Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1893-06-11 · 62 (11.6.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
62 (11.6.1893)
Date
1893-06-11
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/4886575-5439157-5441418--0631-4887144
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ihm bkini „üitbcubveiutcn" thätig zu helfe». „Es ist die allerhöchste Zeit" — sagt das „Deutsche AdclSblatt" — „daß die Eonscrvativcn endlich auS ihre»! DstlictisinnS erwache» und sich zn neuem Vcbc» und thatkräftiger Mitarbeit aufrasfen." Lpccicll die Judenfrage hätte» sich die Eonservativcn nie und »immer entgehen lasse» dürfe». Der A»tisciuitisruirS sei die Wcactio» des christlich germanischen (i'ciftc<5 gegen den heidnisch jüdisch inatcrialistischen; er sei der Rainpf gegen eine falsche, verderbliche, unchristlichc Weltanschauung, die mit allen sittlich erlaubten Mitteln ans Vcbcii und Tod zu bekämpfen die Pflicht des deutschen AdrlS sei. Itm so erfreulicher sei die endliche Aufnahme der Judenfragc in das rouscrvative . Programm, desto dringender »othwcndig die schleunige Erfüllung der berechtigten anriscnlitijchen Forderungen. „2iHr bcschioörcn di.c Eonscrvativcn spwohl als auch die Regicrn»g, diese mit fast clcinentarcr t^cwalt sich bahnbrechenden Wünsche des loyalen T heiles unseres Volkes, die unter dem Gcsaniiutnamcu „Antiscniiliöinuö" sich kennzeichnenden Rcformbcstr ebnngen nicht zu überhören, sic nicht souverän zu verachten, den mächtigen Ltrom nicht abzndänimcn, und dadurch eine unheilvolle, blutige Ratastrophc hcrbciznführcn, sondern in die richtigen Bahnen zu lenken und ihn dadurch befruchtend und schiffbar zu machen." Kaiser, Fürsten und Reichskanzler werden sodann beschworen, sich au die Lpitzc dieser mächtigen Strömung, dieser „im Grnudc durchaus eonscrvaiivcn Bewegung" zu stellen „und damit de» EonrS wirklich zu einem neuen/ segensreichen, christlich conscrvativen zn mache». Tan» würde Gras Eaprivi als Retter Tentschlands an« den Banden der jüdisch liberale» H»dra und Träger einer christlich eonscrvativcn Locialresori», der llcberwinder der Revolution, der Retter des RönigthnmS, der Besieger der Toeialdeinokraiie, der Rcsorinator Tcutschlands, der populärste Mann der .^cit werden." Dieses TchrisiÜnck ist ein Doeumcnt. Leit dem Erwachen der demokratischen Bewegung tut Ltaatslebcn hat sich der deutsche Adel nie so freundlich zn dem Bolle gestellt, nie so dessen Wünsche zu. den scinigcn gemacht als jetzt, wo dieser Wunsch - - klntcrdrüekung einer Elasic von Äcitbürgerlr heißt.c Und daS deutsche Volk? Wir müssen ihm nach Allem, waS in letzter Zeit vorgefällen, leider die Ärühwinkclci zutranen, auS purem Haß gegen die Juden in die faustgroßen Fußangeln zu treten, welche man seiner eigenen politischen und soeialcn Eristc»; gestellt hat. Aber nachgerade werden doch auch den Blindesten die Auge» anfgehe», wenn eines schönen Morgens Michel verdutzt und täppisch merke» wird, daß zwar der verhaßte Jude mit Hilfe der stiscaction endlich geknechtet, zugleich aber auch die allgcnieinc Freiheit an de» blanblütigcn und schwarzberocktcn Helfershelfern verloren gegangen sei ^Albert v. Deröger (v&unrö Vd'ffcr.i Eine gelegentlich in einem Essais „Heruiann Tchulzc-Dclitzsch und Eduard b'asker" hingcworfcnc Acußernng Gustav' Lchmollcr'S: er halte ein friedliches und harnionischcS Zusammcnlcbcn von Inden .und Christen nur dann für möglich, wenn Beide auf dem Boden der Rantisch Lchlcicrniachcr'schcn Ethik stünden, ist der AuS gangspnnkt für Dr. Leonhard Frcund's Büchlein: „Einiges über Eduard ' l'askcr" lMunchen, 2 Mehrlich's Verlag) geworden. Tr. Freund stand mit b'asker in, naher persönlicher Beziehung: und aus dieser heraus, mit großer Wärme und Lebhaftigkeit, leider aber mit 'geringer Anschaulichkeit und in einem Ltyle, den die übermäßige Anwendung philosophischer Knnsnöorte recht schwer verständlich macht, schildert er l'askcr. Er rühmt des großen ParlainentarierS ^.interkeit der Gesinnung, seine Reinheit der Lebensführung, seinen redlichen Eifer für das Recht und das Rechte. b'aSker war ihm ein Berufspolitiker. der aber auch in jedem anderen Berufe bei einer unermüdliche» Arbeitskraft, bei seinem regen Linnc für alles Bedeutsame — er war nicht nur ein namhafter Publicist, sondern dichtete auch form vollendet — Bedeutendes hätte leisten .müsse», war, »ach Tchmollcr'S schönem Worte, das „öffentliche Gewissen dcS deutschen VolkxS geworden", ohne daß er auf dem Boden jener Ethik stand, die Tchmoller die - alleinseligmachende ist. Auch sein Vater, ein Glas- und Eis^nhändlcr, war nurseiner Rechtlichkeit willen allgemein geschätzt, ohne sich jemals mit einer anderen Ethik alS der Hillcl'S und Tchauiai's beschäftigt zn haben. Laster war in seiner Jugend zum Rabbi bcstiinuit: einen hübschen shnibolischcn Ausdruck hat dies darin gcfundcn, daß er die letzte Ruhestätte auf dem Ehrenplätze des Berliner Juden lirchhofcs, in der sogenannten Rabbinerrcihe fand. Leine Fehler und Lchwüchcn slosicn aus seinen Vorzügen: wie jeder Politiker überschätzte er die Macht dcS gesprochenen Wortes, den Werth der trcsfcntlichkcit wie Jeder, der sich ihr dahingögcbe» hat. Aber kein Erfolg entsrcmdere ihn alten Freunden, die er im b'ebcn vielleicht noch so weit hinter sich gelasic»; immer blieb er in Wort wie That, lehrend wie fördernd, thcilnchmcnd und gut; niemals hat er bei recht bescheidenen.Vermögens- Verhältnissen für seinen Vortheil gesorgt. J'h in st'a n d die A u s g a bc d c S - Iudcnthu ui Sinde r B c't h ä t i g n ü g der a l l g c me inen V r u der liebe, der hilfsbereite» Menschlichkeit; cs schmerzte iyn, die Inden Amerikas nicht auf der humanen Höh^c derer in Tcnlich land zn finde».. Freund stellt den Idealisten b'asker in Gegensatz zuur Realincn Lchulze, in Parallele zn Ferdinand Vorfälle, setzt ihn in» Bczichnng zu Moses Meudelssoh». Wenn dieser die Lynagogc in Verbindung mit der Weltcnltnr gebracht, so verband sic b'asker für immer mit dem Dcntschthum; darin liegt seine größte That für die deutschen Juden. Lchmolker gebrauchte einmal das Wort „Tcntschjnde". In dieser Verbindung liegt eine Lchcidung, gegen die sich Freund mit aller Lchärfe seiner Polemik wendet. Er ist' überhaupt mit lsllück bestrebt, seinen Helden in ständiger Verbindung mit der Zeit, der er angchörte, zn betrachte», nicht so VaMtr selbst als die Bestrebungen # dcS. Judcnthuins überhaupt, sich dem Dentschthuine zu assiiniliren, zn beleuchten. Tiefe Versuche sind uralt; vielleicht wird mau von ihnenan dieser Ltcllc einmal znsamnienliüngcnd Handel» tönncn: sie beginnen ziemlich zeitig im Mittelalter und wirken, immer wieder und kaum durch die Lchuld der Juden alleingestört, fort bis in die Gegenwart. Lv ist denn Tr. Freiind's-Buch keine leichte, aber eine recht eigentlich anregende Veetüve; mag-sein, cs hat eine richtige Lchätznng Eduard l'asker's erst augcbahnt, eines Mannes, den man ciuuiak'i» den Hjmmel erhob, dann zu den Todtcit warf, eines so ungerecht >vie.'S andere, und den man-doch langsam wird würdigen und an jene Ltcllc cinrcihcn müssen, wohin er gehört in . der Ele schichte des deutschen ParlamentarisuinS, der Entwicklung freiheitlicher und verfassungsmäßiger Zustände in Deutschland überhaupt. —v— lFlligschriskc».) Durch die Administration des „Freien Blattes" (Wien, I., Leilerstätte 10) tönncn Gesinnungsgenosse» solgcndc Broschüren gratis und fra»c.o beziehen: 1. Bericht der zweite» Genera lversainin tu ng des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus 1K02. 2. L tcn og r a p h is ch cs- P r o to k o l) der - am T!). Dctobcr I>>02 vom Verein zur Abwehr dcS Antisemitismus veranstalteten Protcstversaminlung. I.. „Die rechtliche Ltcllung der Inden in Oesterreich" von Dr. Gustav Heinrich Fall. Wien IS* (2. Verlag des Vereines ^»r Abwehr des Antisemitismus. 4. Bcricht der dritten G e n e r a l v c r s a m in4 n u g des Vereines zur Abwehr dcS Antisemitismus — Um Weitcrvcrbreitnng dieser Lchristcn unter R i chtgesinnNngSgenosicn wird gebeten! sAntiscmikcnhamilier.) „Antisemilenhainnler. Eine Anthologie ans der Weltliteratur. Mit einem Vorwort von Professor Tr. Jacob Molcschott." Das unter diesem Titel von Josef Lchrattcnholz in Düsseldorf hcrausgcgebcnc Werk -ist' gegenwärtig .im Druck begriffen, obgleich die Truckkostcn von 0Ü28 Mark durch die cingclcitcic Lnbseriptiön noch nicht gedeckt sind. Der Autor hat der Ausarbeitung und LubscriptionSdnrchsührnug des Werkes nun volle drei Jahre Arbeitszeit und weit über seine Verhältnisse gehende Gcldopfcr gewidmet. Lein Gewinnanthcil am bnchhändlcrischcn Vertrieb ist gleiclpRull. Um dazu bciznlragcn, die Herstellungskosten des Buches anszubringcn und unseren Freunden und Gesinnungsgenossen (Gelegenheit zn geben, dasselbe statt zum Ladenpreise von 0 Mark zum LubscriptisnspreiS von f> Mark zu erwerben, haben wir im Bureau dieses Blattes. I. L eilerstattte 10) und im Bureau des Vereines zur Abwehr (l, Pariscrgassc 4) Lubscriptionsliste» aufgelegt und nehmen an beiden Urteil Zeichnungen gegen Baareinsendung jederzeit entgegen. Die Zusendung der subieribinen Eremplare erfolgt franco. Wir laden um so nachdrücklicher zur Bcthcilignn, ein, als" das genannte- Werk laut dem Urthcilc maßgebender Autoritäten in der That das erste Md einzige ist, welches die nichljüdischen Tcfeüsoren des Judcnthttins aller Rationen und Zeiten zn gemeinsamer Wirtnng vereint und .gleichzeitig, durch den Reichrhnm seines Gcdankengehaltcs ein dauernd -werthvolles, anregendes literarisches Vademccum kür Jeder mann bildet. O-tbgcorbitclcr Rottuialir vor iciucit Wöhlcrn > I» Arm Wählerversaininlung iR Leck irchen erstattete vor Ruizein Abgeordneter Rottinayr seiucn Mandanten Bericht über seine Thätigkeii im Reichsrathc. Jin l'anfe seiner Ausführungen kam er auch auf die antiscinitischen Gruppen int Parlamente zu sprechen 'und sagte: Ich komme mm zu'einer Partei, von der ich eigentlich nicht gerne spreche. Ich habe mir, seil ich selbstständig;» deuten anfing, angcwohnt, auch die^Arr sichte» und Bestrebungen der Gegner zu achten, dieser Partei gegenüber bin ich daS aber nicht imstande. Es ist dies die Partei der frechen r'iige, der plaiiinaßigen Berbevung, der bewußte» Unwalirli.il! Nichts ist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.