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Freies Blatt · 1893-06-04 · 61 (4.6.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
61 (4.6.1893)
Date
1893-06-04
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Nr. 61 Freies Blatt. Seite 7. (Soittutulte Belccschli, Distrikt Jassy, geschrieben: Sonntag dcn 14. d. M. kam der Pli ir Ehiriac, in Beglcilung seines Adjnnctc» mit L5» Soldaten i»S Do f und forderte, die jüdische» Einwohner znm sofortigen Bcrlasicn „^ssclbcn auf. Die Juden protcstirtcn dagegen mit der Behauptung, daß kein diesbezügliches Gesetz czistire. Daranf befahl der Primär dcn Bauern, die Karren zu bringen, die Habe der Juden darauf zu laden und diese selbst gewaltsam zu vertreiben; dem widcrsetztcn sich aber selbst die Bauern. Donnerstag, am Jspas Feiertage, zeigte der Primär die Ankunft des Snbprüscctcn an, woraus die Juden ihre Ladern schlossen. I» der daraufsolgcndcn Nacht wurden säniintlichc Läden, ohne Jemandes Wissen, ohne vorherige Jnvcnlar aufnahme,. versiegelt. Der Jude Haber, dessen Frau und Kind wurde», von Ehiriac arg mißhandelt. Schöne Anstande! Rußland ist das leine Paradies dagegen! 21U5 antisemitischen Vereinen und!?er sannnlunaen. (Aullscmitr» niid Soeialdeinolratc» ) I» Tannwald wnrde» Anti seinite» Sleinivcndcr'jcher Färbung, Barcuthcr, Prade :c, welche'bori rille Versammlung abhictle», von Socialdcniolrale», die in großer Anzahl erschienen ivareii, in ihren, Vergnügen arg grstötl. Ein gleicher Schicksal erjuhren die Ehristtich Sociale» in Vrüit», wiewohl die dort gastirende» Freiherren von Morsey nnd Dipauli die Soeialdeinolralc» z» caplivilen sachte». I» Oesterreich waren er belannllich reaktionär antisemitische Führer, welche die Unsitte cinbiirgerlcn, gegnerische VersainnNungk» z» stören: er macht demnach »nr eine» lomiichen Eindrink, ivenn sie jetzt darüber entrüstet sind, das; Andere sich ihrer stainpsinelhode bedienen. (Nicht objektiv.) Tao Rcichenberger Anlisemilknbtgtl erhebt gegen die Leiluilg des Deutsche» Schulvcreins den Vorivicrs, nicht objektiv vorgegangr»;>c ''sein, weil sie bei der Hanplvrrsaintnlaug in Teplitz eine .linndgebnng der Prager agtisemitischc» Llndenienvel-cine nickt zur Perleinng gcbrackt hat. In dieser.stund, gedilttg erklärten der Perei» „Germania", die Bulschciischaslen „Altzia", „Earolina", __ „Ghidellinia" nnd „Teutonia", der Egerländer nnd Lcipaer „Landtag" sowie die „deutschnationale" Finlenschast: Bo» einer «.Massknbelhciligiing" der Studenten uain Deutschen Schulvcrcinc lönuc so la»ge nicht die Rede sein, al«: :,) die Leitnug de« Schulvetein« die Bildnng „pidenreiner" OrlSgeuppen nicht im Principe gestattet; b) so lange der Schnlverein ossen Partei uiinnil siir de» „JlldciiliberaliSinnS", und desieu Sbinann Tr. Beeillos die Ehrenniilglicdschasl deS „Vereines zur Abwehr des AntiseniiliSinuS" nicht znrücklegl; so lange §ie Prager Parteileitnug ihr Vorgehen gegen die dorligcn „dentichuationalen" Vereine nicht änderl »nd iiicht aushört, dieselben durch Todtschweige» und andere Machinationen zu schädigen. — An Dreistigkeit lügt diese Manisestation wohl auch »ach antiseinitische» Begrisscu nichts;n wünschen übrig. Als Preis für den Beitritt der anliseuijlijchc» Slndeulen wird'verlangt: Der Schnlverein soll die Organisirung der Raecnhctzc in seiner Milte dulden; erholt serner nicht nur vom Liberalismus sich leSiagen (nebenbei bemerkt, hat dieser Verein mit speciell liberalen Bcstrebunge» ebensowenig zu schasse» als mit konservative») u»d dein Obmann eine gcbiindcnt Dkarichroulc für sei» Vorgehen außerhalb des Vereines erthkileu, sondern auch de» Tr. Schnichkal dazu bestiniine», sich gegenüber Prager Antiskinileiivercincn so;>t benehine», tvie diese cö wünschen. Wenn eine solche jitindgebllttg der Prager autiseniiiische» Bnbokratie in de» Papicrkorb wandert, so findet dies das Organ der Pradc und Jennel „nicht objektiv". Ein anderes Schicksal ihres Mackwerkco haben aber die Prager Anbcler des hier spendenden „Ostiiiarl-HerzogS" selbst nicht erwartet. (Htrtwlg's Candidatlir.) Rechtsanwalt Hertwig, den die Aiilisemite» im fünften Berliner Wahlkreise für den Reichstag candidireii, sagte i>> einer dort stattgehabten AgitationSversaininlung: Eine Prüfung der VLihällnisic der einUlnen Parteien habe ihn zu dem Ergebnisse geführt, daß die Socialdcmo kratie, der Freisinn, die national-liberale und die sreiconservalive Partei vom Jlidenthum durchdrungen seien, und daß selbst ein Theil der deutsch-conservativen Partei jüdischen Einflüsse» nicht »iizugänglich sei. Gegen diesen fremden Judcngeist sollten sich aber alle übrige» Parteien (welche?) im Sinne des Antisemitismus zusanimenschließen. Dafür, daß »>a» ihn als Eandidatcn »oininirt habe, sei entscheidend gewesen, daß er Antisemit, als solcher in die Oeffentlichkeit getreten nnd stets gewillt sei, dahii; zu strebe», daß der Einfltiß deS JudenthuniS brach gelegt werde. Innerhalb des AiilisemitiSnlttS vertrete er die Sonderrichtung eines einheitlichen RaceuantiscinitiSmus. Man werde, bemerkte Hertwig schließlich, anläßlich der Wahl von gegnerischer Seite über seine Person herfallen. Teingegeniiber »lögen die Wähler nicht vcrgcsien, daß die Perlon nicht« bedeute, die Sache Alles. Diese Schlußworte dürsten, nach der Vergangenheit Hertwig'« zu schließen, nicht etiva von allzu großer Bescheideicheit eingegebe», sondern ei» Act dringend gebotener Vorsicht sei». lDculsch-Iocialcr Parleilag i» HannoverT^-Vorige Weck, saick in Haniwver eine von etwa 250 Telegirle» beichiclte Verianmuniig der Anliseinile» denlsck socialer Färbung.statt De» Vorsitz svhrste Tr. stönig au« Willen. Er sprach über die Beziehunge» der Denl'ch-Socialen;» de» übrigen Anliscnnlenzriippc». WaS speciell die Stclluug Zuw AHNvardliSin»« betrifft, so sei er weil davon entfernt, AHIivardl Steine in de» Weg zu wersen. Durch seine ersten Vioschüren nnd seine sich daran anschließende politische Dhäligkcil habe Ahlivardl den, Anti skinitiruuls einen gewaltige» Dienst geleistet. WaS Ahlwardt durch seine erste Dhäligkeit gut gewacht, daS Hobe er durch sein letztes Auslrele» fast wieder ver nichlkt. Ahlwaldl'S Ställe liege in -sei nein „ManneSinnth", her vor leiuer Perion Halt mache und seine Haut zu Marlte trage, seine Schwäche i» der Vkrallgeinrinernug uud dein .Vcangel an .stritil. Eine furchtbare Dummheit habe Ahlwardt mit der Behauptung gemacht, daß JsidcwLocwe mit de» „Juden slinten" Deulichland habt ivchrloS inackeu ivollr» iin ^tuslrage der .\ 11 in. <■ Nnu-Iiti-. Im Nebligen aber sei daS Vorgehen Ahlwardt'S in der „Judenjlinten"-Sachc eine „patriotische Thal" zu neunen. Um ihn populär zu machen, sei seine Behandlung im „Judenslinlen" Procesie alißerordenlsich geeignet ge wese». - Ahlwardt sei so der inristzenannle Mail» geworden, nnd das sei ihm nicht gm bekomincn. Hinzngekotuinen fei noch da« ^enchinen seiner specielle» Freunde in-Berlin. Die Begrüßung »ach der Entlassung, der Einpsang der - Familie in großer Verstaminlung habe in den weitesten .streife» anständiger Leine Ekel erregt. Da« sei eine traurige Eoinödie gewesen.' Die. kleberreichnng - von Lorder» kränzen statt einer scharfen Ablage sei außerordentlich lurzsichlig ge tveien, Derartige Dinge geben Anlaß, von Radaiianli'cmiliSniilS zu sprechen. Den Anschateungen Ahlwardt'S über •tr» JnvalitensondS stimme er im»Gat>zr» zu. Ahlivardl habesich aber verleite» lassen, Dinge zu behanplen, die er nicht beiveiien lönne. Ta er seine Hanptbeschnldiglilig nicht bewiesen habe, jo sei eS auch nicht viel tvcrth, daß er Anm in seinem Wahlkreise »»»Herreise, Privat coinmi'sioue» wählen lasse und- Eeinödien ausführe, die er vielleicht im Reichs tage gelernt habe. Dr. König beantragte folgende Resolnlio»:. „Der in Han nover tagende deutsch sociale Parteitag hält an der früher seitens de» Partei Vorstände« abgegebene» Erklärnng, haß Ahlwardt -nicht Mitglied der deutsch soeialen Partei sei, fest »nd lehnt jede Verantwortung für die politische Wirliamleil de«. Herrn Ahlwardt ab." EnvaS schärfer gegen Ahlivardl sprach Lieb ermann v. Sottncnbcrg, welcher betonte, der Er Reclor habe Beschnldignugen er' Hobe», ohne sein cigeiteS angebliches BeweiSinatcrial zu kenne». Ter berüchlilzie Dr. Bauer meinte dagegen, man habe eS durchaus nickt nölhig, vor der weitesten Drsseullichkeit eine Absage an Ahlivardl zu richten. Ein gewisser Engelke anS Hannover ivarnle vor einei» allzu scharfen Vorgehen gegen Ahlwardt, nnd Paul Förster »ahm leinen Anstand zu erklären: Wenn »um au ertenne, daß Ahlwardt vielfach daS Rechte gelrossen habe, so n,liste inan für dies Wichtige auch riiil.rele». In sagen, die Partei sei' Nicht snr Alnivaidt ver aimvorllick, weil er ihr nicht angehöre, sei eine Ansslucht, die . er nicht mit machen lönne. Es sinacken »och nielirere Redner in dem einen oder antercn Sinne; schließlich wurde', nachdem Licberma nn noch bedanerl halte, daß alle» Geld für Ahlivardl Versaininlungen daraiisgegange» lei, io daß lebt für den WahlsondS »ichlS rinlausc, die von .stönig vorgeiäilagene Resvlntioii an genoininen. Im ivciteren Verlaufe der. Verstunniliing beschwerte üch ein Pastor Prielsch a»S Langendreer darüber, daß die „Deutsch sociale» Blätter" und' die „Westsälifchc Resörin" daS, Ehristeuihmzi, bewnderS das Alle Testainenl, in inaßlofer Weile angegriffen habe». DaS halte evangelische und katbolijelie Geistliche, Lehrer rc. von der Bewegnng fern. Hier inüsfc der Parteitag c»l schiede» Stellung nehnieti. Paul Förster eewikerle: Der Paneitag habe kein Recht, durch eine Art .stetzergcricht Jeniaird ans der Partei anSzuichließen, wenn^ er nicht gegen das Prograinin verstoße. Herr E n g c l k e sagte rund beranS: WäS Einigen nach rechts nickt gefalle, da« gestille vielleicht Anderen nach linls uinsotnchr. Indessen .iiahm der Parteitag mit großer Mehrheit, solgend/n Antrag deS Pastors Prietich an: . „Der Parteitag belennt sich znin Punkte des deut'ck socialen PrograininS, betreffend die hohe Bedentnug der christlichen Well an'chainuig für sittliche Entivicklilngder Melifchheik, und ivün'cht, daß diefein Punkte mehr alS bisher,Rcchiillng getragen ivcrde." A.iis kein Parteitage erfolgte auch eine .stnndgebung für die Militärv0rlage. Zn kenieiken ivare »nr noch, daß .eciier der Redner im Laufe der DiScussion dein Wimichc AnStrncl gab, daS Jntnstricrillerlhui» inöckle auS dem Parteilebe» beteiligt iverden. Was wäre aber die ganze anlifemilischc Bewegung ohne Jndustrieril.ter? (Vkrschlossklic Dlliirkll.) Mau schreibt der „Franlfurtcr Zeitung" an-S Die; a. d. Lahn, 2-st. Mai: „DaS war vergebliche Mühe," lonnie Herr- Bö ekel mit seinen Adjutanten sagen, die gestern Abends, drei Mann stark, in unsere liebliche Lahnsladt einzogen, nm ihre Ideen auch hier an dcn Mann zu bringen. DaS kam so. Ei» Herr auS 'Weilburg halte in voriger Woche den Stoll'fchcn Gartenfaal für eine W-(>hlelvcrfan»iilullg geinielhel.' At-Dder Besitzer des Local« erfuhr, welche Gesellschaft er zu Gast geladen -baue'/ ließ er dein Ab gesandte» Bückel'S unvcrzjiglich inillhellen, daß er für eine» derartige» Zweck sei» Local nicht hergebe. Tic Antisencile», die bereltS vorher vergeblich versucht hatten hier in Diez ein Local z» finden, klanunerten sich-v eie 'einmal erhaltene Zusage milk machte» Sloll für de» ihnen erwachs. ... Schaden verantwortlich. Darauf ließ Herr Stoll durch die Bürgermcisterei von Weilbnrg den Antiseiniie»

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