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Freies Blatt · 1893-06-11 · 62 (11.6.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
62 (11.6.1893)
Date
1893-06-11
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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£eite 4 -> freier dick» Maulhelden heilig als der Sca»dal und die Zersevnng, Ohne cige.il,icheS Ziel, ohne positives Schöffen ist sie nur von Hast nnd Mißgunst und dem Bestreben geleitet, brutale Jnstincte zu füttern und die Unzufriedkiiheit zu ».ihren. Und tiefe Partei nennt sich „christlich feciale Reforinpartei"! Pfui! * Bester ist die „Tcuisiiie Nationalpartei", welche aus 17 Mitglieder» besteht, Im,t ihren Führer Tr. Steinwender verführt, ist sie aber heute schon so zienniäi in daS Fabrivaffer deS ÄnliseiniliSinus gelangt u»d verschmäht cd als „dnit'.b-nationale" Partei nicht, die „Bereinigte deutsche 4,'tnfe" in der Presse luif in Beriannnlungeir »nf daS Heftigste aiizngreifen und zu verfolgen. Nur krankba'ter tLhrgei; und das Bestreben, um jeden Preis eine Fllhrerrolle spielen zu wollen, veranlasten den an ihrer Spitze stehenden Politiker, seine Parteigenossen! »nier welchen sich, so mancher ehrenwerthe Mann befindet, zu verleite», üait mirluns, gegen uns zu gehen. Tie Ver'ammlung begleitete die Ausführungen des Abgcorducte» Rotimaqr mit lebhaftem Beifall lind votirte ihni einstimmig das vollste Berkrauen. 'Wer lebt im goldenen Häuschen?) Tie Xvriuv" ivikknctcn kürzlich in einem mehrspaltigen Artikel den Koliner Berhältn.isien nähere Betrachtungen, die überaus bezeichnend sind und die jüngste» Behauptungen des jungkschechischen Abgeordneten Tr. Sil im bohmi'chen Landtage über die Koliner Zustände in einem drastischen Vid)to ei scheinen lasten. Jenes Blatt schreibt unter Anderem: „Wir haben lang geschwiegen, allein das herablastcnde fächeln dieser Herren gegeniibcr den bedaucrnswerthen Begebenheiten der letzten Wochen »öibigi uns zu folgenden Beincrkungen: Tie antisemitische Frage ist l'ente leine eonseistonclle Frage, sic ist eine sociale und änticaprtalistische.- Bbr Herren ans jenem goldenen Häuschen, blickt um euch, wie viel Bilden in den letzten zwanzig Jahren in Kolin reich geworden sind? Tie leben vielleicht bester als ihre Ahnen, sic erziehen sorgfältig ihre Kinder, allein nur etwa zwei oder drei können sich rühmen, Vermögen angciaminelt zn haben. Wer aber in Kolin reich wird, und;>rar ravid, sind die Herren, welche in jenem goldenen Hänschen zn- 'ammcnkomme», Tort wächst das Bermögcn der Einzelnen, und wir kennen sagen, diese Herren treffen cs — bester als die outen! Wenn :: t den Teiltet an die Wand malen werdet, so ist cs möglich, dag e:nmal das Geld lischt dort gesucht werden wird, wo cs nicht ist, aber dort, wo cs ist! , , , Vang haben wir geschwiegen und diese Ber liäiniistc nicht berührt. Wir sind uns bewußt der ernsten Folgen dieser Bnbliealion. wir sind aber auch allsgerüstct mit Beweisen über die .»izeliien Penönsichkeilcu. . .“ Das Blatt erörtert dann verschiedene ieeale nnd persönliche Berhäliniste und kommt ans die in Kolin mit besonderer Verve betriebenen Tchlagivonc: _Svüj k -v-iiln", „Kaust nicht bei den Juden!" :e, zu sprechen, wobei cs des Näheren, aus eiiianderictzk. daß diese Schlagworte dem bloßen Brotneid entspringen, iiiid daß durch die Enifesselinig des Hastes und der Verde,ischaftcu den Buten die Abnehmer abgejagr werden sollen, Tie Tcclamaiioiicn des Tr. S:i im Vandlage über patriotische oder nnpatriotische lsiesinnnngen .der Koliner bilden seien bloße Phrasen, denn in Kolin hätten sich die Buden bei allen Gelegenheiten als Tschechen bethätigt. Filimaner Handelskammer.) Herr Antonio Walluschnig stellt cs entschieden, in Abrede,- daß die von ihm für die dortige Handelskammcrwahl propagirre Eandidatcnlnic eine anlisemitischc gcweicn wäre, Cinc (yrinncriing aus dem Zahrc 184n.> Ein vor viclcii Bahren eri'chieuencs Buch, „To sprach der König" betitelt, enthält die ‘H'cCc:i, Proclamationen, Toaste des Königs Friedrich Wil Helm IV. Unter den vielen Tepntalionen, welche der König nach seiner Thronbesteigung empsing, erschien auch' am 17, Juli 1640 eine Tevniation des Beistandes der jüdischen Gemeinde von Berlin, Auf! deren Ansprache erwiderte der König: „Mil Bcrgnügen habe ich die schönen Worte rernonimcn, die Tie, meine Herren, eben an mich gerichtet, Tie sollen bei mir gut ansgehoben teilt. Bei dem Patriotismus, den die jüdischen t^emeindcn meines Ttaakcs und besonders die Ber luier zeigen, läßt sich schon weilerbaucn, und cs soll, vcilasten Tic sich daraus, weiter gebaut werden. Wenn der selige, König daS Werk, das er begonnen, nicht vollendetes wenn in einzelnen Provinzen die bürgerlichen Verhältnisse der jüdischen Unterthanen, wie z, B, in Boien. noch zurückstchcn, io lag dies in Umständen, die man, ohne ungerecht zn sein, nicht beseitigen konnte, Toch freut cs mich, daß, w:c ich höre, auch dort die Buden sich immer mehr der bürgerlichen . "'l.ichstellnng würdig.machen Meine Herren! .ich bin, glauben Tie; s mirkein Anhänger der blinden Vornrtbcile früherer Jahr-!! sudeile Rndols v. Gllkisk Über Den Anllscinikismus. Ter Vorsitzende des Berliner Vereines zur Abwehr des Ankiseinikismus geheimer Dbcr e. . ",> P,-oftüor Tr Rudolf v, Gneist, um seine Meinung über j S I , t t. Nr. 62 den Antisemitismus befragt, äußerte sich brieflich wie folgt: Als alter Parlamentarier habe ich mich jederzeit zu unserein vcrfaffungsmäßigen Grundsatz bekannt: „Tic Freiheit deS religiösen Bekcnntnisteö der Bercinignug zu Rcligionsgescllschasten und der gciiicinsanicn ReligionSübnng wird gewährleistet. Ter Genuß der bürgerlichen und staats bürgerlichen Rechte ist unabhängig von. dem religiösen Bckcnntniste." , Zn diesem Grundsatz der heutigen civilisirtcn Nationen bekenne ich mich »och nnd halte mich verpflichtet, dafür einzutrctcn, wo er verletzt wird, Teil einem halben Jahrhundert im richterliche» Berns thätig, halte ich cs für meine Pflicht, für daS verletzte Recht des schwächeren Thciles cinzutretcn, sobald ich dazu veranlaßt bin, insbesondere auch in der Presse und im politischen Veben der Wahrheit und dem Recht zur Geltung zu verhelfen gegen vorsätzliche Entstellung und Verleumdung. Als alter Politiker habe ich die Erfahrung gemacht, daß der Appell an den gemeinen Sinn der Menge zum Zwecke des Stimmenfangs nur kurzlebige Erfolge erzielt, welche in keinem Vcrhältniß stehen zu den nachhaltigen Verlusten der Partei, die sich zu solchen Vcrbrüecruugcn verleiten läßt. Dies sind die Nächstliegende» Gründe, ans denen ich dcui Vereine zur Abwehr des Antiscinitisiiius bcigctrcten bin und darin mitwirke, so weit cs meine Kräfte erlauben. (Tic crstc hebräische Buchdruckern in Berlin.) In der Berliner „Volkszeitung" finden wir folgende historisch intcressante Notiz: Tie crstc hebräische Buchdruckerei in Berlin legte merkwürdigerweise der 1 tiO.'i zum Hoiprcdigcr berufene Tr, Daniel' Jablonski an. Tiefer Geistliche war ein großer Dricntalist. Mit Vcibnitz betrieb er die Errichtung der Tocictüt der Wissciischaftcn und wurde Dircctor ihres orientasischen Departements, 17 .'>3 sogar Präses der Tociclät. ,Tic Niederlassung der Juden in der Mark seit I(>71 gab ihm brauch-- bares Material an Setzern und Leitern für eine hebräische Buch druckcrci. Unter den cingewandertcn Inden hatte sich ein ziemliches literarisches Vcben entwickelt, Tie Kabbala-Tchwärmcrci war damals in Berlin groß. Geweckt hatte dieselbe ein gewisser Jacob aus Wilna, den die Brandenburger 1066 bei der Eroberung TfenS gefangen ge nommcii und nach Berlin gebracht hatten, wo ihn seine Glaubens genossen auslöstcii. Er war ein Anhänger dcö 1070 gcstorb-.ncn Tabatthai Zcwi, welcher als Messias ausgetreten war, nnd der unter, den Inden weit n»d breit ^Anerkennung gesunden hatte. Kabbalistische Spielereien waren seitdem in Berlin im Schwange, Zur Krönung 1701 hatte Wolf Timon Brandes dem Könige cinc Festschrift gewidmet, in welcher er durch kabbalistische Zahlen spiclcreien nachwies, daß bereits im. cinuiidzwauzigstcn Psalm die Erhebung des Kurhauses Brandenburg zur Königswürde, ja selbst Sri und Tag der Krönung vorausgcsagt sei. Ter König nahm die Schrift gnädig entgegen und ließ über dieselbe seinen gelehrten Hofprcdigcr ein (Gutachten abfasscii. Ter feine Hofmann bezeichncte die Schrift „als des Trnckcs nicht unwcrth, zumal der Mann nach dem OViiie seiner 'Kation nicht leicht clwas Besseres und Sinnreicheres unserem allergnädigsien König z» Ehren hätte beibringen können". Selbst der Rabbiner Simon Berndl apvrobirtc ein kabbalistisches Werk nnd nannte cS „süß nüd angenehm wie vom Sinai hinabgcflosscn". Und einem anderen Kabbalisten, Ncchcmja Ehajnn, der im Jahre 17l.i aus Palästina kam, approbirtc der Rabbiner Aron Benjamin Wolf ein Werk „Gottes Macht", in welchem er die Treihcil deS göttlichen Wesens nachwics, Aron Sanincl, Branntweinbrenner und Bierbrauer, schrieb eine Bibclconcordanz nnd überreichte sie dem Kurfürsten: Vevin Tavid, ein Buchdrucker, wer faßte eine hebräische Grammatik. Von 10U7 bis 1734 erschienen in Berlin drei Talmud-AnSgabcn, die cinc 'von Tr, Jablonski selbst (171 ö bis 1721). Sciycr Druckerei, ans der auch cinc hebräische Bibel hcrvorging, standen Vcvin Tavid nnd Wof Salomon vor, und cs arbeiteten in ihr jüdische Setzer, ((yin antisemitischer Fälscher.) Wie der Pariser „Matin" bc richtet, erfuhr Alphons Daudet jüngst, daß rin angeblich von ihm verfaßter Roman unter dem Titel „Frau Potiphar", übersetzt von Paul Heichen, in Berlin im Verläße von R, JakobSthal er schienen sei, Daudet bat aber nie einen Roman unter diesem Titel geschrieben. Ans dem Umschläge dieses Romans kündigte die Verlags buchhandlniig ferner daS Erscheinen der Romanc „Vili“ von Zola und „Wickclpnppchen" von Adolf Bclot, in Uebersetzungen von dem selben Hcichen, an, obwohl von keinem der letztgenannten französischen Schriftsteller solche Romane existircu, Taudct wendete sich an Bakobs Ihal mit Aufklärung, der ihm einfach antwortete, daß ihn Paul Hcichen getäuscht habe. Es heißt, daß g'gen diesen Mißbrauch der Name» hochgeachteter französischer Schriftsteller gerichtliche Schritte nntcrilommcii werden sollen, Paul Hcichen ist ein berüchtigter Antisemit, nnd seine Fälschung paßt auch zu dem gesainniten antisemitifchen Schriftthnm, welches auf i!ng und Drug beruht und durch absichtliche Jrrcführnug der i'efet Vorthcile zu erhaschen sucht.

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