuschrcibt, woinit der Zu de uns häung nur versorgt, weil sie nach unserem Grschmacke sind und Geld cinbringcn. Auch hier gehorcht er mit seinen allen Händlerin,tinelcn dem Gesetz von , Anbot und Rachfragc. Dort, wo Beide, Öcr jüdische Geist und der christliche Geist, das alle Gesetz und das neue, chrc Herrschaft bewahrt haben, ist der Gegensatz der Anschauungen beiweitcm nicht >'o groß, als man bis weilen sich vorstellen mag. Gewisse Ehrisien sprechen von jüdischem Geist und von Zudenthum in einer Weise, als hätten Bibel und Reucs Testament nichts niileinaiider gemein. Man scheint zu vergessen, daß Beide im Grunde denselben Gott, dasselbe Zehngcbot, dasselbe Liltcngcsctz haben'. Bei derselben Gläubigkeit des'Zndcn für die Thora und des Ehrinen für das Rene Testament, be stünden zwischen Beiden weniger GegenscHc als Achnliäikcitcn. Träfe man in unserer moderne» «Gesellschaft keine andere Aendrrung als die Ersetzung einer rein christlichen Eivilisation durch', eine jüdische oder jüdisch christliche, die Gotlesidee, der sittliche und religiöse Gedanke würde auch fortan über unserer Gesellschaft walten. - Bedarf es des 'Rachweises, daß die ,'ich in unserer abendländischen ' Welt vollziehende Umgestaltung nicht daraus beschrankt ist? Daß in dein Enlwicklungsproeeß-des «Gedankens lind der Gesellschaft der Reuzeit etwas Anderes liegt als die Rücktet,r. Europas zu Zern salein.? Wohl mit Blindbeit geschlagen wäre, wer darin lediglich die. verschütte Rache der Lnnagoge au der Rirche,- die Ucbcr windung des Rreuzes durch den siebenarmige» Veuchler erblickte! Reden wir also doch nicht von „Berjnduirg" der christlichen Ge sellschast. Wären die tilirinen' mehr ..Ebrnieu" geblieben, so ver möchte der Zude wenig gegen den Ebrisle». Was ilir die „Ber judung". unserer modernen «Gesellschaft beißt, löninen Ebrine» und Zsraelile» ebensogut die — man verzeibe mir den^sprackiwidrigen Ausdruck „Berbeidung" uuiiwer Gesellschaft nennen. „Arier" und „Lemiten", entchrisiete Ehrinen und euljudelc Znden kommen, vrakliiä, genommen, auf eine An unbewußten Heidentlsnins hinaus. Wahr iii: Lem und Zavbel gleiten, von demselben Wind forlgelrieben, Schulter an Lchulter, denselben Ab hang hinab. Unsere schwer'Wuzen abendländi'chen Raeen, welche das Evangelium mit Mühe dem Eullus von Llon und >iran eu: rissen hatte, sind im Begriff, in ihren alle» Raruralisinns zurück zusiuken, welcher jetzt noch dazu jenes Lagenschmuckes beraubt nt, der einen poetischen Lchleier über ich« gebreitet haue. Und Israel selbst, zum Hüter'des lebendigen Gvltesbegriffes äuserseben, Zsrael, welches feine Propheten schon in alten Tagen mit so schwerer Roth den Altären Moloch's u>zd Baals,streitig zu machen vermochten, Zsrael, durch das Glück entnervt und müde des Wartens auf de» Mmias der Gerechtigkeit, scheint, gleich dein alternden Laloma, . des Bündnisses mit dein Ewigen zu vergessen, um auf den Hohe!> fremden Götzen, siamosch u>,d Aichlorclh, Ränckieriverk zu opfern. 4I) Pergt. weiter unroii Zet iaee Tarnet: , Ter 'jüdv'äie Geiü" .